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Fritz Reuter

Fritz Reuter, geboren am 7. November 1810 in Stavenhagen; gestorben am 12. Juli 1874 in Eisenach, war ein deutscher Schriftsteller und Dichter, dessen Werk in Plattdeutsch, auch Niederdeutsch, erschien. Reuter gilt demnach als Wegbereiter der Wiederbelebung des Plattdeutschen in der Literatur. Seine schriften zeichnen sich durch feinsinnigen Humor und sanfte Satire aus, wobei offensichtlich wird, dass er es verstand, die Ausdrücke des Volkes respektive dessen Sprache beispielhaft einzufangen. Er nutzte das Niederdeutsche oftmals gezielt als Stilmittel, um Seitenhiebe gegen die Aristokratie und Obrigkeit vor der Zensur zu verbergen. Seine Werke wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, wie etwa das Dänische, Englische, Finnische, Französische, Italienische und Japanische, Niederländische, Norwegische, Polnische, Rumänische, Russische oder auch Schwedische

Lebenslauf von Fritz Reuter

  • 1810: Fritz Reuter wird am 7. November in Stavenhagen geboren. Sein vollständiger Name ist Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter. Er ist der Sohn von Georg Johann Reuter (1776–1845) dem Bürgermeister von Stavenhagen und von Johanna Reuter (geb. Ölpke; 1787–1826)

  • 1812 – 1814: Sein Bruder wird geboren und stirbt 1814. Reuters Mutter erleidet eine Querschnittslähmung und bleibt bis ans Ende ihres Lebens gelähmt.

  • 1816 – 1824: Fritz Reuter wird im elterlichen Haus schulisch ausgebildet. Er besucht die Gelehrtenschule in Friedland. Fritz ist ein schlechter Schüler mit Interessen an Malerei und Turnen.

  • 1826 – 1831: Fritz Reuters Mutter stirbt. Er wird im Friedrich-Franz-Gymnasium (Parchim) aufgenommen. Fritz schließt schulischen Reifezeugnis ab.

  • 1831 – 1832: Fritz Reuter beginnt ein Studium der Jurisprudenz in Rostock. Er ist der Urburschenschaft zugetan und schließt sich in Rostock dem Corps Vandalia an. Reuter wird von der Universität in Rostock verwiesen. Er setzt sein Studium in Jena fort. Fritz Reuter wird in Jena Mitglied der radikalen Gruppierung Germania. Er wird erstmals verhaftet.

  • 1833 – 1840: Wegen seiner angeblichen Teilnahme an hochverräterischen burschenschaftlichen Verbindungen in Jena und wegen Majestätsbeleidigung wird Fritz Reuter 1833 festgenommen und danach in der Festung Silberberg inhaftiert. Am 4. August 1836 erfolgt sein Todesurteil. Fritz Reuter wird begnadigt. Er erhält eine 30 jährige Haftstrafe und wird nach sieben Jahren entlassen.

  • 1842 – 1845: Er zieht nach Jabel zu seinem Onkel. Reuter wird Volontär und arbeitet auf einem Gut in Demzin. Sein Vater stirbt und enterbt ihn. Er beteiligt sich an der 48er Revolution. Mit gereimten Schwänken, die er in Mundart verfasst, erreicht er Achtungserfolge.

  • 1850 – 1851: Fritz Reuter lässt sich in Treptow nieder und arbeitet als Privatlehrer. Er wird preußischer Bürger. Reuter heiratet Luise Kuntze.

  • 1853 – 1864: Der Dichter veröffentlicht sein Büchlein Läuschen un Rimels. Er zieht nach Neubrandenburg um. Reuter verfasst die Verserzählung Kein Hüsung (1858), den historischen Roman Ut de Franzosentid (1860) sowie den Gesellschaftsroman Ut mine Stromtid, den er 1864 in Eisenach vollendet. Reuters Werk wird ab 1859 von Dethloff Carl Hinstorff verlegt. Ihm wird die Ehrendoktorwürde der Universität von Rostock zugesprochen.

  • 1874: Fritz Reuter verstirbt am 12. Juli in Eisenach in seiner Villa am Fuße der Wartburg.

Epochen der Literatur als Zeitstrahl

Biografie von Fritz Reuter

Fritz Reuter (geb. 7. November 1810 in Stavenhagen; † 12. Juli 1874 in Eisenach; vollständiger Name: Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter) war einer der bedeutendsten Dichter sowie Schriftsteller der niederdeutschen Sprache. Er war der Sohn von Georg Johann Reuter (1776–1845), dem Bürgermeister von Stavenhagen, und von Johanna Reuter (geb. Ölpke; 1787–1826), der Tochter des Bürgermeisters und Stadtrichters von Tribsees (Mecklenburg-Vorpommern).

