WORTWUCHS | Literaturlexikon

larmoyant

Bedeutung

Das Adjektiv larmoyant bedeutet weinerlich, rührselig und mit allzuviel Gefühl sowie Selbstmitleid und beschreibt zumeist eine Person, eine Sache oder auch eine Stimmung.

Demnach kann der Charakter eines Menschen, sein Verhalten, die Atmosphäre eines sozialen Raums oder ein Kulturgut, etwa ein Film, als larmoyant bewertet werden. Diese Wertung kann Ausdruck einer negativen sowie subjektiven Einschätzung des Gegenübers sein – und ist in diesem Fall abwertend gemeint. Wenn jemand oder etwas mit dem Adjektiv beschrieben wird, meint dies weinerlich und sentimental im negativen Sinn. In Bezug auf Stimmungen kann synonym auch das Wort kitschig gebraucht werden, das auf unechte Weise gefühlvoll meint.

Das Wort larmoyant ist dem Französischen entlehnt und leitet sich vom Verb larmoyer ab, das sich mit jammern oder weinen übersetzen lässt und vom Nomen larme für Träne ableitet, das auf das gleichbedeutende lateinische lacrima zurückgeht.

Vermutlich kam das Wort zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die deutsche Sprache. In jedem Fall findet es vermehrt ab etwa 1945 bis 1995 in der gehobenen Sprache Verwendung, wobei es gegen Ende der Neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts seinen Höhepunkt hatte.[2]

Abgeleitet von larmoyant ist die substantivierte Variante Larmoyanz, die synonym für Rührseligkeit gebraucht werden kann. Auch diese ist heute wenig gebräuchlich im Deutschen.

1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1997
2. Quelle: Ngram Viewer

Beispiele

Sie konnte das larmoyante, kitschige Ende des Films nicht mehr ertragen und verließ noch vor dem Abspann den Kinosaal.
Als die larmoyant heisere Stimme seiner Haushälterin Agnes ihn weckte, riß er sich mit Willensanspannung und ungern gehorchenden Gliedern aus dem Bett
Lion Feuchtwanger: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 45
Vermutlich waren nicht alle Redner so larmoyant wie der blasse Typ, der sich gerade ans Rednerpult klammerte und sich eine Träne aus dem Auge wischte, aber insgesamt wirkten sie allesamt sehr weinerlich und dünnhäutig auf ihn. Er hatte also gute Karten, um sie rhetorisch in die Ecke zu drängen.
Überhaupt bleibt manches im Dunkeln. Und manches klingt reichlich larmoyant. Sein größter Erfolg im Leben sei [...] dass er während seiner Haftzeit in Bethel einen Autisten habe zum Sprechen bringen können.
Tillmann Neuscheler, "Ich war auch mal ein netter Kerl"

Grammatik

Positiv
Grundform
Komparativ
1. Steigerung
Superlativ
2. Steigerung
lar­mo­y­antlar­mo­y­anteram lar­mo­y­antesten
Starke Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativlar­mo­y­anterlar­mo­y­anteslar­mo­y­antelar­mo­y­ante
Genitivlar­mo­y­antenlar­mo­y­antenlar­mo­y­anterlar­mo­y­anter
Dativlar­mo­y­antemlar­mo­y­antemlar­mo­y­anterlar­mo­y­anten
Akkusativlar­mo­y­antenlar­mo­y­anteslar­mo­y­antelar­mo­y­ante
Schwache Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativder
lar­mo­y­ante
das
lar­mo­y­ante
die
lar­mo­y­ante
die
lar­mo­y­anten
Genitivdes
lar­mo­y­anten
des
lar­mo­y­anten
der
lar­mo­y­anten
der
lar­mo­y­anten
Dativdem
lar­mo­y­anten
dem
lar­mo­y­anten
der
lar­mo­y­anten
den
lar­mo­y­anten
Akkusativden
lar­mo­y­anten
das
lar­mo­y­ante
die
lar­mo­y­ante
die
lar­mo­y­anten
Gemischte Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativein
lar­mo­y­anter
ein
lar­mo­y­antes
eine
lar­mo­y­ante
keine
lar­mo­y­anten
Genitiveines
lar­mo­y­anten
eines
lar­mo­y­anten
einer
lar­mo­y­anten
keiner
lar­mo­y­anten
Dativeinem
lar­mo­y­anten
einem
lar­mo­y­anten
einer
lar­mo­y­anten
keinen
lar­mo­y­anten
Akkusativeinen
lar­mo­y­anten
ein
lar­mo­y­antes
eine
lar­mo­y­ante
keine
lar­mo­y­anten

Synonyme

  • rührselig
  • sentimental
  • tränenreich
  • voller Selbstmitleid
  • wehleidig
  • weinerlich