Als Intrige, auch Ränke oder Kabale (vgl. Kabale und Liebe), wird eine Strategie bezeichnet, welche von einer Person oder einer Personengruppe geplant wird, um anderen zu schaden oder diese gegeneinander aufzuwiegeln. Die Intrige wird hinter dem Rücken der Betroffenen erdacht und dient der Erreichung eines (persönlichen) Zwecks, wie etwa der emotionalen Befriedigung oder dem Erlangen eines Vorteils. Im Drama (vgl. literarische Gattungen) nimmt die Intrige eine zentrale Rolle ein. In der Tragödie führt das Gelingen der Intrige den Untergang des Helden herbei, wobei das Aufdecken der Intrige in der Komödie das Happy End bewirkt und den Intriganten bloßstellt. Die Intrige wird vom Antagonisten erdacht und soll den Protagonisten stürzen und erregt so den dramatischen Konflikt. Beispielhaft ist der Intrigant Franz Moor aus Friedrich Schillers Die Räuber.

Der Begriff leitet sich vom lateinischen Verb intricare ab, was sich mit in etwas verwickeln, verwirren oder in Verlegenheit bringen übersetzen lässt. Folglich verweist bereits die Übersetzung des Begriffs darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich darum, dass irgendwer in eine Sache verwickelt wird, wobei es sich im Drama zumeist um den Helden des Werkes handelt, der in der Tragödie kläglich scheitert, wohingegen sich ebendiese Verwicklung in der Komödie auflöst und dabei den Intriganten bloßstellt.

Die Wörter Kabale und Ränke, welche heutzutage veraltet scheinen (vgl. Archaismus), haben eine ähnliche Bedeutung und können demnach weitestgehend synonym gebraucht werden. Die Kabale meint das geheime Einverständnis von mehreren Personen zu einem bösen Anschlag oder auch Zweck, wobei sich das Wort vom lateinischen Ausdruck Cabala ableitet, der sich in etwa mit Geheimnis übersetzen lässt. Ränke ist die Mehrzahl von Rank, was ein deutsches Wort für Intrigen oder Machenschaften darstellt und aus dem mittelhochdeutschen Nomen ranc für eine schnelle und drehende Bewegung hervorgeht.Im Drama erregt das Planen der Intrige den dramatischen Konflikt.

Beispiel: Intrige in Maria Stuart

Maria Stuart, eine Tragödie des Dichters Friedrich Schiller, kann für viele Merkmale des typischen Dramas herangezogen werden, da es allerhand typische Dinge exemplarisch aufgreift sowie umsetzt. Darüber hinaus fußt das Drama auf verschiedenen Intrigen, die den Konflikt entfalten.

Grundsätzlich basiert hierbei sogar das ganze Stück auf einer Intrige. Maria, die Königin von Schottland, wird im Jahr 1568 aus dem Land gejagt, da sie verdächtigt wird, ihren Gemahl ermordert zu haben. Zuflucht sucht sie bei Elisabeth I., der englischen Königin. Da Maria allerdings selbst Anspruch auf die englische Krone hätte, lässt Elisabeth Maria gefangen nehmen und setzt die Geflohene auf einem Schloss fest. Die Verkettung, die dafür sorgt, dass Maria flieht und gefangen genommen wird, erscheint intrigant.

Im Verlauf des Stückes ersinnt Elisabeth eine weitere Intrige. Sie steht nämlich vor dem Dilemma, dass ihr Anspruch auf die Krone gesichert wäre, wenn Maria tot wäre. Dies ließe sich leicht bewerkstelligen, da die Eingekerkerte ja bekanntlich für den Mord an ihrem Ehemann angeklagt wurde. Allerdings ist Maria beliebt und Elisabeth würde im Ansehen des Volkes sinken, wenn sie das Urteil durchsetzte. Deshalb ersucht sie Mortimer, einem Verehrer Marias, diese zu ermorden. Mortimer nimmt diesen Auftrag sogar an, da er Zeit schinden möchte, um einen Plan zur Befreieung der Gefangenen zu planen.

