Wortfeld: passende Wörter, Beispiele und Übungen
Ein Wortfeld verbindet Wörter, deren Bedeutungen zu einem gemeinsamen Bereich gehören. Zum Wortfeld sagen zählen zum Beispiel erzählen, fragen, antworten und flüstern. Solche Wörter helfen dir, genauer zu schreiben: Sie können zeigen, was jemand tut, auf welche Weise etwas geschieht oder wie eine Äußerung gemeint ist.
Wörter eines Wortfelds sind nicht beliebig austauschbar. Wer fragt, tut etwas anderes als jemand, der antwortet. Beide Tätigkeiten gehören aber zum sprachlichen Austausch. In den folgenden Wortfeldern vergleichen wir jeweils Verben. Den Unterschied zur Wortfamilie findest du weiter unten.
Wortfeld sagen: die Äußerung genauer beschreiben
Sagen ist oft genau das richtige Wort. Es lenkt wenig Aufmerksamkeit auf die Art des Sprechens. Wähle ein genaueres Verb, wenn diese zusätzliche Information für deinen Text wichtig ist.
- erzählen, berichten
Erzählen passt etwa zu Erlebnissen oder Geschichten. Berichten hebt die Mitteilung über einen Vorgang hervor und wirkt häufig sachlicher.
Mila erzählt von ihrem ersten Tag im Ferienlager.
Die Klassensprecherin berichtet über das Gespräch mit der Schulleitung.- fragen, antworten
Die Verben benennen verschiedene Schritte eines Gesprächs. Eine Antwort bezieht sich auf eine vorherige Frage oder Äußerung.
„Wann beginnt die Probe?“, fragt Ben.
„Um drei“, antwortet Leni.- flüstern, rufen
Hier geht es um die Sprechweise. Beim Flüstern wird die Stimme sehr leise eingesetzt. Rufen ist lauter und kann etwa eine größere Entfernung überbrücken.
„Da schläft jemand“, flüstert Jona.
„Warte am Tor!“, ruft Jona seinem Freund hinterher.- erklären, behaupten
Erklären zielt darauf, etwas verständlich zu machen. Wer etwas behauptet, stellt es als zutreffend dar. Das Verb allein bestätigt weder die Wahrheit noch die Unwahrheit der Aussage.
Die Trainerin erklärt, wie der Wechsel funktioniert.
Tom behauptet, er habe den Schlüssel auf den Tisch gelegt.
Weitere Wörter zum Vergleichen: erwidern, entgegnen, bitten, befehlen, anordnen, schildern, vermuten, mitteilen, plaudern, schwatzen, diskutieren. Prüfe jeweils, welche Handlung sie bezeichnen und welche Ergänzungen sie brauchen.
Ein Satzvergleich: Ich würde gern mit dir reden lässt den Anlass offen. Ich würde gern mit dir plaudern kündigt eher ein lockeres Gespräch an. Die Grundsituation ist ähnlich, die Wirkung verändert sich. Bei Ich würde gern mit dir diskutieren erwartest du eher einen Austausch von Standpunkten.
Offene und geschlossene Wortfelder
Wie groß ein Wortfeld ist, hängt von seinem gemeinsamen Bedeutungsbereich und der gewählten Abgrenzung ab. Eine Sammlung zum Sprechen ist weiter als eine Sammlung von Verben für leises Sprechen.
- Offene Wortfelder haben keine festgelegte Mitgliederzahl. Neue Farbbezeichnungen wie zusammengesetzte Farbnamen können beispielsweise eine Sammlung von Farbwörtern erweitern.
- Geschlossene Wortfelder umfassen innerhalb eines festgelegten Systems eine begrenzte Gruppe. Die üblichen deutschen Namen der sieben Wochentage oder der zwölf Monate sind Beispiele. Ihre Mitglieder bezeichnen verschiedene Stellen desselben Systems; sie sind keine Synonyme.
Wortfeld und Wortfamilie
Ein Wortfeld ordnet Wörter nach ihrer Bedeutung. Eine Wortfamilie verbindet Wörter nach ihrer Stammverwandtschaft. Beide Betrachtungsweisen können sich überschneiden, beantworten aber verschiedene Fragen.
