WORTWUCHS | Literaturlexikon

Kinderreime

Kinderreime sind häufig uralte Volksweisen, die sich über die Jahre hinweg gehalten haben und meist mündlich überliefert wurden. Kinderreime werden unter anderem im Kindergarten genutzt, um spielerisch das Vokabular von Kindern zu erweitern. Da Kinderreime häufig melodisch oder in einer Art Singsang vorgetragen werden, sind sie oftmals von Kinderliedern kaum zu unterscheiden.

Kinderreime lassen sich äußerst selten einem bestimmten Verfasser zuordnen, da sie über die Jahrhunderte in zahlreichen Variationen auftauchen, weshalb die tatsächliche Urheberschaft nicht immer eindeutig geklärt ist oder es verschiedene Zuschreibungen gibt.

Manche Kinderreime wurden von Eltern ersonnen, andere von Kindern ausgedacht und sie unterliegen dabei immer dem Wandel der Zeit. Ein Reim, den wir heute kennen, kann sich in den nächsten Jahren stark verändern, da er von den Nutzern selbst geprägt wird.

Solche Kinderreime können dabei zum Spaß oder Spiel aufgesagt, aber natürlich auch als Abzählreime verwendet werden. An dieser Stelle finden Sie zahlreiche Kinderreime, die die Zeiten überdauert und den Weg in unser Archiv gefunden haben. Unter einigen Reimen finden Sie außerdem Hinweise zur Herkunft oder Funktion.

Sollten Sie selbst einige Kinderreime auf Lager haben, die an dieser Stelle noch nicht gelistet sind, würden wir uns über eine kurze Nachricht Ihrerseits freuen. Nun wünschen wir Ihnen allerdings viel Spaß mit der bestehenden Auswahl von Kinderreimen.

Kinderreime zum Vergnügen

Backe, backe, Kuchen

Backe, backe, Kuchen,
der Bäcker hat gerufen!
Wer will guten Kuchen backen,
der muss haben sieben Sachen:
Eier und Schmalz, Butter und Salz,
Milch und Mehl, Safran macht den Kuchen gehl!
Schieb, schieb in’n Ofen ’nein.

Das ist der Daumen

Das ist der Daumen,
der schüttelt die Pflaumen,
der hebt sie auf,
der trägt sie nach Haus,
der kleine Schelm isst sie alle auf.

Meine Mutter schickt mich her

Meine Mutter schickt mich her,
ob der Kaffee fertig wär?
Sag ein schönes Kompliment und der Kaffee ist verbrennt.
Die Milch ist aus dem Topf gelaufen,
was drin blieb, tut die Katze saufen.
Und wer nicht ist mit fortgeschwommen,
der soll schnell zum Kaffee kommen!

Heile, heile, Segen

Heile, heile Segen
sieben Tage Regen,
sieben Tage Sonnenschein,
wird alles wieder heile sein.
Heile, heile Segen,
sieben Tage Regen,
sieben Tage Schnee,
tut dem Kind schon nicht mehr weh.

Bienchen, Bienchen

Bienchen, Bienchen,
summ – summ summ,
um die Blumen summ herum!
Tauch hinein dein Köpfchen,
hol die Nektartröpfchen,
flieg zurück zum Bienenhaus,
mach uns süßen Honig draus

Zehn kleine Zappelmänner

Zehn kleine Zappelmänner zappeln hin und her,
zehn kleinen Zappelmännern fällt das gar nicht schwer.
Zehn kleine Zappelmänner zappeln auf und nieder,
zehn kleine Zappelmänner tun das immer wieder.
Zehn kleine Zappelmänner zappeln ringsherum,
zehn kleine Zappelmänner, die sind gar nicht dumm.
Zehn kleine Zappelmänner spielen gern Versteck,
zehn kleine Zappelmänner sind auf einmal weg.
Zehn kleine Zappelmänner sind nun wieder da,
zehn kleine Zappelmänner rufen laut: Hurra!

Hoppe, hoppe, Reiter

Hoppe, hoppe, Reiter,
wenn er fällt dann schreit er.
Fällt er in den Graben,
fressen ihn die Raben.
Fällt er in die Hecken,
fressen ihn die Schnecken.
Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter: plumps!

Sitzt ein Büble auf dem Ast

Sitzt ein Büblein auf dem Ast ,
hüpft von Ast zum Ästchen ,
kuckt ins Vogelnestchen,
ei da lacht es, ei da kracht es,
Blums da liegt es unten.

