WORTWUCHS | Literaturlexikon

Rondell

Als Rondell wird eine Gedichtform bezeichnet, die vor allem als Schreibanlass im Deutschunterricht der Grundschule verwendet wird. Das Rondell besteht aus 8 Verszeilen, also aus einer Einzelstrophe. Hier haben die Zeilen 1, 4, 7 den gleichen Inhalt und auch die Verse 2 und 8 sind gleich. Alle anderen Verszeilen, also 3, 5, 6 beinhalten Ergänzungen zum Hauptthema des Gedichts, was zumeist im Titel genannt wird. Nicht zu verwechseln ist das Rondell aus dem Deutschunterricht mit dem Rondel. Ein solches Rondel ist eine französische Gedichtform, die aus 13 oder 14 Versen gebildet wird.

In der Regel ist es die Aufgabe eines Rondells, Schüler an den Umgang mit Sprache und kreative Schreiben heranzuführen. Beim Rondell können durch die Schüler erste Versuche unternommen werden, Strukturen und wiederkehrende Merkmale in einem Gedicht zu erkennen. Da sich im Rondell nicht nur einzelnen Reime oder Wörter wiederholen, sondern ganze Zeilen, fällt dies in der Regel leichter. Ähnlich ist es beim Elfchen.

Aufbau des Rondells

Das Schreiben eines Rondells dient somit der Kreativitätsförderung und ist – einmal vom Deutschunterricht abgesehen – ein gängiges Mittel in der Sprach- und Schreibdidaktik, um kreative Prozesse anzustoßen. Wie auch bei anderen Methoden des kreativen Schreibens geht es hier darum, überhaupt mit dem Schreiben zu beginnen, wie etwa bei einer Reizwortgeschichte. Schauen wir nun auf den Aufbau des Rondells:


 
1
2
3
4
5
6
7
8
Titel des Rondells
Wortfolge A
Wortfolge B
Wortfolge C
Wortfolge A
Wortfolge D
Wortfolge E
Wortfolge A
Wortfolge B

Der obige Aufbau scheint auf den ersten Blick vielleicht kompliziert. Tatsächlich ist er aber durchaus leicht zu durchschauen. Das Rondell besteht nämlich insgesamt nur aus fünf verschiedenen Wortfolgen, also Zeilen. Die anderen drei Zeilen sind demzufolge nur Wiederholungen, die im Gedicht bereits verwendet wurden. Außerdem gibt es kein festgelegtes Versmaß oder Reimschema. Schauen wir auf ein Beispiel:


 
1
2
3
4
5
6
7
8
Winter-Rondell
Es ist kalt und winterlich,
weshalb Menschen Schnupfen haben.
Nässe, Schnee und Eis decken alles zu.
Es ist kalt und winterlich.
Leer sind Straßen, Felder, Orte.
In den Häusern wohnt noch Leben.
Es ist kalt und winterlich.
weshalb Menschen Schnupfen haben.

Das obige Beispiel verdeutlicht das Vorgehen sowie den Aufbau der Gedichtform. Die erste Zeile, also Es ist kalt und winterlich, wird in der vierten und siebenten Verszeile wiederholt. Die zweite Zeile, weshalb Menschen Schnupfen haben, wird in der letzten Verszeile wiederholt. Die Verse 5, 6, 7 befassen sich ganz allgemein mit dem Oberbegriff des Rondells. Im obigen Beispiel wäre das der Winter.

Im Deutschunterricht der Grundschule bleibt es meist bei diesen Regeln. Allerdings erfüllt das eigentliche Rondell noch weitere Anforderungen. Es gilt nämlich, dass jeder Vers aus einem kurzen, vollständigen Satz oder einem Satzteil bestehen muss. Einzelne Wörter sind somit nicht zulässig. Weiterhin ist der Satzteil im zweiten Vers, der am Ende wiederholt wird, immer ein Nebensatz, der den ersten Satz ergänzt.

Variante des Rondells

In der Literatur findet sich eine weitere Variante des Rondells, die allerdings seltener gebraucht wird. Diese basiert zwar auch auf der Wiederholungen einzelner Verse, ist im Ganzen aber nicht durch so viele Verse geprägt, die wiederholt werden und kann dadurch abwechslungsreicher erscheinen.

Es gilt, dass das Rondell auch aus Satzfragmenten bestehen kann, die im folgenden Vers zu einem ganzen Satz vervollständigt werden. Die einzelnen Zeilen müssen demnach nicht aus eigenständigen Satzeinheiten bestehen. Hierbei wird die 2. Zeile in Zeile 4 und Zeile 7 wiederholt. Weitere Wiederholungen sind nicht verpflichtend. Es gibt also nur dreimal einen identischen Vers im Gedicht. Nachfolgend ein Beispiel:


 
1
2
3
4
5
6
7
8
Winter-Rondell II
Es ist kalt und winterlich.
Viele Menschen sind todkrank.
Nässe, Schnee und Eis decken alles zu.
Viele Menschen sind todkrank.
Graue Winde ziehen durch die Welt.
Leer sind Straßen, Felder, Orte.
Viele Menschen sind todkrank.
In den Häusern wohnt noch Leben.

Das obige Beispiel verdeutlicht das Prinzip der Variante. Der erste Vers wird also nicht, dafür allerdings der zweite, wiederholt. Die zweite Verszeile wird in der vierten und siebenten Zeile erneute eingesetzt. Demnach ist sie als wesentliches Merkmal zu bewerten und beinhaltet zumeist die Kernaussage des Rondells. Diese Kernaussage passt in der Regel zum Titel, den das Gedicht trägt.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Gedicht im Überblick

  • Das Rondell ist eine Gedichtform, die aus acht Verszeilen gebildet wird. Diese werden in einer einzigen Strophe angeordnet und unterliegen keinem strikten Reimschema oder Metrum, können aber eingesetzt werden. Nicht zu verwechseln ist die Form mit dem Rondel.
  • Das wesentliche Merkmal dieser Gedichtform ist das wiederholen einzelner Verszeilen. In der verbreitetesten Variante wird die erste Zeile in der vierten und siebenten wiederholt und die zweite Zeile nochmals als letzter Vers eingesetzt. Die anderen Zeilen sind beliebig.
  • Eine weitere Variante sieht vor, dass das Rondell nur eine Verszeile wiederholt. Hierbei wird der zweite Vers in der vierten und siebenten Zeile wiederholt. Alle anderen Verszeilen sind beliebig.
  • Der Titel des Rondells ist eine Art Oberbegriff, der den Inhalt des Gedichts bestimmt. Zumeist greifen die Verszeilen, die wiederholt werden, einen Teil des Titels auf oder beziehen sich unmittelbar auf diesen. Die anderen Verse ergänzen meist eher die Wiederholungen.

  • Hinweis: In Ivo Braaks Werk „Poetik in Stichworten“ findet sich der Hinweis, dass das Rondell vermutlich eine ältere Sprachform des Rondeau ist. Das Rondeau ist ein Rundgesang im Spätmittelalter und in der Renaissance, das sich durch einen Refrain auszeichnet.