bescheuert
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- bescheuert
- Worttrennung
- be·scheu·ert
- Komparativ
- bescheuerter
- Superlativ
- am bescheuertsten; auch am bescheuertesten
Salopp und abwertend. Vor Nomen gebeugt; beide Superlativformen sind möglich. Personenetiketten können verletzen.
Bescheuert: Salopper, abwertender Ausdruck für als unvernünftig angesehenes Verhalten oder für etwas Ärgerliches und Unerfreuliches.
Bedeutungen
1 Unvernünftig oder unsinnig
Wer eine Idee bescheuert nennt, lehnt sie als unvernünftig oder unsinnig ab. Bei einer Person wird daraus eine pauschale Herabsetzung. Das Wort ist keine medizinische Beschreibung.
„Ohne Fahrkarte absichtlich in den Zug zu steigen wäre bescheuert.“
Der Sprecher kritisiert eine Entscheidung. Welche Folgen er befürchtet, sollte er begründen.
2 Ärgerlich oder unerfreulich
Bescheuert kann auch einen ungünstigen Umstand bewerten. Ein bescheuerter Termin muss nicht logisch unsinnig sein: Vielleicht passt die Uhrzeit einfach schlecht.
„Die Abholung liegt ausgerechnet mitten in meiner Prüfung – das ist bescheuert.“
Das eigene Beispiel zeigt Ärger über die Überschneidung, ohne eine Person als dumm zu beschimpfen.
Das Wort gehört auch zum Wortschatz älterer Jugend- und Umgangssprache. Daraus folgt keine Beschränkung auf ein bestimmtes Alter.
Synonyme für bescheuert
- Bekloppt
- Ist ein ähnlich saloppes Wertungswort. Bescheuert lässt sich besonders deutlich auch auf ärgerliche Umstände beziehen, ohne dass eine Person gemeint sein muss.
- Unvernünftig
- Bezieht sich genauer auf Gründe und mögliche Folgen einer Entscheidung. Es erklärt die Kritik besser, wenn diese anschließend konkret begründet wird.
- Ärgerlich
- Benennt die negative Wirkung einer Situation mit geringerem sprachlichem Angriff. Es kann die passende Alternative sein, wenn schlicht Unmut gemeint ist.
Den Vorwurf eingrenzen
„Die Entscheidung ist bescheuert“ ist ein salopper Angriff. „Die Entscheidung ist unvernünftig, weil sie das Risiko erhöht“ nennt einen überprüfbaren Grund. „Der Termin ist ärgerlich“ passt dagegen, wenn es nur um eine ungünstige Überschneidung geht.
Beispiele und Verwendung
Bei einer Analyse ist die Bewertung der sprechenden Person zuzuordnen. Anlass, Ton und Reaktion des Gegenübers helfen, eine ernste Kritik von Scherz oder Selbstironie zu unterscheiden.
Weitere eigene Beispiele
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Nach der dritten kurzfristigen Verschiebung schimpfte sie über den bescheuerten Ablauf der Anmeldung.“
Das Wort bündelt ihren Ärger über einen Vorgang. Der Satz bewertet nicht die geistigen Fähigkeiten einer bestimmten Person, sondern die als unerfreulich erlebte Organisation.
„Er rief seinem Bruder zu: ‚Bist du bescheuert?‘, als dieser die gemeinsame Vereinbarung einfach zerriss.“
Die Frage wirkt als Vorwurf und Angriff. Für eine Analyse sollte erklärt werden, welches Verhalten den Ausruf auslöst und welche Beziehung sich darin zeigt.
„Über ihren eigenen Irrtum lachte sie und sagte, das sei wirklich ein bescheuerter Fehler gewesen.“
Die Selbstbewertung kann hier selbstironisch wirken. Sie erlaubt dennoch keinen allgemeinen Schluss auf die Fähigkeiten der Person; beschrieben wird ein einzelner Fehler.
Grammatik und Beugung
Bescheuert schreibt man mit eu und der Endung -ert. Formen sind ein bescheuerter Einfall, eine bescheuerte Panne und ein bescheuertes Missverständnis. Die saloppe Steigerung lautet bescheuerter, am bescheuertsten oder am bescheuertesten. In Das ist bescheuert bleibt die Grundform unverändert. Als substantivierte Personenbezeichnung, etwa ein Bescheuerter, wird das Wort großgeschrieben und kann besonders herabsetzend wirken. Die Großschreibung ändert nichts am saloppen Register.
Die Übersicht zu Adjektiven und ihrer Verwendung erläutert Beugung und Satzfunktionen.
Beugung von bescheuert
Ein bescheuerter Vorschlag enthält eine umgangssprachliche, abwertende Beurteilung. Die Tabellen erläutern die Form, übernehmen aber keine Beschimpfung als sachliches Urteil.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | bescheuerter | bescheuerte | bescheuertes | bescheuerte |
| Genitiv | bescheuerten | bescheuerter | bescheuerten | bescheuerter |
| Dativ | bescheuertem | bescheuerter | bescheuertem | bescheuerten |
| Akkusativ | bescheuerten | bescheuerte | bescheuertes | bescheuerte |
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | bescheuerte | bescheuerte | bescheuerte | bescheuerten |
| Genitiv | bescheuerten | bescheuerten | bescheuerten | bescheuerten |
| Dativ | bescheuerten | bescheuerten | bescheuerten | bescheuerten |
| Akkusativ | bescheuerten | bescheuerte | bescheuerte | bescheuerten |
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | bescheuerter | bescheuerte | bescheuertes | bescheuerten |
| Genitiv | bescheuerten | bescheuerten | bescheuerten | bescheuerten |
| Dativ | bescheuerten | bescheuerten | bescheuerten | bescheuerten |
| Akkusativ | bescheuerten | bescheuerte | bescheuertes | bescheuerten |
Herkunft und Wortbildung
Bescheuert geht auf eine umgangssprachliche Bedeutung von scheuern zurück, nämlich prügeln. Die historische Vorstellung stellt einen Zusammenhang zwischen Schlägen und dem Verlust des Verstandes her. Sie erklärt die Entstehung des Ausdrucks, darf aber nicht als sachliche Beschreibung heutiger Personen oder als medizinische Erklärung übernommen werden.
Verwendung in einer Charakterisierung
In einer Charakterisierung ist das Wort besonders als Bestandteil der Figurenrede aufschlussreich. Eigene Musterformulierung: Der Bruder greift die Entscheidung mit der Frage ‚Bist du bescheuert?‘ an und macht seinen Ärger durch eine abwertende Anrede deutlich. Ordne die Wertung dem Sprecher zu, statt sie als eigene Diagnose der Figur zu verwenden. Je nach Szene kann der Ausruf Nähe, Streit oder Selbstironie zeigen; dafür müssen Wortwahl, Anlass und Reaktion des Gegenübers gemeinsam betrachtet werden.
Wie du Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbindest, zeigt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.
