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Gustav Falke

Gustav Falke, *11. Januar 1853 in Lübeck, †8. Februar 1916 in Groß Borstel in Hamburg, war ein norddeutscher Schriftsteller, der vor allem als Dichter Bekanntheit erlangte.

Neben impressionistischer Lyrik, die sich häufig am Volkslied orientiert, aber auch Einflüsse Liliencrons, Mörikes, Storms und Eichendorffs erkennen lässt, umfasst das Œuvre Gustav Falkes naturalistisch geprägte Romane, in denen sich das Hamburger Volksleben widerspiegelt, Epen, Novellen und Jugendbücher.

In seinen Werken zeigt sich eine liebevolle Hinwendung zu allem Lebendigen.

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Lebenslauf

  • Am 11. Januar 1853 wird Gustav Falke als Sohn des Kaufmanns Johann Friedrich Christian Falke und dessen Frau Elisabeth Franziska Hoyer in Lübeck geboren. Die Brüder des Vaters sind die Historiker Johannes Falke und Jacob von Falke. Von seiner Mutter hat Falke vermutlich sein Talent zur Musik.

  • Falke besucht das Realgymnasium Katharineum in Lübeck.

  • Falkes Vater stirbt. Seine Mutter heiratet erneut, allerdings erfährt Falke durch seinen Stiefvater keine Unterstützung in seinen künstlerischen und schriftstellerischen Ambitionen.

  • 1868 geht Falke auf Verheiß des Stiefvaters in die Lehre als Buchhändler nach Hamburg.

  • 1870 verlässt Falke Hamburg, da sein Stiefvater den Wunsch der Aufnahme eines Literatur- oder Musikstudiums nicht unterstützt.

  • Von 1870 bis 1877 arbeitet Falke als Buchhändler in Essen, anschließend in zwei Buchhandlungen in Stuttgart und letztlich im thüringischen Hildburghausen.

  • 1878 kehrt er auf den Wunsch seiner mittlerweile vereinsamten Mutter nach Hamburg zurück und absolviert eine private Musikausbildung bei dem Pianisten und Komponisten Carl Emil Krause. Danach verdient er sein Geld als Klavierlehrer.

  • 1890 heiratet Falke Anna Heissel, adoptierte Theen. Sie ist seine ehemalige Klavierschülerin. Aus der Ehe gehen die zwei Töchter Gertrud und Ursula und der Sohn Walter hervor.

  • In den Jahren nach 1890 beginnt Falke seine literarischen Werke zu veröffentlichen. So schließt er Kontakte zur Literarischen Gesellschaft in Hamburg, der unter anderem die Schriftsteller Otto Ernst und Jakob Löwenberg und der Lyriker Emil von Schoenaich-Carolath angehören.

  • Der Lyriker Detlev von Liliencron wird durch ein Gedicht auf Falke aufmerksam. Er kontaktiert Falke und ein Briefwechsel, der freundschaftlich geprägt ist, entsteht. Die Freundschaft vertieft sich, als Liliencron 1891 nach Altona-Ottensen zieht.

  • Neben Liliencron zählen auch die Schriftsteller Richard Dehmel und Paul Heyse zu seinen zeitgenössischen Vorbildern, die ihn ermutigen und fördern.

  • Die Verbindung zum Kreis der Hamburger Kunsthalle verschafft Falke Kontakt zum Kulturhistoriker Alfred Lichtwark, der Falke anregt, Kindergedichte zu den nachgelassenen Tierzeichnungen Otto Speckters zu reimen. Daraufhin liefert Falke Kinderverse, zumeist plattdeutsche Gedichte, zu Speckters Katzenbuch (1900) und Vogelbuch (1901).

  • Ab 1903 kann Falke als unabhängiger Schriftsteller arbeiten, da ihm die Stadt Hamburg aufgrund seiner Wirksamkeit für die deutsche Literatur, einen lebenslangen Ehrensold von 3000 Mark, also ein festes Jahresgehalt, zahlt. Falke erwirbt daraufhin eine Villa in Groß Borstel, die er fortan bewohnt.

  • 1905 wird Falke durch die Festgabe[1] der Schillerstiftung für seine Lyrik geehrt.

  • Falkes Lyrik wird vielfach vertont, sodass sich in der Königlichen Bibliothek in Berlin bis zu seinem Tod über 480 verschiedene Kompositionen seiner Texte befinden.

  • 1912 erscheint die Gesamtausgabe seiner plattdeutschen Gedichte und seine Autobiografie Die Stadt mit den goldenen Türmen. Die Geschichte meines Lebens.

  • 1914 beginnt der Zweite Weltkrieg und Falkes Treue zur deutschen Nation schlägt sich in seinen Werken nieder. Er schreibt Kriegsgedichte, die er unter dem Titel Vaterland, heilig Land veröffentlicht.

  • 1915 wird ihm darauhin von Wilhelm II. der preußische Rote Adlerorden verliehen.

