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Annette Kolb

Annette Kolb, eigentlich Anna Mathilde Kolb, * 2. Februar 1870 in München, † 3. Dezember 1967 in München, war eine Autorin deutsch-französischer Abstammung, wobei ihre Herkunft ihr Schaffen maßgeblich beeinflusste.

Zeit ihres Lebens setzte sie sich für die Förderung deutsch-französischer Verständigung ein und plädierte für den Frieden in Europa. In ihren Werken lassen sich autobiografische Elemente erkennen. Ihre Romane beschäftigen sich mit dem Leben der gehobenen Gesellschaft, aus der sie selbst stammt.

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Lebenslauf

  • Am 02. Februar 1870 wird Annette Kolb als Anna Mathilde Kolb in München geboren. Sie ist die dritte Tochter von sechs Kindern des königlich-bayrischen Gartenbaudirektors Max Kolb[1] und der Pariser Pianistin Sophie Danvin.

  • In München aufwachsend, besucht sie in ihren ersten Schuljahre die Klosterschule Thurnfeld bei Hall in Tirol.

  • Das musikalische Talent am Klavier hat Annette Kolb von ihrer Mutter und trägt so zur musikalischen Unterhaltung der literarischen Salons bei, die Mutter und Töchter ausrichten. Hier geht die Münchner Elite ein und aus.[2]

  • 1899 gibt Kolb ihr erstes, selbstfinanziertes Buch Kurze Aufsätze heraus.

  • Ab 1906 fördert der östereichische Schriftsteller und Herausgeber Franz Blei Annette Kolb und druckt ihre Aufsätze, Übersetzungen und Bücher.

  • 1913 erhält sie den Fontane-Preis für ihren Roman Das Exemplar. Wie auch die folgenden zwei Romane (1928, 1934) handelt es sich um weniger rührselige romantische Liebesgeschichten mit autobiografischen Bezügen.

  • 1914 erscheinen ihre Essays Wege und Umwege, die Porträts bedeutender Franzosen und Aufsätze zur europäischen Situation enthalten.

  • Am 11. Januar 1915 spricht sie sich bei einem Vortrag in Dresden entschieden für eine europäische Völkerverständigung aus. Der Vortrag löst Unruhen aus.

  • 1916 verhängt das Bayerische Kriegsministerium eine Brief- und Reisesperre gegen Kolb aufgrund pazifistischer Handlungen.

  • 1917 schreibt sie im Ersten Weltkrieg Briefe einer Deutsch-Französin, womit sie sich erneut für die Verständigung zwischen den Völkern einsetzt.
  • Zur Zeit des Ersten Weltkriegs ein risikoreiches Wagnis. Es ist nur möglich, die Briefe in der Zeitschrift Die weißen Blätter von René Schickele in Zürich zu veröffentlichen.

  • 1923 lässt sie sich als Schriftstellerin in Badenweiler nieder und gestaltet in den zwanziger Jahren das deutsche Literaturleben entscheidend mit.

  • Zeitgenossen wie Joseph Roth, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke und Thomas Mann schätzen ihr literarisches Schaffen.

  • Mit ihrem Badenweiler Nachbarn dem Schriftsteller René Schickele verbindet sie eine enge Freundschaft (bis zu seinem Tod 1940).

  • In diesen Jahren verkehrt sie im literarischen Salon Cercle de Colpach um die luxemburgische Frauenrechtlerin und Autorin Aline Mayrisch, die sich um die Förderung deutsch-französischer Beziehungen bemühte.

  • 1928 schreibt Kolb den Roman Daphne Herbst.

  • 1929 porträtiert sie im Versuch über Briand den französischen Ministerpräsidenten und Friedensnobelpreisträger Aristide Briand. Damit provoziert sie erneut einen Konflikt mit den Nationalsozialisten.

  • 1931 erhält sie den Gerhart-Hauptmann-Preis.

  • 1932 wendet sie sich mit dem Beschwerdebuch entschieden gegen den Nationalsozialismus und den Antisemitismus und muss daraufhin Deutschland verlassen.

