Die Textanalyse ist einer der wichtigsten Aufsatztypen in der Schule oder Universität und für eine weiterführende Bearbeitung jeder Textsorte erforderlich. Immerhin besteht ein Großteil des Deutschunterrichts aus dem Verstehen, Analysieren und Interpretieren diverser Textarten. Bei der Textanalyse geht es darum, die Bestandteile eines Textes und ihre Beziehungen zueinander zu erfassen und detailliert herauszuarbeiten.

Grundsätzlich lässt sich jeder Text analysieren, wobei wir in Bezug auf den Fachbereich Deutsch zwischen der Analyse literarischer Texte und der Sachtextanalyse unterscheiden. Dabei liegt unser Augenmerk zwar jedes Mal auf einem anderen Schwerpunkt, doch im Eigentlichen ist das Vorgehen bei einer solchen Untersuchung gleichbleibend und lässt sich auf die verschiedenen Textsorten anwenden.

Bei der Textanalyse versuchen wir, einen Text in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen und diese Bestandteile im Nachhinein sorgsam zu untersuchen, zu ordnen und natürlich auszuwerten. Anschließend folgt diesem Schritt die Interpretation des Textes, was meint, dass wir den Ergebnissen unserer Untersuchung eine Bedeutung zuschreiben.

Hinweis: Das Wort „Analysieren“ leitet sich aus dem Altgriechischen ab (ἀνάλυσις, analysis) und lässt sich mit „Auflösung“ übersetzen. Diese Übersetzung verdeutlich recht gut, was wir beim Analysieren eigentlich tun: wir lösen etwas in seine Bestandteile auf, um es anschließend untersuchen zu können.

Textanalyse vorbereiten

Bevor wir uns ans Schreiben einer solchen Textanalyse wagen können, sollten wir einige Dinge vorbereiten, sodass uns das Formulieren und Niederschreiben leichter von der Hand geht.

  • Besorgen Sie sich vor der Bearbeitung das entsprechende Arbeitsmaterial. Empfehlenswert sind in jedem Fall verschiedenfarbige Stifte (Textmarker), ein Lineal und außerdem einen Bleistift, um wichtige Textpassagen unterstreichen und markieren zu können.
  • Lesen Sie sich nun den ausgewählten Text ganz in Ruhe durch. Idealerweise gleich mehrmals, um auch wirklich alle Passagen zu verstehen und deuten zu können.
  • Gibt es beim Durchlesen Unklarheiten, gehören diese unmittelbar an den Rand des Textes. Dort ist eh der ideale Platz für Notizen, falls wir wichtige Details beim Lesen bemerken oder Fragen an das Geschriebene haben.
  • Weiterhin können wir schon beim erstmaligen Lesen versuchen, die Entstehungszeit des Textes herauszufinden, uns Anmerkungen zum Autor zu machen und vielleicht herausfinden, um welche Textsorte es sich handelt (Kommentar, Reportage, Glosse etc.)
  • Bevor wir uns nun dem Schreiben widmen, sollten wir alle Unklarheiten aus dem Weg räumen. Gibt es Wörter, die wir nicht verstehen? Wissen wir überhaupt, worum es geht? Viele dieser Fragen können mit einem Duden oder Nachschlagewerk beantwortet werden.

  • Hinweis: Grundsätzlich gibt es bei der Textanalyse keine richtige oder falsche Meinung. Wichtig ist, dass wir all unsere späteren Aussagen am analysierten Text belegen können und nicht irgendwelche Dinge behaupten. Wer hierbei genau ist, macht also alles korrekt.

Aufbau der Textanalyse

Hinweis: Der nachfolgende Aufbau der Textanalyse ist als Leitfaden zu verstehen. Da dieser Beitrag die allgemeine Arbeitsweise betrachtet, sollten die nachfolgenden Punkte nicht einfach als Checkliste verstanden werden. Vielmehr möchten wir Ihnen hiermit einen Arbeitsvorschlag anbieten.

