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Renaissance

Als Renaissance wird eine Epoche der Kunstgeschichte bezeichnet, deren Kernzeitraum im 15. Jahrhundert (Quattrocento) und 16. Jahrhundert (Cinquecento) zu verorten ist. Allerdings gab es bereits zuvor erste Tendenzen, die als Vorläufer der Epoche gelten können, wie etwa im Trecento und Duecento. Als wesentliches Merkmal der Renaissance gilt die Überwindung des Mittelalters, was sich hier vor allem in einer Wiederbelebung der kulturellen Leistungen der römischen sowie der griechischen Antike äußerst. Man schaute folglich auf die Errungenschaften der Antike zurück, was maßgeblich die Malerei, Literatur, Philosophie sowie Architektur der Renaissance prägte. Diese Rückbesinnung auf einstige Errungenschaften bewirkte wiederum in der Renaissance zahlreiche Entdeckungen und Erfindungen, was vor allem der Wiederbelebung der antiken Mathematik zu verdanken war. Die Ursprünge ebendieser Epoche liegen in Norditalien, weshalb viele italienische Künstler im Zusammenhang mit der Kunstepoche genannt werden, wie etwa Leonardo da Vinci, Donatello und Tizian, obwohl auch deutsche Künstler, wie etwa Albrecht Dürer, sehr wegweisend waren. In der Literatur waren es vor allem Dante Alighieri oder William Shakespeare, wobei auch Namen wie Erasmus von Rotterdam, Martin Luther oder Hans Sachs im Zusammenhang mit der Epoche fallen müssen. Abgelöst wurde die Renaissance im 17. Jahrhundert durch den Barock.

Begriff

Der Begriff leitet sich vom französischen Nomen renaissance ab und lässt sich dabei mit Wiedergeburt übersetzen. Folglich verweist allein die Bezeichnung der Epoche darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um eine Wiedergeburt [der Antike], was bedeutet, dass viele Errungenschaften sowie kulturelle Leistungen der Antike wiederbelebt und demzufolge in der Renaissance wiedergeboren und fortgeführt wurden. Der Begriff wurde allerdings erst im Nachhinein – nämlich im 19. Jahrhundert – geprägt.

Allerdings wurde der Begriff erstmals 1550 vom italienischen Künstler und Biografen Giorgio Vasari als Rinascimento verwendet. Vasari meinte hiermit, dass die Kunst des Mittelalters überwunden wurde und unterschied in Bezug auf die Kunst drei verschiedene Zeitalter: 1) ein glanzvolles Zeitalter, womit er die griechische und römische Antike bezeichnete, 2) den Verfall der kulturellen Errungenschaften, was das Mittelalter meinte und 3) das Wiederaufleben oder eben die Wiedergeburt der Künste, wobei antike Ideen und darüber hinaus der antike Geist wiederauferstanden, was in etwa ab 1250 zu beobachten ist.

Vasari verortet die Ursprünge der Epoche also viel, viel früher, als es heutzutage üblich ist. Er verweist darauf, dass bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, also noch im dunkelsten Mittelalter, der Weg geebnet wurde, für die Wiedergeburt, die letzten Endes zur Vollkommenheit von Kunst, Malerei und Architektur führte. Diese ersten Schritte werden gemeinhin als Protorenaissance bezeichnet und unter den Begriffen Duecento und Trecento gefasst, die letztlich die Renaissance einleiteten.

Der Begriff, wie wir ihn heutzutage verwenden, wurde dann zu Beginn des 19, Jahrhunderts aus dem Italienischen ins Französische übernommen und in etwa 1840 aus dem Französischen ins Deutsche übertragen. Geprägt wurde der Begriff im Deutschen vor allem durch den Schweizer Kulturhistoriker Jacob Burckhardt, der ihn in durch sein Werk Die Cultur der Renaissance in Italien von 1860 grundsätzlich einführte. Das Werk beschreibt den modernen, individuellen Menschen, der das Mittelalter überwindet.Epochen der Literatur als Zeitstrahl

Merkmale der Renaissance

Es ist kaum möglich, die Merkmale dieser Epoche mit wenigen Stichpunkten zu erläutern, da sich das Wiederentdecken der antiken Errungenschaften in Malerei, Literatur und Architektur ganz unterschiedlich auswirkte und darüber hinaus auch regional verschieden interpretiert wurden. Deshalb bündelt die Übersicht nur die wesentlichen Merkmale verschiedener Kunstrichtungen.

