WORTWUCHS | Literaturlexikon

Floskel

Als Floskel werden schmückende Audrücke, nichtssagende Redensarten sowie unnötige Phrasen bezeichnet. In der Rhetorik der Antike verstand man unter dem Begriff einen knappen, treffend formulierten, autoritätshaltigen und auf viele konkrete Fälle anwendbaren Sinnspruch, während heutzutage inhaltlose und unnötige Wörter in einer Aussage als Floskel bezeichnet werden.

Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab (lat. flosculus) und lässt sich mit Blümchen übersetzen. Diese Übersetzung verweist dabei auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes: eine rhetorische Ausschmückung. Dennoch wird damit heutzutage kein rhetorisches Schmuckelement mehr bezeichnet, sondern eine unnötige Phrase, die keinerlei Aussage beinhaltet. Schauen wir zur Veranschaulichung auf ein Beispiel.


Meiner Meinung nach und diese habe ich sehr lange abgewogen, besteht in diesem Fall die Chance, dass der Einsatz quasi ohne Gewalt durchgeführt werden könnte. Vom Grundsatz her sollte das nämlich immer das höchste Gebot sein, wenn wir Demonstrationen begleiten und unter Polizeischutz stellen. Gesetzt den Fall, dass es keine Ausschreitungen gibt, sollte also die Aktion friedlich verlaufen.


Die beispielhafte Passage wird durch die Verwendung von Floskeln aufgebläht und künstlich in die Länge gezogen. Es wird ersichtlich, dass die farbliche Markierung allesamt Wörter oder Wortfolgen beinhalten, die keine zusätzlichen Informationen liefern und demnach floskelhaft erscheinen. Folglich könnte das Beispiel, wenn die Floskeln gestrichen werden, auch folgendermaßen aussehen.


Es besteht die Chance, dass der Einsatz ohne Gewalt durchgeführt werden könnte. Das sollte immer das höchste Gebot sein, wenn wir Demonstrationen begleiten und unter Polizeischutz stellen. Wenn es keine Ausschreitungen gibt, sollte die Aktion friedlich verlaufen.


Die Aussagekraft des Textes wird hierbei verstärkt, wenn auf den offensichtlichen Gebrauch unnötiger Wörter verzichtet wird. Somit kann der Einsatz vieler Floskeln einen Text verwässern und es dem Empfänger (Leser, Zuhörer) schwer machen, die wesentliche Aussage zu erfassen. Somit sollten Floskeln, wenn eine präzise Formulierung erwünscht ist, in der Sprache vermieden werden.

Floskeln als Stilfehler

Dennoch ist das Verwenden einer Floskel nicht unbedingt als Stilfehler oder schlechtes Deutsch zu werten. Eher ist der erhöhte Gebrauch solcher Phrasen stilistisch schlecht. Mitunter können Floskeln als höflich gelten und sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Kommunikation.


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Anwesende, Frau Bundeskanzlerin, es ist mir eine Freude, heute Abend zu Ihnen zu sprechen und diesen Preis zu erhalten, den ich dankend annehme […]


Das obige Beispiel könnte jeder Preisverleihung entsprungen sein. Es besteht beinahe ausschließlich aus aneinandergereihten Floskeln, dennoch empfinden wir den Gebrauch nicht als störend oder würden einem Sprechenden mangelnde Redekompetenz unterstellen. Das liegt daran, dass unsere Kommunikation sehr viele Floskeln kennt, die als Bestätigung des Gegenübers oder aus Höflichkeit verwendet werden.

Hinweis: Grundsätzlich ist jede Art der Anrede in einem Schreiben als Floskel zu werten. Das bekannte „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder auch „Mit freundlichen Grüßen“ haben keinerlei Aussagekraft und sind nur schmückendes Beiwerk. Dennoch gehören solche Elemente in jedes Schreiben.

Das bedeutet, dass die Verwendung einer Floskel nicht grundsätzlich problematisch ist. Als Stilfehler sind Floskeln also nur dann zu werten, wenn sie die Aussagekraft eines Textes gänzlich verwässern.

Wirkung und Funktion der Floskel

Prinzipiell ist es schwierig, den Bestandteilen einer Rede eine konkrete Wirkung oder Funktion zu unterstellen. Dann laufen wir nämlich Gefahr, das Ganze nur darauf zu reduzieren und prüfen nicht mehr, ob es sich auch tatsächlich so verhält. Dennoch möchten wir einige Hinweise geben.

Übersicht: Bedeutung, Wirkung und Funktion der Floskel

  • Als Floskel werden nichtssagende Aussagen bezeichnet, die keine weitere Information beinhalten. Somit kann der Gebrauch zahlreicher Floskeln als Stilfehler gewertet werden, da hierbei die Aussagekraft eines Textes verwässert und die tatsächliche Information verschleiert wird.
  • Dennoch kann der Gebrauch solcher Phrasen als höflich und kommunikativ gelten. Die Sprache kennt nämlich viele Wortfolgen, die zwar keine Aussage beinhalten, jedoch vom Empfänger erwartet werden (Grußformeln, Bestätigungen, Ermunterung).
  • Demzufolge kann die Floskel durchaus positiv wahrgenommen werden, wobei sehr häufig gar nicht offensichtlich ist, dass überhaupt nichts ausgesagt wurde. Oftmals zeichnen sich politische Reden durch floskelhafte Wendungen aus – es wird also viel geredet, aber nichts gesagt.