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Hans Fallada

Hans Fallada wurde am 21. Juli 1893 in Greifswald als Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen geboren und verstarb am 5. Februar 1947 in Berlin. Hans Fallada war ein deutscher Schriftsteller, der vor allem für seine Erzählungen und Romane bekannt ist, auch wenn er darüber hinaus Kurzgeschichten und Märchen verfasste. Seine Hauptwerke sind zumeist der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen, die sich vor allem durch eine illusionslos-nüchterne Darstellung der Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg auszeichnet (vgl. Literaturepochen). Falladas bekannteste Werke sind wohl die Romane Wer einmal aus dem Blechnapf frißt sowie Kleiner Mann – was nun?. Das letztgenannte Werk ist außerdem ursächlich für Falladas Durchbruch als Schriftsteller und zeigt äußerst detailliert die Lebensumstände eines Angestellten zur Zeit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre.

Lebenslauf von Hans Fallada

  • 1893: Der Schriftsteller Hans Fallada, mit gebürtigem Namen Rudolf Ditzen, wird am 21. Juli 1893 in Greifswald geboren.

  • 1899 – 1911: Seine Familie zieht zunächst nach Berlin und dann nach Leipzig um. Er geht in Leipzig auf das Königin-Carola-Gymnasium. Arzt stellt Anzeichen einer manifestierten Hysterie bei ihm fest. Fallada besucht das Gymnasium Fridericianum in Rudolstadt und wird dort zu einem Superintendenten in Pension gegeben. Gemeinsam mit seinem Freund Hanns Dietrich von Necker inszeniert er einen Doppelselbstmord. Er wird schwer verletzt und sein Freund Hanns Dietrich von Necker stirbt. Fallada wird in die geschlossene Anstalt in Tannenberg bei Jena eingewiesen.
  • 1913: Hans Fallada wird aus der geschlossen Anstalt entlassen. Er tritt eine Stelle als Gutseleve an und übernahm einfach Arbeiten.

  • 1914 – 1919: Er wird für den Einsatz im Ersten Weltkrieg als untauglich eingestuft. Fallada ist stark drogenabhängig (Alkohol und Morphium). Er muss sich mehrmals in Entzugskliniken und Sanatorien aufhalten.

  • 1920 – 1925: Seine beiden Romane Der junge Goedeschal (1920) und Anton und Gerda (1923) erscheinen. Fallada unterschlägt Geld und wird zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

  • 1928 – 1929: Er wird aus der Haft entlassen und kommt nach Hamburg. Fallada lernt in Hamburg Anna Issel kennen und heiratet sie 1929.

  • 1931 – 1932: Seine Werke Bauern, Bonzen und Bomben und Kleiner Mann – was nun? erscheinen. Sein Verleger stellt Fallada in seinem Berliner Verlagshaus in der Rezensionsabteilung an. Sein Durchbruch gelingt ihm mit seinem Roman Kleiner Mann – was nun?

  • 1933: Fallada wird bei der SA denunziert. Er wird verhaftet und zieht danach nach Carwitz um.

  • 1934: Sein Roman Wer einmal aus dem Blechnapf frißt erscheint.

  • 1937: Falladas Roman Wolf unter Wölfen wird veröffentlicht.

  • 1944: Hans Fallada wird erneut in die Haft eingewiesen. (Er hatte auf einen Tisch geschossen währen eines Streits mit seiner geschiedenen Ehefrau Anna). Er heiratet Ursula Losch.

  • 1946: Fallada wohnt im Quartier Majakowskiring. Er arbeitet an seinem letzten Roman Jeder stirbt für sich allein.

  • 1947: Hans Fallada stirbt am 5. Februar in Berlin an Herzversagen. Er wird zunächst auf dem Friedhof Pankow III in einem Ehrengrab zur letzten Ruhe gebettet. Später erfolgt seine Umbettung nach Carwitz.

Epochen der Literatur als Zeitstrahl

Biografie von Hans Fallada

Seine Romantitel Kleiner Mann – was nun? und Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, manifestierten sich im deutschen Wortschatz wie Anglizismen in der Alltagssprache deutscher Jugendlicher und wurden zu geflügelten Worten. Hans Fallada kennt also indirekt fast jeder, der an deutschsprachiger Literatur des 20. Jahrhunderts interessiert ist.