Übersicht: Voraussetzungen und Allgemeines zur Renaissance


  • Als Renaissance wird eine Epoche der Kunstgeschichte bezeichnet, welche den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit markiert. Die Epoche kann in etwa zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert verortet werden. In der Geschichtswissenschaft wird zwischen Frührenaissance (Italien: ca. 1420 bis 1500; deutschsprachiger Raum: 1520 bis 1555), Hochrenaissance (Italien: ca. 1500 bis 1530; deutschsprachiger Raum: 1555 bis 1590) und Spätrenaissance (Italien: ca. 1520 bis 1600; deutschsprachiger Raum: 1560 bis 1610) getrennt. Die Grenzen sind fließend.
  • Gekennzeichnet ist die Kulturepoche durch die Rückbesinnung auf die Antike und das Wiederbeleben kultureller Leistungen der römischen und griechischen Antike. Begünstigt wurde dies durch eine Aneignung des arabischen und griechischen Wissens. Zahlreiche Ideen, die bereits in der Antike Bestand hatten, waren im Mittelalter in Vergessenheit geraten. Nun begannen allerdings vermehrt Wissenschaftler, wie etwa Niccolo Niccoli sowie Poggio Bracciolini, gezielt (Kloster-)Bibliotheken nach den Werken antiker Autoren (bspw. von Vitruv, Platon, Cicero) zu durchsuchen und in der Folge zu verbreiten.
  • Beschleunigt wurde dieses beständige Suchen nach altem Wissen dadurch, dass während der Reconquista (Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch christliche Nachkommen) den Eroberern allerhand arabische sowie griechische Schriften und Abhandlungen in die Hände fielen. So soll beispielsweise allein die Bibliothek von Cordoba einen Bestand von über 400.000 Büchern umfasst haben. Außerdem kamen vermehrt griechische Gelehrte nach Italien – was mit dem Untergang des Byzantinischen Reichs zu begründen ist – und brachten allerhand Wissen über die griechische Antike mit, das über 1000 Jahre alt war.
  • Doch nicht nur das alte Wissen sowie die antike Philosophie erregten das Augenmerk der Wissenschaft, sondern im gleichen Zuge die antike Mathematik und in der Folge auch die Auseinandersetzung mit den Naturgesetzen. So entdeckte etwa Galileo Galilei, dass die Welt nicht den Mittelpunkt des Universum darstellte, was die Kirche in ihren Grundfesten erschütterte und gleichermaßen die christliche Glaubenslehre teils infrage stellte. In der Renaissance gab es folglich einen Übergang vom geo- zum heliozentrischen Weltbild, was eben auf der Annahme basiert, dass die Planeten um die Sonne kreisen.
  • Darüber hinaus waren die politischen und sozialen Strukturen in Italien günstig, das als Wiege und Ursprung der Renaissance gilt. So war Italien durch die Verbindungswege des Mittelmeerraums in sämtliche Himmelsrichtungen erschlossen, wobei allerhand Handel mit entfernten Städten und Ländern getrieben wurde, was in der Folge zum Austausch mit fremden Kulturen führte. Aus ebendiesem Handel entstand Wohlstand, der wiederum eine großflächige – vor allem auch private – Unterstützung und Finanzierung von Kunst möglich machte. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern boten die Städte Italiens – da sie einzeln verwaltet wurden – eine relative politische Freiheit, was wiederum Fortschritte in der Wissenschaft, Forschung und Kunst enorm begünstigte.
  • Die bestimmende geistige Strömung war der Humanismus, dessen Ursprünge im italienischen Florenz lagen. Die Humanisten forderten eine Bildungsreform, welche die geistigen Fähigkeiten der Menschheit zur vollen Entfaltung treiben sollte. Die Pflege des sprachlichen Ausdrucks war wichtig, weshalb der Sprach- sowie der Literaturwissenschaft eine zentrale Rolle beigemessen wurde, wobei der fehlerfreie Ausdruck – mündlich und schriftlich – in Latein zum Ziel erklärt wurde. Da somit jeder Mensch gebildet sein sollte, erhielten somit auch Frauen Zugang zur Bildung, was tendentiell eine erste Form von Gleichberechtigung und menschlicher Gleichwertigkeit im Allgemeinen darstellte. Das Verständnis, dass man einer neuen Epoche angehörte, die das Mittelalter ablöste, war darüber hinaus wesentlich. Der Humanismus prägte vor allem die Literatur dieser Zeit.

Übersicht: Merkmale in der Kunst (Malerei)


