Als Zeugma wird ein rhetorisches Stilmittel bezeichnet. Das Zeugma beschrieb ursprünglich, dass das Verb eines Satzes auf mehrere Objekte bezogen wird. Im weitesten Sinn wird damit aber der Umstand benannt, dass sich ein Satzteil des Satzes auf diverse Wörter, Wortfolgen oder andere Sätze bezieht. Das Zeugma ist eine Form der Syllepse und eine stilistische Worteinsparung (vgl. Brachylogie).

Der Begriff geht auf das Griechische zurück (ζεῦγμα) und lässt sich mit Joch oder auch das Zusammengefügte übersetzen. Die Mehrzahl wird übrigens als Zeugmata bezeichnet. Die Übersetzung verweist darauf, worum es grundsätzlich geht: ein Wort, dass sich auf mehrere Wörter eines Satzes bezieht [wobei ursprünglich das Verb und nach modernem Vertständnis ein beliebiges Satzteil gemeint ist]. Schauen wir auf ein Beispiel.


Der See kann sich, der Landvogt [kann sich] nicht erbarmen.

Das obige Beispiel ist dem Drama Willhelm Tell entnommen, welches das letzte Drama von Friedrich Schiller ist. Der Text, der farblich hervorgehoben wurde sowie in eckigen Klammern steht, findet sich im Original nicht. Hier ist es das Verb kann, das sich sowohl auf den See als auch auf den Landvogt bezieht. Im zweiten Teil wird das Verb kann allerdings nicht benannt und muss durch den Leser selbständig ergänzt werden.

Durch diesen Kunstgriff wird der Satz verknappt, weshalb das Zeugma als Form der Brachylogie zu verstehen ist. Weiterhin ist der zweite Teil grammatikalisch nicht korrekt, da dem Landvogt das entsprechende Verb fehlt. Somit liegt hierbei ein Zeugma vor, da sich ein Satzteil auf mehrere Wörter bezieht. Noch ein Beispiel.


Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten
und seine Ohren [sehen] auf ihr Schreien.

In diesem Beispiel fehlt im zweiten Teil das entscheidende Verb. Somit wird das Sehen der Augen auf die Ohren übertragen. Demnach haben wir es mit einem Zeugma zu tun. Durch die Verbindung verschiedener Sinneseindrücke (sehende Ohren), aber auch mit einer Synästhesie. Die Wirkung der Zeugmata liegt in beiden Beispielen in der Verkürzung. Jedoch kann die Stilfigur auch einen komischen Effekt haben.


Ich heiße Walther und [heiße] Dich recht herzlich willkommen.

In diesem Beispiel wird das Wort heißen in zweierlei Hinsicht gebraucht. Einmal, um den eigenen Namen anzugeben und außerdem, um eine Person willkommen zu heißen. Allerdings steht das Wort auch hierbei nur ein einziges Mal tatsächlich im Text und muss für den zweiten Teil durch den Leser ergänzt werden. Diese unübliche Verbindung hat dabei einen komischen Effekt. Schauen wir auf ein abschließendes Beispiel.


Wir gehen aus! Vor allem [gehen wir] davon [aus], dass du artig bist!

In diesem Fall wird das Wort ausgehen in zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Im Eigentlichen passt es vom Sinn her nur zu einer der beiden Wendungen. Entweder gehen wir aus, machen demnach eine Unternehmung, vielleicht gehen wir feiern oder aber wir gehen von etwas aus und nehmen demnach etwas an. Das Zeugma passt somit nicht zu allen Teilen des Satzes in gleicher Weise, sondern wird – so wie es durch den Leser gedacht wird – mit einer neuen oder gänzlich anderen Bedeutung belegt.

Hinweis: Zeugmata sind also rhetorische Figuren der Worteinsparung, wobei sich ein bestimmtes Satzteil auf mehrere Wörter, Teile des Satzes oder Sätze beziehen lässt. Das Zeugma wird zur Verknappung und mitunter aus Bequemlichkeit genutzt oder dient der Überraschung des Empfängers (Leser, Zuhörer), da teilweise recht ungewöhnlich sowie pointiert kombiniert wird.

Weitere Beispiele für das Zeugma (Klappt beim Klicken auf!)

Nachfolgend finden Sie weitere Beispiele, um das Prinzip zu verdeutlichen. Die Auslassungen unkommentiert, wobei ersichtlich werden sollte, welcher Teil erschlossen werden muss.