  • Einleitung der Textanalyse
    • Titel des Textes
    • Name des Autors (Von wem stammt der Text?)
    • Entstehungszeit (Wann wurde der Text verfasst? → Literaturepochen)
    • Textsorte (Kommentar, Aufsatz, Gedicht, Brief etc.)
    • Was will der Text? (→ Deutungshypothese)
  • Hauptteil der Textanalyse
    • Inhalt
      • Thema des Textes (Wovon handelt das Ganze? Welches Problem wird vorgestellt?)
      • Welche Handlung oder welches Geschehen wird gezeigt?
      • Knappe Beschreibung des Inhalts (→ Inhaltsangabe schreiben)
      • Ort der Handlung (Wo spielt sich das Ganze ab?)
      • Welche Figuren gibt es? (→ Protagonist, Antagonist?)
      • Wie werden diese Figuren beschrieben?(→ Charakterisierung)
      • Wie verhalten sich die Figuren zueinander? (→ Figurenkonstellation)
      • Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Überschrift und Inhalt?
    • Struktur
      • Wie ist der Text aufgebaut? (Gliederung)
      • Wie beginnt und endet der Text? (Gibt es einen klassischen Aufbau?)
      • Gibt es einen Spannungsbogen?
      • Finden wir Höhepunkte? Vielleicht mehrere?
      • Wenn ja, gibt es auch einen Wendepunkt? Welche Auswirkungen hat dieser?
      • Gibt es einen Erzähler? Äußert sich dieser?
      • Welche Erzählperspektive nimmt der Erzähler ein? (→ auktoriale, personale, neutrale, Ich-Erzähler)
      • Wie steht der Erzähler zum Geschehen? Kommentiert er das Geschehen sogar?
      • Werden innere Vorgänge der Figuren dargestellt? (→ innerer Monolog, erlebte Rede)
      • Spielen Erzählzeit und erzählte Zeit eine Rolle?
      • Gibt es zeitliche Raffungen oder Dehnungen?
      • Gibt es eine Argumentationsstrategie? (Sind die Argumente stichhaltig? → Argumenttypen)
    • Sprache
      • Wirkt die Sprache veraltet oder modern?
      • Auffälligkeiten in der Sprache (wenige Adjektive, viele Substantive etc.)
      • Welche Adjektive kommen zum Einsatz? (wertende, beschreibende, unnötige?)
      • Welche Wortarten dominieren? Gibt es einen Stil? (Nominal-, Verbal-, Adjektivstil)
      • Gibt es besondere Stilfiguren? (→ Stilmittel)
    • Intention des Textes (nicht bei literarischen Texten!)
      • Was will der Autor von uns? (Handlungsabsicht)
      • …will er uns belehren, mahnen, informieren, erinnern etc.?
      • Welche Funktion hat der Text also? Ist er ein Appell oder persönlicher Natur?
      • Wer ist der Adressat des Textes? (An wen richtet sich der Text?)
      • Welche Einstellung hat der Autor zum Geschriebenen? (Ist das erkennbar?)
      • Gibt es historische, politische, gesellschaftliche Zusammenhänge?
      • Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Intention und Entstehungszeit?
    • Einordnung
      • Ist der Text typisch für diese Zeit? (→ Literaturepochen)
      • Welche typischen Merkmale der Epoche weist der Text auf?
      • Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Epoche und Text?
      • Ist der Autor ein typischer Vertreter dieser Epoche?
    • Schlussteil der Textanalyse
      • Wurde unsere anfängliche Vermutung bestätigt?
      • Gibt es noch offene Fragen, die der Text nicht behandelt oder beantwortet?
      • Was ist unserer Meinung? (Nur, wenn das ein Lehrer ausdrücklich verlangt!)

Hinweis: Beachten Sie bitte, dass der Aufbau sehr allgemeingültig beschrieben wurde. Für eine detaillierte Analyse verschiedener Textsorten, werfen Sie einen Blick in unseren Bereich „Schreiben„.

Hinweise zum Aufbau der Textanalyse

Das Wichtigste ist, dass sie mit den vorgestellten Punkten experimentieren und diese sinnvoll miteinander verbinden. Denn alle Punkte, die wir Ihnen für den Aufbau vorgeschlagen haben, sind optional und nicht allesamt erforderlich.

Entscheiden Sie also selbst, welche Aspekte Sie unbedingt in Ihrer Textanalyse behandeln möchten und welche getrost vernachlässig werden können. Wichtig ist, dass Sie sich an den Aufbau von Einleitung, Hauptteil und Schluss halten. Den Schwerpunkt im Hauptteil können Sie aber individuell setzen.

Der vorgegebene Aufbau ist nämlich kein Dogma, sondern kann selbstverständlich variiert und an die eigenen Vorstellungen angepasst werden. Wir möchten Ihnen nur eine Anregung bieten.

Häufige Fehlerquellen bei der Textanalyse

  • Falsch: Die äußere Form (Stil) und der Inhalt eines Textes werden häufig nicht aufeinander bezogen. Es folgt nach der Beschreibung des Aufbaus nur die Wiedergabe des Inhalts.
  • Richtig: Form und Inhalt eines Textes müssen bei der Analyse immer aufeinander bezogen werden. In vielen Texten ist die Art des Sprechens sogar entscheidend.

  • Falsch: Inhaltliche Schlüsse werden oftmals sehr schnell gezogen. Wir haben eine Meinung und setzen alles daran, diese im Text belegen zu können.
  • Richtig: Idealerweise lesen wir einen Fließtext mehrmals und analysieren dann dessen Struktur, um uns eine fundierte Meinung in der Textanalyse zu erlauben.

  • Falsch: Häufig gibt es kaum eine Unterteilung in der jeweiligen Textanalyse. Das bedeutet, dass die einzelnen Abschnitte der Form nicht sichtlich voneinander getrennt sind.
  • Richtig: Es braucht bei der Textanalyse nicht unbedingt Zwischenüberschriften. Dennoch ist eine klare Gliederung wichtig und Sinnabschnitte, die wir mithilfe von Absätzen trennen können.

  • Falsch: Behauptungen werden oftmals einfach in der Arbeit aufgestellt, ohne sie genau am Text zu belegen oder überhaupt belegen zu können.
  • Richtig: Jede Behauptung, die wir aufstellen, müssen wir komplett begründen können und zwar nicht, weil wir es wollen, sondern eine Entsprechung im Text selbst finden (Zitate!).

Abschließende Worte zur Textanalyse

Grundsätzlich legen Sie selbst fest, was Sie in einer Textanalyse untersuchen wollen. Natürlich nur dann, wenn dies nicht durch die Aufgabenstellung vorgegeben wird.

Das bedeutet, dass wir es hierbei mit einer recht freien Aufsatzform zu tun haben, deren Erfolg und Misserfolg meist von unserer Vorbereitung abhängt. Lesen Sie also mehrmals den grundlegenden Text, markieren Sie Auffälligkeiten und arbeiten Sie sich stückweise ans Ziel.

Wenn Sie hier genau sind, haben Sie das Gröbste schon geschafft. Gerade in Klausuren und Arbeiten ist es also sinnvoll, rund ein Drittel der Zeit für die Vorabeit und Überlegungen einzuplanen.

Tipp: Weitere Hinweise zum Schreiben und Analysieren von Aufsätzen finden Sie übrigens in unserem Bereich „Schreiben„. Sollten Sie also Anschlussfragen haben, finden Sie dort die Antwort.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Textanalyse
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001