- Wortfeld gehen: schlendern, eilen, schleichen, stapfen. Die Verben beschreiben unterschiedliche Arten der Fortbewegung.
- Wortfamilie gehen: gehen, ausgehen, Gehweg. Der gemeinsame Stamm geh- ist erkennbar; mit dem Nomen Gehweg ist jedoch eine andere Wortart vertreten.
Du kannst deshalb nicht allein an einer ähnlichen Schreibung erkennen, ob Wörter zum selben Wortfeld gehören. Mehr Beispiele und Aufgaben findest du auf der Seite zur Wortfamilie. Die Übersicht der Wortarten hilft dir beim Unterscheiden von Verben, Nomen und Adjektiven.
Weitere beispielhafte Wortfelder
Die folgenden Auswahlen verbinden Wörter mit einer kurzen Erklärung. Vergleiche zuerst die Situation, dann die Wörter. Ein genaueres Verb soll eine passende Einzelheit ergänzen und keine neue Tatsache erfinden.
Wortfeld gehen: Tempo und Bewegungsweise
- schlendern: ohne Eile und eher gelassen gehen. Nach dem Essen schlendern wir am Fluss entlang.
- eilen: sich beeilen, um zügig ein Ziel zu erreichen. Als der Gong ertönt, eilt Nuri zum Klassenraum.
- schleichen: sich leise und vorsichtig bewegen. Lea schleicht am schlafenden Hund vorbei.
- stapfen: mit kräftigen Schritten und angehobenen Beinen gehen, etwa auf schwierigem Untergrund. Wir stapfen durch den tiefen Schnee zum Schuppen.
- wandern: eine längere Strecke zu Fuß zurücklegen, häufig in der Natur. Am Samstag wandert die Gruppe zur Berghütte.
Vergleich: Lea geht zum Tor nennt den Weg. Lea eilt zum Tor ergänzt Eile. Daraus folgt noch nicht, weshalb sie es eilig hat. Eine Begründung wie weil ihr Bus gleich abfährt braucht eine eigene Information im Text.
Wortfeld sehen: wahrnehmen oder aufmerksam hinsehen?
- sehen: etwas mit den Augen wahrnehmen. Vom Fenster aus sehen wir den Sportplatz.
- betrachten: den Blick bewusst auf etwas richten und es näher ansehen. Wir betrachten die Zeichnung aus der Nähe.
- beobachten: aufmerksam verfolgen, was geschieht oder wie sich etwas verhält. Die Kinder beobachten, wie eine Amsel ihr Nest baut.
- entdecken: etwas bemerken oder finden, das vorher nicht aufgefallen oder bekannt war. Unter dem Blatt entdeckt Amir eine kleine Raupe.
- starren: den Blick längere Zeit unbewegt auf etwas richten. Nach der überraschenden Nachricht starrt Eva auf das Display.
Vergleich: Ich entdecke einen Vogel im Baum beschreibt das Bemerken. Ich beobachte den Vogel beschreibt die anschließende Aufmerksamkeit. In diesem Zusammenhang ergänzt ein Verb das andere.
Wortfeld machen: die Tätigkeit benennen
Machen hat viele Verwendungen. Eine passende Alternative ergibt sich deshalb erst zusammen mit dem Gegenstand oder Ergebnis der Tätigkeit:
- ein Plakat machen → ein Plakat gestalten: Die Anordnung und das Aussehen stehen im Vordergrund.
- eine Aufgabe machen → eine Aufgabe bearbeiten oder lösen: Bearbeiten nennt die Beschäftigung mit der Aufgabe; lösen bezeichnet das Finden einer Lösung.
- einen Versuch machen → einen Versuch durchführen: Das geplante Vorgehen wird betont.
- das Essen machen → das Essen zubereiten: Die Tätigkeit in der Küche wird genauer benannt.
Gut zu wissen: Wendungen wie Hausaufgaben machen oder einen Fehler machen sind üblich und verständlich. Ersetze machen dort nicht allein aus Angst vor Wiederholungen. Eine Aufgabe lösen wäre außerdem zu viel behauptet, wenn jemand sie lediglich begonnen hat.
Wortfeld essen: Menge, Art und Sprachstil
- essen: das neutrale Wort. Wir essen nach der Probe gemeinsam.