Das Huhn

Ein Huhn, das fraß,
man glaubt es kaum,
die Blätter von ´nem Gummibaum,
dann ging es in den Hühnerstall
und legte einen Gummiball!

Da hast ‘nen Taler

Da hast ‘nen Taler
geh auf den Markt,
kauf dir ‘ne Kuh
und ein Kälbchen dazu
Das Kälbchen hat ein Schwänzchen,
dideldidel-dänzchen.

Morgens früh um sechs

Morgens früh um sechs
kommt die kleine Hex‘.

Morgens früh um sieben
kocht sie gelbe Rüben.

Morgens früh um acht
wird Kaffee gemacht.

Morgens früh um neun
geht sie in die Scheun‘.

Morgens früh um zehn
holt sie Holz und Spän‘,

feuert an um elf,
kocht dann bis um zwölf:

Fröschebein‘ und Krebs und Fisch.
Hurtig, Kinder, kommt zu Tisch!

Eine kleine Dickmadam

Eine kleine Dickmadam
fuhr mal mit der Eisenbahn.
Dickmadam, die lachte,
Eisenbahn, die krachte.
Eins, zwei, drei,
und du bist frei!

Piep, Piep, Piep

Piep, Piep, Piep,
wir haben uns alle lieb,
ein jeder esse was er kann,
nur nicht seinen Nebenmann;
und nimmt man’s ganz genau,
auch nicht seine Nebenfrau;
und auch nicht das Geschirr,
sonst macht’s im Magen Klirr.

Es war einmal ein Mann

Es war einmal ein Mann,
der hatte sieben Kinder,
die Kinder sprachen:
Vater erzähl‘ uns eine Geschichte.
Da fing der Vater an,
es war einmal ein Mann,
der hatte sieben Kinder …

Messer, Gabel, Schere, Licht

Messer, Gabel, Schere, Licht
sind für kleine Kinder nicht

Advent, Advent

Advent, Advent
ein Lichtlein brennt
erst eins dann zwei
dann drei dann vier
dann steht das Christkind vor der Tür
und wenn die fünfte Kerze pennt
dann hast du Weihnachten verpennt

Abends wenn ich schlafen geh

Abends wenn ich schlafen geh
vierzehn Engel um mich stehn
zwei zu meiner Rechten
zwei zu meiner Linken
zwei zu meinen Häupten
zwei zu meinen Füßen
zwei, die mich decken
zwei, die mich wecken
zwei, die mich führen
ins himmlische Paradies
(Amen)

Ich bin klein, mein Herz ist rein

Ich bin klein
mein Herz ist rein
daß niemand drin wohne
als Jesus allein

Piep, Piep, Mäuschen

Piep, Piep, Mäuschen,
bleib in Deinem Häuschen.
Frisst du mir mein Butterbrot,
kommt die Katz´ und beißt dich tot.
Piep, Piep, Piep, recht guten Appetit

Wir haben Hunger

Wir haben Hunger, Hunger, Hunger, haben Hunger, Hunger, Hunger,
haben Hunger, Hunger, Hunger, haben Durst.
Wo bleibt das Essen, Essen, Essen,
bleibt das Essen, Essen, Essen, bleibt die Wurst?
Wenn wir nichts kriegen, kriegen, kriegen,
fressen wir Fliegen, Fliegen, Fliegen,
fressen wir Fliegen, Fliegen, Fliegen,
von der Wand.

Hinweise zum Kinderreim

In der Regel haben Kinderreime eine ganz einfache Struktur und bedienen sich dabei häufig zahlreicher Paarreime oder auch Kreuzreime (→ Reimschema), wodurch sie einprägsam erscheinen und häufig zu einer Art melodischem Singsang avancieren.

Viele Kinderreime wurden dabei allerdings von Erwachsenen ersonnen und sollen bestimmte Informationen kindgerecht aufbereiten. Beispielsweise können zu bestimmte Lerninhalte auf leichtem Weg transportiert und verstanden werden.

Werfen wir außerdem einen Blick auf die Geschichte des Kinderreims, finden wir zahlreiche Strophen und Verse, die sogar eine unmittelbare Moral beinhalten (Max und Moritz, Struwwelpeter), weshalb Kinderreime häufig auf inhaltlicher Ebene mit Fabeln (→ Merkmale einer Fabel) verglichen werden.

Dennoch muss das nicht immer so sein. Viele Kinderreime haben auch keinerlei „wirklichen Inhalt“ und sind eher eine sinnlose Aneinanderreihung von Buchstaben– und Satzkombinationen, wie beispielsweise „Eene meene miste“ oder „Lirum larum Löffelstil“).
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