Als Hebung wird ein Sprachmaß bezeichnet. Die Hebung ist die betonte und somit die rhythmisch-akzentuell hervorgehobene Silbe im akzentuierenden Vers. Als akzentuierende Metrik wird eine Verslehre bezeichnet, die Silben aufgrund der Betonung unterscheidet. So ist es im Deutschen. Im Gegensatz dazu haben das Griechische sowie Lateinsche eine quantitierende Metrik und unterscheiden demzufolge nach langen und kurzen Silben (→ Versmaß).

Das heißt, dass jeder Satz, jede Wortfolge und demzufolge auch jedes mehrsilbige Wort aus Silben besteht, die unterschiedlich betont werden. Oftmals verhält es sich dabei so, dass eine bestimmte Silbe stark betont wird und andere weniger stark. Hören kann man die oft an der Lautstärke der Stimme beim Sprechen des Wortes: die Hebung wird prinzipiell lauter und akzentuierter gesprochen. Schauen wir auf ein Beispiel.


Komm, lieber Mai, und mache
Die Bäume wieder grün

Das obige Beispiel ist der ersten Strophe eines deutschen Volkslied entnommen, das von Christian Adolph Overbeck geschrieben und Wolfgang Amadeus Mozart vertont wurde. Wer nun die einzelnen Wörter liest, wird sehr schnell merken, welche Silben beim Sprechen stärker und welche weniger stark betont werden.

Das Wort Komm ist unbetont, die erste Silbe von lieber betont, die zweite unbetont, wobei der Mai wieder betont, das Wort und unbetont, die erste Silbe von mache betont und die zweite unbetont ist. Daraus ergeben sich abwechselnde Hebungen und Senkungen, was als alternierend bezeichnet wird.


Komm, lieber Mai, und mache
Die Bäume wieder grün

Dieses Schema wiederholt sich in der zweiten Verszeile. Diese Abfolge von Hebungen und Senkungen wird mithilfe des Versmaßes beschrieben. Das bedeutet, dass eine wiederkehrende Abfolge, also ein gleiches Muster, einen bestimmten Namen hat. Dieses Muster wird Versmaß, auch Metrum, genannt Versmaß.

Im obigen Beispiel ist es die Folge einer unbetonten und einer betonten Silbe, was als Jambus bezeichnet wird. Wäre die Abfolge andersherum, würde also auf eine betonte eine unbetonte Silbe folgen, wäre es ein Trochäus. Die Folge einer Hebung und zweier Senkungen wird als Daktylus und zwei Senkungen, die von einer Hebung gefolgt werden, als Anapäst bezeichnet. So sind vielfältige Kombinationen möglich.

Hinweis: Diese vier Muster werden als Versfüße bezeichnet. Mehrere Versfüße ergeben demzufolge das Versmaß. Der kleinstmögliche Versfuß besteht somit aus zwei Silben. Die vier Metra Jambus, Trochäus, Daktylus sowie Anapäst bilden die vier Grundmetren der akzentuierenden Metrik. Eine quantitierende Metrik kennt weitere Versfüße, setzt aber nicht auf die Betonung der Silben zur Unterscheidung.

Hebung, Versfuß und Metrum

Verse können demnach aufgrund der wiederkehrende Abfolge von Senkungen und Hebungen klassifiziert werden. Hierbei gibt es außerdem den Begriff der Hebigkeit, was das jeweilige Muster innerhalb einer Verszeile noch stärker beschreibt und eingrenzt.

Wichtig ist hierbei, dass Verse aufgrund ihrer Hebungen genauer beschrieben werden, was die Wichtigkeit einer Hebung für den Rhythmus eines Textes unterstreicht. Schauen wir dafür erneut auf den kurzen Vers des vorherigen Beispiels und legen unser Augenmerk auf die Hebungen.


Komm, lieber Mai, und mache
Die Bäume wieder grün

Wir haben bisher herausgestellt, dass beide Zeilen jambisch sind und demzufolge auf dem Wechselspiel unbetonter sowie betoner Silben basieren. Würden wir nun das Versmaß bestimmen, wäre die Angabe, dass jede Zeile drei Jamben hat, aber nicht ganz richtig. Wir geben zur Klassifizierung die Anzahl Hebungen an.

Das bedeutet, dass vorab der durchgehende Versfuß bestimmt wird (hierbei Jambus) und anschließend die einzelnen Hebungen der Verszeile gezählt werden. In diesem Beispiel sind es drei Hebungen pro Zeile. Wir haben es also in jeder Zeile mit einem dreihebigen Jambus zu tun oder einem jambischen Dreiheber.

Gebräuchlich sind in der Literatur zwei- bis sechshebige Metren, woraus sich natürlich verschiedene Gedichtformen ergeben. Beispielsweise ist der Hexameter ein Vers, der aus einem sechshebigen Daktylus gebildet wird, was auch für den Pentameter gilt. Alexandriner und Blankvers sind genügsamer, da sie aus sechshebigen und fünfhebigen Jamben gebildet werden und somit auch kürzer sind.

Übersicht: Bedeutung, Wirkung und Funktion der Hebung

  • Als Hebung wird eine rhythmisch-akzentuell hervorgehobene Silbe in der akzentuierenden Metrik bezeichnet. Die Hebung wird betont und demzufolge stärker gesprochen. Dadurch bestimmt sie maßgeblich den Rhythmus eines Gedichts und die Lesart.
  • Die Abfolge von Senkungen und Hebungen wird als Versfuß bezeichnet. Im Deutschen gibt es vier verschiedene solcher Versfüße. Sind diese Versfüße wiederkehrend und bestimmen somit den Rhythmus eines Werkes, wird dieser Umstand mithilfe des Metrums angegeben.
  • Allerdings kann das Metrum eines Textes auch nicht regelmäßig sein. Hierbei müssen dann auch keine Versfüße herausgestellt werden, sondern lediglich angegeben werden, dass das Metrum unregelmäßig ist. Das kann einen Text unruhig erscheinen lassen.
  • Demzufolge bestimmt die Hebung, wie wir einen Text lesen und wo sprachliche Pausen entstehen. Kommt es beispielsweise zum Aufeinandertreffen zweier betonter Silben, wie im Spondeus, führt dies unweigerlich zum Hebungsprall und somit zur Pause (→ Zäsur).
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Hebung
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001