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Kalendergeschichte

Als Kalendergeschichte wird eine knappe, leichtverständliche Geschichte in Prosa bezeichnet, welche seit dem 16. Jahrhundert in Kalendern veröffentlicht wurde. Die Kalendergeschichte ist eine Form der literarische Beigabe im Kalender, die mit dem Schwank, der Anekdote, und Kurzgeschichte, der Sage, dem Bericht sowie der Legende und der Satire verwandt ist und meist mit einer Pointe endet.

Kalendergeschichten entstehen im 16. Jahrhundert, um das stetig wachsende Lesebedürfnis der Bevölkerung zu stillen. Die Popularität solcher Geschichten steigerte sich vor allem seit 1780 ungemein, wobei sie noch bis ins 19. Jahrhundert an den Kalender gebunden sind. Erst im angehenden 20. Jahrhundert können sich solche Texte als eigentständige Kurzprosa behaupten und werden in Sammlungen zusammengefasst.

Zu nennen ist vor allem die Sammlung aus Schwänken, Kurzgeschichten und Anekdoten, die Johann Peter Hebel, ein deutscher Theologe sowie Schriftsteller, als Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes (1811) veröffentlichte. Die einzelnen Werke dieser Sammlung erschienen zwischen 1803 und 1811 im Badischen Landkalender, den Hebel selbst herausgab. Die spätere Sammlung erschien jedoch beim Cotta-Verlag.

Merkmale der Textsorte

Übersicht: Besonderheiten und wesentliche Merkmale der Textsorte


  • Kalendergeschichten sind in der Regel leichtverständlich und als volkstümliche Kurzprosa zu verstehen. Abgesehen davon, haben sie keine eindeutigen Merkmale. Lediglich die Tatsache, dass sie in Kalendern veröffentlicht wurden, haben die einzelnen Werke gemeinsam.
  • Demzufolge gibt es keine strukturellen oder spezifischen Eigenarten. Sie zeichnen sich eher durch ihre individuelle Beschaffenheit aus, sind aber im Umfang meist kurz und knapp. Sprachlich sind sie oft schlicht und orientieren sich am Dialekt der jeweiligen Region.
  • Außerdem enden sie meist pointiert, haben einen moralischen Unterton oder wollen belehren. Diese Form der moralischen Belehrung oder der Volksaufklärung hatte im Zeitalter der Aufklärung ihren Höhepunkt, weshalb siedurchaus ein Mittel der Erziehung waren.
  • Neben diesen unterhaltsamen Geschichten und merkwürdigen Begebenheiten enthielten die Volkskalender jener Zeit außerdem Rezepte, Wetterregeln, Gesundheitstipps, praktische Ratschläge und allgemeine Lebensweisheiten sowie vereinzelt Witze.
  • Diese literarischen Beigaben waren für das bäuerliche Volk oftmals – neben der Bibel und dem Gesangbuch – die einzige Konfrontation mit dem geschriebenen Wort. Dieser Umstand kann durchaus einen wichtigen Teil zur Beliebtheit dieser Geschichten beigetragen haben.
  • Kennzeichnend ist außerdem, dass sämtliche Kalendergeschichten den fast paradoxen Spagat zwischen Aufklärung und Volksnähe bewältigen, dabei oftmals raffiniert erzählt sind, auch wenn die Sprache durchaus mundartlich und dialektnah ist.
  • Bekannte Autoren solcher Kalendergeschichten
    • Johann Peter Hebel (1760 – 1826)
    • Jeremias Gotthelf (1797 – 1854)
    • Berthold Auerbach (1812 – 1882)
    • Gottfried Keller (1819 – 1890)
    • Ludwig Anzengruber (1839 – 1889)
    • Peter Rosegger (1843 – 1918)
    • Karl May (1842 – 1912, Marienkalendergeschichten)
    • Oskar Maria Graf (1894 – 1967)
    • Bertolt Brecht (1898 – 1956)

Kalendergeschichten von Johann Peter Hebel

Wie bereits beschrieben, konnten die Kalendergeschichten, die Johann Peter Hebel in der Sammlung Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes herausbrachte, das Genre als eine literarische Gattung etablieren. Deshalb möchten wir an dieser Stelle einige ausgewählte Beispiele ebendieser Sammlung vorstellen, die exemplarisch die Merkmale und Charakteristika veranschaulichen.

