WORTWUCHS | Literaturlexikon

Tautologie

Als Tautologie wird ein rhetorisches Stilmittel bezeichnet, welches in Texten aller Art und literarischen Gattung auftauchen kann. Die Tautologie beschreibt entweder den Umstand, dass dasselbe mit einem anderen Ausdruck erneut gesagt wird oder aber, dass derselbe Sachverhalt mit gleichen Wörtern der gleichen Wortart wiederholt wird. Verwandt sind demzufolge Pleonasmus sowie Hendiadyoin.

Der Begriff geht auf das Altgriechische zurück und setzt sich aus ταὐτό (tauto) sowie λόγος (lógos) zusammen. Diese Wörter lassen sich mit dasselbe und Rede übersetzen. Die Bedeutung verweist also darauf, worum es bei dem Stilmittel grundsätzlich geht: nämlich darum, dasselbe erneut zu reden und es so zu wiederholen.

Dabei unterscheiden wir zwei verschiedene Formen der Tautologie: (1) Entweder wird das gleiche Wort durch einen sinnverwandten, also synonymen, Begriff wiederholt oder (2) ein und dasselbe Wort wird erneut gebraucht. Wichtig ist außerdem, dass die wiederholenden Wörter der gleichen Wortart angehören müssen, um als tautologisch zu gelten. Schauen wir nun auf einige Beispiele.


(1) Ich werde dich nie und nimmer heiraten.

Das obige Beispiel ist tautologisch, was an der Kombination aus nie und nimmer liegt. Die Wörter bedeuten nämlich eigentlich das Gleiche. Die Aussage wäre also inhaltlich identisch, wenn dort stünde Ich werde dich nie heiraten. Zwar ist nimmer veraltet (vgl. Archaismus), bedeutet allerdings auch nie oder niemals. Die Aussage wird dadurch verstärkt. Weiterhin gehören beide Wörter zur selben Wortart (Adverb).


(1) Du machst mir Angst und Bange

Das obige Beispiel weist eine Tautologie auf, weil die Wörter Angst und Bange gleichbedeutend sind. Auch hierbei können wir einfach eine Probe machen, wenn eines der Wörter entfällt. Der Satz Du machst mir Angst sagt das Gleiche aus und wird durch das gleichbedeutende Bange lediglich verstärkt. Auch Angst und Bange gehören einer Wortart an (Substantiv). Schauen wir auf die zweite Möglichkeit.


(2) Geschäft ist Geschäft

In diesem Beispiel wird genau dasselbe Wort wiederholt. Zwangsläufig gehören natürlich die beiden Teile der Tautologie ebenfalls derselben Wortart an (Substantiv), da es sich um das gleiche Wort handelt. Auch in diesem Fall ist die Wirkung dieser Dopplung eine Verstärkung und Bekräftigung des Gesagten.

Hinweis: Die Tautologie ist demzufolge eine stilistische Doppelaussage. In allen Beispielen wir der gleiche Gedanke erneut gesagt. Diese Wiederholung kann entweder durch dasselbe oder mehrere Wörter von gleicher Bedeutung und Wortart erfolgen. Dennoch ist es mitunter sehr schwierig, eine Tautologie von Pleonasmus und Hendiadyoin abzugrenzen. Schauen wir deshalb auf die Unterschiede.

Pleonasmus und Tautologie

Als Pleonasmus wird ein Stilmittel bezeichnet, das Wörter mit gleicher Bedeutung kombiniert, die oft verschiedenen Wortarten angehören. Die Doppelaussage des Pleonasmus ist außerdem redundant. Das meint, dass die zusätzliche Information, die das zweite Wort gibt, selbstverstänldich ist, da sie eine Eigenschaft des ersten Wortes ist und demzufolge vollkommen überflüssig erscheint.

Das bedeutet, dass die Tautologie eine Doppelaussage schafft, die durch Wörter der gleichen Wortart gebildet wird, was die Eindringlichkeit des Gesagten erhöht. Die einzelnen Teile der Tautologie können außerdem aus mehreren Wörtern bestehen. Der Pleonasmus ist im Gegensatz dazu eingliedrig. Es bezieht sich immer ein Wort auf das andere, wobei nur überflüssige Informationen geliefert werden. Schauen wir auf ein Beispiel.


Diese Angelegenheit erfordert Ihre persönliche Anwesenheit.

Der obige Satz beinhaltet einen Pleonasmus. Das Wort Anwesenheit bedeutet, dass die Person persönlich dabei ist. Weiterhin gehören die farbigen Wörter unterschiedlichen Wortarten an, weshalb eine tautologische Verbindung sich eh ausschließt. Anwesenheit ist ein Substantiv, persönlich ein Adjektiv. Da die Anwesenheit immer persönlich ist, liefert das zusätzliche Wort keinen neuen oder zusätzlichen Informationen.

