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Kontroverse

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Kontroverse
Worttrennung
Kon·tro·ver·se
Artikel
die
Geschlecht
Femininum
Genitiv
der Kontroverse
Plural
die Kontroversen

Gebrauch: Bildungssprachlich; Auseinandersetzung über eine Sachfrage.

Formen und Verwendung im Detail

Die Kontroverse ist eine Debatte oder ein Streit über eine Sachfrage. Sie kann sich über längere Zeit erstrecken. Das Thema der Kontroverse kann jeder Natur sein, wodurch sie nicht auf ein bestimmtes Fachgebiet beschränkt ist. Kontroversen können zwischen zwei Personen, durchaus auch privat, geführt werden, aber auch zwischen Gruppen oder Parteien bestehen. Wird ein solcher Streit zwischen großen Lagern geführt, kann dies zu sozialen Unruhen innerhalb der Gruppe führen. Sämtliche Medien (literarische Werke, Filme etc.) können kontrovers diskutiert werden. Verwandt ist der Begriff mit dem Disput.

Begriff

Der Begriff leitet sich aus den lateinischen Wörtern contra und versus ab, die sich mit entgegen und gerichtet übersetzen lassen. Der Ausdruck meint folglich etwas, das entgegengerichtet ist [wobei vor allem Meinungen gemeint sind].

Eine Kontroverse kann zu einer Klärung, einem Konsens oder einem Kompromiss führen; sie kann aber auch ohne Einigung fortbestehen. Der Begriff bezeichnet die Auseinandersetzung unterschiedlicher Positionen und legt ihr Ergebnis nicht fest. Ob ein abschließendes Urteil möglich ist, hängt von der konkreten Frage, den Belegen und den angelegten Maßstäben ab.

In der antiken Rhetorik herrschte die Meinung vor, dass Kontroversen, auch wenn ihr Inhalt trivialer Natur war, ein Mittel sind, um dem Gegenüber die intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren. Demzufolge sind solche Streitgespräche nicht nur inhaltliche Debatten, sondern eröffnen die Möglichkeit, das rhetorisches Geschick (vgl. Stilmittel) und die Eloquenz (Sprachfertigkeit) beider Seiten unter Beweis zu stellen.

Kontroverse Themen (Beispiele)

Kontrovers diskutiert werden Themen, zu denen unterschiedliche Positionen vertreten werden. Dabei ist zu unterscheiden: Geht es um Werte und Ziele oder um überprüfbare Tatsachen? Dass eine Frage umstritten ist, bedeutet nicht, dass alle Aussagen darüber gleich gut belegt sind.

Beispiele sind unter anderem die Themen Sterbehilfe, Organspende, Homöopathie, Hartz IV, Mindestlohn oder Abtreibung, Genforschung, Impfen, Atomenergie sowie Studiengebühren. Diese Themen enthalten unterschiedliche Arten von Fragen. Ethische oder politische Bewertungen sind von überprüfbaren Aussagen zu unterscheiden. Für Tatsachenbehauptungen zählen die verfügbaren Belege; eine öffentliche Kontroverse macht einen gut belegten Sachverhalt nicht automatisch ungewiss.

Weil sich daran unterschiedliche Positionen und ihre Begründungen untersuchen lassen, bilden solche Fragen im Deutschunterricht häufig die Grundlage der Erörterung, Stellungnahme sowie der Argumentation. Hierbei ist es die Aufgabe des Schülers zu einem Aspekt Stellung zu beziehen oder die Pros und Contras einer Frage zu erläutern.

Kontroverse und Kontroverstheologie

Viele frühchristliche Schriftsteller sind uns als Kontroverstheologen bekannt. Die Kontroverstheologie befasst sich mit inhaltlichen Fragen in Bezug auf das innere und äußere Wesen der Kirche und ist sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche eine Erscheinungsform.

Kontrovers meint in diesem Zusammenhang das Diskutieren verschiedener Ansichten, wobei abgrenzende oder polemische Absichten im Vordergrund stehen, kann aber auch kritisch die Schwächen der eigenen Haltung beleuchten und so das Wesen einer kirchlichen Gemeinschaft erweitern und somit stärken.

