WORTWUCHS | Literaturlexikon

Figura etymologica

Eine Figura etymologica ist ein Stilmittel bei der Wörter mit gleichem Wortstamm, die verschiedenen Wortarten angehören, verbunden werden. Oft sind dies Verb und Substantiv. Durch das Wiederholen erreicht die Figura etymologica Nachdrücklichkeit und aktiviert den vollen Bedeutungsgehalt einer Aussage, wodurch diese verstärkt wird. Die Stilfigur ist mit Polyptoton und Paronomasie verwandt.

Die Bezeichnung der Stilfigur leitet sich aus dem Lateinischen ab, wobei die Übersetzung dem deutschen Begriff Etymologische Figur entspricht (etymologia ~ Wortherkunft). Der Begriff Etymologie bezeichnet in der Sprachwissenschaft einen Teilbereich, der die Entstehung von Wörtern untersucht.

Hinweis: Im Zusammenhang mit der Figura etymologica muss allerdings ein älteres Verständnis des Begriffs herhalten. Früher wurde mithilfe der Etymologie untersucht, inwiefern ein Wort eine „innere Wahrheit“ hat, in dem es mit ähnlichen Worten in Verbindung gebracht wurde.

Beispiele für die Figura etymologica

Um das Ganze ein wenig zu illustrieren, möchten wir Ihnen einige Beispiele für die Figura etymologica listen. Dabei gehen wir kurz auf die Bedeutung und Herkunft ein und geben Hinweise.


„Du liebes Kind, komm‘, geh‘ mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand;
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Das obige Beispiel ist die dritte Strophe aus Goethes Erlkönig, wobei das Stilmittel im zweiten Vers versteckt ist. in diesem Fall werden das Substantiv Spiel und das Verb spielen unmittelbar nacheinander gebraucht. Die Verbindung ist folglich, dass der Erlkönig ein „Spiel spielen“ möchte, was eine starke Nachdrücklichkeit offenbart und außerdem eine Verbindung zweier Worte gleichen Stammes darstellt.


Wer andern eine Grube gräbt,
fällt selbst hinein

Das obige Sprichwort ist in aller Munde und bringt zum Ausdruck, dass jemand, der andere hereinlegt, irgendwann mit den Folgen zu kämpfen hat. Aber auch hier finden wir in der Verbindung des Substantivs „Grube“ und des Verbes „graben“ eine Etymologische Figur, die die Nachdrücklichkeit unterstreicht.


Hast nicht einmal so viel Scham,
dich dieser Streiche zu schämen?

Im obigen Beispiel aus Die Räuber, einem Drama von Friedrich Schiller, wird die Figura etymologica sogar aufgebrochen. Dennoch finden wir sie in der Verbindung von „Scham“ und „schämen“. Da die Wörter am Ende der einzelnen Satzteile stehen, erinnert das Ganze sogar an die Epipher, wenn auch nur im weitesten Sinne.

Weitere Beispiele für die Stilfigur: Der moderate Moderator, einen Kampf kämpfen, die schöne Schöne, der betrogene Betrüger, ein schönes Leben leben, eine gute Tat tun

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Figura etymologica verbindet Wörter des gleichen Stammes, die verschiedenen Wortarten angehören. Oft sind das Verb und Nomen. Diese müssen nicht nebeneinander stehen.
  • Das Stilmittel bewirkt durch die Wiederholung eine Nachdrücklichkeit der eigentlichen Aussage und aktiviert dabei den vollen Bedeutungsgehalt.
  • In der modernen Linguistik wird die Figura etymologica auch als kognates Objekt bezeichnet.

Stichwortverzeichnis