  • 1933 emigriert Kolb über die Schweiz, England und Irland nach Frankreich. Die Nationalsozialisten hatten ihre Bücher öffentlich geächtet und verbrannt.

  • 1934 erscheint der Roman Die Schaukel, ein Sittengemälde des Großbürgertums von München.

  • 1936 wird sie französische Staatsbürgerin.

  • Ihre Biografien zu Mozart (1938), Schubert (1941), König Ludwig II. und Richard Wagner (1947) zeigen ihre Verbundenheit zur Musik und den Wunsch eines vereinten Europas.

  • 1940 berichtet sie in Glückliche Reise voller Ironie über ihre Emigration.
  • Im selben Jahr muss sie erneut fliehen, nachdem deutsche Truppen in Frankreich einmarschieren. Sie verlässt Frankreich und flieht in die Schweiz.

  • 1941 führt ihr Weg über Spanien und Portugal bis nach New York.

  • Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 kehrt sie nach Europa zurück und lebt in München und Paris. Sie gilt nun, unter den Bemühungen um eine deutsch-französische Freundschaft durch Adenauer und De Gaulle, als staatskonform und erhält mehrere Auszeichnungen.

  • 1950 wird sie in die Bayerische Akademie der Schönen Künste aufgenommen und sie wird Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

  • 1951 erhält sie den Kunstpreis der Stadt München für Literatur.

  • 1954 wird sie vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V geehrt.

  • 1955 wird Kolb der Goethepreis der Stadt Frankfurt verliehen und sie wird Ehrenbürgerin der Gemeinde Badenweiler.

  • 1959 bekommt sie das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

  • 1960 erinnert sie sich in Memento an die Flucht in die USA.

  • In München hat sie ihren letzten Wohnsitz. Erich Kästner zollt ihr seinen Respekt und bezeichnet sie als erste Dame Münchens.

  • 1961 wird ihr der Bayerische Verdienstorden und der Literaturpreis der Stadt Köln (seit 1982 Heinrich-Böll-Preis) verliehen.

  • 1966 wird sie vom Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste ausgezeichnet und sie erhält das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern.

  • 1967 reist sie nach Israel.

  • Annette Kolb bleibt zeit ihres Lebens unverheiratet und stirbt am 03. Dezember 1967 in München.
  • [1] Verschiedenen Überlieferungen zufolge soll Max Kolb entweder Sohn des späteren Königs Maximilian II. und damit Halbbruder von Ludwig II. oder des Herzogs Max Joseph in Bayern und damit Halbbruder der Kaiserin Elisabeth von Österreich gewesen sein.

  • [2] In Kolbs Werken finden sich viele autobiografische Züge, vor allem auch das Leben in der hohen Gesellschaft.

Werke

  • Sämtliche Werke
      Kurze Aufsätze, 1899
    • L’Ame aux deux patries, gesammelte Feuilletonartikel, 1906
    • Das Exemplar, Roman, 1913
    • Wege und Umwege, Essays, 1914
    • Briefe einer Deutsch-Französin, 1917
    • Zarastro. Westliche Tage, 1921
    • Wera Njedin, Erzählungen und Skizzen, 1924
    • Spitzbögen, Novelle, 1925
    • Daphne Herbst, Roman, 1928
    • Versuch über Briand, 1929
    • Kleine Fanfare, Aufsatzsammlung, 1930
    • Beschwerdebuch, Essays, 1932
    • Die Schaukel, Roman, 1934
    • Festspieltage in Salzburg, Studie, 1937
    • Mozart, Biografie, 1937
    • Schubert, Biografie, 1941
    • König Ludwig II. von Bayern und Richard Wagner, Skizzierung, 1947
    • Präludium zu einem »Traumbuch«, 1951
    • Blätter in den Wind, Essays, 1954
    • Memento, Erinnerungen an die Emigration, 1960
    • 1907-1964. Zeitbilder, 1964


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