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Exposition

Als Exposition wird im Drama – teils auch in Romanen die wirkungsvolle Einführung des Zuschauers oder des Lesers bezeichnet. Das bedeutet, dass dem Adressaten (Zuschauer, Leser, Hörer) die Grundstimmung, Ausgangssituation, Konflikte und Zustände erläutert werden sowie Informationen über den Ort, die Zeit und die Personen des Werkes gegeben werden. Folglich werden dem Adressaten in der Exposition sämtliche Informationen gegeben, die für das Verständnis des folgenden Stückes wichtig sind, wobei durchaus Sachverhalte erläutert werden können, die lange Zeit vor der gezeigten Bühnenhandlung liegen. Im klassischen Drama ist die Exposition in den ersten Akt eingebunden und gipfelt dann in das erregende Moment, welches den dramatischen Konflikt aufbaut. Grundsätzlich kann die Exposition aber auch das ganze Stück andauern und meint dann alle Momente des Dramas, die zum Verständnis einer zeitlich zurückliegenden Ausgangssituation beitragen.

Begriff

Der Begriff leitet sich vom lateinischen Nomen expoisitio ab, das sich in etwa mit Darstellung übersetzen lässt. Ursprünglich meinte der Begriff die Inhaltsangabe eines Werkes, wurde später synonym zum Prolog gebraucht. Anschließend, in etwa seit dem 16. Jahrhundert, meint der Begriff die wirkungsvolle Einführung des Zuschauers in die Dramensituation, um alle Informationen zu vermitteln, die zum Verständnis erforderlich sind.

Die Exposition kann in verschiedenen Formen in Erscheinung treten. Möglich sind handlungsexterne Prologe, die in die Handlung einführen. Der Prolog kann ein Dialog von zwei oder mehreren Darstellern oder auch ein Monolog von einer einzelnen Figur sein, wobei Personen, Ort und Zeit der Handlung fixiert werden. Denkbar ist auch ein Vorspiel, also eine kurze, erklärende und einleitende Szene oder alles Wissenswerte wird durch die Figuren im ersten Akt gesagt. Dies kann durch Dialoge oder Monologe der Handelnden realisiert werden.Monolog kann einzelne Elemente des Dramas verbinden.

Ablauf und Aufbau eines Dramas. Im klassischen Drama erfüllt jeder der fünf Akte eine der obigen Funktionen.


Das obige Bild verdeutlicht den grundsätzlichen Aufbau eines klassischen Dramas. In der Exposition – die typicherweise im ersten Akt ist – werden alle wesentlichen Informationen mit dem Adressaten (Leser, Hörer, Zuschauer) geteilt, um dann unmittelbar die Spannung aufzubauen (vgl. erregendes Moment), welche im Höhepunkt gipfelt, dann wieder abfällt (vgl. Peripetie), um dann verzögert zu werden (vgl. Retardation) und letzten Endes in der Katastrophe zu enden. Die Komödie liefe auf ein Happy End hinaus (vgl. Lustspiel).

Exposition am Beispiel (Maria Stuart)

Wie beschrieben, findet sich eine solche Einführung des Adressaten zumeist im ersten Akt eines Dramas, auch wenn sie natürlich auch an anderer Stelle vorkommen kann. Im klassischen Drama ist sie jedoch meist in den ersten Akt integriert. Ein Beispiel findet sich bei Maria Stuart von Friedrich Schiller. Nachfolgend eine knappe Übersicht und anschließend eine Erläuterung.

FunktionInhalt
I. AktExposition
(erregendes Moment)
Vorgeschichte; Situation Marias (Gefangenschaft); Begründung für das Todesurteil, das ihr alsbald bevorsteht und die Konsequenzen daraus.
II. AktSteigerungVerhandlung des Staatsrates über das Todesurteil von Maria Stuart; das scheinbare Eingehen Mortimers auf den Mordauftrag von Elisabeth; Leicesters und Mortimers Auseinandersetzung über die Befreiung von Maria; Leicester bringt Elisabeth dazu, einem Treffen mit Maria einzuwilligen.
III. AktHöhepunkt (Peripetie)Die beiden Königinnen, Maria und Elisabeth, treffen sich im Garten von Fotheringhay; Mortimers leidenschaftlicher Gefühlausbruch gegenüber Maria.
IV. Aktretardierendes MomentVerrat durch Leicester; Mortimers Befreiungsplan scheitert; Mortimer stirbt; Auseinandersetzung über das Todesurteil, dem Leicester zustimmt.
V. AktKatastropheTod der Maria Stuart; Bestrafung der Elisabeth (Verlassenheit)
Knappe Inhaltsangabe des Dramas Maria Stuart anzeigen

Maria Stuart, Königin von Schottland, wird wegen der Ermordung ihres Mannes aus dem Land gejagt und sucht bei der Königin von England, Elisabeth I., Zuflucht. Da Maria aber selbst Anspruch auf die englische Krone hätte, sperrt Elisabeth die Schutzsuchende ein. Die Handlung setzt 19 Jahre später, drei Tage vor der Hinrichtung Marias, ein.