  • Ich fror vor mich hin, denn nicht nur meine Mutter, auch der Ofen war ausgegangen (Heinz Erhardt, Wieso ich Dichter wurde)
  • Sie warf einen Blick in das buch und die Kippe in den Aschenbecher.
  • Der Platz floss über von Leichenhaufen und Bürgerblut (Sallust, römischer Politiker)
  • Er hob den Blick und ein Bein gen Himmel.
  • Er trat den Rückweg an und die Tür ein.
  • Ich habe Pappbecher und den Nachmittag frei (Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel)

Zeugma als Brachylogie

Als Brachylogie wird eine Form der Äußerung bezeichnet, die versucht, mit möglichst wenig Wörtern das Maximum an Aussagekraft zu erzielen. Das bedeutet, dass mit wenig Zeichen sehr viel gesagt wird. Brachylogie ist typisch für den dramatischen Dialog sowie die Lyrik.

Hierunter fallen sämtliche Stilfiguren, die das Gesagte in irgendeiner Form verkürzen und knapper erscheinen lassen. Dabei werden entweder unwichtige Wörter unterschlagen, das Wesentliche ausgespart oder es ist der Umstand gemeint, wie im Falle von Zeugmata, dass sich eine Wortart auf mehrere Wörter im Satz bezieht.

  • Rhetorische Mittel der Brachylogie
    • Ellipse: Beschreibt stets den Umstand, dass ein Satz unvollständig ist. Er ist also im weitesten Sinne grammatikalisch unfertig. Dennoch sind Ellipsen für den Empfänger zu verstehen, auch wenn das Fehlende erraten werden muss. Demnach sind Zeugmata auch Ellipsen.

    • Syllepse: Meint, dass in einem Satz ein Satzteil mehrmals verwendet wird und auf unterschiedliche Elemente des Satzes bezogen wird. So wird der Begriff heutzutage synonym zu Zeugma gebraucht.

    • Zeugma: Meinte ursprünglich, dass das Verb eines Satzes auf mehrere Glieder des Satzes zu beziehen war. Im modernen Sinne wird der Begriff aber so gewertet, dass er alle Merkmale der Syllepse aufweist.

    • Aposiopese: Die wesentliche Aussage eines Satz wird verschwiegen und muss durch den Empfänger erraten werden. (Bsp.: „Wenn ich dich in die Finger bekomme …“)

    • Apokoinu: Ist auch ein rhetorisches Stilmittel der Worteinsparung. Dabei gibt es eine Doppelbeziehung von einem Satzteil oder Wort auf etwas Vorhergehendes sowie Folgendes. (Beispiel: „Was sein Pfeil erreicht, als das ist seine Beute, was da kreucht und fleucht.“ ~ Der Mittelteil, „das ist seine Beute“, bezieht sich auf die umschließenden Textteile.)

Wirkung und Funktion des Zeugmas

Natürlich ist es nicht immer leicht, einem Stilmittel eine ganz eindeutige Wirkung zuzuschreiben. Sehr häufig verhält es sich nämlich nicht so oder es wird mit der typischen Wirkung gespielt. Dennoch möchten wir einige Hinweise geben, verweisen aber darauf, diese in jedem Fall zu überprüfen.

Übersicht: Merkmale, Wirkung und Funktion der Stilfigur

  • Das Zeugma beschreibt immer den Umstand, dass ein Satzteil auf mehrere andere Wörter oder Satzteile bezogen wird. Sehr häufig ist das ein Verb, auch wenn mittlerweile sämtliche solcher Auslassungen sowie zusätzlichen Verbindungen als Zeugmata bezeichnet werden. Einst war das die grundsätzliche Trennung zur Syllepse.
  • Solche Verknappungen kommen oftmals zum Einsatz, wenn der Text nach Umgangssprache klingen soll. Dies gilt für sämtliche Formen der Wortauslassung – springende Gedanken und abgebrochene Sätze sind charakteristisch für die Sprache des Alltags.
  • Allerdings hat das Zeugma häufig einen komischen oder ironischen Unterton. Vor allem dann, wenn ungewöhnliche Wendungen kombiniert werden, wodurch der Empfänger der Äußerung überrascht wird, auch wenn manche Verbindungen eher sinnwidrig erscheinen.
  • Die Grundlage solcher Zeugmata bildet sehr häufig ein polysemes Verb. Als polysem wird ein Wort bezeichnet, welches für verschiedene Bedeutungsinhalte oder auch Begriffe steht. Ein ähnliches Wort für Polysemie wäre demnach Mehrdeutigkeit.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Zeugma
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001