WORTWUCHS | Literaturlexikon

Personifikation

Die Personifikation ist ein Stilmittel, das aus abstrakten oder allgemeinen Dingen Menschen und Personen macht. Die Personifikation ist dabei eine Nebenform der Metapher und ist außerdem stark an die Allegorie angelehnt. Die Stilfigur stattet nichtlebende Wesen mit Eigenschaften oder Handlungsweisen aus, die ansonsten nur Lebewesen zugeschrieben werden. Dadurch erhöht die Personifikation die Lebendigkeit und Anschaulichkeit der Sprache.

Mitunter ist es sehr schwierig, eine klare Trennung zwischen Personifikation, Metapher, Allegorie und allen Abarten und Sonderformen der genannten Stilfiguren zu ziehen. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass Personifikation, Allegorie und Metapher oft ineinander übergehen (→ Beispiele für die Metapher).

Dieses Wissen ist insofern wichtig, als dass eine Personifikation immer im Zusammenhang mit den anderen genannten Stilmitteln untersucht werden muss, um eine sichere Unterscheidung zu ermöglichen. Schauen wir auf ein Beispiel des Dichters Yvan Goll .


Fabriken drohten mit ihren keuchenden Schloten

Die unbelebten Substantive und personifizierenden Verben wurden durch uns hervorgehoben. Dabei wird klar ersichtlich, dass den Dingen gewissermaßen Leben eingehaucht wird, da menschliche Gebärden und Handlungen auf die industriellen Begriffe Schlot und Fabrik übertragen wurden.

  • Im Vers wurden somit unbelebte Dinge mithilfe von Verben vermenschlicht, wodurch die Sprache mitunter anschaulicher und lebendiger erscheint. Die Personifikation ist also vorhanden!
  • Dieser Effekt wird durch den Einsatz eines Onomatopoetikums („keuchen“) verstärkt.

Hinweis: Das Wort Personifikation leitet sich vom lateinischen „persona“ ab und bedeutet in etwa Maske. Die Personifikation setzt Dingen folglich eine Maske auf und verändert sie.

Personifikation, Metapher und Allegorie

Die Personifikation wird häufig durch Vergleiche und metaphorische Wendungen gebildet. Weiterhin bezeichnen wir eine erweiterte Personifikation mit dem Wort Allegorie.

Um diesen Zusammenhang zu verstehen, müssen wir einmal auf das Wesen der Metapher schauen. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass ein Wort nicht in seiner wörtlichen, sondern in der übertragenen Bedeutung gebraucht wird.

Dies geschieht insofern, als dass das Wort in einen semantischen Zusammenhang mit der übertragenen Bedeutung gebracht wird. Schauen wir auf ein Beispiel.


Ich weinte ein Meer aus Tränen.

Diese Verszeile ist eine Hyperbel und gleichzeitig eine metaphorische Wendung für große Traurigkeit. Dieser Zusammenhang wird uns klar, weil wir das Verb „weinen“ und das Substantiv „Tränen“ mit der Trauer verbinden und das Meer als eine enorme Ansammlung von Wasser verstehen.

Die Metapher bringt nun beide Begrifflichkeiten zusammen und wir können daraus schließen, dass das lyrische Ich eine ungeheure Menge an Tränen vergossen hat. Das Wort Meer wird also nicht wortwörtlich, sondern nur im übertragenen Sinne gebraucht.

Die Metapher meint also ein Wort, das in einer anderen als seiner lexikalischen Bedeutung, d.h. normalen Bedeutung, verwendet wird.

Nehmen wir dies an, wird schnell klar, inwiefern Metapher und Personifikation zusammenhängen. Denn die Personifikation schreibt Leblosem menschliche Eigenschaften zu, wodurch sich automatisch eine neue und andere Bedeutungsebene ergibt. Schauen wir dafür auf ein Beispiel.


Das Leben ist schön, denn die Sonne lacht mir.

Ganz offensichtlich ist die metaphorische Wendung in dieser Verszeile. Denn wenn uns die Sonne lacht, meinen wir damit, dass es uns gut geht und wir glücklich sind. Die Personifikation steckt hierbei in der Verbindung des Verbes „lachen“ und dem Substantiv „Sonne“. Folglich wird die Metapher mithilfe einer Personifikation gebildet.

Hinweis: In zahlreichen Fachbüchern werden Personifikation und Metapher getrennt voneinander behandelt. Allerdings sollte die Personifikation eher als Sonderform der Metapher gewertet werden.

Unter einer erweiterten Personifikation versteht man prinzipiell eine Allegorie. Das bedeutet, dass eine Person durch Attribute, Handlungsweisen und Reden als Versinnbildlichung eines abstrakten Begriffs, zum Beispiel einer Tugend oder eines Lasters, agiert. Schauen wir auf ein Beispiel.


Justitia entschied, dass es gut wahr.

Justitia ist in der Mythologie eine Frau, die in der einen Hand eine Waage hält und in der anderen ein Schwert. Außerdem ist Justitia blind, da ihre Augen verdeckt sind.

Justitia ist folglich die Personifikation der Gerechtigkeit und eine Allegorie dafür.


Diese Merkmale sollen verdeutlichen, dass das Recht ohne Ansehen der Person (Verbundene Augen), nach reichlicher Abwägung der Sachlage (Waage) gesprochen und mit Härte (Schwert) durchgesetzt wird.

  • Allegorie: Sehr konkrete Darstellung von abstrakten Begriffen oder Gedanken, was häufig mithilfe einer Personifikation realisiert wird. Das Gedachte wird in ein Bild übertragen, das erst wieder erschlossen werden muss.
  • Personifikation: Vermenschlichung abstrakter Begriffe oder lebloser Gegenstände, indem man diesen menschliche Eigenschaften zuschreibt. Ist mit der Allegorie verwandt.

Wirkung und Funktion der Personifikation

Mitunter ist es schwierig, einem Stilmittel eine bestimmte Funktion zuzuschreiben. Dennoch haben sie natürlich eine Wirkung auf den Leser und dessen Lesart.

Vielleicht bezeichnet man eine solche Wirkung idealerweise als Effekt, da wir ansonsten Gefahr laufen, sturr zu funktionalisieren. Jedoch muss nicht jedes Stilmittel eine gleichbleibende Wirkung aufweisen und kann sogar komplett gegensätzlich eingesetzt werden.

Übersicht zur Personifikation

  • Sie ist eines der Stilmittel, das sich sehr leicht in Texten finden lässt. Meist verbindet die Stilfigur nämlich einfach Lebloses mit einem „menschlichen“ Verb oder weist diesem eine menschliche Eigenschaft zu.
  • Die Stilfigur kann die Sprache veranschaulichen und lebendig machen.
  • Weiterhin ist diese Stilfigur sehr eng mit der Metapher und Allegorie verbunden.
  • Das Stilmittel sollte nicht als Personifizierung bezeichnet werden. Dieser Begriff stammt aus der Geschichtsdidaktik und meint etwas anderes.