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Gustave Flaubert

Gustave Flaubert, geboren am 12. Dezember 1821 in Rouen, das in der französischen Normandie liegt, gestorben am 8. Mai 1880 in Croisset/Rouen, war ein Schriftsteller, dessen literarisches Schaffen sich zwischen Romantik und Realismus bewegte. Sein Wirken trug maßgeblich zum Durchbruch des Realismus in Frankreich bei (vgl. Literaturepochen).

Neben dem Schreiben von Gedichten und Erzählungen, machte sich Flaubert vor allem als Romancier[1] einen Namen. Seine erfolgreichsten Romane waren Madame Bovary, L’Éducation sentimentale[2] und Salammbô.

Sein Erzählstil nahm starken Einfluss auf die Entwicklung des europäischen Romans. Er bediente sich stets des auktorialen Erzählers und verstand sich als einen gottesgleichen Autor – allgegenwärtig und unsichtbar.

Flaubert entwarf oft Protagonisten mit weniger heldenhaften Charakterzügen und schuf somit häufig Durchschnittstypen. Darüber hinaus wählte er sorgfältig jedes Wort. Die sprachliche Form und der Klang der Sprache wurden von ihm bis zur vermeintlichen Perfektion überarbeitet.

Bis heute gilt Gustave Flaubert – neben Stendhal und Balzac – als einer der bedeutendsten Realisten. Gemeinsam bilden sie das sogenannte Dreigestirn der großen realistischen Erzähler Frankreichs.

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Lebenslauf

  • Am 12. Dezember 1821 wird Gustave Flaubert als Sohn des bekannten Chirurgen Achille-Cléophas Flaubert und dessen Frau Anne-Justine-Caroline Fleuriot, Tochter einer angesehenen Arztfamilie, in Rouen in der Normandie geboren.
  • Kurz vor seiner Geburt und achtzehn Monate danach sterben zwei weitere Kinder der Familie Flaubert. Die Eltern gehen davon aus, dass auch Gustave sterben wird.
  • Mit seinem älteren Bruder Achille (*1813) und seiner jüngeren Schwester Caroline (*1824) wächst er in der Ärztevilla des Vaters auf, die ans städtische Krankenhaus angrenzt. Krankheit und Sterben gehören somit zum Alltag der Familie.

  • Von seiner Mutter lernt Flaubert Lesen und Schreiben und er beginnt früh mit dem Verfassen eigener Texte.

  • 1830: Der neunjährige Flaubert schildert in einem Brief an seinen Freund Ernest Chevalier seinen Wunsch, selbst Komödien zu schreiben.

  • Ab Februar 1832 besucht Flaubert das Gymnasium in Rouen. Er gilt als intelligenter Schüler, der sich allerdings wenig den eigentlichen Unterrichtsthemen widmet.
  • Vielmehr sucht er sich seine Lektüre selbst aus. So liest er den Historiker Jules Michelet, die Dichter Jean Froissart und George Gordon Byron und die Schriftsteller Victor Hugo und Alexandre Dumas. Außerdem liest er Johann Wolfgang Goethes Faust und versucht sich im Schreiben, anfänglich im Stil der Romantik.
  • Zu seinem Freundeskreis gehört Louis Bouilhet, der später durch seine Lyrik und als Dramatiker bekannt wird. Außerdem ist er mit Alfred Le Poittevin befreundet, der sich als Poet einen Namen macht und der Flaubert in seinem literarischen Schaffen beeinflusst, indem er ihm die Kunst lehrt, streng mit sich zu sein, um gute Literatur zu schaffen.

  • Zwischen 1834 und 1835 probiert sich Flaubert an dramatischen und erzählenden Texten und übersetzt lateinische Stücke. Außerdem gründet er die Schülerzeitung Art et Progrès und liest unter anderem Schriftsteller wie William Shakespeare, Walter Scott und Miguel de Cervantes.

  • 1836 entsteht neben anderen literarischen Texten seines Frühwerks die Novelle Bibliomanie (deutsch: Bücherwahn), die die Geschichte eines Buchhändlers schildert, der aus seiner Leidenschaft zu Büchern zum Mörder wird.

