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changieren

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
changieren
Worttrennung
chan·gie·ren
Präsens
changiert
Präteritum
changierte
Partizip II
changiert
Hilfsverb
haben
Trennbarkeit
nicht trennbar
Ergänzungen
zwischen Farben oder Wirkungen changieren (zwischen + Dativ)

Bedeutung

Das Verb changieren hat zwei Bedeutungen. Es kann tauschen, wechseln oder aber verändern bedeuten und demnach einen Wechsel sowie eine Veränderung zum Ausdruck bringen oder in der Bedeutung von schillern den Farbverlauf oder auch die Verschiedenfarbigkeit von Stoffen beschreiben. Zumeist wird hierbei ein buntes Schillern in allen Farben des Regenbogens beschrieben. Der Begriff wird bildungssprachlich gebraucht.

In seiner ersten Bedeutung drückt das Verb changieren etwa eine Richtungsänderung aus. Ein Polizeihund changiert, wenn er sich für eine andere Fährte entscheidet. So ein Wechsel kann auch im übertragenen Sinn gemeint sein, etwa wenn sich die politische Lage in einem Land ändert und damit changiert. Im Gespräch kann die Stimme changieren, wenn zwischen einem lustigen und einem ernsten Thema gewechselt wird.

Die zweite Bedeutung des Wortes meint eine Farbveränderung. Ein changierender Mantel kann je nach Lichteinfall mal grün und mal blau wirken. Auch Stoffe können changieren. So haben etwa Seide oder Samt je nach Lichteinfall changierende Farben und schillern dann in verschiedenen Tönen.

Das Verb stammt vom französischen Wort changer ab, das mit tauschen oder verändern übersetzt werden kann. Heutzutage dominiert sprachlich vor allem der Bezug zu einer Farbe, der sich im 18. Jahrhundert herauskristallisierte.

Im Französischen entstand ebenfalls im 18. Jahrhundert die Bezeichnung Changeant für ein farblich schillerndes Kleidungsstück. Dieser Begriff wird auch heute noch für Stoffe verwendet, die sich je nach Blickwinkel farblich verändern.

Über den Ngram-Viewer, ein Tool, das den gesamten Bestand der digitalisierten Werke in Google Books analysiert, findet man ein erstes Dokument aus dem Jahr 1805, in dem die Verwendung des Verbes schriftlich dokumentiert wird.

In den Gedanken über einige dem Officier der leichten Cavallerie nothwendigen Kenntnisse heißt es: „Man lässt das Pferd oft von der Hand changieren, damit es nicht schwindlich werde, und hiebey zieht man es durch die Korde an sich […]“

In diesem Beispiel wird auch eine der ersten Bedeutungen deutlich. Zumeist wurde mit ebendiesem Wort nämlich der Richtungswechsel bei Pferden beschrieben.


Beispiele

Er überlegte, seine Reise aufgrund der changierenden Sicherheitsverhältnisse des Landes abzusagen.
Er hätte nicht gedacht, dass sein Pferd während des Wettkampfes so sehr changieren würde.
So changieren viele Darstellungen von Personen zwischen Individualität und Ideal, momentaner Befindlichkeit eines Einzelnen und der Verbildlichung einer Emotion als solcher, eines ins Allgemeine gekehrten Affekts.
Michael Hierholzer, "Selbststilisierung und Selbsterkenntnis"
Sie trug heute eine blaue Seidenbluse, die in verschiedenen Blautönen changierte.
Von besonderem Reiz gestaltete Winter in Zwiesprache mit der Flöte "Wie sich ein winz'ges Lüftchen regt" in luftiger Leichtigkeit der vergnüglichen Passagen, um dann reich im Kolorit ins Trübere zu changieren. Diese feinsinnigen Hell-Dunkel-Wechsel beherrschte Telemann in ausgesprochen feinfühliger Weise.
Reinhard Palmer, "Feinfühliges Changieren"

Grammatik

  • Wortart Verb
  • Worttrennung chan·gie·ren
Konjugation von changierenTempora, Konjunktiv und Hauptformen
Präsens Präteritum Perfekt
ich changier(e) ich changierte ich habe changiert
du changierst du changiertest du hast changiert
er changiert er changierte er hat changiert
wir changieren wir changierten wir haben changiert
ihr changiert ihr changiertet ihr habt changiert
sie changieren sie changierten sie haben changiert
Plusquamperfekt Futur I Futur II
ich hatte changiert ich werde changieren ich werde changiert haben
du hattest changiert du wirst changieren du wirst changiert haben
er hatte changiert er wird changieren er wird changiert haben
wir hatten changiert wir werden changieren wir werden changiert haben
ihr hattet changiert ihr werdet changieren ihr werdet changiert haben
sie hatten changiert sie werden changieren sie werden changiert haben
Konjunktiv I Konjunktiv II Imperativ
ich changiere ich changierte -
du changierest du changiertest changier(e)
er changiere er changierte -
wir changieren wir changierten —
ihr changieret ihr changiertet changiert
sie changieren sie changierten —
Infinitiv Partizip
changieren changierend
zu changieren changiert

Synonyme

  • tauschen
  • verändern
  • wechseln
  • glänzen
  • irisieren
  • leuchten
  • opalisieren
  • schillern

Synonyme von changieren im Gebrauch

Schillern, wechseln und sich verändern passen zu unterschiedlichen Verwendungen von changieren. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer wechselnden Farbwirkung und einer tatsächlichen Veränderung des beschriebenen Gegenstands.

Gemeinte Wirkung Mögliche Alternative Unterschied
Farben erscheinen je nach Blick oder Licht verschieden schillern Betont den wahrnehmbaren Farbeindruck.
Regenbogenartige Farbwirkung irisieren Ist enger auf diese besondere Farbwirkung bezogen.
Ein Ausdruck bewegt sich zwischen verschiedenen Wirkungen wechseln, zwischen etwas schwanken Der Zusammenhang muss zeigen, ob ein zeitlicher Wechsel oder eine schwer festlegbare Wirkung gemeint ist.

Zwei eigene Satzvergleiche

„Der Stoff changiert im Licht zwischen Grün und Blau.“ – „Der Stoff schillert im Licht zwischen Grün und Blau.“ Beide Sätze beschreiben einen wechselnden Farbeindruck. Sie behaupten nicht, dass der Stoff neu gefärbt wird oder seine Zusammensetzung verändert.

„Der Ton der Erzählung changiert zwischen Spott und Mitgefühl.“ – „Der Ton der Erzählung schwankt zwischen Spott und Mitgefühl.“ Die zweite Fassung macht den Gegensatz unmittelbar verständlich. Changiert kann stärker hervorheben, dass sich die Wirkungen überlagern oder nicht eindeutig auf eine einzige Haltung festlegen lassen.

Warum glänzen und leuchten nicht immer passen

Eine Oberfläche kann glänzen, ohne einen wechselnden Farbton zu zeigen. Ebenso kann etwas hell leuchten und dabei dieselbe Farbe behalten. Diese Verben benennen daher nicht zuverlässig den entscheidenden Aspekt des Changierens. Irisieren passt dagegen, wenn ausdrücklich ein regenbogenartiges Schillern gemeint ist.

Die Grundformen lauten changieren – changierte – hat changiert. Das Partizip wird ohne ge- gebildet. In den beschriebenen Verwendungen steht häufig der Gegenstand oder Ausdruck als Subjekt: Der Stoff changiert; die Darstellung changiert zwischen zwei Deutungen.