Das Tautogramm ist ein Text, dessen Wörter allesamt mit dem gleichen Anfangsbuchstaben beginnen. Dadurch ist das Tautogramm sehr einprägsam und kommt oftmals in der Werbung oder in den Printmedien zum Einsatz. Historisch betrachtet, ist das Tautogramm jedoch eine Form des Gedichts. Das Tautogramm ist eine Sonderform der Alliteration (→ Beispiele für die Alliteration)

Oftmals ist es für uns schwierig, das Tautogramm klar von der Alliteration zu unterscheiden. Allerdings liegt dies eher darin begründet, dass die gängigen Definitionen nicht genau genug sind.

Prinzipiell bedeutet es, dass alle Wörter in einem Text einen identischen Anfangsbuchstaben haben. Zwar kann ein Gedicht auch als Tautogramm bezeichnet werden, wenn vereinzelte Abweichungen existieren, aber grundsätzlich sind alle Anfangsbuchstaben gemeint.

Hinweis: Der wichtigste Unterschied zwischen Tautogramm und Alliteration ist, dass die Alliteration durch die Anhäufung eher ein phonetisches Phänomen ist (klanglich), wohingegen das Tautogramm außerdem einen starken visuellen Effekt hat, da alle Buchstaben identisch sind.

Das Wort leitet sich aus dem Griechischen ab (tauto: dasselbe; gramma: Buchstabe). Übersetzen könnte man dies mit „Derselbe Buchstabe“, was grundsätzlich eine schöne Eselsbrücke darstellt.

Beispiele für das Tautogramm

Um das Ganze noch ein wenig zu illustrieren, möchten wir Ihnen das Tautogramm anhand von Beispielen verdeutlichen. Einige sind Redwendungen, andere zeigen vollständige Gedichte.

1. Beispiel: Tautogramm im Werbeslogan
Milch macht müde Männer munter!

Mit diesem Slogan warb die Milchwirtschaft in den 1950er Jahren und bis heute taucht er in dieser oder einer abewandelten Form wieder auf. Weiterhin findet sich diese Zeile in zahlreichen Fachbüchern als Paradebeispiel für den alliterativen Vers und ist natürlich im Ganzen ein Tautogramm.

2. Beispiel: Tautogramm mit „B“
Bald bekommen bärtige Bioloadenbesitzer bestimmt blaues Bier.

Dieser Satz entstammt keinem bekannten Werk und ist auch nicht als Slogan gebräuchlich. Hierbei haben wir es mit einer starken Fokussierung auf den Buchstaben „B“ zu tun, der den alliterativen Vers in jedem Wort begleitet und ihn somit zur beschriebenen Stilfigur erklärt.

2. Beispiel: Tautogramm in einer Strophe der „Makamen von Hariri“
Heil’ge, hohe Himmelsheimat, hehre Hims,
Heil! du hast den Herrn zum Huldverheißer.
Heitre Hügel, heimlich hohles Haingeheg!
Höhn‘ euch herb kein harscher Hauch noch heißer!
Holder Hirsche Herde hütet hier der Hirt,
Hoffnungshalm‘ erhabner Herrscherhäuser.
Heisa, hussa, hurra, hu, hihi, haha,
Halle heil, bis Herz und Hals ist heiser.

Diese Strophe basiert auf dem Buchstaben „H“ und ist die deutsche Nachbildung der Makamen von Hariri aus der Feder Friedrich Rückerts. Zwar finden sich in den einzelnen Verszeilen auch einige Wörter, die nicht ins Schema passen, doch kann der Text ohne Zweifel als Tautogramm gelten. Hierbei wird vor allem die visuelle Komponente der Gedichtsform offenbar.

Zungenbrecher als Beispielsätze
Am zehnten zehnten zehn Uhr zehn
zogen zehn zahme Ziegen zehn Zentner Zucker zum Zoo.

Blaukraut bleibt Blaukraut, Brautkleid bleibt Brautkleid.

Hundert hurtige Hunde hetzen hinter hundert hurtigen Hasen her.

Oftmals sind Zungenbrecher oder Kinderreime mithilfe des Tautogramms konstruiert oder zumindest durch zahlreiche alliterative Elemente geprägt. Dies liegt darin begründet, dass die häufige Nennung der Buchstaben fast unweigerlich in der Wiederholung zu einem Versprecher führt.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Tautogramm
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001