  • Im selben Jahr verliebt sich Flaubert im Sommerurlaub im Seebad Trouville-sur-Mer in Élisa Foucault. Die elf Jahre ältere Frau, die 1840 den deutschen Musikverleger Maurice Schlesinger heiratet, bleibt für den jungen Flaubert unerreichbar
  • So wird sie über Jahre zur Inspiration seines schriftstellerischen Schaffens. Élisa wird zum Vorbild der weiblichen Hauptfigur Maria in Mémoires d’un fou und der Frauenfigur Marie Arnoux in seinem späteren Roman L’Éducation sentimentale.

  • 1837 erscheint Flauberts erste Erzählung – Bibliomanie – im Magazin Colibri. Im Laufe des Jahres werden weitere Werke Flauberts im Colibri gedruckt.

  • Weitere Werke, unter anderem sein Drama in fünf Akten über Louis XI, entstehen, er liest unermüdlich humanistische und philosophische Autoren wie etwa François Rabelais, Michel de Montaigne und Jean-Jacques Rousseau sowie die Schriftstellerin George Sand, die ihm geistige Nahrung sind.

  • 1840: Nach dem Baccalauréat, einem Schulabschluss, der dem Abitur gleicht, reist Flaubert in die Pyrenäen und nach Korsika.
  • Eine kurze Liebelei mit Eulalia Foucault de Langlade, einer sechzehn Jahre älteren Frau aus Südamerika, verarbeitet Flaubert in der Erzählung Novembre. Außerdem sind vier Liebesbriefe aus dem Jahr 1841 von Eulalia erhalten.

  • 1841 drängt ihn der Vater zum Jurastudium in Paris. Flaubert schreibt sich an der juristischen Fakultät ein, wohnt aber weiterhin in Rouen.

  • 1842 entgeht er durch das Los dem Militärdienst. Im Juli des gleichen Jahres zieht er endgültig nach Paris, wo er sich mit dem etwas jüngeren Literaten Maxime Du Camp anfreundet.

  • 1843 beginnt Flaubert mit der ersten Fassung der Éducation sentimentale, dessen spätere Fassungen und Überarbeitungen als Vorläufer des Romans der Moderne gelten.
  • Im selben Jahr lernt Flaubert im Atelier des Bildhauers James Pradier den Schriftsteller Victor Hugo kennen, den er bewundert.
  • Im August fällt Flaubert am Ende des zweiten Studienjahres durch die Prüfungen, weil er sich unzureichend vorbereitete.

  • Im Januar 1844 erleidet Flaubert während einer Kutschfahrt mit seinem Bruder seinen ersten Nervenanfall. Es wird angenommen, dass es sich hierbei um Epilepsie handelt.
  • Flaubert ist über diesen Anfall sehr erschüttert und erleidet weitere Krampfanfälle. Sein Bruder, der Arzt ist, versucht, die Nervenkrankheit mit Aderlässen zu heilen. Da sich Flauberts Zustand nicht bessert, gibt er das Studium auf und kehrt zum Landsitz der Familie in Croisset zurück, wo er sich in Abgeschiedenheit dem Schreiben widmet.

  • 1845: Die erste Version der Éducation sentimentale wird beendet.
  • Flauberts Schwester heiratet und im März begleitet die Familie das Ehepaar auf ihre Hochzeitsreise nach Südfrankreich und Italien.

  • Am 15. Januar 1846 stirbt Flauberts Vater. Seine Schwester stirbt kurze Zeit später nach der Geburt einer Tochter. Das Mädchen, Caroline, lebt gemeinsam mit Flaubert und seiner Mutter in Croisset.
  • Im Juli lernt Flaubert die zehn Jahre ältere Louise Colet kennen, die als romantische Dichterin bekannt ist. Flaubert und Colet führen eine Liebesbeziehung, die durch wiederholte Trennungen unterbrochen wird. Ihre unterschiedlichen Auffassungen zum Dichtertum und zum Schreiben diskutieren sie in einem regen Briefwechsel.

  • Im Mai 1847 begibt sich Flaubert gemeinsam mit seinem Freund Maxime Du Camp auf eine dreimonatige Wanderung durch die Touraine, die Bretagne und die Normandie. Sie schreiben gemeinsam die Reisenotizen Par les champs et par les grèves. Flauberts Aufzeichnungen werden nach seinem Tod veröffentlicht.

