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bewusst

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
bewusst
Worttrennung
be·wusst
Komparativ
bewusster
Superlativ
am bewusstesten

Wahrnehmung, Wissen und Absicht sind zu unterscheiden. In mir der Folgen bewusst steht mir im Dativ und der Folgen im Genitiv; bewusst wahrgenommen heißt nicht gewollt.

Formen und Verwendung im Detail

Bewusst kann klares Wahrnehmen, vorhandenes Wissen oder eine absichtliche Handlung beschreiben. Die Lesarten hängen zusammen, sind aber nicht austauschbar. Wer einen Vorgang bewusst wahrnimmt, muss ihn nicht selbst gewollt haben; wer bewusst schweigt, entscheidet sich für das Schweigen.

Was bedeutet bewusst?

In Verbindungen wie bewusst erleben oder bewusst zuhören steht die Aufmerksamkeit für einen Vorgang im Vordergrund. Die Person lässt etwas nicht nur nebenher geschehen, sondern nimmt es erkennbar wahr. Als allgemeine Charaktereigenschaft bleibt das Wort ohne eine solche Ergänzung oft wenig aussagekräftig.

Bei einer bewussten Entscheidung oder Täuschung ist dagegen die Absicht wichtig. Die Wendung sich einer Sache bewusst sein beschreibt wiederum Wissen oder Klarheit über einen Sachverhalt. Daraus folgt noch nicht, dass jemand verantwortungsvoll handelt. Eine Figur kann sich einer Gefahr bewusst sein und sie trotzdem absichtlich in Kauf nehmen.

Drei Beispiele mit Erklärung

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Sie hörte dem letzten Gespräch bewusst zu, weil sie die genaue Wortwahl für ihren Bericht behalten wollte.“

Das Adjektiv beschreibt aufmerksames Wahrnehmen. Der genannte Zweck macht die Bedeutung im Satz deutlich.

„Er ließ den entscheidenden Hinweis bewusst weg, damit die anderen den Plan nicht durchschauten.“

Hier ist das Weglassen beabsichtigt. Bewusst bewertet die Handlung nicht positiv, sondern kennzeichnet ihre willentliche Ausführung.

„Die Erzählerin ist sich ihrer Unsicherheit bewusst und kennzeichnet ihre Erinnerung als Vermutung.“

Sie erkennt eine Grenze ihres Wissens. Die ausdrückliche Kennzeichnung verhindert, dass eine unsichere Erinnerung als sichere Tatsache erscheint.

Synonyme für bewusst: passend zum Zusammenhang

Bewusst kann Aufmerksamkeit, Absicht oder Wissen bezeichnen. Aufmerksam passt zum Wahrnehmen, absichtlich zum gewollten Handeln. Die Wendung sich einer Sache bewusst sein verlangt oft eine ganze Umschreibung. Ein einzelnes Ersatzwort kann diese drei Satzfunktionen nicht gleichermaßen übernehmen.

Welches Wort passt zu welcher Aussage?
AlternativePassend beiUnterschied
aufmerksamGenauem Wahrnehmen oder ZuhörenBetont die Zuwendung zum Vorgang.
absichtlichGewolltem Handeln oder UnterlassenSagt nichts über die moralische Qualität.
wissentlichHandeln bei vorhandener KenntnisBetont das Wissen um einen Sachverhalt.
im Wissen umEiner erkannten VoraussetzungErfordert eine Umformulierung der ganzen Wortgruppe.

Eigene Sprachbeispiele: Die Erläuterungen zeigen, was sich beim Ersetzen verändert.

Erstes Satzpaar

Ausgangssatz: „Sie ließ den entscheidenden Hinweis bewusst weg.“

Alternative: „Sie ließ den entscheidenden Hinweis absichtlich weg.“

Die Alternative hält fest, dass das Weglassen gewollt war. Warum sie es tat und ob es gerechtfertigt war, bleibt zusätzlich zu erklären.

Zweites Satzpaar

Ausgangssatz: „Er hörte dem Gespräch bewusst zu.“

Alternative: „Er hörte dem Gespräch aufmerksam zu.“

Aufmerksam passt, wenn genaues Wahrnehmen gemeint ist. Bewusst kann zusätzlich hervorheben, dass er sich eigens zum Zuhören entschied; diese Nuance tritt zurück.