Von den Processionsraupen (Klappt beim Klicken auf!)

Oft fürchten wir, wo nichts zu fürchten ist, ein andermal sind wir leichtsinnig nahe bei der Gefahr. In unsern Eichwäldern hält sich eine Art von graufarbigen haarigen Raupen auf, die sich in sehr großer Anzahl zusammenhalten, und in ganzen grossen Zügen dicht aneinander und auf einander von einem Baum auf den andern wandern, deßwegen nennt man sie Processions-Raupen.

Oft sieht man sie langsam auf der Erde fortkriechen, oder an den Eichenstämmen hinaufziehen; sie theilen sich bisweilen wie ein Strom in zwey und mehrere Arme, ziehn eine Strecke weit so fort, vereinigen sich dann wieder und schließen einen leeren Raum in der Mitte, wie eine Insel zwischen sich ein: Oft sieht man an der Länge eines ganzen Stammes hin eine unzählige Menge leere Bälge, welche sie bei der Häutung hängen ließen.

Wer im Sommer oft in Eichwälder kommt, wird sich erinnern, dieses schon gesehen zu haben. Daß solche ganze Züge von gefräßigen Raupen an den Blättern der Bäume, wo sie hinkommen, große Verwüstungen anrichten, und das Gedeihen und die Gesundheit der Bäume hindern können, ist leicht zu erachten; doch ist das nicht das schlimmste, sondern sie können sogar dem menschlichen Körper gefährlich werden, wenn man ihnen zu nahe kommt, sie muthwillig beunruhigt, oder gar aus Unvorsichtigkeit mit einem entblößten Theil des Körpers berührt und drückt. Sie dulden es nicht ungestraft, wenn sie sich rächen können. Man hat schon einige traurige Beyspiele an Leuten erlebt, denen solches wiederfahren ist.

Sie bekamen bald starke Geschwulst, heftige und schmerzhafte Entzündungen an der Stelle des Körpers, wo sie diese Raupen mit bloser Haut berührten, und nach dem Zeugniß erfahrner Aerzte könnte daraus noch größeres Unheil entstehen, wenn man nicht mit zweckmäßigen Heilmitteln zuvor käme. Aber wie das zugehen mag. Die Raupen lassen augenblicklich ihre kurzen, steifen stechenden Haare gehen, und drücken und schießen sie gleichsam wie Pfeile ihrem Feind in die zarte Haut des Körpers. Dies ist das Mittel, welches die Natur auch diesen verachteten Thieren zu ihrer Vertheidigung gegeben hat.

Mehrere andere Arten von Haar-Raupen thun es auch. Aber bei den Prozessions-Raupen ist die Menge gefährlich. Der Körper bekommt unzählig viele kleine unsichtbare Wunden; in jeder bleibt der feine reizende Pfeil stecken, und viel kleine Ursachen zusammen thun eine große Wirkung, was man auch sonst im menschlichen Leben so oft erfährt, und doch so wenig bedenkt. Man soll also mit diesen Thieren keinen unnöthigen Muthwillen treiben; wenn man Ursache hat, an einem Baum hinauf zu klettern, soll man aufschauen, was daran ist; man soll in der Nähe von Eichbäumen halb nackte Kinder nicht auf den Boden setzen, ohne ihn zuerst zu besichtigen, und sie warnen, daß sie es nicht selber thun. Es ist leichter, Schaden zu verhüten, als wieder gut zu machen.

Geiz und Verschwenden

Der Geizige rafft Geld und Gut zwecklos zusammen; der Verschwender bringt es zwecklos durch.