  • Am 23. Februar 1848 reist Flaubert zusammen mit Bouilhet nach Paris, um am Aufstand der Februarrevolution[3] teilzunehmen. Gemeinsam mit Du Camp und anderen Aufständischen dringen sie in das Palais des Tuileries, das frühere Stadtschloss der französischen Herrscher, ein.
  • Noch im selben Jahr schreibt Flaubert die zweite Fassung der Éducation sentimentale und beginnt mit den Aufzeichnungen zu La Tentation de saint Antoine (deutsch: Die Versuchung des heiligen Antonius.

  • Im Jahr 1849 plant Du Camp eine Orientreise, zu der Flaubert ihn begleiten will. Allerdings möchte Flaubert zuvor La Tentation de saint Antoine beenden. Die Freunde Bouilhet und Du Camp raten ihm, das Werk nicht zu veröffentlichen. Flaubert verzweifelt über diesen Ratschlag.
  • Bouilhet schlägt ihm vor, eine neue Geschichte zu schreiben. Nämlich die Geschichte über Delphine Delamare. Sie ist die Ehefrau eines Arztes aus Ry bei Rouen, die sich, nachdem sie mehrere Liebhaber hatte, vergiftete. Die Idee ermutigt Flaubert und er nimmt sie zwei Jahre später auf.
  • Im Oktober begeben sich die Freunde auf ihre Reise. Gemeinsam reisen sie nach Ägypten, verbringen eine Zeit lang in Kairo und fahren nilaufwärts.

  • Von Kairo geht die Reise 1850 weiter nach Alexandria, Palästina, Syrien und den Libanon.
  • 1851 führt die Reise durch Griechenland und Italien. Im Juni kehrt Flaubert nach fast neunzehn Monaten nach Croisset zurück. Das Tagebuch seiner Reise Voyage en Orient wird posthum, also nach seinem Tod, veröffentlicht.
  • Von Zeit zu Zeit zieht es ihn nach Paris, um andere Schriftsteller zu treffen und sich mit ebendiesen auszutauschen. Nach einer längeren Beziehungspause nimmt er den Kontakt zu Louise Colet wieder auf.

  • Im selben Jahr beginnt Flaubert mit dem Gesellschaftsroman Madame Bovary. Die Handlung geht auf einen Zeitungsbericht des Journal de Rouen aus dem Jahr 1848 zurück. Der Artikel berichtet über den Selbstmord von Delphine Delamare.
  • Flaubert beschreibt also in seiner Madame Bovary eine Frau, Emma Bovary, aus der normannischen Provinz. Gelangweilt vom Dorfleben und ihrer Ehe begeht Emma zweimal Ehebruch.
  • Zugleich verschuldet sie sich schwer – süchtig nach Luxus – und kann dieser Situation nicht mehr entfliehen. Der Kampf mit ihren Gefühlen und der Druck von Außen, lassen sie zerbrechen. Sie nimmt sich das Leben.

  • Der hohe Anspruch an sich selbst führt dazu, dass Flauberts literarische Versuche lange Zeit unveröffentlicht bleiben.
  • Aus einem Brief an seinen Freund Du Camp vom 21. Oktober 1851 geht hervor, dass Flaubert das Leben hasst. Die Unzufriedenheit mit der Welt und sich selbst halten ihn neben seinen hohen literarischen Ansprüchen vom Veröffentlichen ab.
  • Du Camp versucht, Flaubert zu bestärken, er macht ihm Mut und sichert ihm seine ganze Unterstützung zu.

  • 1853: Im regen Austausch mit Louise Colet, deren Verse und Artikel er korrigiert, arbeitet Flaubert unermüdlich an seiner Madame Bovary. Er kürzt, streicht und fängt wider neu an.

  • 1854 beendet Flaubert die Beziehung zu Louise Colet erneut. Sie möchte nach Croisset kommen und Flauberts Mutter vorgestellt werden. Dieses Eindringen in die Privatsphäre ist ihm zu viel.
  • Flaubert nimmt sich intensiv der Erziehung seiner Nichte Caroline an und unterhält ein Liebesverhältnis mit der Schauspielerin Beatrix Person in Paris.

  • Im Oktober 1855 mietet Flaubert eine Wohnung in Paris und lebt abwechselnd dort und in Croisset.

  • Von Mai bis Oktober 1856 arbeitet Flaubert an der zweiten Fassung seiner Tentation de saint Antoine.
  • Erst im Oktober 1856 erscheint sein Roman Madame Bovary im Feuilleton, also im literarisch-kulturellen Teil der Zeitschrift La Revue de Paris.
  • Der Roman löst einen öffentlichen Skandal aus, woraufhin die französische Zensurbehörde Flaubert und die Revue de Paris wegen „Verstoßes gegen die guten Sitten“ anklagt. Man wirft ihm unter anderem „Verherrlichung des Ehebruchs“ vor.

