WORTWUCHS | Literaturlexikon

lakonisch

Bedeutung

Das Adjektiv lakonisch hat zwei Bedeutungen, die recht nahe beieinander liegen. Es bedeutet entweder wortkarg, also wenig redend oder dass eine Aussage kurz und treffend, prägnant ist.

Die beiden Bedeutungen verweisen darauf, dass schriftliche oder verbale Äußerungen eines Sprechers sehr wenig Worte umfassen. Allerdings verweist die erste Bedeutung vor allem auf die äußerst knappe Wortwahl, wohingegen in der zweiten Bedeutung mitschwingt, dass die Aussage auf Unnötiges verzichtet und präzise das Wesentliche benannt wird.

Darüber hinaus gibt es eine griechische Landschaft im Süden der Region Peloponnes, die als Lakonien bezeichnet wird. Das Fremdwort wird demnach auch gebraucht, um Erzeugnisse aus Lakonien, wie lakonische Schalen und Ähnliches, zu benennen.

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Wird lakonisch in ebendieser Bedeutung gebraucht, zielt das Wort vordergründig darauf ab, dass der Sprechende wenig Worte benutzt. Würde der Angesprochene etwa auf die offene Frage "Wie geht es dir?" mit "Geht." antworten, ohne weitere Erklärungen zu liefern, könnte dies als lakonisch bezeichnet werden. Das Wort wird teils als allgemeine Beschreibung für einen wortkargen, schweigsamen Menschen gebraucht.

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Ist etwas in diesem Sinne lakonisch, wird ebenso auf den reduzierten Einsatz von Wörtern verwiesen, aber eben auch darauf, dass diese präzise gewählt sind und das Wesentliche fassen und keine unnötigen Details benennen. Ein Beispiel:

Wie war das Turnier?
Wir haben gewonnen!
Im obigen Beispiel wird auf das Wesentliche verwiesen und die Frage wird mit dem, was der Fragensteller vermutlich wissen möchte, beantwortet. Allerdings enthält diese Antwort keine zusätzlichen Informationen zum Hergang des Turniers. Eine solche Antwort wäre wortkarg, aber eben auch präzise.

Die wohl bekanntesten Beispiele für Lakonik finden sich in den Sagen und Legenden rund um Sparta, der vielleicht stärksten Militärmacht des alten Griechenland, das namensgebend für den Begriff selbst wurde, da es in Lakonien liegt. Ein Beispiel findet sich in der lakonischen Antwort der Spartaner auf die Drohung des Königs von Makedonien, Philipp II.:

"Wenn ich euch besiegt habe, werden eure Häuser brennen, eure Städte in Flammen stehen und eure Frauen zu Witwen werden."
Darauf sollen die Spartaner lediglich mit einem einzigen Wort geantwortet haben, dass das Wesentliche erwiderte und die Drohung des Königs herausfordernd auf die Probe stellte.

Sie antworteten:

Wenn!
Diese Antwort ist lakonisch, weil sie kurz und treffend ist, das Wesentliche erwidert und keine unnötigen Details enthält. Sie ist nicht nur wortkarg, sondern drückt in ihrer Kürze alles aus, was es zu sagen gibt, weshalb Lakonik im engeren Sinn nicht mit Wortkargheit gleichgesetzt werden kann, auch wenn wenig Worte gesprochen werden, da der Informationsgehalt präzise und dadurch mitunter sogar erhöht ist (vgl. Brachylogie).

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In dieser Bedeutung wird das Wort vor allem gebraucht, um Erzeugnisse der Region Lakonien zu kennzeichnen. Nach der Gründung des griechischen Staates im Jahr 1833 wurde die Region Lakonien als Präfektur eingerichtet und war dadurch ein Zusammenschlusses mehrerer voneinander abhängiger Verwaltungsgebiete. Durch die Verwaltungsreform 2010 verlor Lakonien diesen Status und bildet seither den Regionalbezirk Lakonien, dessen politische Bedeutung untergeordnet ist.

Als lakonisch werden allerdings meist Erzeugnisse bezeichnet, die aus der Region stammen, aber aus der Antike sind und im Zusammenhang mit den Spartanern stehen, die die Einwohner des Gebiets waren und auch als Lakonier bezeichnet werden.