  • Beliebte Inhalte der Malerei waren religiöser Natur, wobei viele Fresken (Wandmalerei) und Altarbilder in Kirchen entstanden. Neu ist hierbei allerdings, dass die religiösen Motive vermenschlicht wurden, indem sie in einem eher weltlichen Kontext dargestellt wurden. Beispielsweise wurden die Personen in alltäglicher Kleidung gezeigt. Darüber hinaus entstanden vermehrt Bilder mit weltlichen Themen oder Werke, die Begebenheiten der römischen sowie griechischen Mythologie darstellten und auf Allegorien, (Helden-)Sagen oder auch antike (Götter-)Geschichten zurückgriffen. Außerdem rückten zeitgenössische Persönlichkeiten in den Fokus der Malerei, wodurch zahlreiche Porträts entstanden: der einzelne Mensch stand also vermehrt im Mittelpunkt. Weiterhin entwickelten sich erste Landschaftsmalereien und gemalte Abbildungen von alltäglichen Szenen (Genrebild)
  • Prägend ist für die Malerei der Renaissance die Zentralperspektive. Diese ermöglichste es, die Raumtiefe eines Bildes genau zu konstruieren, wodurch anschauliche Bilder von räumlichen Objekten hergestellt wurden. Darüber hinaus wurden neue Erkenntnisse in Bezug auf die Farbperspektive malerisch umgesetzt, wodurch Bilder dreidimensional wirkten, obwohl sie auf einer zweidimensionalen Fläche dargestellt wurden.
  • Weiterhin schlugen sich auch die wissenschaftliche Erkenntnisse, die nicht unmittelbar in der Kunst selbst lagen, auf die Malerei nieder. So stand in der Renaissance oftmals die korrekte anatomische Darstellung des Menschen im Vordergrund. Dabei wurde Wert darauf gelegt, die Proportionen sowie den Aufbau des Körpers unter Berücksichtigung der Muskulatur richtig darzustellen. Dennoch wurde der Mensch idealisiert gezeigt, also mit idealen Körpermaßen. Das Schöne des menschlichen Körpers wurde also vordergründig dargestellt, wobei die Darstellung von Nacktheit als Symbol der Unschuld galt. Hierbei ging es auch um eine möglichst realistische und genaue Darstellung des menschlichen Körpers, was die Epoche teils mit dem Realismus gemeinsam hat.
  • Darüber hinaus hielten zahlreiche geometrische Formen in die Malerei sowie die Kunst im Allgemeinen Einzug, wodurch ein symmetrischer und harmonischer Bildaufbau unterstützt werden sollten. Folglich finden sich oftmals Kompositionen, die sich an einer (gedachten) Dreiecks-, Kreis- oder auch Halbkreisform orientieren in jener Epoche.

Übersicht: Merkmale in der Architektur


  • Die Architektur orientierte sich vor allem an antiken Bauwerken. Hierbei war man vor allem bestrebt, einzelne Elemente der römischen Antike nachzumpfinden, wobei die griechische Architektur zumeist ignoriert wurde. In Bezug auf die Architektur löste die Renaissance die Gotik ab und wurde selbst – etwa im ausgehenden 16. Jahrhundert – von der Architektur des Barock abgelöst. Dennoch sind die Grenzen nicht immer eindeutig zu ziehen.
  • Ähnlich wie in der Kunst setzten die Architekten jener Zeit auf Symmetrie und ausgewogene und strenge Proportionen. Die einzelnen Bauelemente waren zumeist auf der Grundlage geometrischer Formen angeordnet und folgten diesen auch strikt. Doch auch wenn man sich an antiken Gebäude orientierte und diesen in Bezug auf den Aufbau nacheiferte, wies man ihnen teils neue Funktionen zu. Beispielsweise wurden in der Renaissance viele Kirchen entworfen, die als Versammlungsort der Gläubigen konzipiert waren, was es in der römischen Antike gar nicht gab. Dort wurden eher Gottheiten durch Tempel geehrt.
  • Der Grundriss wurde in der Regel symmetrisch und rechtwinklig angelegt. Entscheidend war, dass sich Fassade und Grundriss gegenseitig bedingten, was bedeutet, dass von außen ersichtlich ist, wie das Bauwerk grundsätzlich angelegt ist. Aber auch von außen betrachtet, scheinen die Bauwerke der Renaissance symmetrisch und folgen einem strengen Aufbau.
  • Entweder waren solche Bauwerke von außen verputzt oder wurden mit Marmor oder anderen Natursteinplatten verkleidet. Dadurch erscheint die Fassade grundsätzlich hell, was durchaus als Merkmal der Renaissancearchitektur betrachtet werden kann.

