WORTWUCHS | Literaturlexikon

Umstellprobe

Die Umstellprobe, auch Verschiebeprobe genannt, ist eine Methode, um die Satzglieder in einem Satz zu erkennen. Genauer gesagt: mit der Umstellprobe kann geprüft werden, ob es sich bei den erkannten Satzgliedern tatsächlich um solche handelt. Es gilt nämlich, dass sich alle Satzglieder, die korrekt erkannt wurden, in einem Satz umstellen lassen, wobei der jeweilige Satz dennoch grammatisch und inhaltlich korrekt bleibt. Werden also sämtliche Satzglieder eines Satzes richtig bestimmt oder zumindest als solche erkannt, lässt sich durch die Umstellprobe überprüfen, ob die Bestimmung richtig war.

Wortart oder Satzglied?

Im Deutschen gibt es Wortarten und Satzglieder. Hierbei lassen sich alle Wörter unserer Sprache einer der zehn Wortarten zuweisen, was aufgrund ihrer Gemeinsamkeiten gemacht werden kann. Um ein Wort einer Wortart zuzuordnen, prüfen wir die Eigenschaften des Wortes. Denn diese Eigenschaften sind bei jeder Wortart unterschiedlich.

Wortarten sind also Wörter mit einer ganz bestimmten Fähigkeit. So stellen Verben beispielsweise Tätigkeiten dar, wie etwa essen, gehen oder spielen. Nomen sind Dinge, Sachverhalte oder Lebewesen, wie etwa Tisch und Maulwurf, wohingegen als Konjunktionen sämtliche Wörter bezeichnet werden, die Sätze und Wortgruppen oder auch Wörter miteinander verbinden, wie etwa und, oder, sowie.

Nomen, Verben und Konjunktionen sind also Wortarten. Davon gibt es zehn im Deutschen und jedes Wort lässt sich einer davon zuordnen.

Satzglieder sind anders. Hierbei geht es darum, welche Aufgabe oder Funktion ein Wort oder eine Wortgruppe in einem Satz erfüllt. Somit kann ein Wort in einem Satz ein ganz bestimmtes Satzglied sein und in einem anderen Satz eine andere Aufgabe übernehmen und dann ein ganz anderes Satzglied sein. Schauen wir auf ein Beispiel:


Peter
und
sein
Freund
gucken
einen
Film.

Das obige Beispiel besteht aus sieben Wörtern, die sich jeweils einer Wortart zuordnen lassen. Außerdem gibt es drei Satzglieder im Satz. Dabei bilden das Nomen Peter, die Konjunktion und, das Pronomen sein und das Nomen Freund das Subjekt, wobei das Verb gucken das Prädikat des Satzes ist. Der Artikel einen und das Nomen Film bilden das Objekt, das im Akkusativ steht (vgl. Akkusativobjekt, Kasus).

Der Beispielsatz verdeutlicht, dass es einen Unterschied zwischen Wortarten und Satzgliedern gibt. So sind Wortarten eine Einteilung von Wörtern aufgrund ihrer Gemeinsamkeiten und Satzglieder sind Wörter oder Wortgruppen, die aufgrund ihrer Aufgaben und ihrer Funktion innerhalb eines Satzes bestimmt werden können.

Das Subjekt bezeichnet den Teil des Satzes, der handelt, das Prädikat beschreibt, was das Subjekt tut und das Objekt ist dasbei das Ziel der Tat des Subjekts. Mitunter kann es hilfreich sein, sich das Subjekt als Täter, das Prädikat als Tat und das Objekt als Opfer vorzustellen.

Hinweis: Haben wir nun die Satzglieder richtig bestimmt, sollte uns auffallen, dass sich die Position dieser Satzglieder relativ frei im Satz verändern lässt. Das ist bei Wortarten nicht möglich. Um also nun zu überprüfen, ob unsere Zuordnung korrekt war, können wir die Umstellprobe nutzen.

Satzglieder bestimmen

Umstellprobe

Mit der Umstellprobe lässt sich nun prüfen, ob die Zuweisung der einzelnen Satzglieder richtig war. Sie ist eine zuverlässige Methode, um herauszufinden, ob es sich bei einem Wort oder einer Wortgruppe tatsächlich um ein Satzglied handelt oder die Zuweisung falsch war.

Dabei gilt, dass sich alle Satzglieder fast beliebig im Satz verschieben lassen, wobei die Position des Prädikats festgelegt ist. Dieses bildet in einem Aussagesatz stets das zweite Satzglied. Das bedeutet aber, dass sich das Subjekt, die Objekte sowie alle Adverbiale verschieben lassen. Werfen wir einen Blick auf das vorherige Beispiel:


Peter
und
sein
Freund
gucken
einen
Film.

Einen
Film
gucken
Peter
und
sein
Freund.

