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Paul Fleming

Paul Fleming, teils auch als Paul Flemming, * 05. Oktober 1609 in Hartenstein (Sachsen), † 02. April 1640 in Hamburg, war ein deutscher Schriftsteller und Arzt. Aufgrund des umfassenden Œuvres, gilt er als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barocks (vgl. Literaturepochen).

Sein Werk umfasst viele Gedichte in deutscher und lateinischer Sprache sowie Lieder und Oden. Fleming bediente sich häufig der Form des Sonetts und dem Versmaß des Alexandriners. Die deutsche Sonettdichtung erreicht mit Fleming, wie auch mit Andreas Gryphius, ihren Höhepunkt. Zu Flemings bekanntesten Gedichten zählen Auf den Tod eines Kindes und Madrigal.

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Lebenslauf

  • 1609 wird Paul Fleming am 05. Oktober als Sohn des protestantischen Pfarrers Abraham Fleming in Hartenstein in Sachsen geboren.

  • Zunächst vom Vater unterrichtet, besucht er 1620 die Stadtschule in Mittweida und ab 1623 die Thomasschule in Leipzig, was ihm durch die Unterstützung seiner Patin Gräfin Katharina von Schönburg ermöglicht wird.
  • Johann Hermann Schein, Thomaskantor in Leipzig, nimmt zu dieser Zeit Einfluss auf Flemings Lied- und Odendichtung.

  • 1628 nimmt er das Studium an der Artistenfakultät[1] der Universität Leipzig auf, welchem sich ein Medizinstudium anschließt. Dieses bringt er am 02. Mai 1633 mit dem Magistergrad zum Abschluss.

  • 1629 schließt Fleming Freundschaft mit seinem Studienkollegen Georg Gloger, der ihn auf Martin Opitz‘ Buch von der Deutschen Poeterey aufmerksam macht. Martin Opitz wird zum Vorbild des literarischen Schaffens Flemings.[2]

  • Seit 1630 schreibt und veröffentlicht Fleming Gedichte in deutscher und lateinischer Sprache, die religiöse, patriotische und erotische Themen beinhalten. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um Gelegenheitsgedichte, Hochzeits-, Gratulations- und Trauergedichte (vgl. Elegie).
  • Nennenswert sind auch Flemings Psalmenübertragungen Davids Des Hebreischen Königs und Propheten Bußpsalme.

  • 1631 wird er zum Poeta laureatus[3] gekrönt. Er fasst seine lateinischen Gedichte 1632 in der Sammlung Rubella, seu Suaviorum Liber zusammen.[4]

  • Am 16. Oktober des selben Jahres stirbt Flemings Freund Georg Gloger. Dessen Tod verarbeitet Fleming in den sogenannten manes Grogeriani.

  • 1632 werden die Klagegedichte über das unschuldigste Leiden und Tod unseres Erlösers Jesu Christi veröffentlicht.

  • 1633 folgt Fleming der Einladung des Schriftstellers Adam Olearius nach Holstein an den Hof des Herzogs Friedrich III. von Holstein-Gottorf. Engagiert als Hofjunker, Arzt und Truchsess[5], reist Fleming von 1633 bis 1639 mit einer Gesandschaft nach Russland und Persien.

  • Die Reise hat die Erschließung neuer Handelsrouten zum Ziel und soll Schleswig-Holstein einen Zugang zum Seidenhandel des Orients verschaffen, der gewinnbringend scheint.

  • Flemings literarisches Schaffen konzentriert sich nun thematisch auf die Reise und die Reisegesellschaft, so werden sowohl gemeisterte Gefahren, wie Schiffbruch, Sturm, Überfälle, Hunger und Durst, als auch gesellschaftliche Anlässe thematisiert.
  • Hierbei entwickelt sich auch sein eigener Sprachstil, der typisch für alle späteren Arbeiten sein wird. Hans-Georg Kemper nennt diesen den „Ton eines erlebten und erlebend reflektierenden Ichs“.

  • Bei einem Aufenthalt in Reval lernt Fleming 1635 die drei Töchter des Kaufmanns Heinrich Niehusen kennen. Er verliebt sich in Elsabe Niehusen und schreibt in einem Gedicht an sie über die Wichtigkeit der Treue, um sich als Mensch in der Welt behaupten zu können: Ein getreues Hertze wissen / hat deß höchsten Schatzes Preiß.[6] Daraufhin reist er weiter.

  • Am 08. Juli 1639 verlobt sich Flemming mit Anna Niehusen, der jüngeren Schwester Elsabes. Elsabe hatte während Flemings Abwesenheit einen anderen Mann geheiratet.

  • Nach der Verlobung in Reval reist Fleming nach Leiden und erlangt am 23. Februar 1640 mit der Disputation[7] De Lue Venerea die Doktorwürde. Nun möchte er sich als Arzt in Reval niederlassen.

  • Dazu kommt Fleming nicht mehr, genauso wenig zur Herausgabe seiner lateinischen Gedichte, die er bereits für den Druck vorbereitet hatte.[8] Paul Fleming stirbt auf der Rückreise nach Reval am 01. April 1640 in Hamburg an einer Lungenentzündung.
  • [1] Studium der sieben freien Künste – Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik – welche zum Grundwissen der Antike und des Mittelalters gehören

  • [2] Einfluss nehmen außerdem Petrarca, Johannes Secundus und als Vorbild der römischen Antike Catull.

  • [3] höchste Auszeichnung eines Dichters mit einer Dichterkrone

  • [4] Fleming galt bereits zu Lebzeiten als einer der wichtigsten lateinischen Dichter Deutschlands. Flemings erotische Dichtungen markieren einen wesentlichen Punkt seines literarischen Schaffens.

  • [5] oberster Aufseher der königlichen Tafel (Hofamt der mittelalterlichen Hofgesellschaft)

  • [6] In seiner Liebeslyrik orientierte sich Fleming an der Liebesauffassung Francesco Petrarcas, der die Stilform des Petrarkismus begründete. Petrarkismus beschreibt eine Stilform, die den mittelalterlichen Minnesang ablöst und großen Einfluss auf die europäische Dichtung hatte.
  • Hierbei werden Elemente des Minnesangs übernommen, und so wird der Mann als leidender Liebessklave gegenüber einer kaltherzigen, abweisenden Frau dargestellt. Fleming stellt den petrarkistischen Elementen weltanschaulich-philosophische neustoizistische Tugenden gegenüber, wobei es darum geht, dass der Mensch sein Verhalten vernünftig und „frei“ gestalte soll.

  • [7] Verteidigung einer wissenschaftlichen Arbeit, um einen akademischen Grad zu erlangen; wissenschaftliches Streitgespräch (vgl. Disput).

  • [8] Adam Olearius gibt posthum 1641 die lyrische Sammlung Prodomus heraus und ebenfalls nach Flemings Tod 1646 die Teutsche Poemata (später in Geist- und Weltliche Poemata umbenannt, 1651). Die lateinischen Gedichte werden 1863 von Johann Martin Lappenberg in einem Band veröffentlicht.

Werke

  • Rubella, seu Suaviorum Liber, lateinische Gedichte, 1631
  • Klagegedichte über das unschuldigste Leiden und Tod unsers Erlösers Jesu Christi, 1632
  • Prodomus, Gedichte, 1641, posthum
  • Teutsche Poemata, 1646, posthum; ab 1651 als Geist- und Weltliche Poemata


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