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Theodor Mundt

Theodor Mundt, * 19. September 1808 in Potsdam, † 30. November 1861 in Berlin, war ein Schriftsteller des Jungen Deutschland, einer Bewegung innerhalb des Vormärz.

Seine Romane Moderne Lebenswirren und Madonna zählen zu den wichtigeren literarischen Werken der Jungdeutschen. Ebenfalls einflussreich waren seine Schriften zur Ästhetik und Literaturtheorie, wie etwa Kritische Wälder oder Die Kunst der deutschen Prosa, und auch seine Reiseberichte (Spaziergänge und Weltfahrten und Völkerschau auf Reisen).

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Lebenslauf

  • Am 19. September 1808 wird Theodor Mundt als Sohn eines Rechnungsbeamten in Potsdam geboren. Der Vater verstirbt bereits vor der Geburt. Seine Mutter zieht mit dem jungen Theodor nach Berlin.

  • Mit elf Jahren besucht er das Joachimsthalsche Gymnasium und erhält am 5. Oktober 1825 das Reifezeugnis.

  • Ab Oktober 1825 nimmt Mundt ein Studium an der Juristischen Fakultät der Universität Berlin auf.

  • Im Mai 1826 wechselt er an die Philosophische Fakultät und studiert bei August Boeckh, Karl Lachmann, Friedrich von Raumer, Heinrich Ritter und Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

  • Am 20. April 1830 promoviert er mit einer Arbeit aus dem Bereich der Klassischen Philologie und Rhetorik in Erlangen.

  • Schon während des Studiums bekommt er Zugang zu Journalen, beispielsweise zu Moritz Gottlieb Saphirs Berliner Schnellpost für Literatur, Theater und Geselligkeit oder zum Berliner Conversations-Blatt.[1]

  • Ab 1832 lebt Mundt eine Zeit lang in Leipzig und ist Mitredakteur der Blätter für litterarische Unterhaltung.

  • Zurück in Berlin versucht er sich erfolglos an der Habilitation zum akademischen Lehrer.[2]

  • Mitte der 1830er Jahre gilt Mundt in seinen Funktionen als Publizist und Kritiker als einer der führenden Sprecher der jungdeutschen Bewegung.

  • 1834 und 1835 entstehen seine Romane Moderne Lebenswirren und Madonna. Unterhaltungen mit einer Heiligen. Sie zählen zu den wichtigeren literarischen Werken der Jungdeutschen.

  • Am 10. Dezember 1835 erfolgt ein Bundestagsbeschluss, der die Schriften Theodor Mundts, Heinrich Heines, Karl Gutzkows, Ludolf Wienbargs und Heinrich Laubes verbietet.

  • 1839 lässt sich Mundt nach mehreren großen Reisen dauerhaft in Berlin nieder.
  • Im selben Jahr heiratet er Clara Maria Regina Müller, die später unter dem Pseudonym Luise Mühlbach Unterhaltungsliteratur veröffentlicht.

  • 1840 bezieht Mundt in seinem Essay Heine, Börne und das sogenannte junge Deutschland Stellung zur Zensur von 1835.

  • 1842 wird Mundt durch Schellings Einsatz Privatdozent an der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin.

  • 1848 wird er als Professor der allgemeinen Literatur und Geschichte an die Breslauer Universität versetzt.[3]

  • 1850 wird er nach Berlin zurück berufen und hält für eine kurze Zeit seine Vorlesungen an der Universität.
  • Zeitgleich und in der Folge ausschließlich, arbeitet er als Universitätsbibliothekar.
  • Durch einen Streit mit dem Oberbibliothekar Georg Heinrich Pertz verliert er 1853 diese Anstellung.

  • Am 30. November 1861 stirbt Theodor Mundt in Berlin.
  • [1] Herausgeber: Willibald Alexis (Pseudonym, eigentlich Georg Wilhelm Heinrich Häring). Das Blatt wurde 1830 mit dem Freimüthigen zusammengelegt.