In der Vergangenheit hatten viele Männer versucht, die schöne Maria zu befreien. Auch Mortimer möchte sie retten und nimmt deshalb einen Auftrag der Königin Elisabeth an, um sich Maria zu näheren und seinen Plan in die Tat umzusetzen.

Darüber setzt er den Grafen von Leicester in Kenntnis, der Maria liebt, aber der Liebhaber Elisabeths ist. Um Maria zu helfen, arrangiert dieser ein Treffen der beiden Königinnen, so dass Maria die Möglichkeit hat, das Herz der Rivalin zu berühren und dem Urteil zu entgehen.

Als das Treffen zustande kommt, eskaliert die Situation. Maria, die vom Zeitpunkt des Treffens nicht wusste, ist unvorbereitet und verhält sich nicht unterwürfig genug, sondern auf die Ebenbürtigkeit der beiden Frauen verweist. Das hat zur Folge, dass Elisabeth sie noch stärker demütigt und ihr vorwirft, all ihre Männer ins Jenseits zu befördern, woraufhin Maria kontert und Elisabeth vorwirft, dass ihre niedere Herkunft nicht zu verleugnen sei, auch wenn sie sich als jungfräuliche Königin bezeichne.

Die Zusammenkunft der beiden Frauen brachte folglich nicht das gewünschte Ergebnis. Eher ist es so, dass das Verhältnis noch unversöhnlicher ist und die beiden nun gänzlich entzweit sind. Mortimer unterbreitet Maria nun einen Plan, wie sie entkommen könnte, doch da zahlreiche Menschen gefährdet wären, lehnt Maria das Angebot ab.

Einer der Gefolgsleute Mortimers versucht daraufhin einen Mordanschlag auf Elisabeth, der scheitert, woraufhin sich Mortimer ersticht, ohne Maria retten zu können. Um ihren Machtanspruch zu sichern, unterzeichnet Elisabeth das Todesurteil Marias. Da sie dieses aber nicht selbst vollstrecken will, schiebt sie es dem Staatssekretär Davison, der es dann ausführen lässt.


Hinweis: Die Zusammenfassung ist knapp gehalten. Hierbei geht es vornehmlich um den Aufbau des Dramas, um die Exposition zu verdeutlichen. Die Inhaltsangabe eignet sich allerdings nicht für eine fundierte Analyse des Stücks oder eine tiefgehende Betrachtung (dazu siehe: Maria Stuart)

Im ersten Auftritt des ersten Aktes kommt es zu einem Streit zwischen Amias Paulet, dem Bewacher Maria Stuarts, und Hanna Kennedy, der Amme von Maria Stuart. Paulet dringt in die Gemächer der gefangenen Königin ein, um Schmuck und Briefe zu beschlagnahmen, da er der Meinung ist, dass diese die Möglichkeit eröffnen, Verschwörer gegen die Herrschaft der protestantischen Elisabeth zu unterstützen.

Die Amme Kennedy möchte das verhindern, worüber die beiden ins Gespräch geraten und ihre jeweils eigene Version zur Vorgeschichte Maria Stuarts kundtun. Paulet ist davon überzeugt, dass Maria Stuart zu Recht inhaftiert ist, wohingegen Kennedy die Meinung vertritt, dass ihrer Herrin Unrecht angetan wird. Durch dieses Gespräch erfährt der Adressat allerdings alle wesentlichen Details und Begleitumstände, welche für das Verständnis der nachfolgenden Handlung relevant sind. Dieser Umstand wird als Exposition bezeichnet.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick


  • Als Exposition wird im Drama – teils auch in Romanen die wirkungsvolle Einführung des Zuschauers oder des Lesers bezeichnet. Das bedeutet, dass dem Adressaten (Zuschauer, Leser, Hörer) die Grundstimmung, Ausgangssituation, Konflikte und Zustände erläutert werden sowie Informationen über den Ort, die Zeit und die Personen des Werkes gegeben werden.
  • Diese Einführung kann entweder in den ersten Akt integriert sein, mithilfe eines Prologs oder Vorspiels gezeigt werden oder aber in kleinen Teilen über das ganze Stück verteilt sein. Im letztgenannten Fall erhält der Adressat in kleinen Portionen neue Informationen, welche die Ausgangssituation erhellen. Ganz klassisch findet sich die Exposition aber im ersten Akt.