Bekannte Kontroverstheologen sind beispielsweise die Kirchenväter Hieronymus (347 - 420) sowie Irenäus (um 135 - 202). Beide verfassten zahlreiche Abhandlungen, die häretische Lehren (Lehre, die im Widerspruch zur Lehre einer christlichen Kirche steht) kontrovers diskutierten. Ihre Schriften trugen häufig ein Adversus im Titel, was darauf verweist, dass diese gegen etwas gerichtet sind (bspw. Adversus haereses).

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick
  • Eine Kontroverse ist eine Auseinandersetzung unterschiedlicher Positionen zu einem Thema. Sie kann über längere Zeit geführt werden und zu einem Ergebnis gelangen oder ohne Einigung bestehen bleiben. Dass etwas kontrovers diskutiert wird, sagt allein noch nichts über die Belegstärke der einzelnen Aussagen aus.
  • Beinahe sämtliche Themen können kontrovers diskutiert werden. Dennoch gibt es bestimmte Themenbereiche, die immer wieder zu Debatten anregen. Der Auffassung antiker Rhetoriker folgend, kann der Inhalt einer solchen Auseinandersetzung durchaus trivialer Natur sein und dient dann dazu, dem Gegenüber die intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren.

Kontroverse: Synonyme und andere Wörter

Neutral über strittige Fragen schreiben

Auseinandersetzung · Meinungsstreit · Debatte

Meinungsstreit macht das Gegeneinander der Positionen deutlich. Debatte ist weiter und kann auch ein geregeltes Gesprächsformat meinen. Auseinandersetzung kann wiederum ohne Streit eine intensive Beschäftigung mit einem Thema bezeichnen.

„Der Plan löste eine Kontroverse aus.“ → „Der Plan löste einen Meinungsstreit aus.“ Beide Fassungen nennen die gegensätzlichen Positionen, ohne ihren genauen Inhalt schon zu erklären.

Den Ausdruck nicht unnötig zuspitzen

Diskussion · Streit · Wortgefecht

Diskussion ist neutraler und muss nicht kontrovers sein. Wortgefecht betont den scharfen, oft schnellen Austausch. Es passt nur, wenn der Verlauf tatsächlich so beschrieben werden kann.

„Die Fachleute führten eine Kontroverse über die Datierung.“ → „Die Fachleute diskutierten über die Datierung.“ Der zweite Satz lässt offen, wie gegensätzlich ihre Positionen waren.

Verwendung und Beispiele

„Im Stadtrat entstand eine Kontroverse darüber, ob die freie Fläche ein Parkplatz oder ein kleiner Park werden sollte.“

Die konkrete Streitfrage ist genannt. Der Leser weiß damit mehr als bei der bloßen Aussage, es habe eine heftige Kontroverse gegeben.

„Der Artikel stellt die Kontroverse dar, indem er zunächst die Einwände und anschließend die Antworten der Befürworter zusammenfasst.“

Die Darstellung macht Positionen nachvollziehbar. Ob die Zusammenfassung ausgewogen ist, muss am tatsächlichen Text geprüft werden.

Das zugehörige Adjektiv ist kontrovers: eine kontroverse Frage, etwas kontrovers diskutieren. Kontrovers bedeutet hier umstritten oder gegensätzlich beurteilt, nicht besonders kompliziert.

Grammatik

Es heißt die Kontroverse. Der Genitiv lautet der Kontroverse, der Plural die Kontroversen. Die Worttrennung lautet Kon·tro·ver·se.

Im Singular bleibt das Wort in allen Fällen gleich. Der Plural fügt -n hinzu, auch im Dativ: in den Kontroversen.

Gebräuchlich sind eine Kontroverse über eine Frage und eine Kontroverse um einen Vorschlag. Der strittige Gegenstand folgt jeweils im Akkusativ. Im heutigen Deutsch beginnt das Substantiv mit K.

Deklination
Fall Singular Plural
Nominativ die Kontroverse die Kontroversen
Genitiv der Kontroverse der Kontroversen
Dativ der Kontroverse den Kontroversen
Akkusativ die Kontroverse die Kontroversen