Die frühen Jahre

Isolierhaft und die Verurteilung zu einer 30-jährigen Gefängnisstrafe kamen in seinen frühen Jahren auf Fritz Reuter zu. Der Spross aus gutbürgerlichem Haus war zunächst ein Taugenichts, so bezeichnete ihn zumindest der Inspektor des Kerkers, in dem er mehrere Jahre einsaß. Reuters Kindheit war geprägt vom Leiden der Mutter, die nach der Geburt seines Bruders (1812) für den Rest ihres Lebens gelähmt blieb. Sein Bruder starb bereits im Alter von zwei Jahren. Außer diesem Bruder besaß Reuter noch vier Halbschwestern, die den Liebschaften seines Vaters entsprangen.

Seine schulische Ausbildung genoss Reuter bis zu seinem 13. Lebensjahr im Kreis der Familie. Er besuchte lediglich zwischendurch eine Mädchenschule, wurde sonst von seinen Eltern, Verwandten und Bekannten unterrichtet. Ab 1824 war er dann Schüler an der Gelehrtenschule in Friedland. Reuter war ein schlechter Schüler und seine Leistungen entsprachen nicht den Vorstellungen seines Vaters.

Der junge Reuter war lediglich an der Malerei und dem Turnunterricht interessiert und kam über das Turnen früh mit den Idealen der ursprünglichen Burschenschaft in Berührung. Seine Einstellung gegenüber demokratischen Ideen wurde so bereits in früher Jugend geprägt und behielt nachhaltig große Bedeutung für sein späteres Leben. Reuter kam im Verlauf seines Lebens zu großem literarischen Erfolg, ohne seine demokratische Überzeugung aufgegeben zu haben.

Bereits im Jahr 1826 starb Reuters Mutter. Nur ein knappes Jahr später – im Frühjahr 1827 – sollte Fritz Reuter auf Drängen des Vaters hin am Friedrich-Franz-Gymnasium (Parchim) aufgenommen werden. Die Einstufung in die Prima (unterste Schulklasse eines Gymnasiums) wurde ihm allerdings zunächst verweigert. Erst ein Jahr später rückte er dann auf.

Das Verhältnis zu seinem Vater war nicht von Harmonie und Zuneigung bestimmt. Fritz Reuter entgegnete den Erwartungen seines Vaters eher mit Distanz. Er hielt sich auch zu Ferienzeiten ungern zu Hause auf. Trotz einer schulischen Beurteilung, die Reuters Leistungen eher als minder bis mäßig bezeichnete, bekam er am 24. September 1831 das abschließende schulische Reifezeugnis.

Studium und Inhaftierung

Fritz Reuter folgte 1831 dem Wunsch seines Vaters und begann am 19. Oktober ein Studium der Jurisprudenz in Rostock. Schon früh dem Gedanken der Urburschenschaft zugetan, schloss er sich dort dem Corps Vandalia an. Sein rüpelhaftes Verhalten, das sich gerne und bei mehreren Gelegenheiten zeigte, führte kurz darauf zum Rausschmiss aus der Verbindung. Von Rostock verschlug es Reuter daraufhin an die Universität von Jena, wo er im Mai 1832 sein Studium fortsetzte.

Auch hier schloss er sich der Allgemeinen Burschenschaft an (13. Juli 1832) und war Mitglied deren radikaler Gruppierung Germania. Es kam dort zu seiner erstmaligen Verhaftung. Wie es hieß, vagabundierte Reuter nach seiner Entfernung in Jena. Seine Versuche in Halle und Leipzig eine Studienerlaubnis zu erlangen, waren nicht von Erfolg gekrönt.

Wegen seiner angeblichen Teilnahme an hochverräterischen burschenschaftlichen Verbindungen in Jena und wegen Majestätsbeleidigung wurde Fritz Reuter zunächst am 31. Oktober 1833 festgenommen und danach in der Festung Silberberg inhaftiert. Am 4. August 1836 erfolgte dann das Urteil zur Confiscation seines Vermögens und zur Hinrichtung durch das Beil.

Das Todesurteil wurde jedoch nicht vollstreckt. Die beleidigte Majestät begnadigte ihn und wandelte das Urteil in eine 30jährige Festungshaft um. Die Strafe wurde später abgemildert und Fritz Reuter kam am 25.August 1840 nach sieben Jahren Einkerkerungshaft frei (vgl. Demagogie, Vormärz).