  • [2] Da Mundt zum sogenannten Jungen Deutschland gezählt wurde, drängte man ihn mehr und mehr in die Bahn eines Schriftstellers.

  • [3] Die Versetzung erfolgte vermutlich, um ihn aus dem Herd der Deutschen Revolution in Berlin zu entfernen.

Werke

  • Sämtliche Werke
      Das Duett, Roman, 1831
    • Madelon oder die Romantiker in Paris, Novelle, 1832
    • Kampf eines Hegelianers mit den Grazien. Eine kritische Humoreske, 1832
    • Die Einigkeit Deutschlands in politischer und ideeller Entwicklung, 1832
    • Die Einheit Deutschlands in politischer und ideeller Entwickelung,1832
    • Der Basilisk oder Gesichterstudien, Novelle, 1833
    • Kampf eines Hegelianers mit den Grazien. Eine philosophische Humoreske, 1833
    • Moderne Lebenswirren. Briefe und Zeitabenteuer eines Salzschreibers, 1834
    • Charlotte Stieglitz. Ein Denkmal, 1835, anonym verfasst
    • Madonna. Unterhaltungen mit einer Heiligen, 1835
    • Charaktere und Situationen, 1837
    • Die Kunst der deutschen Prosa, 1837
    • Spaziergänge und Weltfahrten, drei Bände, 1838–1839
    • Heine, Börne und das sogenannte Junge Deutschland, 1840
    • Völkerschau auf Reisen, 1840
    • Geschichte der alten und neuen Literatur, 1841 (mit Friedrich von Schlegel)
    • Thomas Münzer, Roman, 1841
    • Geschichte der Literatur der Gegenwart, 1842
    • Gesammelte Schriften, Novellen und Dichtungen, 1843
    • Kleines Skizzenbuch, 1844
    • Zur Universitätsfrage, oder: Die freie Entwickelung der protestantischen Universität, 1844
    • Die Geschichte der Gesellschaft in ihren neueren Entwickelungen und Problemen, 1844
    • Carmela oder die Wiedertaufe, 1844
    • Aesthetik. Die Idee der Schönheit und des Kunstwerks im Lichte unserer Zeit, 1845
    • Mendoza, der Vater der Schelme, Roman, 1847
    • Die Götterwelt der alten Völker. Nach den Dichtungen der Orientalen, Griechen und Römer, 1848
    • Dramaturgie oder Theorie und Geschichte der dramatischen Kunst, 2 Bände, 1848-1849
    • Die Matadore, Roman, 1850
    • Die Staatsberedtsamkeit der neueren Völker. Nach der Entwickelung ihrer Staatsformen dargestellt, 1850
    • Niccolò Machiavelli und der Gang der europäischen Politik, 1851
    • Geschichte der Literatur der Gegenwart. Vorlesungen, 1853
    • Geschichte der deutschen Stände nach ihrer gesellschaftlichen Entwickelung und politischen Vertretung, 1854
    • Ein deutscher Herzog, 1855
    • Der Kampf um das schwarze Meer, 1855
    • Pariser Kaiser-Skizzen, 1857
    • Paris und Louis Napoleon: Neue Skizzen aus den französischen Kaiserreich, 1858
    • Graf Mirabeau, 1858
    • Graf Mirabeau, 2. verbesserte Auflage, 1860
    • Cagliostro in Petersburg, Novelle, 1858
    • Robespierre, 1859
    • Italienische Zustände, vier Bände, 1859-1860
    • Czar Paul, 1861

  • Periodika
      Schriften in bunter Reihe, 1834
    • Literarischer Zodiacus. Journal für Zeit und Leben, Wissenschaft und Kunst, 1835–1836
    • Dioskuren. Für Wissenschaft und Kunst. Schriften in bunter Reihe, 1836–1837
    • Der Delphin. Ein Almanach, 1838–1839
    • Der Freihafen, 1838-1844
    • Der Pilot, 1840–1842


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