Als Belletristik wird die fiktionale und schöngeistige Literatur bezeichnet. Ihr gegenüber stehen somit wissenschaftliche und nichtfiktionale Texte. Demnach fallen in den Bereich der Belletristik sämtliche Werke, die zur Unterhaltungsliteratur gezählt werden. Das gilt für Schriften in Prosa, wie Romane, Novellen und Kurzgeschichten, aber auch für Dramen sowie lyrische Erzeugnisse oder Comics.

Der Begriff leitet sich vom französischen belles lettres ab, was sich mit schöne Wissenschaften oder schöne Literatur übersetzen lässt. Diese Bezeichnung geht auf den französischen Buchmarkt des 17. Jahrhunderts zurück. Hierbei wurden die literarischen Schriften in wissenschaftliche und literarische Schriften unterteilt, wobei außerdem eine Sparte der einfachen, niederen Literatur erwuchs.

Für diese einfache Literatur wurde bereits im 18. Jahrhundert von Joseph Görres und Johann Gottfried von Herder die Bezeichnung Volksbuch vorgeschlagen. Hierunter fielen Schwänke, volkstümliche Sagen sowie Märchen oder Ritterdichtungen und Minnelieder. Im Gegensatz dazu standen die belles lettres, die schöne Literatur, die sich vor allem dadurch auszeichnete, dass sie sich vom Einfachen abzugrenzen versuchte.

Übersicht: Merkmale der Belletristik

Übersicht: Die wesentlichen Merkmale der Belletristik

  • Diese schöne Literatur, welche sich von der volkstümlichen Dichtung sowie wissenschaftlichen Arbeiten abgrenzte, war zumeist komplexer geschrieben, aufwendiger gestaltet und kostete teilweise das Dreifache. Belletristik richtete sich also an die gebildete Schicht der Leser.
  • Belletristische Schriften zeichneten sich häufig durch Anspielungen, allegorische Verdichtungen und einen kunstvollen Schreibstil aus. Weiterhin waren die Inhalte der Belletristik eindeutig fiktional, wohingegen die Volksbücher das Persönliche mit dem Fiktionalen vermengten.
  • Diese Unterteilung in Sachliteratur und Schönliteratur findet eine klare Entsprechung in der englischen Buchbranche, die zwischen fiction und nonfiction unterscheidet.
  • Der niedere Markt des Frühdrucks zeichnete sich außerdem durch eine ständige inhaltliche Wiederholung aus. Stoffe, die über die Jahrezehnte funktionierten, wurden oftmals einfach erneut aufgelegt, wohingegen die elegante Literatur in der Regel neue Inhalt präsentierte.
  • Jedoch gibt es Überschneidungen. Beispielsweise wurde Robinson Crusoe (1719), ein Roman von Daniel Defoe, eindeutig in der Sparte der Belletristik eingeordnet und dementsprechend verlegt. Allerdings gab es alsbald eine gekürzte, einfachere Ausgabe, die dem Lesenden versprach, einfacher und verständlicher als die elegante Ausgabe zu sein.
  • Demzufolge ist der Unterschied nicht erst im Nachhinein entstanden, sondern wurde teils offen kommuniziert. Die niedere Literatur richtet sich demnach bewusst an Leser, die sich ihres einfacheren Begriffvermögens durchaus bewusst waren und gezielt danach suchten.

  • Heutzutage werden unter dem Begriff alle Schriften abgehandelt, die nicht wissenschaftlich oder nichtfiktional sind. Demzufolge wird hierbei auch Trivialliteratur als Belletristik geführt, weshalb der Begriff durchaus als Synonym für Unterhaltungsliteratur überhaupt gebraucht wird.

Unterhaltende und ernsthafte Literatur

Diese Unterteilung in schöne, niedere und wissenschaftliche Literatur rief allerdings auch Kritiker auf den Plan und auch heutzutage ist der Begriff der Belletristik teils negativ belegt. Das Problem: Texte sollen nicht nur schön und unterhaltend sein, sondern durchaus Ernsthaftigkeit vermitteln.

Einer der ersten Dichter, die dieses Problem benannten, war Johann Wolfgang von Goethe. Goethe legte der Romanfigur Werther den folgenden Satz in den Mund […] doch an gründlicher Gelehrsamkeit mangelt es ihm, wie all den Bellettristen. Dabei wird deutlich, dass der Belletristik durchaus das Ernsthafte mangelte oder jedenfalls die Meinung kursierte, dass sie sich grundsätzlich von der ernsthaften Literatur unterschied.

Das Problem ist hierbei, dass wissenschaftliche Arbeiten oftmals eine intensive Auseinandersetzung mit dem geschriebenen Wort voraussetzen. Das Gelesene muss manchmal wiederholt werden, einige Begriffe sind nichnt sofort klar und demzufolge muss der Text gründlich gelesen und studiert werden. Unterhaltende Literatur zeichnet sich im Gegensatz dadurch aus, dass sie in erster Linie unterhalten will.

Wenn Belletristik unterhaltend ist, sich der schönen Sprache bedient und vor allem in diesem Merkmal von der volkstümlichen Dichtung unterscheidet, gibt es einen Widerspruch. Denn Literatur sollte dem Leser nicht nur ein sinnliches Vergnügen bereiten, sondern ihn erziehen oder bilden, auch wenn der wissenschaftliche Charakter nicht gegeben ist. Diese Annahme war sehr in der Aufklärung verbreitet (vgl. Literaturepochen).

