WORTWUCHS | Literaturlexikon

Polysyndeton

Das Polysyndeton ist ein rhetorisches Stilmittel und eine Form der Aufzählung (Enumeratio). Das Polysyndeton meint die Reihung von gleichgestellten Wörtern oder Satzgliedern, die durch die Wiederholung der gleichen Konjunktion (Bindewort) miteinander verknüpft sind. Mindestens drei Elemente sind so verbunden. Das stilistische Gegenstück ist das Asyndeton.

Das Wort stammt aus dem Griechischen und lässt sich sinngemäß mit Vielfachverbunden übersetzen. Dabei zeigt schon die Übersetzung, worum es beim Polysyndeton grundsätzlich geht: eine mehrfache Verbindung [durch Konjunktionen] von Wörtern oder Wortgruppen. Schauen wir auf ein Beispiel.

Hinweis: Eine Konjunktion ist eine Wortart, die eine Verbindung zwischen Wörtern, Wortgruppen, Satzgliedern oder Sätzen herstellt. Beispielsweise sind die Wörter ‘und, oder, weil’ Konjunktionen unserer Sprache, da sie als Bindeglieder zwischen sprachlichen Elementen fungieren.


Auf Wortwuchs gibt’s Elfchen und Fabeltiere und Schweifreime und Daktylen.

Das obige Beispiel zeigt eine Aufzählung von Fachbegriffen, die auf Wortwuchs behandelt werden. Die gleichwertigen Wörter sind hierbei nicht durch Kommata getrennt, sondern durch den wiederholten Einsatz der Konjunktion und verbunden. So wird aus der Aufzählung eine polysyndetische Wendung.

Wichtig ist hierbei, dass das Polysyndeton mindestens aus drei verbundenen Elementen bestehen muss, um überhaupt von einer Stilfigur sprechen zu können. Die Verbindung zweier Wörter durch ein einziges Bindewort kann in diesem Fall also nicht gelten. Dieser Umstand heißt „Syndeton„.


Und es wallet und siedet und brauset und zischt,

Diese Verszeile ist der sechsten Strophe von Friedrich Schillers Der Taucher entnommen. Auch hier gibt es eine Aufzählung, die nicht dem gängigen Bild entspricht, da wiederholt die Konjunktion und zur Verknüpfung der einzelnen Verben herhalten muss. Dadurch wird das Lesetempo verlangsamt.

Wichtig: Die beiden Beispiele weisen ein Polysyndeton auf. Die Wirkung ist eine Entschleunigung und Reduktion des Lesetempos. Das Polysyndeton dient der Betonung eines Satzes oder Sachverhaltes durch die Hemmung des Redefortschritts. Dieser Effekt kann eine Aussage verstärken.

Polysyndeton, Asyndeton, Syndeton

In diesem Beitrag wurden bereits drei verschiedene Begriffe im Zusammenhang mit der Stilfigur benannt. Alle drei beschreiben eine Art der Aufzählung und unterscheiden sich nur in Details in Bezug auf die Verwendung der Konjunktionen. Schauen wir auf die Unterschiede.

Die Figuren basieren alle auf dem Begriff „Syndeton“, was sich vom griechischen Wort syndetos (σύνδετος) ableiten lässt. Übersetzen lässt sich das mit zusammengebunden und beschreibt folgerichtig, worum es bei Syndeton, Asyndeton und Polysyndeton geht: das Zusammenbinden [von Wörtern durch Konjunktionen].

  • Syndeton: Beschreibt das Verbinden zweier Wörter oder Wortgruppen durch genau eine Konjunktion.
    Beispiele: „Ich und du!“, „Morgen esse ich Eier, Wurst und Käse.“

  • Asyndeton: Ist eine Aufzählung aus mindestens drei Teilen, die gänzlich auf Konjunktionen verzichtet.
    Beispiele: „Ich, du, er, sie!“, „Ich mag Eier, Wurst, Käse!“ → Asyndeton

  • Polysyndeton: Wie im Beitrag beschrieben: vielfache Verwendung gleicher Konjunktionen.
    Beispiele: „Ich und du und sie und er!“, „Ich mag Eier und Wurst und Käse!“

Weitere Beispiele für Polysyndeta

Am besten lässt sich ein Stilmittel natürlich über Beispielsätze verdeutlichen. Deshalb möchten wir Ihnen noch eine Auswahl vorstellen. Die Konjunktionen sind jeweils hervorgehoben.

Und jede nimmt und gibt zugleich und strömt und ruht. (Meyer)
Einigkeit und Recht und Freiheit (deutsche Nationalhymne)
Und wiegen und tanzen und singen dich ein (Goethe)
Ich gehe jetzt zurück, weil ich will, weil ich ein Mensch bin, weil ich denke
Es donnert und regnet und stürmt und schneit und ich bin allein.
Gehen wir ins Kino oder bleiben wir hier oder willst du was anderes machen?

Wirkung und Effekt des Polysyndetons

Grundsätzlich ist es natürlich schwierig, einer Stilfigur eine klare Funktion zuzuschreiben. Dann laufen wir nämlich Gefahr, sie jedes Mal auf genau diese Wirkung herunter zu brechen und nicht mehr auf das Gesamtbild zu achten. Dennoch können wir den Effekt der Figur beschreiben.

Kurzübersicht zu Wirkung und Funktion des Polysyndetons

  • Eine polysyndetische Wendung verwendet mehrmals die gleiche Konjunktion zum Verknüpfen von Wörtern oder Wortgruppen. Dadurch wird das Lesetempo reduziert und ein Satz oder Umstand in den Vordergrund gerückt. Der Einsatz kann somit verstärkend und entschleunigend wirken.
  • Das stilistische Gegenstück ist das Asyndeton. Die Grundform beider Stilfiguren und einer jeden Aufzählung ist allerdings das Syndeton. Dieses besteht mindestens aus drei Wörtern.