  • Am 7. Februar 1857 werden Flaubert und auch die Zeitschrift freigesprochen. Flauberts Meinung, „der Autor muss in seinem Werk wie Gott im Weltall sein, überall anwesend und nirgends sichtbar.“ (Brief vom 9. Dezember 1852), trägt zum Freispruch bei.
  • Denn so, dem Gedanken Flauberts folgend, könne man ihm im Eigentlichen nichts vorwerfen, da er nur zitiert und beschreibt, aber keine eigene Meinung im Buch äußert.

  • 1857 erscheint der vollständige Roman im Lévy Frères Verlag in Paris. Der Prozess hat das Interesse gesteigert und wirkt sich somit positiv auf die Verkaufszahlen aus. Somit wird Madame Bovary in jeder Hinsicht ein Erfolg.
  • Im September beginnt Flaubert mit seinem Roman Salammbô.

  • 1858 reist Flaubert in Vorbereitung auf Salammbô nach Tunesien und Algerien. Der Roman spielt im antiken Kathargo (Nordafrika, Tunesien) und orientiert sich an geschichtlichen Begebenheiten um den Söldneraufstand nach dem Ersten Punischen Krieg (241 bis etwa 238 v. Chr.).

  • Im Juni lernt er George Sand in Paris kennen, deren Werke ihn schon in den Jugnendjahren begleiteten.

  • Zwischen 1859 und 1862 arbeitet Flaubert an Salammbô, trifft Schriftsteller wie die Brüder Goncourt, Paul de Saint-Victor und Ernest Renan.

  • Im Februar 1862 beendet Flaubert Salammbô. Der Roman wird im November veröffentlicht und innerhalb von zwei Tagen werden zweitausend Bücher verkauft.

  • 1863 beginnt der Briefwechsel mit George Sand. Sie schafft es, in dem zurückgezogenen, einsamen Flaubert, Gefühle zu wecken. Sie erkennt sein gutes Wesen und ermöglicht ihm, seine Empfindsamkeit zuzulassen.
  • Im Salon von Prinzessin Mathilde kommt Flaubert in Kontakt mit dem russischen Schriftsteller Iwan Sergejewitsch Turgenjew und macht die Bekanntschaft mit dem Philosophen Hippolyte Taine und dem Literaturkritiker Charles-Augustin Sainte-Beuve.

  • 1864 arbeitet Flaubert an der zweiten Fassung der Éducation sentimentale.
  • Im selben Jahr heiratet seine Nichte Caroline den Holzhändler Ernest Commanville.

  • 1865 besucht Flaubert gemeinsam mit Bouilhet einen Ball des Prinzen Napoleon. Außerdem reist er nach Baden, wo er sich mit seinem Freund Du Camp trifft.

  • 1866 unternimmt Flaubert eine Reise nach London.
  • Im August des selben Jahres lädt Prinzessin Mathilde Flaubert nach Saint Gratien ein. Er wird am 15. August zum Ritter der Ehrenlegion[4] ernannt.
  • Im August und November 1866 kommt George Sand zu Besuch nach Croisset.

  • 1867 erhält Flaubert Besuch von Turgenjew in Croisset und folgt der Einladung zu einem Ball in Paris, der zu Ehren des russischen Zaren gegeben wird.

  • 1868 schreibt Flaubert weiter an der Éducation sentimentale. Er begibt sich zur Beobachtung von Kindern, die an Diphterie erkrankt sind, sogar in ein Krankenhaus, da ebendieses Krankheitsbild im Werk von Bedeutung ist.
  • Ein zweiter Besuch Turgenjews in Croisset folgt im November desselben Jahres.
  • Mit Bewunderung liest Flaubert den Roman Thérèse Raquin von Émile Zola.

  • Im Mai 1869 beendet Flaubert die jahrelange Arbeit an Éducation sentimentale.
  • Im Juli desselben Jahres stirbt Flauberts Freund Bouilhet, dessen Verlust er sehr betrauert.
  • Im November erscheint der Roman L’Éducation sentimentale und Flaubert schafft damit einen der einflussreichsten Romane des 19. Jahrhunderts.
  • Der Roman spiegelt das Scheitern der Revolution von 1848 wider und zeigt, dass auch Flaubert desillusioniert von der bürgerlichen Gesellschaft ist.

