Als Eloquenz, auch Sprachgewandtheit, wird die Fähigkeit, die eigenen Gedanken schön, wirksam und den Regeln der Grammatik folgend auszudrücken. Wer eloquent ist, kann also stilsicher sprechen und weiß, wie man sich ausdrückt. Der Begriff kann auf die Muttersprache, Fremdsprachen sowie in Bezug auf die Schrift- und Gebärdensprache verwendet werden. Eloquenz zeichnet sich durch das korrekte Anwenden der Grammatik und des Wortschatzes der Sprache sowie ihrer Sprach- und Stilmittel aus.

Der Begriff geht auf das lateinische Nomen eloquentia zurück, welches sich mit Beredsamkeit oder Redekunst übersetzen lässt. Das Wort setzt sich aus der Präposition ex und dem Verb loqui zusammen. Erstgenanntes bedeutet aus, wobei sich loqui mit sprechen übersetzen lässt. Es geht also um das [gekonnte] Aussprechen.

Diese Übersetzung zeigt die Verwandtheit zur Rhetorik, welche die Kunst der Beredsamkeit bezeichnet. Die Aufgabe des Rhetorikers ist es, den Zuhörer von einer Aussage zu überzeugen oder zu einer bestimmten Handlung zu bewegen. Wer eloquent ist, kann diese Ziele durch sprachliche Fähigkeiten erreichen.

Wesentlich ist, dass Eloquenz nicht die reine Befähigung zum Sprechen, also die grundlegende Befähigung zu Kommunikation und Interaktion, meint, sondern die kunstvolle sowie wirksame Verwendung von Sprache sowie ihr sicherer und flüssiger Gebrauch. Der Begriff kann darüber hinaus für einen sicheren und demnach eloquenten schriftlichen Ausdruck genutzt werden.

Eloquenz fußt dabei auf den natürlichen Anlagen eines Menschen, ist aber durchaus auch erlernbar. Hilfreich sind das gezielte Schulen rhetorischer Fähigkeiten, eine umfassende Kenntnis der Sprache sowie Kenntnisse der Philosophie, wobei auch Allgemeinwissen, das Studium der Stilistik, Pragmatik, Redekunst (Rhetorik) und Schulungen der Sprecherziehung und Stimmbildung das Talent fördern.

Eine sehr hohe oder ausgeprägte Eloquenz lässt sich allerdings nicht allein durch das Erlernen der korrekten Syntax und Semantik einer Sprache ausbilden, sondern erfordert durchaus ein hohes Maß an anderen, auch körperlichen, Eigenschaften (Stimme, Körperhaltung, Mimik, Gestik). Dennoch wird die Sprachfertigkeit eines Menschen sehr häufig, wenn auch indirekt, herangezogen, um über dessen Bildungsgrad zu urteilen. Diese Ableitung ist allerdings nicht gerechtfertigt und kann allenfalls Hinweise geben.


Die Wirkung eines eloquenten Redners auf das Publikum

Ausschnitt aus The Effects of Trim’s Eloquence, 1906, George Cruikshank, Bearbeitung: Wortwuchs


Dieses Bild von Cruikshank, einem britischen Karikaturisten, trägt den Titel The Effects of Trim’s Eloquence und ist eine Arbeit, die der Künstler zu Laurence Sternes Roman Tristram Shandy anfertigte. Es verdeutlicht die Wirkung, die ein eloquenter Redner auf seine Zuhörerschaft haben kann. Die Umstehenden lauschen gebannt dem Sprechenden und lassen sich unter Umständen von seinen Ansichten überzeugen.

Kalliope als Allegorie der Eloquenz

Das Griechenland der Antike kannte eine Vielzahl von Göttern und Fabelwesen, welche die Mythologie bevölkerten. Diese sind oft Allegorien oder Personifikationen bestimmter Eigenschaften, Ereignisse oder Zustände. Das bedeutet, dass etwas Abstraktes als Figur dargestellt wird.

Eine besondere Rollen nehmen hierbei die Musen ein. Die Musen sind die Schutzgöttinnen der Künste, wobei uns durch den griechischen Dichter Hesiod neun davon bekannt sind. Eine davon ist Kalliope, die eine der neun Töchter des Göttervates Zeus und seiner Geliebten Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung, ist.

Kalliope, deren Name sich mit die Schönstimmige übersetzen lässt, ist die Muse der epischen Dichtung, der Philosophie und Wissenschaft sowie des Saitenspiels, der Elegie und außerdem der Eloquenz. Ihr Attribut ist die Schreibtafel, woran man sie auf vielen Darstellungen erkennen kann. Manchmal trägt sie auch ein Buch oder wird mit einer Schreibtafel dargestellt.


Zeigt mittig die Muse der Eloquenz, Elegie, Wissenschaft, Dichtung und Philosophie

Ausschnitt aus Die Musen Urania und Kalliope (Mitte), um 1634, Simon Vouet, Bearbeitung: Wortwuchs


Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Eloquenz, auch Sprachfertigkeit, Beredsamkeit sowie Redegewandtheit, wird die Fähigkeit bezeichnet, sich kunstvoll, wirksam, aber auch sicher in einer Sprache auszudrücken. Der Begriff kann für die Schriftsprache, den verbalen Austausch und die Gebärdensprache verwendet werden und ähnelt in zahlreichen Punkten der Rhetorik.
  • Eloquente Sprecher können durch ihre Redegewandtheit ihr Publikum besser beeinflussen oder in den Bann ziehen als ungeübte Redner und durch den Einsatz gezielter Sprach- und Stilmittel über inhaltliche Leere hinwegtäuschen. Durch das Schulen der rhetorischen Fähigkeiten ist Eloquenz erlernbar, wenn auch nicht von jeder Person in einem gleichen Maße.
  • Als Schutzgöttin der Eloquenz gilt die Muse Kalliope, die außerdem über andere Künste wacht. Dass der Eloquenz eine eigene Schutzgöttin zuteil wurde, verweist auf den Stellenwert dieser Kunst, die sie bereits in der Antike als Mittel der Argumentation und Debatte hatte.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Eloquenz
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001