Der Geizige hat keinen, der Verschwender hat einen unnützen Genuß von dem Seinigen.

Der Geizige kann auf die goldene Mittelstrasse zurückkehren, so bald er will; dem Verschwender wird es immer schwerer, je weiter er sich davon entfernt.

Der Geizige kann, aber er will es selten; der Verschwender möchte oft, aber er kann nicht mehr.

Der eine macht sich Feinde; der andere erwirbt Freunde, die schlimmer sind als ein Feind.

Jenen peinigt der Wunsch, immer weiter zu kommen; diesen die Reue, daß er schon so weit gekommen ist.

Geiz ist die Wurzel alles Uebels; Verschwendung ist ein Baum voll bitterer Früchte.

Den Geizigen verzehrt die Sorge; den Verschwender die Ausschweifung. Jenen lohnt am Ende die Furcht; diesen der Kummer.

Nicht selten wird der jugendliche Verschwender noch ein geiziger Greis.

Sehr oft kommt das Vermögen geiziger Sammler an verschwenderische und im eigentlichen Sinne, lachende Erben.

Der kluge Richter

Daß nicht alles so uneben sey, was im Morgenlande geschieht, das haben wir schon einmal gehört. Auch folgende Begebenheit soll sich daselbst zugetragen haben: Ein reicher Mann hatte eine beträchtliche Geldsumme, welche in ein Tuch eingenähet war, aus Unvorsichtigkeit verlohren. Er machte daher seinen Verlust bekannt, und bot, wie man zu thun pflegt, dem ehrlichen Finder eine Belohnung, und zwar von hundert Thalern an.

Da kam bald ein guter und ehrlicher Mann dahergegangen. „Dein Geld habe ich gefunden. Dieß wirds wohl seyn! So nimm dein Eigenthum zurück! „So sprach er mit dem heitern Blick eines ehrlichen Mannes und eines guten Gewissens, und das war schön. Der andere machte auch ein fröhliches Gesicht, aber nur, weil er sein verlohren geschätztes Geld wieder hatte. Denn wie es um seine Ehrlichkeit aussah, das wird sich bald zeigen. Er zählte das Geld, und dachte unterdessen geschwinde nach, wie er den treuen Finder um seine versprochene Belohnung bringen könnte.

„Guter Freund“, sprach er hierauf, „es waren eigentlich 800 Thlr. in dem Tuch eingenähet. Ich finde aber nur noch 700 Thlr. Ihr werdet also wohl eine Naht aufgetrennt und eure 100 Thlr. Belohnung schon heraus genommen haben. Da habt ihr wohl daran gethan. Ich danke euch.“ Das war nicht schön. Aber wir sind auch noch nicht am Ende. Ehrlich währt am längsten und Unrecht schlägt seinen eigenen Herrn.

Der ehrliche Finder, dem es weniger um die 100 Thlr. als um seine unbescholtene Rechtschaffenheit zu thun war, versicherte, daß er das Päcklein so gefunden habe, wie er es bringe, und es so bringe, wie ers gefunden habe. Am Ende kamen sie vor den Richter. Beyde bestunden auch hier noch auf ihrer Behauptung, der eine, daß 800 Thlr. seyen eingenäht gewesen, der andere, daß er von dem Gefundenen nichts genommen und das Päcklein nicht versehrt habe. Da war guter Rath theuer.

Aber der kluge Richter, der die Ehrlichkeit des einen und die schlechte Gesinnung des andern zum Voraus zu kennen schien, grief die Sache so an: Er ließ sich von beiden über das was sie aussagten, eine feste und feierliche Versicherung gehen, und that hierauf folgenden Ausspruch: „Demnach, und wenn der eine von euch 800 Thlr. verloren, der andere aber nur ein Päklein mit 700 Thlr. gefunden hat, so kann auch das Geld des Letztern nicht das nemliche seyn, auf welches der erstere ein Recht hat. Du, ehrlicher Freund nimmst also das Geld, welches du gefunden hast, wieder zurük, und behältst es in guter Verwahrung, bis der kommt, welcher nur 700 Thlr. verloren hat. Und dir da weiß ich keinen Rathh, als du geduldest dich, bis derjenige sich meldet, der deine 800 Thlr. findet.“ So sprach der Richter, und dabei blieb es.