  • Am 8. Februar 1916 stirbt Gustav Falke in Groß Borstel in Hamburg. Er wird auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt.
  • [1] Festgabe bezeichnet eine Festschrift zur Würdigung des Lebenswerkes einer Person. Anlass sind zumeist Jubiläen.

Werke

  • Lyrik
      Mynheer der Tod und andere Gedichte, 1892
    • Tanz und Andacht. Gedichte, 1893
    • Zwischen zwei Nächten. Neue Gedichte, 1894
    • Neue Fahrt. Gedichte, 1897
    • Mit dem Leben. Neue Gedichte, 1899
    • Gustav Falke als Lyriker. Eine Auswahl aus seinen Dichtungen, 1900
    • Otto Speckters Katzenbuch, 1900 (zusammen mit Otto Speckter)
    • Otto Speckters Vogelbuch, 1901
    • Hohe Sommertage. Neue Gedichte, 1902
    • Der gestiefelte Kater. Dichtung in 11 Gesängen, 1904
    • Ausgewählte Gedichte, 1905
    • Frohe Fracht. Neue Gedichte, 1907
    • Tierbilder, 1909 (zusammen mit Eugen Osswald)
    • Winter und Frühling, 1909
    • Die Auswahl. Gedichte, 1910
    • Gesammelte Dichtungen,
      • 1. Herddämmerglück, 1912
      • 2. Tanz und Andacht, 1912
      • 3. Der Frühlingsreiter, 1912
      • 4. Der Schnitter, 1912
      • 5. Erzählende Dichtungen, 1912
    • Anna. Verse, 1913
    • Vaterland heilig Land, 1915
    • Das Leben lebt. Letzte Gedichte, 1916

  • Epik
      Aus dem Durchschnitt. Roman, 1892
    • Der Kuß. Ein Capriccio, 1894
    • Harmlose Humoresken, 1894
    • Landen und Stranden. Ein Hamburger Roman,
      • 1. Hamburger Kinder, 1895
      • 2. Neben der Arbeit, 1895
      • 3. Hab ich nur deine Liebe, 1901
    • Der Mann im Nebel. Roman, 1899
    • Putzi. Märchenkomödie, 1902
    • Aus Muckimacks Reich. Märchen und Satiren, 1903
    • Zwischengerichte. Seinen Gästen gewidmet zur Erinnerung an den 11. Januar 1903, 1903
    • Bübchens Weihnachtstraum. Melodramatisches Krippenspiel. Musik (1906): Engelbert Humperdinck. UA 1906
    • Timm Kröger. Literarische Studie, 1906
    • Eichendorff. Monographie, 1906
    • En Handvull Appeln. Plattdütsche Rimels vör unse Görn, 1906
    • Heitere Geschichten, 1907
    • Drei gute Kameraden. Erzählung für die Jugend, 1908
    • Die Kinder aus Ohlsens Gang. Roman, 1908
    • Dörten und andere Erzählungen, 1909
    • Ein lustig Jahr der Tiere. Ein fröhlich Bilderbuch, 1909 (zusammen mit Th. Huggenberger)
    • Klaus Bärlappe. Erzählung für die Jugend, 1910
    • Der Spanier. Eine Novelle, 1910
    • Geelgösch. Novellen, 1910
    • Das Schützenfest. Im Fischerdorf. Erzählungen für die Jugend, 1911
    • Unruhig steht die Sehnsucht auf. (Auswahl), 1911
    • Drei Helden. Ein Bilderbuch, 1911 (zusammen mit Arpad Schmidhammer)
    • Die neidischen Schwestern. Märchen aus 1001 Nacht, 1912
    • Herr Henning oder Die Tönniesfresser von Hildesheim. Erzählung, 1912
    • Die Stadt mit den goldenen Türmen. Die Geschichte meines Lebens, 1912
    • Herr Purtaller und seine Tochter. Erzählung für die Jugend, 1913
    • Kunterbunt, 1914 (zusammen mit Eugen Osswald)
    • Viel Feind, viel Ehr. Kriegserzählung, 1915

  • Übersetzungen
      Holger Drachmann: Verschrieben, 1904 (übersetzt zusammen mit Julia Koppel)

      John Brymer mit Zeichnungen von Stewart Orr: Zwei lustige Seeleute, 1905 (Original: Two Merry Mariners)


  • Als Herausgeber
      Friedrich Hebbel: Meine Kindheit, 1903
    • Das Büchlein Immergrün. Eine Auswahl deutscher Lyrik für junge Mädchen, 1903
    • Steht auf ihr lieben Kinderlein, 1906 (herausgegeben zusammen mit Jakob Loewenberg)
    • Kriegsdichtungen, 1914-1917
      • 1. Hoch, Kaiser und Reich!, 1914
      • 2. Unsere Helden, 1915
      • 3. Wir und Österreich, 1915
      • 4. Zu Wasser und zu Lande, 1915
      • 5. Feinde ringsum, 1915
      • 6. Von Feld zu Feld, 1915
      • 7. Fern vom Krieg, 1916
      • 8. Zum blutig frohen Reigen, 1917


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