  • 1870 beginnt der Krieg mit Preußen und Flaubert arbeitet an der dritten Fassung der Tentation de saint Antoine.
  • Das Haus der Flauberts dient den Preußen als Quartier, sodass er selbst in Rouen wohnt.

  • 1871 erlebt Flaubert das Aufbegehren des Bürgertums während des Deutsch-Französischen Krieges (1870-1871) in Paris mit und führt darüber einen regen Briefwechsel mit George Sand.

  • 1872 schließt Flaubert im März den Roman um den heiligen Antonius ab.
  • Im Mai stirbt Flauberts Mutter und mit ihr verschwindet der Mittelpunkt seines Lebens in Croisset. Seine Mutter war ihm stets eine wichtige Gesprächspartnerin und Ratgeberin gewesen und nun bleibt Flaubert einsam zurück. Er erbt so viel, dass er sich vorerst sein Schriftstellerdasein weiter leisten kann und erhält das Wohnrecht für das Haus in Croisset.

  • 1873 verbringt Flaubert mehrere Tage mit Turgenjew bei George Sand in Nohant. Außerdem verfasst er die Komödie Le Candidat (deutsch: Der Kandidat).

  • 1874 wird Le Candidat am Théâtre du Vaudeville aufgeführt. Da das Stück nicht gut ankommt, zieht Flaubert es nach der vierten Vorstellung zurück.
  • Im März desselben Jahres erscheint schließlich der Roman Tentation de saint Antoine, der sich gut verkauft.
  • Nach einer Reise in die Normandie, um einen Schauplatz für seinen neuen Roman zu finden, beginnt Flaubert im August 1874 mit seinem Spätwerk Bouvard et Pécuchet (deutsch: Bouvard und Pécuchet), einer Satire auf das französische Bürgertum. Ein Jahr nach seinem Tod, 1881, wird der unvollendete Roman veröffentlicht.

  • 1875 bekommt Commanville, der Ehemann von Flauberts Nichte, finanzielle Schwierigkeiten, sodass Flaubert einen Bauernhof in Deauville, der Teil seines Erbes war, verkauft, um Commanville mit dem Geld zu unterstützen.
  • Im selben Jahr beginnt Flaubert mit La Légende de saint Julien l’Hospitalier (deutsch: Die Legende von Sankt Julian dem Gastfreien), einer von drei Erzählungen, die 1877 als Trois Contes heraus kommen.

  • 1876 sterben Louise Colet und George Sand.
  • Er beendet Saint Julien und schreibt zwei weitere Erzählungen, Un cœur simple (deutsch: Ein schlichtes Herz) und Hérodias.

  • 1877 reist Flaubert nach Paris. Seine drei Erzählungen werden zunächst in Zeitungen gedruckt und im April als Buch (Trois Contes) veröffentlicht. Trotz guter Kritiken verkauft sich das Buch nicht besonders gut.

  • Zurück in Croisset, arbeitet Flaubert weiter an Bouvard et Pécuchet.

  • 1878 plant Flaubert einen Roman über das Zweite Kaiserreich und er reist für sein aktuelles Werk Bouvard et Pécuchet mit dem Schriftsteller Guy de Maupassant nach Étretat.

  • 1879 macht sich Flaubert um die finanzielle Notsituation der Familie Commanville große Sorgen.
  • Am 27. Januar bricht sich Flaubert bei einem Sturz bei Glatteis das Bein und liegt daraufhin mehrere Wochen im Bett.
  • Sein Freund Louis Jules Edmond Laporte kümmert sich in diesen Wochen um ihn.

  • Um den Ehemann seiner Nichte vor dem finanziellen Ruin zu retten – Commanville hatte sein Sägewerk zu ungünstigen Bedingungen verkauft – unterstützt Flaubert ihn mit einem Großteil seines Vermögens. Flaubert hofft, das Geld später wieder zu bekommen.

