WORTWUCHS | Literaturlexikon

Kompanten / Kompasse

Das Nomen Kompass beschreibt ein Instrument, das mithilfe einer Nadel in eine bestimmte (Himmels-)Richtung zeigt, und zur Navigation verwendet wird. Das Wort leitet sich vom italienischen compasso ab. Die Mehrzahl lautet im Deutschen Kompasse. Vermutlich aufgrund einer falschen Analogiebildung zu Atlas und Atlanten, taucht vermehrt die falsche Schreibweise Kompanten, teils auch mit dem Konsonanten d am Ende, auf. Beide Schreibungen des Wortes sind allerdings falsch.
falsch Kompanten,
Kompanden
richtig Kompasse

Erläuterungen zu Kompanten / Kompasse

Jeder Abenteurer, Geocacher oder Schatzsucher braucht ihn: den Kompass. Er ist nämlich ungemein hilfreich, um sich in unbekanntem Terrain orientieren zu können, da seine Nadel stets nach Norden weist. Doch was tut der ambitionierte Schatzsucher, wenn er keinen zur Hand hat? Wie fragt man nach dem nützlichen Instrument im Laden? Sagt man:“Können sie mir sagen, wo die Kompasse sind?“ oder ist man auf der Suche nach Kompanten und Kompanden?

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Das Nomen Kompass geht auf das italienische compasso zurück, was sich mit Magnetnadel oder auch Zirkel übersetzen lässt und auf das lateinische compassare für ringsum abschreiten zurückgeht. Folglich steht im Italienischen ein kleiner Teil des Instruments für das große Ganze (vgl. Pars pro toto). Der Plural lautet hier compassi.

Demnach ist die Mehrzahl im Deutschen keine Herleitung aus dem Italienischen, sondern wurde schlicht und ergreifend eingedeutscht. Hier gilt, was bei zahlreichen Nomen, die auf ss enden, üblich ist: es wird ein e angehängt. So verhält es sich auch bei Biss, Kuss oder auch beim Pass. Fraglich ist bei diesen Beispielen allenfalls, warum dann nicht auch die Schreibweise Kompässe richtig sein könnte.

Vermutlich aufgrund einer falschen Analogiebildung ist allerdings die Schreibung Kompanten, teils auch mit einem d am Ende, verbreitet. Dabei scheint der Kompass mit dem Atlas verknüpft zu werden. Dieser bildet den Plural nämlich mit Atlanten.

Das Wort Atlas geht auf einen Titan der griechischen Mythologie zurück, der den Himmel auf seinen Schultern trägt. Atlas, der in der Antike das Himmelsgewölbe am westlichsten Punkt der damals bekannten Welt stützte, ist somit die Personifikation des Atlasgebirges. Das Volk im Atlasgebirge wird Atlantes genannt, woraus sich vermutlich auch der Plural Atlanten ableitet.

Fazit: Das italienische compasso und der Atlas haben nichts miteinander zu tun. Allenfalls enden sie auf einen s-Laut, was allerdings nicht rechtfertigt, dass die Kompasse zu Kompanten werden. Andersherum funktioniert das aber natürlich schon: nämlich dann, wenn der Plural des Wortes Atlas eingedeutscht wird. Dann lautet dieser nämlich Atlasse. Das klingt für den ein oder anderen vielleicht ungewohnt, ist aber durchaus korrekt.

Verbreitung von Kompanten und Kompasse

Bei Wörtern, die rechtschreiblich schwierig sind und bei denen es häufig Unsicherheiten in Bezug auf die Rechtschreibung gibt, ist es durchaus interessant, einmal auf die Verbreitung der falschen Schreibweise zu blicken. Dafür eignet sich ein Angebot aus dem Hause Google: das Analyse-Tool Google Trends, das einen Vergleich der Google-Suchhäufigkeit verschiedener Begriffe erlaubt.

Dabei vergleichen wir die relative Suchhäufigkeit von Kompanten und Kompasse, wobei ersichtlich wird, wie oft die falsche Schreibweise bei Google im direkten Vergleich zur korrekten Schreibung gesucht wird. Daraus lässt sich dann in etwa erahnen, wie verbreitet ein Fehler ist. Stellen wir also einmal beide Formen gegenüber:



Das obige Schaubild macht deutlich, dass die falsche Schreibweise recht häufig gesucht wird. Im untersuchten Zeitraum machten die Anfragen nach der falschen Schreibung nahezu ein Drittel aller Anfragen aus, wobei die letzten Monate fast ein Kopf-an-Kopf-Rennen der korrekten und falschen Schreibung zeigen.

Die Variante Kompanden, also mit einem d am Ende, haben wir übrigens nicht mit aufgenommen – diese ist tatsächlich sehr, sehr selten und macht allenfalls ein Zwanzigstel aller monatlichen Suchanfragen aus. Das wäre im obigen Bild kaum darstellbar.

Insgesamt ist das Bild durchwachsen: die richtige Schreibweise hat im Grunde die Oberhand, wobei dies allerdings nicht so deutlich ist, wie man annehmen könnte. Tatsächlich gibt es im Deutschen aber auch Beispiele, bei denen die falsche Schreibweise verbreiteter ist, als die korrekte Form. Etwa bei den Wörtern brilliant / brillant, pieksen / piksen oder auch Hobbies / Hobbys. Hierbei hat die fehlerhafte Schreibung in der Regel die Nase vorn.

Beispiele mit korrekter Schreibweise

Schwierige Wortfolgen und Wörter lassen sich am besten erlernen, wenn man sie häufig in der korrekten Form liest. Deshalb möchten wir diesen Beitrag mit einigen Sätzen beenden, welche die richtige Pluralbildung des Wortes Kompass zeigen.


Im Pfadfinderlager wurden Zelte, Messer und Kompasse verteilt. Anschließend machten sich alle auf den Weg.
Die Reisenden konnten nur erahnen, wo sich die Insel befand. Denn Kompasse und andere Instrumente waren ihnen fremd.
Die Chinesen wussten schon Jahrhunderte vor Christi Geburt, wie Kompasse zum Navigieren verwendet werden konnten.


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