Und siehe da: Das Subjekt und Objekt konnten die Position tauschen und der Satz blieb dennoch grammatisch und inhaltlich korrekt. Bloß das Prädikat musste an zweiter Stelle verbleiben, da dessen Position festgelegt ist. Das Objekt konnte jedoch vor das Prädikat rutschen. Diese Position wird im Aussagesatz als Vorfeld bezeichnet.

Mit der Umstellprobe lassen sich natürlich auch weitaus komplexere Satzglied-Strukturen auf die richtige Bestimmung überprüfen:


Heute
glaubt
sie
ihm
die
Geschichte.

Die
Geschichte
glaubt
sie
ihm
heute.

Sie
glaubt
ihm
heute
die
Geschichte.

Ihm
glaubt
sie
heute
die
Geschichte.

Der obige Beispielsatz wurde in vier Varianten angeordnet, wobei es noch weitere Möglichkeiten gegeben hätte. Die Satzglieder wurden also korrekt als solche identifiziert und es wurde deutlich, dass alle Satzglieder ins Vorfeld rutschen können, aber das Prädikat stets an der zweiten Stelle stehen muss. Jedenfalls in einem Aussagesatz.

In unserem Beispiel bildet das Pronomen sie das Subjekt, glaubt das Prädikat, heute ist eine adverbiale Bestimmung der Zeit, wobei die Wörter die Geschichte ein Akkusativ- und ihm ein Dativobjekt ist.

Schauen wir auf ein weitere Beispiel…


Die
Großmutter
zeigt
ihr
ein
Bild.

Ein
Bild
zeigt
ihr
die
Großmutter.

Ihr
zeigt
die
Großmutter
ein
Bild.

Der Beispielsatz wurde hier in verschiedenen Abfolgen angeordnet. Dabei wird abermals deutlich, dass das Prädikat zwar immer an der zweiten Stelle steht, also das zweite Satzglied im Beispielsatz ist, aber alle anderen Satzglieder die Positionen tauschen können.

Das bedeutet, dass alle Wörter, die sich nur als Wortgruppe versetzen lassen, ein Satzglied sind. Demnach sind ihr, zeigt, ein Bild und die Großmutter die Satzglieder, die unseren Satz bilden.

Beispielhaft möchten wir zeigen, dass eine falsche Zuweisung eben nicht möglich ist. Der Satz ist dann grammatisch falsch.


 FALSCH:
Die
Bild
zeigt
Großmutter
ein
ihr

Fazit: Es wurde gezeigt, dass mit der Umstellprobe die Satzglieder – wenn sie richtig erkannt wurden – verschoben werden können. Lediglich die Position des Prädikats ist gleichbleibend. Du wirst vermutlich auf Beispiele stoßen, in denen nicht jedes Satzglied völlig frei verschoben werden kann, ohne dass der Satz unnatürlich klingt. Deshalb sollte man die Umstellprobe folgendermaßen beschreiben: Jedes Satz kann im Vorfeld, also vor dem Prädikat stehen, und der Satz bleibt dennoch inhaltlich und grammatisch korrekt.

Weitere Beispielsätze

Umstellung der Satzglieder ins Vorfeld (Umstellprobe)
    Subjekt     Prädikat     Dativob.     Akkusativob.     Adverbial
Gretaschreibtihrer Freundineinen Brief.
Ihrer FreundinschreibtGretaeinen Brief.
Einen BriefschreibtGretaihrer Freundin.
Rebekkasammeltseit JahrenBriefmarken.
BriefmarkensammeltRebekkaseit Jahren.
Seit JahrensammeltRebekkaBriefmarken.
Der Jungeweintwegen einer Verletzung.
Wegen einer Verletzungweintder Junge.

Zusammenfassung

  • Als Umstellprobe wird eine Methode bezeichnet, um innerhalb eines Satzes die Satzglieder zu bestimmen. Genau genommen kann überprüft werden, ob es sich bei den jeweiligen Wortgruppen, die als Satzglieder bestimmt wurden, überhaupt um Satzglieder handelt.
  • Dabei gilt, dass jedes Satzglied innerhalb eines Satz relativ selbständig ist. Das bedeutet, dass es seine Position nahezu beliebig verändern kann, wobei der Satz dennoch grammatisch und inhaltlich korrekt bleibt. Lediglich die Position des Prädikats ist vorgegeben.
  • Im Zuge der Umstellprobe wird also überprüft, welches Satzglied sich frei verschieben lässt. In der Regel prüft man bei Aussagesätzen, ob die jeweilige Wortgruppe im Vorfeld, also vor dem Prädikat, stehen kann. Wenn dies möglich ist, handelt es sich um ein eigenständiges Satzglied.

Hinweis: Die Umstellprobe verrät nicht, um welches Satzglied es sich bei der jeweiligen Wortgruppe handelt. Dafür müssen Fragen an den Satz gestellt werden. Eine Übersicht dieser Fragen findest du an dieser Stelle. Eine weitere Möglichkeit zur Bestimmung der Satzglieder bietet dir die Ersatzprobe.


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