Übersicht: Merkmale in der Literatur


  • Spricht man von der Literatur der Renaissance, meint man zumeist die Werke, die im Humanismus entstanden, einer geistigen Strömung des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Humanisten forderten eine umfassende Bildungsreform, welche die geistigen Fähigkeiten der Menschheit zur vollen Entfaltung treiben sollte. Die Pflege des sprachlichen Ausdrucks war wichtig, weshalb der Sprach- sowie der Literaturwissenschaft eine zentrale Rolle beigemessen wurde, wobei der fehlerfreie Ausdruck – mündlich und schriftlich – in Latein zum Ziel erklärt wurde. Allerdings ist es schwierig, ein detailliertes Bild der Literatur dieser Zeit zu geben, da es zahlreiche verschiedene Ausprägungen gab, die zwar in Italien ihren Ursprung nahmen, aber in ganz Europa verschiedenartig interpretiert wurden.
  • Entscheidend ist für die Zeit allerdings die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg, wobei 1458 die erste Druckerei in Straßburg entstand. Da Bücher nun in einer enormen Geschwindigkeit vervielfältigt werden konnten, trug dies natürlich zur rasanten Verbreitung literarischer Arbeiten bei, die nun nicht mehr händisch abgeschrieben werden mussten. Der Buchdruck löste in Europa nahezu eine Medienrevolution aus, machte Bücher zum Massenartikel und gilt als ein Schlüsselelement der Renaissance.
  • Der Humanismus ist – wie die Epoche der Renaissance im Allgemeinen – geprägt von einer Rückbesinnung auf die antiken Dichter und Autoren. Als wesentliches Motto galt der lateinische Ausspruch Ad fontes, der besagt, dass man Texte im Original lesen sollte, um sie zu erschließen. Klerus sowie Adel widmeten sich vor allem der Übersetzung, aber auch Erhaltung, klassischer Werke, wobei darüber hinaus zahlreiche Schriften entstanden, die das humanistische Programm, Welt-, sowie Menschenbild verbreiteten. Diese Schriften wurden vor allem von Gelehrten, wie etwa Erasmus von Rotterdam, verfasst.
  • Der Einfluss der antiken Vorbilder lässt sich vor allem in dramatischen Werken finden, wobei Lyrik und Epik – auch wenn nicht immer inhaltlich – teils an die literarischen Formen des Mittelalters anknüpften. Verbreitet waren Schwänke, Fastnachtspiele, Abenteuer-, Helden- sowie Ritteromane (vgl. Roman) und auch Schriften, die sich der Narrenliteratur zuordnen lassen, aber auch kurze Erzählungen, wie die Fabel oder das Streitgespräch
  • In der Epik gewann außerdem das Volksbuch an Bedeutung, welches den Menschen in den Vordergrund er literarischen Betrachtung rückte. Der Begriff bezeichnet alte Geschichten, volkstümliche Sagen, märchenhafte Legenden, romantische Abenteuer sowie Schwänke jeglicher Art. Bekannt sind hierbei vor allem die Erzählungen rund um den Narren Till Eulenspiegel. Den Ursprung für diese Werke in Prosa sind häufig Stoffe aus mittelalterlichen Ritterdichtungen und Minneliedern, deren Reimform einfach in Prosa umformuliert wurde.
  • In der Lyrik ist eindeutig die mittelalterliche Tradition zu erkennen, da vor allem die Kirchenlieddichtung populär ist und das beliebte Volkslied an die niedere Minne angelehnt ist. Darüber hinaus entwickelte sich der Meistergesang, also das Meisterlied, zu einer verbreiteten lyrischen Form. Solche Meisterlieder hatten biblische und dabei belehrende Inhalte und fußten meist auf einer ungeraden Anzahl von Strophen. Vor allem Hans Sachs, ein deutscher Dichter, Meistersinger und Dramatiker, tat sich in dieser Disziplin hervor: so sollen immerhin über 4000 Meisterlieder von ihm gedichtete worden sein.
  • Humanisten studierten das Wissen und die Werke der antiken Autoren. Aufgrund dieser Geisteshaltung stand man der Gegenwart in großen Teilen kritisch gegenüber und übte literarisch mitunter sehr heftige Kritik an den bestehenden Zuständen aus. Als wichtiges Ergebnis des Humanismus und der Literatur, die unmittelbar von diesem beeinflusst wurde, gilt die Reformation, deren Anfänge auf das Jahr 1517 datiert werden. In diesem Jahr schlug der Theologe Martin Luther seine 95 Thesen auf die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg und begründete damit eine kirchliche Erneuerungsbewegung, die viele Fragen der Theologie neu diskutierte, was zur Spaltung der christlichen Gemeinschaft führte.

Architektur in der Renaissance

Wie bereits in den Merkmale zusammengefasst, wurden in Bezug auf die Architektur vor allem Bauwerke der Antike nachgeahmt oder Elemente, die für die Antike typisch waren, aufgegriffen sowie verfeinert. Entscheidend ist hierbei, dass man sich vor allem auf die römische Baukunst bezog und die Bauwerke der griechischen Antike in den Hintergrund gerieten.

Diese Besinnung auf die römische Antike ist eine logische Folge. In Italien, der Wiege der Renaissance, war die römische Antike allgegenwärtig. So erinnerten Ruinen stets an die ehemalige Kultur, wohingegen die griechische Architektur – vor allem seit der osmanischen Eroberung des Balkans – in weiter Ferne lag und ihre Spuren demzufolge eher in Wissenschaft und Philosophie nachzuempfinden sind.

Darüber hinaus bleibt die Renaissancearchitektur vor allem ein italienischen Phänomen. In Deutschland und großen Teilen Europas ist es eher die Gotik, die den Baustil der Epoche bestimmt. Allerdings finden sich auch in einigen wenigen italienischen Bauwerken gotische Merkmale, wie beispielsweise in den Bogenfenstern oder einzelnen Details der Verzierung. Allerdings ist das nicht üblich.

Es überwiegen Bauwerke, die einer festen Symmetrie folgen und meist rechtwinklig organisiert sind oder sich zumindest an geometrischen Formen orientieren. Typisch ist darüber hinaus eine Hinwendung zu den „Goldenen Proportionen“ (vgl. Goldener Schnitt) der Antike, was wohl durch die Wiederentdeckung der Zehn Bücher über Architektur (Originaltitel: „De architectura libri decem“) von Vitruv, einem römischen Architekten und Ingenieur, enorm begünstigt wurde. Ein wichtiger Bestandteil in Vitruvs Werk ist die Beschreibung veschiedener Säulenarten: die dorischen, ionischen sowie korinthischen Säulen.