Die Tautologie verbindet allerdings Wörter, um eine Verstärkung des Gesagten zu bewirken. Wenn jemand etwas nie und nimmer tun würde, ist das die bewusste Verstärkung, wenn uns Angst und Bange wird, bewirkt das ebenfalls eine stärkere Eindringlichkeit und wenn ich einzig und allein mein Kind liebe, ist das ebenso verstärkend wie tautologisch. Die Tautologie will also ganz bewusst verstärken!

Hinweis: Im Deutschunterricht und in zahlreichen stilistischen Übersichten wird dieser feine Unterschied selten beachtet oder einfach übersehen. Deshalb kann die Tautologie – aber nur in diesem Sinne – als Sonderform des Pleonasmus gelten, ist es streng genommen aber eben nicht.

Hendiadyoin und Tautologie

Das Hendiadyoin bildet aus zwei Wörtern einen neuen, aber komplexeren Begriff. Die einzelnen Wörter des Hendiadyoins können allerdings nicht einfach ausgetauscht werden oder sogar gänzlich entfallen.

Demnach können Tautologie und Hendiadyoin durchaus ähnlich erscheinen, da die Wörter des Hendiadyoins oft eine ähnliche Bedeutung haben. Jedoch sind sie keine Doppelaussage, sondern bewirken eine gänzlich neue Bedeutung der einzelnen Begriffe. Schauen wir auf ein Beispiel und verdeutlichen den Unterschied.


Ich bin Feuer und Flamme für dich!

Dieses Beispiel ist ein Hendiadyoin. Zwar sind die Wörter ähnlich, weshalb wir dazu neigen könnten, dass Ganze als tautologisch zu bezeichnen, doch können wir hierbei eine einfache Gegenprobe machen. Wenn jemand Feuer und Flamme für eine Sache ist, dann liebt er sie oder begeistert sich leidenschaftlich dafür.

Wäre das Ganze eine Tautologie, könnten wir eines der Wörter entfernen. Jedoch kann eine Person nicht Flamme für etwas sein. Die Verbindung beider Begriffe hat somit den komplexen Begriff der Begeisterung oder der Leidenschaft gebildet und eben nicht nur die Aussage verstärkt. Ein abschließendes Beispiel.


Job ist Job, und Schnaps ist Schnaps

Dieses Sprichwort muss ganz genau betrachtet werden, um die Stilmittel nicht zu vermengen. Schnaps ist Schnaps ist eine Tautologie, wie es schon das Geschäft aus dem vorherigen Beispiel war. Das Gleiche gilt für Job ist Job. Allerdings möchte uns das Sprichwort nicht nur sagen, dass es bei den Wörtern um ein Getränk und eine Beschäftigung geht, sondern gibt an, dass beide Bereiche voneinander getrennt werden sollten.

Demnach wird aus der Verbindung der beiden Tautologien ein komplexer, neuer Begriff oder Sachverhalt geschaffen: nämlich die Trennung von Beruflichem und Privatem. Demnach ist das Ganze ein Hendiadyoin, das aus zwei Tautologien gebildet wird.

Wirkung und Funktion der Tautologie

Natürlich ist es schwierig, einer Stilfigur eine feststehende Wirkung zuzuschreiben, da diese in jedem Text anders ausfallen kann. Dennoch haben solche Stilmittel einen Effekt auf ihren Empfänger (Leser, Zuhörer) und diesen kann man beschreiben. Es muss aber geprüft werden, ob es tatsächlich so ist.

Übersicht: Bedeutung, Wirkung und Merkmale der Stilfigur

  • Die Tautologie ist ein Stilmittels, das eine Doppelaussage meint. Das meint die Bezeichnung desselben Wortes, Sachverhalts oder Gedankens durch dasselbe Wort oder auch mehrere Wörter von ähnlicher Bedeutung sowie Wortart. Sie ähnelt Pleonasmus und Hendiadyoin.
  • Im Gegensatz zur Tautologie ist der Pleonasmus aber stets überflüssig, da er ein Wort beifügt, da keine neuen Informationen liefert und somit überflüssig ist. Das Hendiadyoin bildet im Gegensatz dazu aus mehreren Begriffen einen neuen, komplexen Begriff.
  • Die Tautologie wirkt verstärkend und da die Dopplung bewusst erfolgt, soll sie das Gesagte unterstreichen und die Eindringlichkeit des Inhalts stärker in den Vordergrund rücken.