Auch heutzutage hat belletristische Literatur dieses Problem. So kommt es durchaus vor, dass Literaturkritiker Werke in ernsthafte und unterhaltende Literatur einteilen, wobei die Grenzen natürlich kaum zu erkennen sind. Deshalb hat sich die Buchbranche dazu entschlossen, sämtliche Erzeugnisse, die weder wissenschaftlich noch nichtfiktional sind, als belletristische Werke zu führen. Das lässt sich in Buchläden nachvollziehen.

Hinweis: In literaturwissenschaftlichen Abhandlungen findet sich aufgrund der schwierigen Abgrenzung der Begriff der Belletristik recht selten. Eher wird auf die englische Entsprechung und Unterscheidung zwischen fiction und nonfiction verwiesen, also auf fiktionale oder eben nonfiktionale Texte.

Marktsegmente der Belletristik in Deutschland

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gibt regelmäßig einen Überblick, welchen Marktanteil die Belletristik im Buchmarkt überhaupt hat und aus welchen einzelnen Sparten sich die Verkäufe zusammensetzen. Aktuelle Zahlen liegen bereits rückblickend für das Jahr 2013 vor (Quelle).


Prozentuale Anteil belletristischer Werke  im Bereich der Belletristik

Das obige Diagramm gibt prozentual an, wie hoch der prozentuale Anteil der verschiedenen belletristischen Werke am Gesamtumsatz der Belletristik in Deutschland ist. Es wird dabei ersichtlich, dass die erzählende Literatur mehr als die Hälfte des Umsatzes bestreitet, wohingegen Lyrik und Dramatik nur 1% stemmen.

Diese Einteilung ist jedoch schwierig, vor allem deshalb, weil hierbei Kinderbücher nicht zum belletristischen Bereich gezählt werden. Diese werden vom Börsenverein gesondert betrachtet. Dabei erfüllen Werke wie beispielsweise Ronja Räubertochter durchaus sämtliche Kriterien der angeführten Literatur.

Hinweis: Ersichtlich wird allerdings, dass der Buchhandel alle Werke – von Kinder- und Jugendliteratur einmal abgesehen – die nicht wissenschaftlicher oder nichtfiktionaler Natur sind, unter dem Begriff der Belletristik führt, auch wenn sich die Literaturwissenschaft diesbezüglich teilweise recht schwertut.

Entwicklung und Ursprünge des Begriffs

Wie beschrieben, geht die Bezeichnung auf das französische belles lettres zurück und stand damals im Gegensatz zur niederen und eher volkstümlichen Literatur, bildete aber auch einen Gegenpol zu wissenschaftlichen Abhandlungen der Zeit. Ähnlich wird der Begriff auch heutzutage verstanden.

Von der ersten Nennung bis ins 18. Jahrhundert umfasste der Begriff vor allem Memoires, Romane, Poesie, Klassiker der Antike sowie Journale, also sämtliche Schriften, die sich vor allem durch schöne, vielleicht auch schöngeistige, Sprache auszeichneten. Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam die Bezeichnung Belles Lettres vornehmlich im deutschen Buchmarkt allmählich aus der Mode.

Die Tendenz ging eindeutig zu deutschen Bezeichnungen für das gesamte Spektrum, weshalb von galanten oder schönen Wissenschaften und letztendlich von schöner Literatur die Rede war. Daraus ergaben sich in der Folge die bekannten Gattungsbegriffe Dramatik, Epik und Lyrik, die im Eigentlichen allesamt zum umfassenden Bereich belletristischer Werke zählen, auch wenn eine Grenzziehung schwierig ist.

Hinweis: Auch heutzutage ist das Feld der Belletristik noch beinahe identisch mit der Vorstellung des 18. Jahrhunderts. Im Gegensatz zum allgemeinen Begriff der Literatur ist die Bezeichnung Belletristik aber meist auf den Buchhandel bezogen und findet kaum Anwendung in wissenschaftlichen Betrachtungen.

Kurzübersicht: Wesentliche Merkmale und Bedeutung der Belletristik

  • Der Begriff geht auf den französischen Buchmarkt zurück. Dort entstand im 17. Jahrhundert die Bezeichnung belles lettres, um schöne Literatur von volkstümlicher Dichtung abzugrenzen. Diese Einteilung blieb allerdings nicht unproblematisch.
  • Die Begründung ist, dass eine Unterscheidung zwischen einfach oder volkstümlich sowie schön als Gegenpol zur Wissenschaft bedeutet, dass keine ernsthafte Literatur bestehen kann, die die Auseinandersetzung des Lesenden erfordert. Diesen Umstand kritisierte erstmalig Goethe.
  • Viel sinnvoller erscheint deshalb eine Unterteilung in fiktionale und nichtfiktionale Texte, da der Begriff der Belletristik sehr nah an der Unterhaltungsliteratur angesiedelt ist. Demzufolge wird auch heutzutage von einigen Literaturkritikern streng zwischen ernster und unterhaltender Literatur unterschieden, wobei die Belletristik dem Buchhandel vorbehalten ist.
  • Der Buchhandel fasst unter dem Begriff sämtliche Werke, die nicht der Wissenschaft oder den nichtfiktionalen Texten zuzuordnen ist. Erstaunlicherweise werden außerdem Jugend- und Kinderliteratur nicht zu den belletristischen Werken gezählt.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Belletristik
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001