Charakteristisch für die Architektur der Renaissance sind vor allem symmetrisch struturiert und basieren auf einer Aneinanderreihung geometrischer Figuren und Grundformen, wie quadratische, kreisförmige und rechteckige Formen im Grundriss und das Verwenden von Kugeln, Halbkugeln, Quadern, Zylindern und Würfeln im Bauvolumen. Das Bauwerk, das aus diesen Formen gebildet wird, scheint proportioniert und symmetrisch und ist darüber hinaus mit zahlreichen Elementen ausgestattet, die an die Antike erinnern, wie etwa Säulen, Pilaster (Teilpfeiler, der in den Mauerverbund eingearbeitet wird) und Kapitelle (oft reichverzierte Kopfstück einer Säule), wobei außerdem Triumphbögen und Kuppeln sowie überkuppelte Säle an die römische Architektur angelehnt sind.Exemplarisches Bauwerk, das die Merkmale der renaissancearchitektur verdeutlicht.

Bild: Tempietto di Bramante, Foto: Gobbler auf wikivoyage-old.org, Bearbeitung: Wortwuchs, Lizenz: CC BY-SA 3.0, Quelle


Das obige Beispiel zeigt den Tempietto di Bramante, also das Tempelchen Bramantes, in Rom. Dieser Tempel gilt als ein Musterbeispiel der Architektur der Hochrenaissance und vereint nahezu sätmliche Merkmale der Epoche. Konzipiert wurde der Tempel vom Architekten Donato Bramante, der auch der Namensgeber des Bauwerks ist um die Jahrhundertwende zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert.

Das Bauwerk ist ein kreisrunder Zentralbau, der von einer Kuppel überwölbt wird. Außen tragen 16 dorische Säulen das verzierte Gebälk, wobei das Obgeschoss dahinter zurücktritt. Auch das ist typisch für die Renaissance, wobei höhere Stockwerke eingerückt erscheinen und somit auf dem Erdgeschoss thronen. Der Tempel sowie dessen Verzierungen orientieren sich außerdem an geometrischen Formen.

Malerei in der Renaissance

Die Malerei ist enorm geprägt vom neuen Weltbild der Renaissance. Auch hierbei nimmt die Rückbesinnung auf die Werte und kulturellen Leistungen der römischen sowie der griechischen Antike einen großen Stellenwert ein. Künstlerische Malerei findet sich in der Renaissance vor allem in Kirchen, wobei zahlreiche Altarbilder und Wandmalereien entstanden. Darüber hinaus entwickelten sich im Verlauf der Epoche die Landschaftsmalerei, das Porträt sowie Szenen aus dem Alltag und Stilleben als beliebte Darstellungsformen der Kunst.

Noch im Mittelalter war das Künstlerische vor allem an kirchliche Arbeiten geknüpft. Dabei wurden religiöse Schriften sowie Bibeln illustriert und natürlich Kirchen und Kapellen mit allerhand Kunstwerken ausgestattet, wobei vornehmlich Altäre, Kirchenfenster und Statuen künstlerisch gestaltet werden. Häufig waren es Mönche, die diese Kunstwerke schufen und in den Klöstern und deren Bibliotheken sammelte man das Wissen über Malerei, Bildhauerei und die Architektur jener Zeit.

Die Künstler selbst wurden nicht als Kunstschaffende wahrgenommen, sondern als Handwerker, die Kunst zu Ehren Gottes oder als Erinnerung eines Heiligen schufen. Somit waren Werke selten mit dem Namen des Künstlers versehen. Allenfalls gab es Hinweise, wer das Werk gestiftet, also bezahlt, hatte.

In der Renaissance änderte sich diese Auffassung und das Bild der Kunst grundsätzlich. Durch die rasanten wissenschaftlichen Fortschritte und die Neuentdeckung antiker Schriften und Leistungen, änderte sich nämlich das Bild des Menschen. Vor allem durch Galileo Galileis Erkenntnis, dass nicht die Erde, sondern die Sonne den Mittelpunkt des Universums darstellte, verschob sich die Wahrnehmung des Menschenbildes, wobei erstmalig christliche Glaubenssätze infrage gestellt wurden.

Die Welt wurde verständlicher und gleichermaßen erschien sie beherrschbar, weshalb der Mensch nicht mehr der Schöpfung oder dem Göttlichen ausgeliefert schien, sondern das Leben und die Welt um sich herum verstehen konnte und teilweise in der Hand hatte. Daraus entwickelte sich die Devise, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei, was bedeutet, dass der Mensch in den Mittelpunkt sämtlicher Überlegungen rückte und darüber hinaus zum wichtigen Gegenstand der Kunst wurde.

In Bezug auf die Kunst werden erstmalig Fragen diskutiert, die danach fragen, ob Etwas schön sei und wie man Dargestelltes noch schöner und ideal darstellen könnte. Dabei werden wissenschaftliche Erkenntnisse auf die Kunst selbst übertragen: es geht darum, richtige Proportionen zu finden und ausgewogene Bilder zu schaffen. Die Kunst verändert sich in diesem Zuge von einem Handwerk zu einer Sache, die schöne Dinge präsentieren kann, die nicht mehr an einen kirchlichen Rahmen geknüpft sein müssen. Dabei rückt auch der Künstler selbst in den Mittelpunkt: es wird wichtig, wer ein Kunstwerk geschaffen hat, weshalb sich fortan zumeist Unterschiften auf den Kunstwerken ausmachen lassen.