Mortimer wendet sich daraufhin an Leicester, der Elisabeths Liebhaber ist, aber heimlich in Maria verliebt ist, um ihm von seinem Plan zu berichten. Nun ist es Leicester, der versucht, zu intrigieren. Leicester geht nämlich davon aus, dass Elisabeth von ihrem Todeswunsch absehen würde, wenn sie die Rivalin persönlich treffen würde. Deshalb drängt er zu einem Treffen, ohne seine Absichten zu bekennen. Das Treffen scheitert und entzweit die beiden Frauen noch mehr. Das Werk zeigt also mehrere Intrigen.

Beispiel: Intrige in Kabale und Liebe

Kabale und Liebe ist ein 1784 veröffentlichtes bürgerliches Trauerspiel des Dramatikers Friedrich Schiller. Das Stück entwirft eine vehemente Anklage gegen den zu Ende des 18. Jahrhunderts noch vorherrschenden unaufgeklärten Absolutismus und entfaltet den Konflikt anhand einer Intrige.

Im Stück möchte Präsident von Walter, dass sein Sohn Ferdinand Lady Milford ehelicht. Diese genießt ein großes Ansehen am Hofe und der Präsident verspricht sich, dass er durch diese Ehe seinen Einfluss vergrößern könnte. Allerdings ist sein Sohn in die bürgerliche Musikertochter Luise verliebt und gedenkt, diese zu ehelichen. Um seinen Sohn zur Hochzeit zu zwingen, streut er Gerüchte am Hof über die Liebe zwischen Lady Milford und Ferdinand. Diesem Willen des Vaters widersetzt sich Ferdinand vehement.

Sein Vater, der dies nicht dulden will, droht seinem Sohn, dass er die gesamte Musikerfamilie verhaften lässt, wenn sich Ferdinand nicht seinem Willen beugen würde, woraufhin ihm sein Sohn entgegnet, dass er dann öffentlich machen würde, wie es dem Präsidenten gelang, an sein eigenes Amt zu gelangen. Dies setzt Präsident von Walter unter Druck, der nun um sein Amt bangt. Daraufhin entwickelt sich eine Intrige.

Wurm, der Sekretär des Präsidenten, schlägt vor, die Eltern von Luise grundlos zu verhaften und sie zu zwingen, einen Liebesbrief an den Hofmarschall von Kalb zu verfassen, um Ferdinand zu zeigen, dass sich seine Geliebte von ihm abgewendet hat. Luise willigt aufgrund des großen Drucks ein und Ferdinand ist vom Betrug seiner Geliebten überzeugt. Letzten Endes bringen die Intriganten des jungen Mann zu Fall, der seinen einzigen Ausweg darin sieht, sich und Luise zu vergiften, die ihrem Geliebten erst im Tod von den unglücklichen, intriganten Verkettungen zu erzählen. Für eine Rettung ist es allerdings zu spät.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Intrige, auch Ränke oder Kabale, wird eine Handlungsstrategie bezeichnet, welche von einer Person oder auch einer Personengruppe ausgeführt wird, um anderen zu schaden oder diese gegeneinander aufzuwiegeln. Die Intrige wird ohne das Wissen der Betroffenen erdacht und dient der Erreichung eines (persönlichen) Zwecks, wie etwa der emotionalen Befriedigung, dem Erlangen eines Vorteils oder ganz ähnlichen Dingen.
  • Vor allem in der Gattung des Dramas nimmt die Intrige eine sehr zentrale Rolle ein. In der Tragödie wird sie vom Antagonisten ersonnen, um den Helden des Stückes zu Fall zu bringen (vgl. Fallhöhe). In der Komödie wird durch das Aufdecken der Intrige der Intrigant bloßgestellt und das Stück so zu einem glücklichen Ende geführt.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Intrige
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001