Das Fremdwort wurde im 17. Jahrhundert aus dem lateinischen laconicus entlehnt, das gleichbedeutend ist. Es geht auf das griechische λακωνικός (lakōnikós) zurück. Dieses ist ein Adjektiv zum Nomen Λάκων (Lákōn), das Lakedämonier bedeutet.

Das Wort Lakedämonier ist ein Synonym für die Spartaner und leitet sich von ihrem mythischem Stammvater Lakedaimon ab, der laut Mythos ein Sohn des Göttervaters Zeus war.

Die Lebensweise der Spartaner galt als auf das Notwendigste reduziert, woher sich das Wort spartanisch ableitet, wobei ebenso ihre Ausdrucks- sowie Sprechweise als besonders wortkarg, nüchtern und präzise galt, wie im Beispiel gezeigt wurde, was wiederum das Adjektiv lakonisch prägte.

In der Literatur lässt sich das Fremdwort vor allem seit dem 18. Jahrhundert belegen, wobei es dann später vor allem in der Bildungssprache des 20. Jahrhunderts Verwendung findet und durchaus häufig ist (vgl. Literaturepochen).

Auffällig ist hierbei, dass das Wort anfangs vor allem für einen nüchternen, präzisen Sprachgebrauch - ganz im Sinne des spartanischen Ursprung - gebraucht wurde und mittlerweile vermehrt genutzt wird, um die Wortkargheit einer Person im Allgemeinen zu beschreiben. Dies könnte durchaus ein Grund für die steigende Verbreitung in Texten sein.

1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1997
2. Quelle: Ngram Viewer

Beispiele

Cornelia errinnerte sich genau an den Tathergang und wie der Eindringling sie erniedrigt hatte. Mit ruhiger Stimme schilderte sie den Hergang lakonisch dem Polizeibeamten.
Gerade auch weil alle Zölle letztlich eben zu Lasten amerikanischer Firmen und Verbraucher gehen. Selbst Mulvaney gibt das zu: 'Illegale Einwanderung hat ihren Preis', sagt er lakonisch.
Marc Pitzke, "Erst Zäune, jetzt Zölle"
Ihre Wirbelsäule war bei dem Unfall stark verletzt worden und sie war nunmehr für den Rest ihres Lebens an einen Rollstuhl angewiesen. 'Hüpfburg mit den Kids geht jetzt nicht mehr.', kommentierte sie den Vorfall lakonisch.
'Ja!', antwortete er lakonisch verließ das Podium und ließ das Publikum ein wenig verwirrt zurück, da er der eigentlichen Frage, die offen gestellt wurde, ein wenig auswich und seine Antwort nicht weiter präzisierte. Vor allem einen genauen Termin blieb er schuldig.
Gegen Ende des zweiseitigen Schreibens heißt es dann noch lakonisch, im Übrigen habe die Baufirma einen Fehler gemacht, daher "steht der Strommast der Stadtwerke München derzeit in der Gehbahn".
sueddeutsche.de, "Weg frei für die Passanten"

Grammatik

Starke Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativlakonischerlakonischeslakonischelakonische
Genitivlakonischenlakonischenlakonischerlakonischer
Dativlakonischemlakonischemlakonischerlakonischen
Akkusativlakonischenlakonischeslakonischelakonische
Schwache Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativder
lakonische
das
lakonische
die
lakonische
die
lakonischen
Genitivdes
lakonischen
des
lakonischen
der
lakonischen
der
lakonischen
Dativdem
lakonischen
dem
lakonischen
der
lakonischen
den
lakonischen
Akkusativden
lakonischen
das
lakonische
die
lakonische
die
lakonischen
Gemischte Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativein
lakonischer
ein
lakonisches
eine
lakonische
keine
lakonischen
Genitiveines
lakonischen
eines
lakonischen
einer
lakonischen
keiner
lakonischen
Dativeinem
lakonischen
einem
lakonischen
einer
lakonischen
keinen
lakonischen
Akkusativeinen
lakonischen
ein
lakonisches
eine
lakonische
keine
lakonischen

Synonyme

  • einsilbig
  • knapp
  • kurzsilbig
  • kurz und knackig
  • kurz und treffend
  • lapidar
  • ohne nähere Einzelheiten
  • prägnant
  • wortarm
  • wortkarg