- kosten: eine kleine Menge probieren, um den Geschmack kennenzulernen oder zu prüfen. Bevor sie nachwürzt, kostet Sara die Soße.
- naschen: etwas Leckeres, oft Süßes, zwischendurch essen. Beim Backen nascht Paul ein Stück Schokolade.
- schlingen: hastig essen und wenig kauen. Weil er spät dran ist, schlingt Ben sein Frühstück hinunter.
- speisen: ein gehobenes Wort für essen. Die Gäste speisen im festlich gedeckten Saal.
Vergleich: Ben isst sein Frühstück bleibt neutral. Ben schlingt sein Frühstück hinunter beschreibt die hastige Art und kann kritisch klingen. Bei speisen verändert sich vor allem der Sprachstil.
Übungen: passende Wörter auswählen
Schreibe deine Antworten zuerst auf. Bei den offenen Aufgaben sind mehrere Lösungen möglich. Entscheidend ist, dass du deine Wortwahl mit der jeweiligen Situation begründest.
- Leise sprechen: Im Nebenraum schläft ein Baby. Ergänze: „Wir spielen draußen weiter“, ___ Mara. Wähle aus flüstert, ruft, behauptet und begründe.
- Tempo vergleichen: Setze einmal schlendert und einmal eilt ein: A: Der Zug fährt gleich ab. Tim ___ zum Bahnsteig. B: Tim hat den ganzen Nachmittag frei und ___ durch den Park.
- Zwei Schritte: Ergänze mit entdeckt und beobachtet: Zuerst ___ Aylin eine Spinne am Fenster. Danach ___ sie, wie die Spinne ihr Netz repariert.
- Machen genauer fassen: Formuliere passend um: Die Gruppe macht ein Plakat für das Schulfest. Nenne anschließend einen Grund, warum du Die Gruppe macht einen Fehler unverändert lassen kannst.
- Wirkung erklären: Vergleiche Die Gäste essen im Saal und Die Gäste speisen im Saal. Welche zusätzliche Wirkung hat der zweite Satz?
- Einen kurzen Text überarbeiten: Es ist spät. Nela geht leise am Kinderzimmer vorbei. In der Küche sieht sie einen Zettel auf dem Tisch. Sie sieht ihn sich genau an. Ersetze drei Verben durch passende Wörter aus den Listen. Erfinde dabei keine weitere Handlung.
Lösungen mit Begründungen
- flüstert. Das Wort passt zur Rücksicht auf das schlafende Baby. Ruft wäre lauter; behauptet würde eine Aussage als Standpunkt kennzeichnen, aber nicht die leise Sprechweise.
- A: eilt. B: schlendert. Die bevorstehende Abfahrt erklärt die Eile. Der freie Nachmittag und der Spaziergang passen hier zum Gehen ohne Zeitdruck.
- entdeckt; beobachtet. Aylin bemerkt die Spinne zunächst. Anschließend verfolgt sie deren Tätigkeit aufmerksam.
- Die Gruppe gestaltet ein Plakat für das Schulfest. Das Verb passt zur Arbeit am Aussehen des Plakats. Einen Fehler machen ist eine gebräuchliche, klare Verbindung und braucht keine künstliche Alternative.
- Speisen wirkt gehobener. Der Satz klingt festlicher oder förmlicher. Er belegt allein noch nicht, dass das Essen teuer ist oder den Gästen schmeckt.
- Eine mögliche Fassung: Es ist spät. Nela schleicht am Kinderzimmer vorbei. In der Küche entdeckt sie einen Zettel auf dem Tisch. Sie betrachtet ihn genau. Schleicht bündelt das leise Gehen, entdeckt das Bemerken des Zettels und betrachtet das genaue Hinsehen. Andere passende Lösungen sind möglich.
Für deinen eigenen Text: Markiere ein sehr allgemeines Verb. Frage dich: Welche Einzelheit ist wichtig? Wähle ein Wort, das diese Einzelheit tatsächlich ausdrückt. Lies den ganzen Satz erneut und prüfe, ob Satzbau und Aussage noch passen.
Für den nächsten Schritt helfen dir die Satzanfänge mit Beispielen und die weiteren Deutschübungen.