Hier passt der Austausch nicht: Sich einer Gefahr bewusst sein heißt nicht, die Gefahr absichtlich herbeizuführen. Wissen und Wollen sind verschieden. Selbstbewusst ist ebenfalls kein vollständiges Ersatzwort: Es betrifft unter anderem sicheres Auftreten.

„Sie ist sich der Folgen bewusst“ kann zu „Sie kennt die Folgen“ werden. Dabei entfallen sich und der Genitiv; die Folgen ist nun das Objekt von kennt. Die Umformulierung muss daher den Satzbau mitnehmen, damit aus einem Wissenssatz kein fehlerhafter Adjektivaustausch wird.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter und Unterschiede
aufmerksam
Betont das genaue Hinsehen oder Zuhören. Bewusst kann außerdem Absicht oder Wissen um einen Sachverhalt ausdrücken.
absichtlich
Passt zur willentlichen Lesart. Es ersetzt bewusst nicht in jeder Verbindung: Sich einer Schwierigkeit bewusst sein heißt zunächst, sie zu erkennen.
selbstbewusst
Bezeichnet unter anderem sicheres Auftreten. Das einfache bewusst ist kein gleichbedeutendes Kurzwort dafür.

Die Gegenformen unterscheiden sich ebenfalls: unbewusst kann fehlende Wahrnehmung oder fehlende Absicht meinen. Bewusstlos bezeichnet einen anderen Zustand und ist keine allgemeine Charaktereigenschaft. Aus bewusstem Handeln allein lässt sich weder Sorgfalt noch moralische Qualität ableiten.

Schreibung und Grammatik

Die heutige Schreibung lautet bewusst mit ss. Formen: ein bewusster Schritt, eine bewusste Entscheidung, ein bewusstes Schweigen. In ich bin mir der Folgen bewusst steht mir im Dativ, der Folgen im Genitiv. Möglich ist auch: Mir ist bewusst, dass das Folgen hat.

Die Beugung vor einem Nomen und den ungebeugten Gebrauch erläutert die Übersicht zu Adjektiven.

Beugung von bewusst

Eine bewusste Entscheidung ist absichtlich getroffen. In sich einer Folge bewusst sein steht dagegen das vorhandene Wissen im Vordergrund.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativbewussterbewusstebewusstesbewusste
Genitivbewusstenbewussterbewusstenbewusster
Dativbewusstembewussterbewusstembewussten
Akkusativbewusstenbewusstebewusstesbewusste
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativbewusstebewusstebewusstebewussten
Genitivbewusstenbewusstenbewusstenbewussten
Dativbewusstenbewusstenbewusstenbewussten
Akkusativbewusstenbewusstebewusstebewussten
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativbewussterbewusstebewusstesbewussten
Genitivbewusstenbewusstenbewusstenbewussten
Dativbewusstenbewusstenbewusstenbewussten
Akkusativbewusstenbewusstebewusstesbewussten

Herkunft und Wortbildung

Das Wahrig-Herkunftswörterbuch führt bewusst auf mittelhochdeutsch bewissen zurück, das Wissen oder Sich-Auskennen bezeichnete. Zur heutigen Wortfamilie gehören Bewusstsein, Bewusstheit und unbewusst.

Verwendung in einer Charakterisierung

Benenne genau, was die Figur weiß, wahrnimmt oder beabsichtigt. Ihre Gedanken und ausdrücklichen Erklärungen sind dafür oft hilfreicher als ein äußerer Eindruck. Die drei Fragen sollten nicht zu einem pauschalen Lob zusammengezogen werden.

Die Figur verschweigt den Hinweis bewusst: Ihr innerer Monolog zeigt, dass sie seine Bedeutung kennt und die übrigen Beteiligten absichtlich im Unklaren lassen will.

Eigene Musterformulierung für eine erfundene Szene. Bei einem literarischen Werk sind passende Textbelege nötig.

Wie du Beobachtungen und Deutung verbindest, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Bewusst in der Übersicht der Charaktereigenschaften