Kannitverstan

Der Mensch hat wohl täglich Gelegenheit, in Emmendingen und Gundelfingen, so gut als in Amsterdam Betrachtungen über den Unbestand aller irdischen Dinge anzustellen, wenn er will, und zufrieden zu werden mit seinem Schicksal, wenn auch nicht viel gebratene Tauben für ihn in der Luft herum fliegen.

Aber auf dem seltsamsten Umweg kam ein deutscher Handwerksbursche in Amsterdam durch den Irrthum zur Wahrheit und zu ihrer Erkenntniß. Denn als er in diese große und reiche Handels-Stadt, voll prächtiger Häuser, wogender Schiffe und geschäftiger Menschen, gekommen war, fiel ihm sogleich ein großes und schönes Haus in die Augen, wie er auf seiner ganzen Wanderschaft von Duttlingen bis nach Amsterdam noch keines erlebt hatte. Lange betrachtete er mit Verwunderung dieß kostbare Gebäude, die 6 Camine auf dem Dach, die schönen Gesimse und die hohen Fenster, größer als an des Vaters Haus daheim die Thür. Endlich konnte er sich nicht entbrechen, einen Vorübergehenden anzureden.

„Guter Freund, redete er ihn an, könnt ihr mir nicht sagen, wie der Herr heißt, dem dieses wunderschöne Haus gehört mit den Fenstern voll Tulipanen, Sternenblumen und Levkoien?“ – Der Mann aber, der vermuthlich etwas wichtigeres zu thun hatte, und zum Unglück gerade so viel von der deutschen Sprache verstand, als der Fragende von der holländischen, nemlich Nichts, sagte kurz und schnauzig: Kannitverstan; und schnurrte vorüber.

Dieß war ein holländisches Wort, oder drey, wenn mans recht betrachtet, und heißt auf deutsch soviel, als: Ich kann euch nicht verstehn. Aber der gute Fremdling glaubte, es sey der Name des Mannes, nach dem er gefragt hatte. Das muß ein grundreicher Mann seyn, der Herr Kannitverstan, dachte er, und gieng weiter. Gaß aus Gaß ein kam er endlich an den Meerbusen, der da heißt: Het Ey, oder auf deutsch: das Ypsilon.

Da stand nun Schiff an Schiff, und Mastbaum an Mastbaum; und er wußte anfänglich nicht, wie er es mit seinen zwey einzigen Augen durchfechten werde, alle diese Merkwürdigkeiten genug zu sehen und zu betrachten, bis endlich ein großes Schiff seine Aufmerksamkeit an sich zog, das vor kurzem aus Ostindien angelangt war, und jezt eben ausgeladen wurde. Schon standen ganze Reihen von Kisten und Ballen auf- und nebeneinander am Lande. Noch immer wurden mehrere herausgewälzt, und Fässer voll Zucker und Caffee, voll Reis und Pfeffer, und salveni Mausdreck darunter.

Als er aber lange zugesehn hatte, fragte er endlich einen, der eben eine Kiste auf der Achsel heraus trug, wie der glückliche Mann heiße, dem das Meer alle diese Waaren an das Land bringe. „Kannitverstan,“ war die Antwort. Da dachte er: Haha, schauts da heraus? Kein Wunder, wem das Meer solche Reichthümer an das Land schwemmt, der hat gut solche Häuser in die Welt stellen, und solcherley Tulipanen vor die Fenster in vergoldeten Scherben. Jezt gieng er wieder zurück, und stellte eine recht traurige Betrachtung bey sich selbst an, was er für ein armer Mensch sey unter so viel reichen Leuten in der Welt.