Rudolf Ditzen (geb. 21. Juli 1893 in Greifswald; † 5. Februar 1947 in Berlin; vollständiger Name: Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen) sagt aber den wenigsten etwas, doch ist dies der bürgerliche Name des Autors, der unter dem Pseudonym Hans Fallada enorm populär werden sollte und der dieses für das Verfassen fast aller seiner Werke nutzte. Ditzen schrieb ab 1920 ausschließlich unter dem Pseudonym Hans Fallada. Seine Werke können nahezu ausschließlich der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden.

Familie und frühe Jahre

Rudolf Ditzen wächst als ältester Sohn in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Sein Geburtsort ist die pommersche Universitätsstadt Greifswald. Rudolfs Vater Wilhelm Ditzen (1852–1937) war Landrichter, der es später zum hoch angesehenen Reichsgerichtsrat brachte. Ditzens Familie zog im Kielwasser der väterlichen Karriere mehrere Male um. Die Stationen führten Rudolf, seine Mutter Elisabeth und den Rest der Familie 1899 nach Berlin und ab 1909 nach Leipzig. Dort besuchte der spätere Schriftsteller 1911 das Königin-Carola-Gymnasium.

Hohe Erwartungen seines Vaters lasteten auf den Schultern des eher kränklichen und als unbegabt beurteilten jungen Rudolf. Der jedoch las die französischen und russischen Realisten des 19. Jahrhunderts und interessierte sich für Friedrich Nietzsche und Oscar Wilde. Rudolf litt unter dem Erwartungsdruck seines Vaters und zog sich als Außenseiter oft in seine eigene Welt zurück. Sein Kontakt zu Gleichaltrigen war spärlich. Er wurde in jungen Jahren als leicht erregbar bezeichnet. Ein Arzt stellte sogar Anzeichen einer manifestierten Hysterie bei ihm fest.

Die Selbstzerstörung schien in diesen frühen Jahren bereits sein Wesen und Dasein zu bestimmen. In den Jahren 1910 und 1911 erregten drei Schüler-Selbstmorde an seinem Gymnasium das Aufsehen der Öffentlichkeit. Kurz danach schloss sich Ditzen der Wandervogelbewegung an – einer Jugendbewegung, die in freier Natur eine eigene Lebensart entwickelte – mit der er einen mehrwöchigen Aufenthalt in Holland unternahm. Zurück kam er mit einer Typhuserkrankung, von der er sich allerdings wieder erholte.

Eine bemerkenswerte Episode seiner Jugend, die ihm danach einen Aufenthalt in einem Sanatorium bescherte, leistet sich Ditzen, indem er nach seiner Typhuserkrankung anfing, den Eltern einer nur flüchtigen Mädchenbekanntschaft anonym obszöne Briefe zu schreiben. Nachdem er aufflog, besorgte er sich einen Revolver und entkam nur knapp einem Selbstmordversuch.

Mit ihrer Verständnisfähigkeit am Ende, schickten seine Eltern ihnfür acht Wochen in das Sanatorium Schloss Harth nach Bad Berka. Danach (1911) schloss sich für Rudolf der Besuch des Gymnasiums Fridericianum in Rudolstadt an. Er wurde dort zu einem Superintendenten in Pension gegeben.

Misserfolge und Drogensucht

Die Gymnasiasten-Tragödie von Rudolstadt ereignete sich am 17. Oktober 1911 als Ditzen gemeinsam mit seinem Freund Hanns Dietrich von Necker einen Doppelselbstmord inszenierte. Dabei kam Ditzens Freund ums Leben und Ditzen selbst wurde schwer verletzt. Die beiden Gymnasiasten hatten ein Duell improvisiert, bei dem Ditzen seinen Freund von Necker erschoss.

Der angehende Schriftsteller wurde nach dieser Eskapade in eine geschlossene Anstalt in Tannenberg bei Jena eingewiesen. Erst knapp zwei Jahre später, 1913, wurde er aus Tannenberg entlassen. Nach seiner Entlassung trat Rudolf eine Stelle als Gutseleve an und arbeitet fleißig und korrekt, sehr zum Gefallen seiner Arbeitgeber und Mitmenschen.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich freiwillig, wird jedoch als permanent untauglich abgewiesen. Rudolf Ditzen ist zu diesem Zeitpunkt bereits drogenabhängig und konsumierte regelmäßig Alkohol und Morphium. In den Jahren von 1917 bis 1919 musste er sich aufgrund der voranschreitenden Sucht mehrmals in Entzugsanstalten und Privatsanatorien aufhalten.

Trotz der Umstände schaffte er es, erste literarische Versuche zu unternehmen und verfasste zwei Romane mit den Titeln Der junge Goedeschal (1920) und Anton und Gerda (1923). Beide Romane erschienen im Rowohlt Verlag und wurden zu finanziellen Misserfolgen.

