Ein Argument ist eine Aussage, um eine Behauptung (These) zu beweisen und zu stärken. Umso größer die Qualität der Argumente ist, die für eine These gefunden werden, umso stärker ist sie. Ein Autoritätsargument ist ein Argument, das sich auf überprüfbare Aussagen von Fachleuten sowie Personen mit maßgeblichem Einfluss auf einem Gebiet beruft → Argumenttypen.

Eine Autorität ist eine Person, die auf einem Gebiet sehr großen Einfluss hat. Das kann entweder daran liegen, dass sie jede Menge Fachwissen hat oder es ein eindeutiges Herrschaftsverhältnis zwischen dieser Person und den anderen gibt (Vorgesetzter / Mitarbeiter, Lehrer / Schüler). Ist eine Autorität bei anderen Menschen anerkannt, werden sie sich in ihrem Handeln und Denken an dieser Person orientieren. Ein Autoritätsargument bezieht sich demnach auf eine solche Autorität. Schauen wir auf ein Beispiel.

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Ein Sprecher des Dudens teilte mit, dass die Rechtschreibreform sinnlos sei.
Die Reform sollte also rückgängig gemacht werden.

Das Autoritätsargument wird im obigen Beispiel durch die Redaktion des Dudens gestützt. Der Duden ist in unserer Gesellschaft eine der wichtigsten Instanzen in Bezug auf die Rechtschreibung und Grammatik. Wenn die Redaktion zu dem Schluss käme, dass die Reform vollkommen überflüssig sei, kann das die These, dass man sie rückgängig machen sollte, natürlich enorm stärken.

Logischerweise hängt die Stärke einer solchen Aussage sehr stark von der jeweiligen Autorität ab, die für die Begründung herangezogen wird und außerdem davon, inwiefern die gewählte Gruppe oder Person gesellschaftlich und / oder sozial anerkannt wird. Schauen wir auch dafür auf ein weiteres Beispiel.

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Frau Meyer sagte, dass man nicht auf ihr Grundstück darf.
Deshalb ist es dir nicht erlaubt, ihren Garten zu betreten.

Auch in diesem Beispiel wird die These, nämlich die, dass man ein bestimmtes Grundstück nicht betreten sollte, mit einer Autorität bestärkt. In diesem Fall Frau Meyer. Vielleicht ist sie eine Lehrerin oder eben eine anderweitige Respektsperson für den Sprechenden, weshalb sie auch als Grundlage und Beleg für das vorgebrachte Autoritätsargument angeführt wird.

Allerdings ist Frau Meyer keine Person des öffentlichen Lebens oder hat in ihrer Rolle als Lehrerin Einfluss auf eine sehr, sehr große Gruppe von Menschen. Das bedeutet aber, dass das Autoritätsargument nur für denjenigen funktioniert, der Frau Meyer als Autorität anerkennt.

Hinweis: Das bedeutet, dass Autoritätsargumente nur dann fruchten, wenn die angeführte Autorität für beide Parteien, also den Sender der Aussage und den Empfänger (Leser, Zuhörer) eine Rolle spielt. Sollte eine Person, die nicht beiderseits als Autorität gilt, eine Norm formuliert haben, kann diese natürlich trotzdem gelten und die These bestärken (→ normatives Argument).

Verwendung von Autoritätsargumenten

In Europa gibt es eine lange Tradition in Bezug auf das Anführen von Autoritäten, um eine These zu bekräftigen. Denken wir beispielsweise an die Bibel oder andere religiöse Gemeinschaften.

Heutzutage wird die Bibel zwar durchaus nicht mehr wortwörtlich ausgelegt, doch vor einigen Jahrhunderten sah das ganz anders aus. Wenn in der Bibel ein Glaubenssatz formuliert wird, ist die Autorität meist Gott oder eben der Sohn des heiligen Vaters, also Jesus Christus.

Wenn in der Bibel nun Sätze und Aussagen formuliert werden, denken wir beispielsweise an die 10 Gebote im Alten Testament, können wir diese als kirchliche Dogmatik zusammenfassen. Unter einem Dogma versteht man eine Meinung oder einen Lehrinhalt, dessen Wahrheitsanspruch als unumstößlich gilt.

Das bedeutet, dass sich nahezu alle religiösen Gemeinschaften auf Autoritätsargumente stützen, um die eigenen Inhalte zu transportieren. Die Autorität ist in diesem Fall Gott oder eine vergleichbare Instanz. Jedoch sind solche Argumentationen nicht als seriös zu bewerten, denn ein Autoritätsargument muss bestimmte Bedingungen erfüllen, um wissenschaftlich als zulässig zu gelten.

  • Vertrauen: Die angeführte Autorität muss vertrauenswürdig erscheinen, weil sie sich bewährt hat.
  • Korrektheit: Die Autorität wurde im Zusammenhang richtig zitiert.
  • Kompetenz: Die angeführte Person hat Sachkompetenz auf dem jeweiligen Gebiet.
  • Argumentation: Die Regeln der Argumentation wurden eingehalten.
  • Meinungsvielfalt: Autoritäten, die das Gegenteil aussagen, werden angeführt und widerlegt.
Das Wichtigste in der Kurzübersicht

  • Ein Autoritätsargument beruft sich auf eine Autorität, um eine These zu stärken. Als Autorität wird eine Person bezeichnet, die gesellschaftlich und sozial auf einem Gebiet anerkannt wird.
  • Die angeführten Autoritäten können dabei als stark oder schwach wahrgenommen werden. Umso anerkannter der autoritäre Status einer Persönlichkeit oder Gruppe ist, um stärker sind sie, um ein Argument mit ihrer Hilfe zu stärken.
  • Glaubenssätze beruhen fast immer auf Autoritätsargumenten und schaffen so die Dogmatik, also das Regelwerk der jeweiligen Gemeinschaft. Wissenschaftlich sind diese meist nicht zulässig, da sie in der Regel nicht die Meinungsvielfalt berücksichtigen.
  • Neben dem Faktenargument, normativen Argument, Plausibilitätsargument und analogisierenden sowie indirekten Argumenten, gilt das Autoritätsargument als eine seriöse Praxis in der Rhetorik und kann dazu genutzt werden, eine aufgestellte Behauptung zu belegen.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Autoritätsargument
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001