Aber als er eben dachte: Wenn ichs doch nur auch einmal so gut bekäme, wie dieser Herr Kannitverstan es hat, kam er um eine Ecke, und erblickte einen großen Leichenzug. Vier schwarz vermummte Pferde zogen einen ebenfalls schwarz überzogenen Leichenwagen langsam und traurig, als ob sie wüßten, daß sie einen Todten in seine Ruhe führten. Ein langer Zug von Freunden und Bekannten des Verstorbenen folgte nach, Paar und Paar, verhüllt in schwarze Mäntel, und stumm. In der Ferne läutete ein einsames Glöcklein. Jezt ergriff unsern Fremdling ein wehmüthiges Gefühl, das an keinem guten Menschen vorübergeht, wenn er eine Leiche sieht, und blieb mit dem Hut in den Händen andächtig stehen, bis alles vorüber war. Doch machte er sich an den Lezten vom Zug, der eben in der Stille ausrechnete, was er an seiner Baumwolle gewinnen könnte, wenn der Zentner um 10 Gulden aufschlüge, ergriff ihn sachte am Mantel, und bat ihn treuherzig um Excüse.

„Das muß wohl auch ein guter Freund von euch gewesen seyn, sagte er, dem das Glöcklein läutet, daß ihr so betrübt und nachdenklich mitgeht.“ Kannitverstan! war die Antwort. Da fielen unserm guten Duttlinger ein paar große Thränen aus den Augen, und es ward ihm auf einmal schwer und wieder leicht ums Herz. Armer Kannitverstan, rief er aus, was hast du nun von allem deinem Reichthum? Was ich einst von meiner Armuth auch bekomme: ein Todtenkleid und ein Leintuch, und von allen deinen schönen Blumen vielleicht einen Rosmarin auf die kalte Brust, oder eine Raute.

Mit diesen Gedanken begleitete er die Leiche, als wenn er dazu gehörte, bis ans Grab, sah den vermeynten Herrn Kannitverstan hinabsenken in seine Ruhestätte, und ward von der holländischen Leichenpredigt, von der er kein Wort verstand, mehr gerührt, als von mancher deutschen, auf die er nicht acht gab. Endlich gieng er leichten Herzens mit den andern wieder fort, verzehrte in einer Herberge, wo man Deutsch verstand, mit gutem Appetit ein Stück Limburger Käse, und, wenn es ihm wieder einmal schwer fallen wollte, daß so viele Leute in der Welt so reich seyen, und er so arm, so dachte er nur an den Herrn Kannitverstan in Amsterdam, an sein großes Haus, an sein reiches Schiff, und an sein enges Grab.

Ursprünge und Entwicklung der Kalendergeschichte

Diese literarische Beigaben im Volkskalender waren vornehmlich für den süddeutschen Raum typisch. Dennoch entwickelte sich das Medium schon seit dem 16. Jahrhundert in vielen Regionen des Landes und konnte sich auch in der Moderne durchsetzen. Nachfolgend ein Überblick.

Im 17. und 18. Jahrhundert stellten die kurzen Kalendergeschichten in der Regel das einzige Lesematerial der bäuerlichen Bevölkerung dar, was wohl auch zur Verbreitung und Popularität des Genres beitrug. Geprägt wurde die Gattung vor allem durch Hebel, der es durch seine umfangreiche Sammlung etablierte.

Hebel trug auch dazu bei, dass das Medium nicht mehr ausschließlich an den Volkskalender gebunden war, sondern sich im 19. Jahrhundert als epische Kleinform durchsetzte. Hebel trug weiterhin dazu bei, dass Kalendergeschichten sprachlich und stilistisch hochwertiger wahrgenommen wurden.

In dieser künstlerischen Art und Weise ließ vor allem Bertolt Brecht die Kalendergeschichte im 20. Jahrhundert abermals aufblühen, wobei sich außerdem der Autor Franz Kafka und Walter Benjamin, ein deutscher Kritiker und Philosoph, für das Genre der Kalendergeschichte stark machten und es belebten.