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Appell

Form & Grammatik

SubstantivFremdwort
Lemma
der Appell
Wortart
Substantiv, maskulin
Worttrennung
Ap·pell
Genitiv
des Appells
Plural
die Appelle

Appell: Ein Appell ist eine nachdrückliche Aufforderung, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu bedenken. Das Wort bezeichnet außerdem eine geordnete militärische Aufstellung und in der Kommunikation eine auf den Empfänger gerichtete Wirkung.

Bedeutungen

Nachdrückliche Aufforderung

Mit einem Appell versucht jemand, andere zu einer Handlung oder Haltung zu bewegen. Das kann ausdrücklich geschehen, etwa durch eine Bitte, oder indirekt. Ein Appell richtet sich auf das Verhalten des Empfängers; er ist deshalb mehr als eine reine Mitteilung.

„Der Verein richtete einen Appell an die Besucher, die Zugänge freizuhalten.“

Der Verein möchte eine konkrete Handlung erreichen. Ob die Besucher ihr folgen, sagt die Bezeichnung Appell nicht.

Geordnete Aufstellung

Im militärischen Gebrauch bezeichnet Appell das geordnete Antreten beziehungsweise die entsprechende Versammlung von Angehörigen einer Einheit. Diese Bedeutung unterscheidet sich von einem öffentlichen Aufruf, auch wenn beide mit einem Zusammenrufen verbunden sind.

„Am Morgen trat die Einheit zum Appell an.“

Hier ist die Aufstellung gemeint. Der Satz beschreibt keine Bitte an eine Öffentlichkeit.

Auffordernde Funktion einer Äußerung

In der Sprach- und Kommunikationsbetrachtung meint Appell die Ausrichtung auf den Empfänger: Was soll er tun, unterlassen, denken oder fühlen? Auch eine als Frage oder Feststellung formulierte Nachricht kann eine solche Funktion haben.

„Der Satz ‚Hier zieht es‘ kann in einer gemeinsamen Arbeitssituation als Appell verstanden werden, das Fenster zu schließen.“

Das ist eine mögliche Deutung. Ohne den Zusammenhang lässt sich die Absicht der sprechenden Person nicht sicher bestimmen.

Appell: Synonyme und andere Wörter

Bei einer Aufforderung

Aufruf · Bitte · Mahnung

Aufruf passt besonders zu einer öffentlichen Ansprache. Bitte betont häufig Höflichkeit und einen Wunsch; Mahnung erinnert nachdrücklich an etwas. Ein Befehl setzt einen stärkeren Anspruch auf Befolgung voraus und ist kein beliebiger Ersatz.

Ihr Appell blieb ohne Wirkung. → Ihr nachdrücklicher Aufruf blieb ohne Wirkung.

Beim militärischen Gebrauch

Antreten · Aufstellung

Diese Wörter treffen den organisatorischen Vorgang. Eine Versammlung ist allgemeiner und muss keine geordnete Aufstellung einschließen.

Die Einheit versammelte sich zum Appell. → Die Einheit trat zur geordneten Aufstellung an.

Beispiele und Verwendung

„Bitte lasst den Durchgang frei, damit alle Gäste den Saal erreichen können.“

Der eigene Beispielsatz verbindet eine Aufforderung mit einer Begründung. Ein knapper Befehl könnte denselben Handlungszweck verfolgen, aber einen anderen Ton setzen. Auch eine Geste kann auffordernd wirken: Wer an der Tür auf den freien Sitz zeigt, kann jemanden zum Platznehmen einladen. Die Auslegung hängt von Situation und Beziehung ab.

Vier Formen im Beispielvergleich

Die folgenden Beispiele stellen eine Einladung zum Handeln, einen knappen Befehl, eine höfliche Bitte und einen überredenden Zuspruch gegenüber.

(1) Sie können jetzt Fragen stellen.
(2) Komm her. Sofort!
(3) Könntest du mir bitte helfen?
(4) Komm! Trink doch noch ein Bier mit uns.

Die vorgestellten Beispielsätze können als Appell wirken, weil sie den Adressaten zu einer Handlung bewegen sollen. Sie unterscheiden sich jedoch in Ton und Verbindlichkeit: Ein Befehl beansprucht Befolgung, eine Bitte lässt eher Spielraum. Die Appellfunktion allein legt diese sprachliche Form nicht fest.

Die Abgrenzung hängt auch von Ton, Beziehung und Situation ab. Die Einordnung der Beispiele ist kein starres Stufenschema für jede Aufforderung.

Der Appell im Vier-Ohren-Modell

Das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun unterscheidet Sachinformation, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis und Appell. Die Appellseite betrifft die gewünschte Reaktion. Sender und Empfänger können dieselbe Äußerung unterschiedlich verstehen.

Das Vier-Ohren-Modell nach Friedemann Schulz von Thun zeigt die Appell-Seite einer Nachricht.
Die vier Seiten einer Nachricht im Kommunikationsquadrat.

Stellen wir uns vor, ein Mann sitzt mit seiner Frau beim Essen. Die Frau hat Königsberger Klopse gekocht und in der Soße schwimmen zahlreiche Kapern, die typisch für dieses Gericht sind. Die Kaper ist klein und grün und seit Jahrhunderten als pikantes Küchengewürz verbreitet. Der Mann sieht die Kapern und fragt: „Was ist das Grüne in der Soße?“ Eine mögliche Deutung auf den verschiedenen Ebenen lautet:

Sachebene: Da ist was Grünes.
Selbstoffenbarung: Ich weiß nicht, was es ist.
Beziehung: Du wirst es wissen.
Appell: Sag mir, was es ist!

Die Empfängerin könnte dieselbe Frage anders verstehen. Die folgende Aufteilung stellt eine mögliche Wahrnehmung gegenüber, nicht sicher bekannte Gedanken:

Sachebene: Da ist was Grünes.
Selbstoffenbarung: Mir schmeckt das nicht.
Beziehung: Du bist eine miese Köchin!
Appell: Lass nächstes Mal das Grüne weg!

Der Sachbezug bleibt die grüne Zutat; die verstandene Aufforderung kann sich dagegen unterscheiden. Eine Frage nach der Zutat ist nicht schon sicher eine Bitte, sie künftig wegzulassen. Erst Ton, Situation und gegebenenfalls eine Nachfrage helfen, diese Deutungen zu prüfen.

Appellierende Texte erkennen

Eine Rede, Anzeige oder ein Leserbrief kann dazu aufrufen, etwas zu unterstützen oder zu verändern. Entscheidend ist die Funktion der konkreten Passage, nicht allein die Textsorte. Auch eine sachlich wirkende Feststellung kann in ihrem Zusammenhang auf eine Handlung zielen. Für die Analyse sollte deshalb genannt werden, an wen sich der Appell richtet, was er erreichen will und welche sprachlichen Mittel dafür eingesetzt werden.

Grammatik und Beugung

Es heißt der Appell, im Genitiv des Appells. Der Plural lautet die Appelle; im Dativ Plural kommt ein -n hinzu: mit eindringlichen Appellen. Die Schreibung enthält zwei p und zwei l. Häufig lautet die Verbindung einen Appell an jemanden richten.

Appell: die vier Fälle
Fall Singular Plural
Nominativ der Appell die Appelle
Genitiv des Appells der Appelle
Dativ dem Appell den Appellen
Akkusativ den Appell die Appelle

Herkunft

Appell wurde aus französisch appel, also Aufruf, entlehnt. Dahinter steht lateinisch appellare für anrufen oder aufrufen. Der Zusammenhang mit einem Ruf erklärt sowohl die Aufforderung als auch das militärische Zusammenrufen.