WORTWUCHS | Literaturlexikon

metaphorisch

Bedeutung

Das Adjektiv metaphorisch bedeutet, dass eine Formulierung in übertragener Bedeutung und somit bildlich verwendet wird und dass etwas Metaphern gebraucht, wie etwa ein Text oder eine Rede und demnach vom Einsatz der Stilfigur geprägt ist. Dies kann als metaphorischer Stil bezeichnet werden.

Die Metapher ist ein Stilmittel. Kennzeichnend für sie ist die Bedeutungsübertragung. Wer also eine Metapher gebraucht, der verbindet sprachlich zwei Bereiche miteinander, die im Eigentlichen unverbunden sind. Dabei werden Eigenschaften des einen Bereichs auf den anderen übertragen.

Google verarbeitet eine Flut von Daten!
Dieses Beispiel verdeutlicht das Prinzip einer metaphorischen Äußerung. Hierbei werden einzelne Eigenschaften einer Flut, etwa die große Menge an zusätzlichem Wasser, das über das Flussbett tritt sowie das Auftreten großer Wassermengen, auf das Nomen Daten übertragen. Diese kommen demnach auch in einer große Menge daher und scheinen nahezu mitreißend.

Metaphern können durch eine äußerliche Gleichheit gebildet werden (Glimmstängel: glühende Zigarette, die äußerlich an einen Pflänzenstängel erinnert), dadurch, dass eine ähnliche Funktion übernommen wird (Stuhlbein: ein Holzstück, das die gleiche Funktion wie das Bein des Menschens hat) oder auch dadurch, dass Vorstellungen ineinander übergehen (Gesang des Waldes: das Rauschen der Bäume klingt wie Gesang).

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Ist eine Formulierung also in diesem Sinne metaphorisch, wird eine Bedeutungsübertragung von einem Bereich auf den anderen vorgenommen. Eine solche Übertragung ist typisch für literarische Werke und vor allem für lyrische Texte. So findet sich etwa in Rilkes Gedicht Der Panther das Folgende:

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille // sich lautlos auf! [...]
Auch hierbei wird die Eigenschaft einer Sache, in diesem Fall die Funktion eines Vorhangs, Dinge zu verhüllen, wie etwa die Bühne im Theater, auf eine andere Sache übertragen. Gemeint ist hiermit das Lid, das das Auge beim Blinzeln verhüllt.

Solche Metaphern sind in der Literatur häufig, aber im gleichen Maße finden sie sich in der Alltagssprache, wo sie teils nicht als metaphorische Wendung wahrgenommen werden, da sie idiomatisch geworden sind. Beispiele sind etwa das Weichei, das Stuhlbein oder auch die Formulierung ins Gras beißen.

Außerdem können ganze Texte als metaphorisch gelten. Man spricht hierbei von Textmetaphern. Beispielsweise sind Fabeln, die durch das Übertragen menschlichen Verhaltens auf Tiere eine Bedeutungsübertragung darstellen oder einzelne Werke, wie etwa Goethes Ballade Der Zauberlehrling, Textmetaphern.


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Ist etwas in diesem Sinne metaphorisch, ist es von vielen Metaphern geprägt, muss aber nicht zwangsläufig selbst eine sein. Hierbei spricht man zumeist von einem metaphorischen Stil oder einer metaphorischen Ausdrucksweise.

Allerdings ist das Adjektiv auch auf andere Ausdrucksformen übertragbar und so kann ein Text oder eine Rede metaphorisch sein, wobei ausgesagt wird, dass diese viele Metaphern nutzen. Ein stark metaphorischer Stil kann einen Sachverhalt bildlich und verständlicher erscheinen lassen, wobei ein Zuviel an Metaphorik durchaus auch das Gegenteil bewirken kann.

Das Fremdwort metaphorisch leitet sich vom französischen Adjektiv métaphorique ab, das auf das lateinische metaphorice zurückgeht, das seinen Urspung im griechischen μεταφορικός (metaphorikos) hat. All diese Wörter sind bedeutungsgleich und lassen sich mit bildlich oder uneigentlich übersetzen.

Wir konnten einen Beleg für das Wort bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts ausmachen. Grundsätzlich ist ein früheres Auftauchen im Deutschen aber nicht auszuschließen. Auffällig ist weiterhin, dass das Wort seit den 1960er Jahren immer häufiger in deutschen Texten verwendet wird.

1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1997
2. Quelle: Ngram Viewer

Beispiele

Das Wort Wüstenschiff wird hierbei natürlich metaphorisch gebraucht. Es handelt sich hierbei nämlich nicht um ein echtes Schiff, sondern um ein Kamel.
In diesem metaphorischen Schwebezustand findet "Gute Manieren" zu seiner einzigartigen Leichtigkeit. Er genießt es, zu Schlüssen zu verführen, ohne dass er sie selber ziehen müsste.
Hannah Pilarczyk, "Werwolf, wenn nicht wir?"
"Wie meintest du das, als du mich Schaf nanntest?", fragte sie. "Natürlich metaphorisch. Schafe sind weich, Herdentiere und mir irgendwie sympathisch.", antwortete ich. "Andererseits sind sie aber auch blöd und stinken. Vielen Dank dafür!".
Dieses Motiv der Blauen Blume, das für Sehnsucht, Ferne und Liebe steht, wurde aber nicht nur im tatsächlichen, realen Sinne verwendet, sondern teilweise auch nur in der Malerei angedeutet oder metaphorisch gezeigt.
wortwuchs.net, "Romantik"
Die Texte der Romantiker sind mir einfach zu metaphorisch. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie sich in ihren Bildern verlieren und nicht mehr wirklich etwas zeigen. Mich berühren und erreichen sie jedenfalls nicht damit.

Grammatik

Starke Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativmetaphorischermetaphorischesmetaphorischemetaphorische
Genitivmetaphorischenmetaphorischenmetaphorischermetaphorischer
Dativmetaphorischemmetaphorischemmetaphorischermetaphorischen
Akkusativmetaphorischenmetaphorischesmetaphorischemetaphorische
Schwache Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativder
metaphorische
das
metaphorische
die
metaphorische
die
metaphorischen
Genitivdes
metaphorischen
des
metaphorischen
der
metaphorischen
der
metaphorischen
Dativdem
metaphorischen
dem
metaphorischen
der
metaphorischen
den
metaphorischen
Akkusativden
metaphorischen
das
metaphorische
die
metaphorische
die
metaphorischen
Gemischte Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativein
metaphorischer
ein
metaphorisches
eine
metaphorische
keine
metaphorischen
Genitiveines
metaphorischen
eines
metaphorischen
einer
metaphorischen
keiner
metaphorischen
Dativeinem
metaphorischen
einem
metaphorischen
einer
metaphorischen
keinen
metaphorischen
Akkusativeinen
metaphorischen
ein
metaphorisches
eine
metaphorische
keine
metaphorischen

Synonyme

    • bildhaft
    • bildlich
    • figurativ
    • figürlich
    • in übertragener Bedeutung
    • sinnbildlich
    • übertragen
      • bild­kräf­tig
      • bildlastig
      • bildmächtig