Um sein Leben und seine Sucht (Drogen und Alkohol) finanzieren zu können, unterschlug Ditzen in den Jahren von 1923 bis 1925 zweimal Geld und wurde daraufhin zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Im Jahr 1928 wurde er dann nach Hamburg entlassen und begann als Adressenschreiben seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Im Hamburg lernte er 1928 auch Anna Margarethe Issel kennen, die er ein Jahr später heiratete. Der Heirat folgten vier Kinder von denen eins bereits kurz nach der Geburt starb und ein zweites in seinen Jugendjahren.

Erfolge

Trotz anfänglicher Misserfolge blieb der Verleger Ernst Rowohlt an Ditzens Seite und motivierte ihn 1930 dazu, nach Berlin umzuziehen. Hans Fallada, wie Ditzen sich seit der Veröffentlichung des Werkes Der junge Goedeschal (1920) nannte, kam mit seinem Roman Bauern, Bonzen und Bomben (1931) zu einem gelungenen Beachtungserfolg. Sein Verleger stellte Fallada in seinem Berliner Verlagshaus in der Rezensionsabteilung an. Das schaffte für Ditzen den finanziellen Freiraum, um sich auf seinen nächsten Roman konzentrieren zu können.

Im Jahr 1932 erschien dann Hans Falladas Roman Kleiner Mann – was nun?, der sehr schnell zum Bestseller wurde und dem Schriftsteller zum endgültigen Durchbruch verhalf. Auch international fand das Werk große Anerkennung. Somit wurde Hans Fallada nun einer breiten Leserschaft bekannt, die ihn fortan als bemerkenswerten Schriftsteller verehrten – oft ohne zu bemerken, dass Hans Fallada nur ein Pseudonym war, das sich Rudlof Ditzen zugelegt hatte, in Anlehnung an zwei Charaktere der Märchen Hans im Glück und Die Gänsemagd der Gebrüder Grimm.

Eine eher dunkle Phase brach nach diesen großen Erfolgen für Hans Fallada an, als er 1933 bei der örtlichen SA von Berkenbrück denunziert wurde. So hatten seine Mitmieter ein Gespräch zwischen Ernst von Salomon und Fallada belauscht, das angeblich staatsfeindlichen Inhalt hatte. Es folgten seine Verhaftung und sein Umzug nach Carwitz, einer kleinen Ortschaft bei Feldberg in Mecklenburg. Dort kaufte der Schriftsteller ein kleines Anwesen.

Seine Schaffenskraft war jedoch nicht gebrochen und so entstand der Roman Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, worin er seine Erfahrungen der Inhaftierung verarbeitete. Sein Buch fiel nicht der Zensur der Nazis zum Opfer, sondern wurde unter den Nationalsozialisten erfolgreich veröffentlicht.

Der Zweite Weltkrieg

Trotz der Veröffentlichung von Wer einmal aus dem Blechnapf frißt kam Ditzens Werk im Dritten Reich unter Beschuss und wurde nach und nach als Negativliteratur gebrandmarkt. Um dieser Beurteilung auszuweichen, wand sich Ditzen der eher leichten und weniger angreifbaren Unterhaltungsliteratur zu. Er ging einige Male als RAD-Sonderführer auf Reisen und veröffentlichte 1937 seinen Roman Wolf unter Wölfen, den erneut Rowohlt herausgab. Die Nazis interpretierten dieses Werk als durchaus willkommene Kritik an der Weimarer Republik. Joseph Goebbels war zu voll des Lobes für das Werk des Schriftstellers Hans Fallada.

Eine erneute Hafteinweisung musste sich Ditzen am 4. September 1944 unterziehen. Er hatte unter dem Einfluss von Drogen und im Streit mit seiner geschiedenen Ehefrau Anna, am 24. August 1944 in einen Tisch geschossen. Dem Streit ging seine Scheidung vom 5. Juli 1944 voraus. Während er in der Abteilung Heil- und Pflegeanstalt (Hafthaus I) der Landesanstalt Neustrelitz- Strelitz unter Beobachtung stand, verfasste er sein Trinkermanuskript mit Kurzgeschichten und einen Erfahrungsbericht über die Herrschaft und Machtergreifung der Nazis.

