Das Apronym ist eine Sonderform des Akronyms. Als Akronym werden Kurzwörter bezeichnet, die aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildet werden (WM ~ WeltMeisterschaft). Sollten die Anfangsbuchstaben selbst ein eigenständiges Wort aus dem Wortschatz ergeben, wird dies als Apronym bezeichnet (Beispiel: ELSTER ~ ELektronische STeuerERklärung).

Der Begriff leitet sich vom Franzözsischen à propos ab, was sich in etwa mit zu dem Vorgebrachten oder nebenbei bemerkt übersetzen lässt. Demnach verweist die Übersetzung des Wortes darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um ein Wort, das nebenbei entsteht [wenn ein Akronym gebildet wird].


Das Symbol der ersten Christen
war das griechische Wort für Fisch:
ICHTYS.

Das obige Beispiel ist mit Sicherheit eines der bekanntesten sowie verbreitetesten Apronyme überhaupt. Eine mündlich tradierte Überlieferung besagt, dass der Fisch das Erkennungssymbol der ersten Christen war. Das griechische Wort dafür ist ICHTYS, wobei die einzelnen Buchstaben des Apronyms für Iesòus Christòs Theòu Yiòs Sotèr (Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser) stehen.

Demzufolge ist das Wort ein Akronym des Beispielsatzes und ein Apronym, da es das Wort für Fisch ergibt. Jedoch kann die Abfolge auch als Backronym bezeichnet werden, da nicht eindeutig ist, ob die Bedeutung erst später in das Wort gelegt wurde. Wäre der Satz als Strophe angeordnet, wäre er ein Akrostichon.


Mit 0,63 Prozent der Stimmen erreichte Die PARTEI
2014 einen Sitz im Europäischen Parlament.

Im Jahr 2014 zog die PARTEI, eine deutsche Partei mit eher parodistischem Charakter in das Europäische Parlament ein. Laut eigenen Angaben stehen die Buchstaben für Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. Demzufolge ergeben die Anfangsbuchstaben das Wort Partei, was einen organisierten Zusammenschluss von Menschen meint, die gemeinsam nach politischer Macht streben, wie beispielsweise CDU, SPD oder die AfD (Diese Kürzel sind wiederum Akronyme).

Apronym, Akronym, Backronym, Akrostichon

In diesem Beitrag fielen bereits mehrere Begriffe, die etwas ähnliches meinen. Um Klarheit zu schaffen, möchten wir Ihnen nachfolgend eine Übersicht vorstellen, um Apronym, Akronym, Backronym und Akrostichon eindeutig differenzieren zu können.

  • Akronym: Anfangsbuchstaben eines Satzes ergeben eine Abkürzung, die in die Sprache übernommen wird. Beispiele: EDV (Elektronische Datenverarbeitung) LKW (Lastkraftwagen).
  • Apronym: Die Anfangsbuchstaben eines solchen Akronyms ergeben ein eigenständiges Wort. Das heißt, dass dieses für den Leser einen Sinn ergibt, auch wenn er die Abkürzung nicht kennt. Beispiel: Daisy (Dynamisches Auskunfts- und Informationssystem).
  • Backronym: Ebenfalls eine Form des Akronyms. Hierbei wird einem Wort erst im Nachhinein die Funktion als Abkürzung zugeschrieben, meist sind diese scherzhaft. Beispiele: Fiat (Feuer in allen Teilen), Opel (Ohne Power, ewig Loser), Ehe (Errare humanum est ~ Irren ist menschlich).
  • Akrostichon: Die Anfangsbuchstaben von Verszeilen ergeben innerhalb einer Strophe oder eines Gedichts einen Sinn. Dieser kann entweder ein Wort oder eine Wortfolge sein, aber auch ein ganzer Satz.
Das Wichtigste zum Apronym in der Übersicht

  • Apronyme sind Akronyme, die ein Wort ergeben. Sehr häufig verweist das entstandende Wort auf den Zweck oder die Funktion des ausgeschriebenen Begriffs. Demzufolge sind Apronyme für den Leser auch zu erschließen, wenn er überhaupt nicht weiß, was die Abkürzung bedeutet.
  • In der Literatur tauchen Apronyme sehr häufig in Comics auf, beispielsweise ist das Disney-Universum davon bevölkert. (Beispiel: Leitender Ausflugs- und Baumexperte“ (Micky Maus Magazin), ergibt LAUB)
  • Wird ein ganz neuer Begriff durch ein solches Apronym gebildet, der seinen Weg in den aktiven Wortschatz der Sprache findet, wird dieser als Neologismus, also als Wortneuschöpfung, bezeichnet. Ist es hingegen eine einmalige Konstruktion, ist es ein Okkasionalismus.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Apronym
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001