WORTWUCHS | Literaturlexikon

pieksen / piksen

Das Verb piksen ist ein schwaches Verb (vgl. Wortarten) und meint, dass die Spitze eines Gegenstands in etwas gestochen wird. Das Wort leitet sich vom Verb picken ab. Obwohl man es mit langem i spricht, schreibt man dieses Wort ohne den zusätzlichen Vokal e. Ebenso verhält es sich beim bedeutungsgleichen piken. Die Schreibweise pieksen ist also falsch.
falsch pieksen
richtig piksen

Erläuterungen zu pieksen / piksen

Wie nun, pieksen oder piksen? Das schwache Verb fordert uns in der Rechtschreibung heraus (vgl. Wortarten). Die Ursache dafür ist phonetischer, also klanglicher Art. Wir sind es gewohnt, ein lang gesprochenes i mitten im Wort mit einem e zu erweitern. Trotz allem ist die ie-Schreibweise hier falsch und lediglich piksen korrekt.

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In der deutschen Sprache existieren vier Formen des langen i-Lautes. Diese sind ie, ih, ieh und i. In den meisten Fällen schreiben sich unsere lang gesprochenen Wörter dann mit einem -ie. Deshalb sind wir geneigt, diese Schreibart leichtfertig auf andere Wörter zu übertragen. Einen ganz ähnlichen Fehler machen viele bei widerspiegeln oder auch beim Nomen Widerstand.

Auch beim Wort Maschine kennen wir das zum Beispiel an anderer Stelle. Genauso verhält es sich häufig mit Begriffen, die aus Fremdsprachen kommen wie etwa in der Mathematik. Bei Vor- oder Tiernamen wie in Frederike, dem Isegrim, der uns aus der Fabel bekannt ist oder auch beim Igel. In all diesen Fällen erscheint uns das kurze -i ebenso selbstverständlich.

Folglich kann auch ein einfaches -i lang ausgesprochen werden – selbst wenn dies vergleichsweise selten vorkommt. Das Verb piksen kommt übrigens deshalb ohne den Vokal e aus, weil es sich von picken ableitet. Ebenso verhält es sich übrigens bei piken, also der bedeutungsgleichen Variante ohne s oder der Pike, einer historischen Stichwaffe zu Jagd- und Kriegszwecken.

Natürlich sind uns auch viele Wörter geläufig, in denen umgekehrt ein kurzer i-Laut vorhanden ist. Dafür denken wir etwa an den Winter oder das Schiff. Begriffe, die mit kurz gesprochenem -i auskommen, gibt es in der Überzahl und könnten hier in großer Zahl genannt werden. Umso wichtiger ist es deshalb, auf die Ausnahmen zu achten. Schnell passiert es daher, dass wir bei piksen dieses Wissen umgekehrt falsch übertragen und das -i zu einem -ie dehnen.

Verbreitung von pieksen und piksen

Im Zusammenhang mit komplizierten Wörtern und Schreibweisen ist es immer sehr spannend, einmal auf die Verbreitung des Fehlers zu blicken. Dafür eignet sich das Programm Google Trends, das einen Vergleich der Google-Suchhäufigkeit verschiedener Begriffe erlaubt.

Folglich vergleichen wir nun die Schreibweisen piksen und pieksen, wobei ersichtlich wird, wie häufig die falsche Schreibweise bei Google im direkten Vergleich zur korrekten Schreibung gesucht wird, woraus sich die Verbeitung des Fehlers ableiten lässt.



Das obige Schaubild macht deutlich, dass die falsche Schreibweise tatsächlich um ein Vielfaches häufiger gesucht wird und lediglich ein Zehntel aller Suchanfragen auf der richtigen Form piksen basieren. Folglich ist die falsche Schreibweise verbreitet und wird sogar häufiger gewählt – jedenfalls in der Google-Suche – als die richtige.

Tatsächlich gibt es im Deutschen zahlreiche Beispiele, bei denen die falsche Schreibweise verbreiteter ist, als die korrekte Form. Beispielsweise bei den Wörtern brilliant / brillant, Hobbies / Hobbys oder auch Sunnyboy / Sonnyboy. Hier hat die fehlerhafte Schreibung die Oberhand.

Beispiele mit korrekter Schreibweise

Komplizierte Wörter und Wortfolgen lassen sich am besten erlernen, wenn man sie immer und immer wieder korrekt liest. Deshalb möchten wir diesen Beitrag mit einigen Beispielsätzen beenden, die die korrekte Schreibweise des Wortes zeigen.


Die Nadel hat beim Impfen ganz schön gepikst. Im Nachhinein hat der kleine Pikser aber gar nicht wehgetan.
Morgens pikse ich mein Ei an, bevor ich es den Topf tue und koche.
Ich habe mir eine Weltkarte gekauft und Nadeln in meine Traumziele gepikst.


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