Gegen Ende des Jahres, am 13. Dezember 1944, wurde er wieder aus der Haftanstalt entlassen. Am 1. Februar 1945 heiratete er dann Ursula Losch, die er im Sommer des vorangegangenen Jahres bereits kennengelernt hatte. Losch war lebenslustig, fast drei Jahrzehnte jünger als Ditzen und ebenso wie er Alkoholikerin und Morphinistin.

Tod in Berlin und später Erfolg

Knapp zwei Jahre vor seinem Tod siedelte Rudolf Ditzen erneut nach Berlin um. Er arbeitete dort mit Johannes R. Bechers, der aus dem sowjetischen Exil zurückgekehrt war. Johannes R. Bechers brachte Ditzen bei der Täglichen Rundschau und beim Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands unter. Er setzte große Hoffnungen darauf, dass Fallada die Chronik Deutschlands während des Dritten Reich schreiben würde. Außerdem sorgte er dafür, dass Fallada im privilegierten und abgeschotteten Wohn-Quartier Majakowskiring (auch genannt das Städtchen), einem ovalen Straßenzug in Berlin Pankow, wohnen durfte.

In sehr schlechtem körperlichem Zustand schrieb Ditzen 1946 an seinem letzten Werk, Jeder stirbt für sich allein, das er nicht mehr zur Veröffentlichung brachte. Seiner Alkoholkrankheit und seinem Morphinismus hatte er einen Aufenthalt in der Berliner Charité, gegen Ende des Jahres 1949, geschuldet. Nur circa drei Monate später, am 5. Februar 1947, verstarb der Schriftsteller in Berlin. Rudolf Ditzen starb, entgegen anderer Meinungen, an Herzversagen. Er wurde zunächst auf dem Friedhof Pankow III in einem Ehrengrab zur letzten Ruhe gebettet. Später erfolgte seine Umbettung nach Carwitz.

Hans Falladas letztes Buch wurde posthum zu einem großen Erfolg. Der Roman Jeder stirbt für sich allein erschien zunächst als gekürzte und redaktionell bearbeitete Version. Erst 2011 erfolgte eine ungekürzte deutsche Neuausgabe.

Werke von Hans Fallada

  • Chronologische Übersicht der Werke von Hans Fallada
    • Der junge Goedeschal (1920)
    • Anton und Gerda (1923)
    • Bauern, Bonzen und Bomben (1931)
    • Kleiner Mann – was nun? (1932)
    • Wer einmal aus dem Blechnapf frißt (1934)
    • Wir hatten mal ein Kind (1934)
    • Märchen vom Stadtschreiber, der aufs Land flog (1935)
    • Altes Herz geht auf die Reise (1936)
    • Hoppelpoppel – wo bist du? (Kindergeschichten, 1936)
    • Wolf unter Wölfen (1937)
    • Geschichten aus der Murkelei (Märchen, 1938)
    • Der eiserne Gustav (1938)
    • Süßmilch spricht (1938)
    • Kleiner Mann, Großer Mann – alles vertauscht oder Max Schreyvogels Last und Lust des Geldes (1939)
    • Süßmilch spricht. Ein Abenteuer von Murr und Maxe (Erzählung, 1939)
    • Der ungeliebte Mann (1940)
    • Die Stunde, eh’ du schlafen gehst (1941)
    • Das Abenteuer des Werner Quabs (Erzählung, 1941)
    • Damals bei uns daheim (Erinnerungen, 1942)
    • Heute bei uns zu Haus (Erinnerungen, 1943)
    • Fridolin, der freche Dachs (Manuskript 1944, Erstausgabe 1955)
    • Jeder stirbt für sich allein (posthum, 1947)
    • Der Alpdruck (posthum, 1947)
    • Zwei zarte Lämmchen weiß wie Schnee. Eine kleine Liebesgeschichte (posthum, 1948)
    • Der Trinker (Manuskript 1944, Erstausgabe 1950)
    • Ein Mann will nach oben (Manuskript 1941, Erstausgabe 1953)
    • Der junge Herr von Strammin (Roman, als Fortsetzungsroman in Die Woche, 1943; Erstausgabe 1965)
    • Drei Jahre kein Mensch. Erlebtes Erfahrenes Erfundenes (Kurzgeschichten, 1997)
    • Strafgefangener Zelle 32. Tagebuch 22. Juni – 2. September 1924 (1998)
    • Sachlicher Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein (Neuauflage von Drei Jahre kein Mensch, 2005)
    • Gefängnistagebuch 1944 (Manuskript 1944, 2009)
    • Pechvogel und Glückskind (Manuskript wohl schon 1939, Erstausgabe 2010)