Proportionen der Renaissance-Malerei bei der menschlichen Anatomie

Bild: Vitruvianischer Mensch von Leonardo da Vinci – Proportionen des Menschen werden mit geometrischen Formen bestimmt.


Als prägende geistige Strömung gilt der Humanismus, der eine Bildungsreform forderte, welche die geistigen Fähigkeiten der Menschheit zur vollen Entfaltung treiben sollte. Diese Bildung und das Weltbild der Humanisten umfasste darüber hinaus eine hohe Wertschätzung der Ästhetik. Als Ästhetik wird die wahrnehmbare Schönheit bezeichnet, die bestimmten Gesetzmäßigkeiten und einer harmonischen Gestaltung in der Natur und Kunst folgt. Dadurch änderten sich die Auftraggeber solcher Kunstwerke.

Nun hatte nicht nur die Kirche einen künstlerischen Bedarf, sondern plötzlich auch Anhänger dieser humanistischen Ideen. Aber auch das Bürgertum in den italienischen Städten, welches durch den aufblühenden Handel zu Wohlstand gekommen war, hatte ein Interesse, sich selbst repräsentativ und künstlerisch darstellen zu lassen und seine Häuser mit Kunstwerken zu verschönern. Hierbei wurden ganz unterschiedliche Inhalte bevorzugt: häufig werden immer noch kirchliche Motive gewählt, wobei außerdem Themen der antiken Mythologie beliebt werden. Dadurch zeigte man nämlich einerseits die Rückbesinnung auf die Ideen der Antike, verwies andererseits aber gleichermaßen auf die eigene Weltoffenheit sowie Bildung und die Neigung zu humanistischen Idealen.

Dennoch: die Darstellung solcher Motive änderte sich grundsätzlich. Denn auch wenn immer noch religiöse Inhalte dargestellt wurden, wurden diese gewissermaßen vermenschlicht. Im Mittelalter waren die Figuren auf religiösen Bildern oftmals erleuchtet und auf einem unklaren, hellen oder goldenen Hintergrund abgebildet, doch nun in der Renaissance fanden sich diese in einer weltlichen Umgebung oder in realen Landschaften und Räumen, wobei die Dargestellten in Alltagskleidung abgebildet wurden.


Die Renaissancekünstler zeigen das Dargestellte vermehrt in realen Räumen und Landschaften und in alltäglicher Kleidung.

Bild: Schule von Athen des Malers Raffael – Zeigt die Größen aus Philosophie und Wissenschaft


Das obige Beispiel-Bild ist ein Fresko – also ein Wandgemälde – des Malers Raffael und entstand zwischen 1510 und 1511. Es zeigt die wichtigsten Vertreter der Philosophie zwischen Antike und Renaissance, wobei im Zentrum Platon und Aristoteles stehen. Das Bild vereint zahlreiche Merkmale der Renaissance-Malerei. So werden einerseits Menschen dargestellt und keine Heiligen, wobei es die Wichtigkeit von Philosophie und Wissenschaft verherrlicht. Darüber hinaus zeigt es die Dargestellten in einem realen Raum und in alltäglicher Kleidung. Weiterhin verdeutlicht es die Merkmale der Architektur und setzt auf eine ganz besondere Perspektive: die sogenannte Zentralperspektive.

Perspektive und Komposition in der Malerei

Eine wesentliche Neuerung in der Renaissancemalerei ist die Zentralperspektive. Die Künstler der Renaissance versuchten, ihre Umwelt wirklichkeitsnah und naturgetreu abzubilden. Folglich war es wichtig, dass eine zweidimensionale Leinwand Tiefe erlangte und somit dreidimensional wirkte. Hierfür nutzte man einerseits ganz einfache Tricks: Objekte, die vorn waren, verdeckten Objekte im Hintergrund; Dinge, die in der Ferne lagen, wurden unschärfer; Dinge, die weiter hinten liegen, werden in der Darstellung kleiner. Wesentlich war hierbei die Zentralperspektive, auch Fluchtperspektive genannt.Prinzip der Zentralperspektive in der Malerei

Das obige Beispiel-Bild verdeutlicht das grundsätzliche Prinzip der Zentralperspektive. Grundsätzlich geht es darum, dass die Kanten eines Objekts nicht parallel zueinander verlaufen, sondern auf einen gedachten Fluchtpunkt hinaus laufen, wobei die Kanten, die dem Betrachter zugewandt sind, parallel zueinander erscheinen. Dieser Fluchtpunkt lag auf dem Horizont, der sich idealerweise auf Augenhöhe des Betrachters befand. So konnte auf zweidimensionalen Bildern räumliche Tiefe entstehen.