  • 1880 arbeitet Flaubert am zehnten Kapitel von Bouvard et Pécuchet. Flaubert liest mit Bewunderung Boule de suif von Maupassant und Nana von Zola. Flaubert bezeichnet das Buch als „eine babylonische Schöpfung“.
  • Im März 1880 hat Flaubert Besuch von Alphonse Daudet, Zola, Edmond de Goncourt, Maupassant, seinem Verleger Georges Charpentier und seinem Arzt Dr. Fortin in Croisset.
  • Im April desselben Jahres werden die Soirées de Médan veröffentlicht, ein Sammelband mit Beiträgen von Zola, Maupassant, Henry Céard, Leon Hennique, Paul Alexis und Joris-Karl Huysmans. Sie widmen es Flaubert.
  • Kurze Zeit später stirbt Gustave Flaubert im Alter von 58 Jahren am 8. Mai 1880 in Croisset in Folge einer Hirnblutung.
  • In der Annahme, es handle sich um einen seiner Nervenanfälle, sucht Flaubert keinen Arzt auf und stirbt kurz darauf in Anwesenheit seiner Hauswirtschafterin.
  • Er wird auf dem Friedhof von Rouen beigesetzt. Befreundete Schriftsteller, unter anderen Zola, Goncourt, Théodore Faullain de Banville, Daudet, Maupassant, Céard, Hennique und Alexis, geben ihm das letzte Geleit. Zola macht in Flauberts Begräbnis (1881) deutlich, welch tiefe Trauer und Fassungslosigkeit Flauberts Tod in ihm und anderen Freunden auslöste.

  • 1881 im März erscheint Flauberts unvollendeter Roman Bouvard et Pécuchet.

  • Wie auch Stendhal und Balzac wird Flaubert zu Lebzeiten nicht für sein literarisches Schaffen geehrt oder ausgezeichnet. Auch die französische Gelehrtengesellschaft, die Académie française, lehnt seine Aufnahme ab. Erst nach seinem Tod kommt Flaubert die Wertschätzung zu, die seinem Werk zusteht. Er schafft das Vorbild des Romans für die Moderne.
  • [1] Das Wort Romancier bezeichnet im Französischen einen Autor von Romanen.

  • [2] Der Roman wurde mit unterschiedlichen Titeln ins Deutsche übersetzt: Die Schule der Empfindsamkeit, Die Erziehung der Gefühle, Die Erziehung des Herzens, Die Erziehung des Gefühls, Lehrjahre des Gefühls, Lehrjahre des Herzens und Der Roman eines jungen Mannes.

  • [3] Die Februarrevolution 1848 war ein Aufstand des französischen Bürgertums und der Arbeiterschaft. Er beendet die Herrschaft des Königs Louis-Philippe von Orléans. Die Zweite Französische Republik wird ausgerufen, deren Staatspräsident Louis Napoléon Bonaparte wird. Er ist der Neffe des ehemaligen Kaisers Napoleon Bonaparte.

  • [4] Die Ehrenlegion bezeichnet einen französischen Orden, der für besondere militärische Verdienste oder außergewöhnliche Talente verliehen wird. Napoleon Bonaparte hatte diesen Orden 1802 eingeführt.

Werke

  • Erzählungen (Auswahl)
    • Bibliomanie (dt.: Bücherwahn), 1836
    • Novembre (dt.: November), 1842
    • Trois Contes: Un cœur simple, La Légende de saint Julien l’Hospitalier, Hérodias. (dt.: Drei Geschichten: Ein schlichtes Herz, Die Legende von Sankt Julian dem Gastfreien, Herodias), 1877

  • Romane
    • Mémoires d’un fou (dt.: Erinnerungen eines Verrückten), 1838
    • Madame Bovary, 1858
    • Salammbô, 1862
    • L’Éducation sentimentale (dt.: Die Erziehung der Gefühle, auch: Die Erziehung des Herzens, Lehrjahre des Herzens, Lehrjahre des Gefühls, Die Schule der Empfindsamkeit), 1869
    • La Tentation de Saint Antoine (dt.: Die Versuchung des heiligen Antonius), 1874
    • Bouvard et Pécuchet, 1881, posthum

  • Sonstiges (Auswahl)
    • Le Candidat (dt.: Der Kandidat), 1874
    • Le Château des cœurs (dt.: Schloss der Herzen), Feenspiel, 1880, posthum
    • Par les champs et les grèves (Voyage en Bretagne) (dt.: Über Felder und Strände. Eine Reise in die Bretagne), Reisebericht, gemeinsam mit Maxime Du Camp, 1886, posthum
    • Dictionnaire des idées reçues (dt.: Wörterbuch der Gemeinplätze), 1913, posthum
    • Gustave Flaubert: Die Briefe an Louise Colet, 1995, posthum


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