Beginn seiner schriftstellerischen Karriere

Niemand hätte dem verloren geglaubten Häftling, der kaum Aussichten hatte, eine spätere Karriere als Schriftsteller vorhergesagt noch gedacht, dass Reuter nach sieben Jahren Haft jemals wieder in die Gesellschaft der anständigen Bürger zurückfinden würde. Reuter versuchte nach seiner Haftentlassung nochmals sein Studium aufzunehmen, zog dann aber zu seinem Onkel nach Jabel. Von dort aus trat er 1842 eine Stelle als Volontär an und arbeitete auf einem Gut in Demzin.

In dieser Zeit lernte Reuter auch seine spätere Frau Luise kennen. Sie war die Tochter des Pastors von Roggenstorf und arbeitete als Kindererzieherin. Fritz Reuters Vater, zu dem der angehende Schriftsteller immer ein kühles Verhältnis unterhielt, starb am 3. März 1845, nachdem er seinen Sohn Fritz enterbt hatte.

Reuter begann seine Karriere als Schriftsteller mit hochdeutschen journalistischen Arbeiten sowie mit Satire und agitatorischen Arbeiten. Sein Erfolg stellte sich nach der 48er-Revolution ein, an der er sich als Mitglied lokaler Reformvereine auch beteiligte. Mit gereimten Schwänken, die er in Mundart verfasste und im Selbstverlag veröffentlichte, erreichte er die ersten Achtungserfolge.

Fritz Reuter ließ sich im April 1850 in Treptow nieder und nahm eine Stelle als Privatlehrer für Turnen und Zeichnen an. Er erlangte den Status eines preußischen Bürgers und war als Stadtverordneter aktiv. Ein Jahr später, am 16. Juni 1851, heiratete er die Pastorentochter Luise Kuntze (geb. 1817 in Grevesmühlen; † 1894 in Eisenach) in Roggenstorf.

Erfolgreiche Jahre in Neubrandenburg

Fritz Reuter verfasste in Neubrandenburg vier plattdeutsche Dichtungen, für die er auch über die engen Provinzgrenzen hinaus bekannt wurde. Im Jahr 1853 veröffentlichte er sein Büchlein Läuschen un Rimels, das zu einem ersten größeren Erfolg wurde. Er lebte seit 1856 in Neubrandenburg als freier Schriftsteller und erlebte dort seine produktivsten Schaffensjahre (von 1856 bis 1863).

Reuter verfasste in diesen Jahren seine Verserzählung Kein Hüsung (1858), den historischen Roman Ut de Franzosentid (1860) sowie den Gesellschaftsroman Ut mine Stromtid, den er 1864 in Eisenach vollendete. Reuters Werke wurden ab 1859 von Dethloff Carl Hinstorff verlegt. Hinstorff sorgte nachhaltig dafür, dass Reuters Werke eine weite Verbreitung erfuhren.

Tod in Eisenach

Im Jahr 1863 kam Fritz Reuter zu besonderen Ehren, als ihm die Ehrendoktorwürde der Universität von Rostock zugesprochen wurde. Im selben Jahr verließ er gemeinsam mit seiner Frau Neubrandenburg und zog nach Eisenach um, das sein letztes zu Hause wurde.

Die Reuters ließen sich in den Jahren 1866 bis 1868 am Fuße der Wartburg eine Villa im Stil der Neorenaissance bauen. Das Anwesen beherbergt heute das Reuter-Wagner-Museum. Fritz Reuter verstarb an diesem Ort am 12. Juli 1874 als einer der bedeutendsten Schriftsteller der niederdeutschen Sprache.

Dem Dichter gelang zu seinen Zeiten etwas nahezu Unmögliches: Er stand stets zu seinen demokratischen Idealen trotz des literarischen Erfolgs. Reuter kämpfte als junger Mann für seine Überzeugungen und hielt die Ideen seiner Jugend auch mit fortschreitendem Alter aufrecht.

Er schrieb nach eigenen Angaben in mecklenburgisch-vorpommerschen Mundart und rief gemeinsam mit seinem Verleger Hinstorff eine neue Kunstform des Niederdeutschen ins Leben, da er nachhaltig bewies, dass das Plattdeutsche in der Literatur funktioniert und durchaus erfolgreich sein kann.

Werke von Fritz Reuter

  • Läuschen un Rimels (Schwänke und Reime, ab 1853)
    Meine Vaterstadt Stavenhagen (1856, dann erweitert 1861)
    Ut de Franzosentid (Aus der Franzosenzeit, 1859)
    Hanne Nüte un de lütte Pudel (Eine Vogel- und Menschengeschichte, 1860)
    Abendteuer des Entspekter Bräsig (Abenteuer des Inspektors Bräsig, 1861)
    Ut mine Festungstid (Aus meiner Festungszeit, 1862)
    Ut mine Stromtid (Aus meiner Volontärszeit, 1862)
    Dörchläuchting (1866)
    De Urgeschicht’ von Meckelnborg (Die Urgeschichte Mecklenburgs, 1874)