Das Quartett, auch Vierzeiler, ist die vierzeilige Strophe im Gedicht oder ein vierzeiliges Gedicht selbst. Vor allem wird der Begriff im Zusammenhang mit dem barocken Sonett gebraucht. Dieses besteht aus vier Quartetten, die den Einstieg bilden und zwei Terzetten, also Dreizeilern. Das Sonett besteht somit aus 14 Versen. Das Quartett im Sonett folgt zumeist dem Reimschema abba und besteht folglich aus umarmenden Reimen. Ein vierzeiliges Gedicht hat jedoch kein festes Reimschema, wobei Paarreim, Kreuzreim und Haufenreim typisch sind. In der Musik meint die Bezeichnung eine Gruppe von vier Musikern, ein Musikstück für eine solche Gruppe sowie die Komposition für vier Singstimmen.

Der Begriff lässt sich vom lateinischen Numerale quartus ableiten, was sich mit der Vierte oder auch Vierter übersetzen lässt. Demzufolge verweist die Übersetzung des Begriss selbst darauf, worum es geht: nämlich um etwas, das um die Zahl Vier kreist und in der Literatur eben um eine vierzeilige Strophe oder eben den Vierzeiler selbst. Schauen wir zur Veranschaulichung auf das beispielhafte Quartett eines Sonetts:


a
b
b
a
Du siehst wohin du siehst  |  nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut  |  reißt jener morgen ein:
Wo jetztnoch Städte stehn  |  wird eine Wiese sein
Auf der ein Schäfers kind  |  wird spielen mit den Herden.

Das obige Beispiel ist dem Sonett Es ist alles eitel des barocken Dichters Andreas Gryphius entnommen und bildet den Einstieg, also das erste Quartett, des Werkes. Ersichtlich ist dabei, dass es aus vier Zeilen besteht, welche jambisch alternierend sind (der Versfuß ist demnach ein Jambus; die unbetonten und betonten Silben wechseln sich ab), wobei sich der 1. auf den 4. sowie der 2. auf den 3. Vers reimt (umarmender Reim). Nach der dritten Hebung steht eine Zäsur; ein metrischer Einschnitt, der als Sprechpause wahrgenommen wird.

Das wesentliche Merkmal, das die obige Strophe allerdings zum Quartett erklärt, ist die Tatsache, dass sie lediglich aus vier Zeilen besteht. Zwar ist der Begriff in Bezug auf die Sonettdichtung üblich, doch prinzipiell kann somit jeder Vierzeiler als Quartett bezeichnet werden. Unabhängig davon, welche weiteren formalen Kriterien er erfüllt. Gebräuchlich sind dafür auch die Begriffe Quatrain und Quartine. Ein Beispiel:


a
b
b
a
Wenn dich die Lästerzunge sticht,
So laß dir dies zum Troste sagen:
Die schlecht’sten Früchte sind es nicht,
Woran die Wespen nagen.

Auch wenn das Reimschema abba die Quartette eines Sonetts bestimmt, können sich Vierzeiler durchaus an anderen Endreimabfolgen orientieren. Dieses Beispiel stammt von Gottfried August Bürger, einem deutschen Dichter, der dem Sturm und Drang zugeordnet wird. Die Abfolge abab ist ein Kreuzreim. Da das Gedicht nur aus vier Verszeilen besteht, kann es als Quartett, Quatrain oder eben Quartine bezeichnet werden.

Hinweis: Es ist üblich, die ersten zwei Strophen eines Sonetts als Quartett zu bezeichnen. Deshalb ist es sinnvoll, um Missverständnisse zu vermeiden, andere Werke sowie Strophen, die vier Versen aufweisen, als Vierzeiler zu bezeichnen. Die Begriffe Quatrain und Quartine sind eher wenig gebräuchlich.

Das Quartett im Sonett

Wie beschrieben, stehen sich im Sonett zwei Quartette sowie zwei Terzette gegenüber. Diese erfüllen im Sonett eine ganz besondere Funktion. Einerseits stellen sie natürlich einen optischen Bruch dar, andererseits werden durch sie inhaltlich Aufgaben übernommen und eindeutig kommuniziert.

Vornehmlich im italienischen Sonett, das als Ursprung der Sonettdichtung gilt, war es durchaus üblich, diesen verschiedenen Strophen eine zusätzliche poetischen Funktion zuzuordnen. Im ersten Quartett wurde hierbei eine Behauptung (These) aufgestellt oder ein Erlebnis geschildert. Im zweiten wurde diesem dann eine Gegenbehauptung (Antithese), ein Gegenentwurf gegenübergestellt oder das Gesagte widerlegt.

Die Aufgabe der Terzette war es nun, eine Art Kompromiss zu bilden oder eben ein Resultat (Ergebnis) zu präsentieren und so eine Synthese der Quartette zu bilden. Teils wurde das Gesagte nur zusammengefasst. Mitunter entfiel die Synthese auch. Dann steht die Behauptung im Quartett, der Gegenentwurf im Terzett.
Merkmale und Aufbau eines Sonetts

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Quartett
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001