entscheidungsunfähig
Entscheidungsunfähig: Nicht imstande, eine Entscheidung zu treffen; im Alltag auch zugespitzt für jemanden, der sich trotz vorhandener Möglichkeiten nicht festlegen kann.
Was bedeutet entscheidungsunfähig?
Entscheidungsunfähig beschreibt eine fehlende Fähigkeit, zwischen Möglichkeiten zu wählen oder einen verbindlichen Entschluss zu fassen. Das Wort kann einen augenblicklichen Zustand bezeichnen: Nach einer überraschenden Nachricht gelingt es jemandem vorerst nicht, eine Wahl zu treffen. Als pauschale Personenbeschreibung fällt es wesentlich schärfer aus. Dann unterstellt es, dass die Schwierigkeit nicht nur bei einer einzelnen besonders schwierigen Frage besteht.
Im Alltag wird der Ausdruck außerdem übertreibend gebraucht, etwa wenn jemand bei jeder kleinen Auswahl Rat verlangt. Dieser Vorwurf belegt keine grundsätzliche Unfähigkeit. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Können, Wollen und Dürfen: Wer einen Beschluss bewusst vertagt, ist nicht zwangsläufig entscheidungsunfähig. Wem die Zuständigkeit fehlt, der ist nicht entscheidungsbefugt. Aus einer solchen Alltagsschilderung folgt auch keine rechtliche oder medizinische Feststellung.
Drei Beispiele für entscheidungsunfähig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Nach dem überraschenden Angebot fühlte sich Mara zunächst entscheidungsunfähig und bat um einen Tag Bedenkzeit.“
Die Zeitangabe zunächst begrenzt die Aussage. Es geht um eine vorübergehende Überforderung, nicht um Maras gesamten Charakter.
„Der Erzähler nennt Paul entscheidungsunfähig, weil er selbst die Wahl eines Treffpunkts stets anderen überlässt.“
Die wiederkehrende Abgabe kleiner Entscheidungen erklärt das Urteil; trotzdem bleibt entscheidungsunfähig eine zugespitzte Bewertung des Erzählers.
„Das Gremium war ohne die erforderlichen Unterlagen noch nicht zu einer Entscheidung in der Lage.“
Die präzisere Umschreibung benennt den sachlichen Hinderungsgrund. Entscheidungsunfähig könnte hier irreführend mangelnde persönliche Fähigkeiten nahelegen.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Entscheidungsschwach
- Bezeichnet Schwierigkeiten oder mangelnde Entschlusskraft. Entscheidungsunfähig formuliert die Grenze härter: Eine Entscheidung kommt gar nicht zustande.
- Unentschlossen
- Beschreibt das Schwanken zwischen Möglichkeiten. Das kann auch bei Menschen auftreten, die sonst zuverlässig entscheiden.
Schreibung und Grammatik
Das Adjektiv wird zusammengeschrieben: entscheidungsunfähig. Attributiv heißt es ein entscheidungsunfähiger Leiter oder eine entscheidungsunfähige Figur; prädikativ bleibt es unverändert: Sie ist momentan entscheidungsunfähig. Bei der wörtlichen Aussage über fehlendes Können ist eine Steigerung wenig hilfreich. Präziser sind zeitliche oder sachliche Eingrenzungen wie derzeit oder in dieser Frage.
Wie Adjektive gebeugt und im Satz verwendet werden, erklärt die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Das Wort verbindet Entscheidung und unfähig; dazwischen steht ein Fugen-s. Unfähig verneint die mit fähig bezeichnete Möglichkeit oder Befähigung. Die Zusammensetzung grenzt dieses Nichtkönnen auf das Treffen von Entscheidungen ein.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eine passende Formulierung lautet: „In den gemeinsamen Planungen erscheint Paul entscheidungsunfähig: Er lehnt jeden Vorschlag zunächst ab, entwickelt aber keine eigene Wahl und überlässt das Ergebnis schließlich seiner Schwester.“ Der Beleg zeigt den Ablauf statt nur ein Etikett zu vergeben. Anschließend sollte geprüft werden, ob Paul tatsächlich nicht wählen kann oder ob er Verantwortung gezielt abgibt. Diese Motive führen zu unterschiedlichen Deutungen.
Weitere Hinweise zu Beobachtung, Textbeleg und Deutung bietet die Anleitung zur Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Wortquellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
Entscheidungsunfähig in der Übersicht der Charaktereigenschaften
