WORTWUCHS | Literaturlexikon

flanieren

Bedeutung

Das Verb flanieren ist ein beschönigter Ausdruck für das Wort spazieren oder schlendern. Man kann ihn auch mit bummeln übersetzen. Das Wort ist Teil eines gehobenen Wortschatzes.

Wer flaniert, der geht langsam und gemütlich, etwa durch einen Park oder eine Stadt, ohne Ziel und Zeitdruck. So kann man beispielsweise während des Urlaubs am Strand flanieren oder man überbrückt freie Zeit oder erkundet eine neue Stadt per pedes, also zu Fuß, indem man durch eine Fußgängerzone flaniert, ohne dabei ein bestimmtes Ziel zu haben.

Eine mögliche Substantivierung lautet Flaneur. Sie bezeichnet einen Menschen, der beim Spazierengehen durch die Gegend schaut, die Zeit genießt und sich einfach treiben lässt. In der früheren Verwendung des Begriffs schwingt immer ein wenig die Konnotation mit, sich beim Flanieren in schöner Kleidung zu zeigen und gesehen zu werden.

Der Begriff leitet sich vom gleichbedeutenden französischen Verb flaner ab. Dieses Wort wiederum hat seine Wurzeln in dem Dialektwort flanner aus der Normandie.

Das Verb kam etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den deutschen Sprachgebrauch. Man findet eine erste Referenz dazu im Deutschen Wörterbuch von Moritz Heyne, das 1892 erschien.

Um die 1940er Jahre erfreute sich der Begriff wachsender Beliebtheit und wurde immer häufiger, vor allem in der Literatur, gebraucht. In den 1980er Jahren wurde das Fremdwort zu einem Begriff, der auch in der Alltagssprache omnipräsent und immer häufiger gebraucht wurde.

1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1997
2. Quelle: Ngram Viewer

Beispiele

Während die Touristenmassen hektisch an mir vorbeiliefen, konnte ich mir Zeit lassen und in Seelenruhe durch das Schloss flanieren.
Seit wir Anfang des Jahres auf der Auer Dult einen Staubwedel aus Straußenfedern gekauft haben, flaniere ich dann und wann gerne durch unsere Wohnung und bewedele Gegenstände.
Christian Jooß-Bernau, "Mit dem Staubwedel in die Villa Stuck"
Für heute nahm er sich vor, das Handy zuhause zu lassen und keine Termine zu machen. Er wollte einfach so in der Stadt flanieren gehen.
Sie nahm sich vor, heute mal in ihrer besten Sonntagskleidung durch den Park zu flanieren, in der Hoffnung, dort jemanden kennenzulernen.
Flanieren ist ein bisschen so wie das Surfen im Netz. Der Flaneur surft in der realen Welt.
Gero von Randow, "Folgen Sie mir unauffällig"

Grammatik

  • Wortart Verb
  • Worttrennung fla·nie·ren!
Präsens Präteritum Perfekt
ich flanier(e) ich flanierte ich habe flaniert
du flanierst du flaniertest du hast flaniert
er flaniert er flanierte er hat flaniert
wir flanieren wir flanierten wir haben flaniert
ihr flaniert ihr flaniertet ihr habt flaniert
sie flanieren sie flanierten sie haben flaniert
Plusquamperfekt Futur I Futur II
ich hatte flaniert ich werde flanieren ich werde flaniert haben
du hattest flaniert du wirst flanieren du wirst flaniert haben
er hatte flaniert er wird flanieren er wird flaniert haben
wir hatten flaniert wir werden flanieren wir werden flaniert haben
ihr hattet flaniert ihr werdet flanieren ihr werdet flaniert haben
sie hatten flaniert sie werden flanieren sie werden flaniert haben
Konjunktiv I Konjunktiv I Imperativ
ich flaniere ich flanierte -
du flanierest du flaniertest flanier(e)
er flaniere er flanierte -
wir flanieren wir flanierten flanieren
ihr flanieret ihr flaniertet flaniert
sie flanieren sie flanierten flanieren
Infinitiv Partizip
flanieren flanierend
zu flanieren flaniert

Synonyme

  • bummeln
  • einen Bummel machen
  • einen Spaziergang machen
  • herumflanieren
  • herumgehen
  • herumschlendern
  • herumstreifen
  • lustwandeln
  • promenieren
  • schlendern
  • spazieren gehen
  • streifen
  • umherflanieren
  • umhergehen
  • umherschlendern