In der Renaissance wurden dabei häufig Objekte wiederholt dargestellt, um somit räumliche Tiefe zu erzeugen. Hierbei liefen beispielsweise Torbögen oder Säulen scheinbar in die Ferne, orientierten sich an den Linien, die auf den Fluchtpunkt liefen und wurden dabei stetig kleiner. So erhielten die Kunstwerke der Renaissance eine ungewohnte Tiefe. Das lässt sich auch im vorherigen Beispiel erkennen:Beispiel der Zentralperspektive in der Renaissance-Malerei

Aber auch in Bezug auf die Komposition von Bilder lassen sich Besonderheiten in der Malerei ausmachen. Die Komposition meint dabei den Aufbau eines Bildes und somit die Art und Weise, wie das Dargestellte in einem Bild angeordnet wird. Wesentlich sind für die Renaissance vor allem geometrische Formen. Ist eine solche Komposition ausgewogen, erscheint das jeweilige Bild harmonisch.

In der Renaissance sind es vor allem Formen, die uns aus der Mathematik bekannt sind: zumeist folgen die Bilder hierbei einer Symmetrie (siehe obiges Beispiel) oder orientieren sich an einer Dreiecksform, einem Kreis oder Halbkreis (siehe Torbögen im obigen Bild). Das erklärte Ziel der Renaissancekünstler ist es, dass die Komposition ausgewogen erscheint und somit eine idealisierte Welt darstellt.

Porträtmalerei in der Renaissance

Wie bereits beschrieben, war neben religiösen Motiven neuerdings das Alltägliche abbildendswert und darüber hinaus trat der Mensch in den Mittelpunkt der Betrachtung. Dadurch ergaben sich zahlreiche Versuche, die menschlichen Proportionen richtig darzustellen unddarüber hinaus gab es vermehrt Auftragsarbeiten aus dem Bürgertum, die nach repräsentativen Porträts verlangten.

Dadurch entstanden in ebendieser Epoche zahlreiche Porträts, die einzelne Menschen zeigten. Das Entscheidende ist hierbei, dass eine solche Darstellung – die nicht Heilige, Adlige oder kirchliche Würdenträger zeigte, tatsächlich recht neu war. Ein Porträt gab Auskunft über den gesellschaftlichen Stand, bildete die individuellen Charakterzüge ab und zeigte diese Person in einem repräsentativen Umfeld (Macht, Reichtum, Stand, Beruf etc.). Das erklärte Ziel war ein Werk, indem das ganze Wesen des Dargestellten sichtbar war. Maler wie Antonello da Messina, Piero della Francesca, Pisanello, Perugino oder Botticelli bildeten diese Kunst bis zur Perfektion aus. Ein populäres Beispiel ist die Mona Lisa:Porträtmalerei erfreut sich in der Renaissance wachsender Beliebtheit.

Titel (Künstler): Mona Lisa (da Vinci), Annunciata di Palermo (Antonello da Messina), Francesco Venier (Tizian), Selbstporträt (Raffael)


Literatur in Renaissance und Humanismus

Als wesentliches Merkmal der Renaissanceliteratur ist vor allem der Humanismus zu nennen. Diese geistige Strömung ist es, die zahlreiche Werke und Dichter nachhaltig beeinflusste. Spricht man also von der Literatur der Renaissance, meint man zumeist sämtliche Werke, die im Zuge des Humanismus entstanden. Dieser lässt sich bereits im 14. Jahrhundert nachweisen, breitete sich aber erst im 15. und 16. Jahrhundert über den größten Teil Europas aus und galt vor allem als eine literarisch ausgerichtete Bildungsbewegung, die sich an antiken Vorbildern orientierte.

Das zentrale Ansinnen war die Bildung des Menschen. Die Pflege des sprachlichen Ausdrucks war wichtig, weshalb der Sprach- sowie der Literaturwissenschaft eine zentrale Rolle beigemessen wurde, wobei der fehlerfreie Ausdruck – mündlich und schriftlich – in Latein zum Ziel erklärt wurde. Allerdings ist es schwierig, ein detailliertes Bild der Literatur dieser Zeit zu geben, da es zahlreiche verschiedene Ausprägungen gab, die zwar in Italien ihren Ursprung nahmen, aber in ganz Europa verschiedenartig interpretiert wurden.

Entscheidend ist für die Zeit allerdings die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg, wobei 1458 die erste Druckerei in Straßburg entstand. Da Bücher nun in einer enormen Geschwindigkeit vervielfältigt werden konnten, trug dies natürlich zur rasanten Verbreitung literarischer Arbeiten bei, die nun nicht mehr händisch abgeschrieben werden mussten. Der Buchdruck löste in Europa nahezu eine Medienrevolution aus, machte Bücher zum Massenartikel und gilt als wichtiges Schlüsselelement. Darüber hinaus trug die zunehmende Alphabetisierung der Menschen zur Verbreitung von Literatur bei.

Während Adel und Klerus vor allem antike Werke übersetzten, widmeten sich Gelehrte in ganz Europa vor allem dem Verfassen von Schriften, die die humanistischen Ideen aufgriffen und in Form von Lehren darstellten. Literarisch knüpfte man aber dennoch in vielen Bereichen an das Mittelalter an, auch wenn das Themenspektrum durchaus um Stoffe (bspw. antike Mythologie) erweitert wurde.

