Als Disput wird ein kontrovers geführtes Gespräch oder auch Streitgespräch bezeichnet. Wer mit einer Person einen Disput hat, trägt mit dieser ein Wortgefecht aus und versucht, die eigenen Argumente zu einem beliebigen Standpunkt vorzutragen und sein Gegenüber zu überzeugen. Die Person, die einen Disput austrägt, wird als Disputant bezeichnet. Die Disputation war ursprünglich eine Übung der Rhetorik und seit dem Mittelalter ein fester Bestandteil der akademischen Ausbildung.

Das Wort geht auf das lateinische Nomen disputatio zurück, welches sich vom Verb disputare ableitet. Dieses lässt sich mit berechnen, genau überlegen oder auch von allen Seiten beurteilen übersetzen. Somit verweist bereits die Übersetzung auf die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs, als er vornehmlich als rhetorisches Streitgespräch verstanden wurde und nicht nur ein kontrovers geführtes Gespräch meinte.

Aristoteles, einer der bekanntesten und einflussreichsten Philosophen der Geschichte, erläutert in der Topik, die der Schriftensammlung Organon angehört, wie sich ein Disputant zu verhalten hat und welche Regeln für das rhetorische Streitgespräch gelten. Die Topik ist das 5. und somit vorletzte Werk des Organon. In den vorherigen Schriften bleibt Aristoteles theoretisch und erklärt sprachphilosophische und logische sowie grammatische Begriffe, wohingegen er in den letzten beiden Schriften viele praktische Beispiele gibt.

In einer Disputation stoßen Proponent und Opponent aufeinander. Der Proponent ist derjenige, der in einem Dialog das Spiel eröffnet und eine Behauptung (These) aufstellt. Die Aufgabe des Opponenten ist es nun, diese Behauptung mit Argumenten zu widerlegen. Nach diesem Angriff versucht der Proponent, die eigene Behauptung argumentativ zu verteidigen. Gelingt ihm das, gilt er als Sieger des Streitgesprächs, scheitert er, siegt der Opponent. Solche Disputationen gibt es bis heute an Hochschulen.

Nach dem Aufeinandertreffen von Proponent und Opponent formuliert der Lehrer einen Kompromiss, also eine Übereinkunft durch gegenseitige Zugeständnisse, entlässt daraufhin die Disputanten und beantwortet schlussendlich selbst die Einwände, die der Opponent vorgetragen hat. Heutzutage meint der Begriff zwar immer noch ein Streitgespräch, doch muss dieses nicht in der beschriebenen Form ablaufen.

Aber auch im Alltag begegnet uns der Disput und wird zumeist auf Podiumsdiskussionen oder Talkshows ausgetragen. Diese werden zumeist von einem Moderator geführt, erinnern in ihrer Form aber eher an das Interview. Dennoch gibt es auch heutzutage wissenschaftliche Dispute zu diversen Themenbereichen, die tatsächlich an das ursprüngliche Streitgespräch erinnern. Schauen wir dafür auf ein Beispiel.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff in der Übersicht

  • Als Disput wird ein Streitgespräch bezeichnet, bei dem zwei Personen oder Personengruppen aufeinandertreffen und versuchen, durch Argumente das Publikum und die Gegenseite vom eigenen Standpunkt zu überzeugen. Wer die besseren Argumente hat, gewinnt den Disput.
  • Die Disputation galt bei Aristoteles als Übung der Rhetorik und war ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung an einer Hochschule. Auch heute wird die Disziplin an einigen europäischen Hochschulen gelehrt. Weiterhin spielt der Disput bei der Promotion eine Rolle.
  • Grundsätzlich gilt, dass der Sieger der Disputation derjenige ist, der die besseren Argumente vorträgt und die eigenen Behauptungen begründen kann. Allerdings kann die Eloquenz des Redners und der sichere Umgang mit Stilmitteln über inhaltliche Leere hinwegtäuschen.

  • Hinweis: Synonym werden die Begriffe Auseinandersetzung, Debatte, Erörterung, Kontroverse, Meinungsaustausch, Meinungsstreit, Streitgespräch, Wortgefecht und Wortstreit gebraucht.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Disput
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001