Das Totum pro parte ist ein rhetorisches Stilmittel und eine Sonderform der Synekdoche sowie der Metonymie und gehört zur Gruppe der Tropen. Als Totum pro parte bezeichnen wir einen Begriff, der nach dem Ganzen benannt ist, obwohl er eigentlich nur ein Teil dessen ist. Das stilistische Gegenstück ist das Pars pro toto, wobei ein Teil für das Ganze steht.

Die Wortgruppe Totum pro parte stammt aus dem Lateinischen und lässt sich in etwa mit Das Ganze [steht] für ein Teil übersetzen. Folglich offenbart schon die Übersetzung der Stilfigur, worum es grundsätzlich geht: nämlich um ein Wort, das das Ganze benennt, obwohl eigentlich nur ein kleiner Teil dessen gemeint ist.


Bei den Olympischen Spielen holt Deutschland die Goldmedaille im Hürdenlauf.

Im obigen Beispiel steht, dass Deutschland die Goldmedaille ergattern konnte. Das stimmt in dieser Form natürlich nicht. Eigentlich hat nämlich ein Wettkämpfer, der für Deutschland angetreten ist, das Edelmetall erkämpft. Folglich steht hierbei das Ganze (Deutschland) für einen Teil (Wettkämpfer).


Wir sind Papst!

Dieser Ausruf (→ Exclamatio) zierte am 29. April 2005 die Titelseite der BILD-Zeitung. Gemeint ist damit aber nicht, dass nun jeder Deutsche das Pontifikat innehat, sondern dass ein Deutscher zum Papst gewählt wurde. In diesem Fall war es Kardinal Joseph Ratzinger, der das Heilige Amt annahm. Durch das Totum pro parte wurde ein Wir-Gefühl geschaffen und die Wirkung der Aussage verstärkt.

Totum pro parte für Orte

Häufig finden wir das Totum pro parte im Zusammenhang mit der Bezeichnung eines Landstrichs oder Ortes. So wird stellvertretend und fälschlicherweise ein Bereich für einen Teil eingesetzt.

Wie schon im obigen Beispiel aufgezeigt, geschieht dies recht häufig im Rahmen der Berichterstattung von sportlichen Ereignissen. Mitunter ist jedoch auch Unwissen für die Bezeichnung verantwortlich. Ist es mangelnde Fachkenntnis, sprechen wir allerdings nicht von einem Stilmittel (vgl. Pleonasmus).

Beispiele für das Totum pro parte mit geografischem Bezug
Korea für beide Länder: Südkorea und Nordkorea
Amerika für die Vereinigen Staaten von Amerika (USA)
Jemen für Nordjemen

Die drei Beispiele bilden natürlich nur einen kleinen Auszug aller geografischen Benennungen, die grundsätzlich zu weit gefasst sind und im Eigentlichen nur einen sehr kleinen Teil meinen. Dennoch sollten sie das Stilmittel verdeutlichen und den meisten aus der Alltagssprache bekannt sein.

Beispiele für das Totum pro parte

Allerdings gibt es auch noch in der täglichen Umgangssprache eine Vielzahl von Beispielen für das Totum pro parte. Manche davon haben sich sogar so in der Sprache gefestigt, dass kaum noch ersichtlich ist, dass der Begriff im Eigentlichen nur einen kleinen Bereich benennt.

Eine der häufigsten Formulierungen aus der Umgangssprache ist dabei mit Sicherheit etwas trinken gehen. Denn wer etwas mit Freunden trinken geht, meint normalerweise, dass er Alkohol zu sich nehmen wird und nicht die Vielzahl unterschiedlicher Getränke zu sich nehmen wird.

Weitere Beispiele für das Totum pro parte aus dem Alltag
ARD für den Fernsehsender Das Erste
Polizei für einzelne Polizeibeamte
England verliert 1:0 gegenPortugal anstatt der Fußballmannschaft
Übersicht: Wirkung und Funktion des Totum pro parte

  • Oftmals wird das Stilmittel genutzt, um ein Wir-Gefühl zu schaffen. Es wirkt eben anders, wenn Deutschland eine Medaille gewinnt und nicht nur ein einzelner Sportler.
  • Folglich kann die Stilfigur den Effekt verstärken und den Zuhörer beeinflussen. Dadurch kann dieser in eine Gruppe eingeschlossen werden und sich dieser verbunden fühlen → Redeanalyse
  • Wird das Totum pro parte allerdings aus Unkenntnis verwendet, macht es keinen Sinn, von einem Stilmittel zu sprechen, sondern eher von mangelnder Fachkenntnis.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Totum pro parte
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001