Epik der Renaissance

In der Epik kommt vor allem die Konzentration auf den Menschen zum Vorschein. So dominieren hierbei Volkbücher. Der Begriff bezeichnet alte Geschichten, volkstümliche Sagen, märchenhafte Legenden, romantische Abenteuer sowie Schwänke jeglicher Art. Bekannt sind hierbei vor allem die Erzählungen rund um den Narren Till Eulenspiegel. Den Ursprung für diese Werke in Prosa sind häufig Stoffe aus Ritterdichtungen und Minneliedern, deren Reime in Prosa umformuliert wurde. Verbreitet waren außerdem Schwänke, Abenteuer-, Helden- sowie Ritteromane (vgl. Roman) und auch Schriften, die sich der Narrenliteratur zuordnen lassen und kurze Erzählungen, wie Fabel oder Streitgespräch.

Darüber hinaus findet sich in der Renaissance-Epik eine zunehmende Kritik an der Kirche. Da aufgrund zahlreiche Erkenntnisse in der Wissenschaft das Bild der Kirche zunehmend infrage gestellt wurde, ist dies allerdings nur eine logische Folge der Zeit. Als Beispiel können etwa die Dunkelmännerbriefe – eine mit satirischer Absicht verbreitete Reihe gefälschter lateinischer Briefe aus dem Jahr 1515.

Lyrik der Renaissance

In der Lyrik klingt das Mittelalter am deutlichsten nach. So war das Volkslied sehr beliebt, erinnert in seinen Grundzügen aber an die nieder Minne des Mittelalters. Außerdem entstehen zahlreiche Kirchenlieder, wobei in diesem Zusammenhang vor allem Martin Luther zu nennen ist, der dutzende Kirchenlieder in deutscher Sprache verfasste und auf die Weise zahlreichen Menschen den Zugang und die aktive Beteiligung am Gottesdienst ermöglichte.

Darüber hinaus entwickelte sich der Meistergesang, also das Meisterlied, zu einer verbreiteten lyrischen Form. Solche Meisterlieder hatten biblische und dabei belehrende Inhalte und fußten meist auf einer ungeraden Anzahl von Strophen. Vor allem Hans Sachs, ein deutscher Dichter und Meistersinger sowie Dramatiker, tat sich in dieser Disziplin hervor: so sollen immerhin über 4000 Meisterlieder von ihm gedichtete worden sein, was durchaus beachtlich ist. In Frankreich entwickelte sich im Zuge der Renaissance der Alexandriner, welcher später von Martin Opitz – nämlich im Barock – zum wesentlichen Versmaß der deutschen Dichtung erklärt wird, aber in der Renaissance untergeordnet bleibt.

Dramatik in der Renaissance

In der Dramatik lassen sich wiederum die größten Einflüsse der neuen Epoche nachempfinden. Der humanistische Dramatiker besann sich auf antike Formen und stellte dabei die Freiheit des einzelnen Menschen in den Vordergrund. Dieser Mensch hob sich aufgrund seiner Vernunft vom Tierreich ab. Vordergründig wird das Handeln des Einzelnen sowie das Schicksal einzelner Menschen dargestellt. Hierbei lassen sich eindeutig psychologische Ansätze erkennen: so konnte die die Freiheit des Menschen etwa stets ins Negative umschlagen und plötzlich bedrohlich erscheinen, wobei das eigene Tun zur Lähmung führte und psychologische Aspekte vermehrt eine Rolle spielten.

Den humanistischen Grundgedanken – nämlich die Bildung des Menschen – finden wir vor allem im Fastnachtspiel. Dieses wollte den Menschen belehren und verpackte zumeist ernste Themen in eine komödiantische, bisweilen auch fast alberne, Handlung. Wesentlich ist hier, dass sich das Fastnachtspiel unabhängig von der Rückbesinnung auf die Antike entwickelte und einer Aneinanderreihung von Einzelreden entsprach. Auch in dieser Gattung gilt Hans Sachs als wichtiger Vertreter.

Vertreter und Werke (Literatur)

  • Dante Alighieri (1265-1321)
    • Divina Commedia (dt.: Göttliche Komödie, 1321)
  • Giovanni Boccaccio (1313-1375)
    • Il Filocolo (Roman, 1336–1339)
    • Il Corbaccio (Satire, 1354)
  • Johannes Reuchlin (1455-1522)
    • Dunkelmännerbriefe (1515)
  • Sebastian Brant (1457-1521)
    • Das Narrenschiff (1494)
  • Hermann Bote (1460-1520)
    • Thyl Ulenspiegel (Till Eulenspiegel, 1510/11) – Hermann Bote
  • Erasmus von Rotterdam (1469-1536)
    • Das Lob der Torheit (1511)
  • Martin Luther (1483-1546)
    • An den christlichen Adel deutscher Nation (1520)
    • Neues Testament (Übersetzung ins Deutsche ,1522)
  • Ulrich von Hutten (1488-1523)
    • Gesprächsbüchlein (1521)
  • Hans Sachs (1494-1576)
    • Lucretia (1527)
    • Das Kälberbrüten (1551)
  • Jörg Wickram (1505-1562)
    • Rollwagenbüchlein (1555)
  • Johann Fischart (1546/47-1590)
  • William Shakespeare (1564-1616)

  • Adespota (anonyme Schriften)
    • Historia von D. Johann Fausten (1587)
    • Die Schiltbürger (1598)