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frigide

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
frigide
Worttrennung
fri·gi·de
Komparativ
frigider
Superlativ
am frigidesten

Auch frigid. Veraltende, häufig abwertende sexuelle Zuschreibung; Steigerung nicht als medizinischen Messwert verstehen. Selten auch allgemein kühl oder frostig.

Formen und Verwendung im Detail

Frigide ist ein veraltender, oft abwertender Ausdruck für fehlende sexuelle Erregbarkeit oder Orgasmusfähigkeit, der traditionell auf Frauen bezogen wurde.

Was bedeutet frigide?

Das Wort gehört zu einem älteren Sprachgebrauch über Sexualität. Im medizinischen Gebrauch ist es veraltend, im übrigen Gebrauch oft abwertend. In Alltagsurteilen wird es außerdem als Vorwurf verwendet: Einer Person wird sexuelle Kälte zugeschrieben. Eine solche Zuschreibung ist weder eine neutrale Charakterbeschreibung noch für sich genommen ein verlässlicher Befund.

Beim Lesen kommt es deshalb darauf an, wer das Wort benutzt und in welcher Situation. Nennt eine enttäuschte Romanfigur eine andere frigide, kann die Äußerung vor allem ihre Kränkung, ihre Erwartungen oder ihre Geringschätzung zeigen. Der Erzähler muss diese Sicht nicht teilen. Die Ablehnung einer bestimmten Annäherung belegt auch nicht die allgemein behauptete Unfähigkeit.

Für eine sachliche Wiedergabe sollte man die Behauptung zuordnen: Eine Figur bezeichnet ihre Partnerin als frigide. Das unterscheidet sich deutlich von der eigenen Feststellung, die Partnerin sei frigide. Wo lediglich ein distanzierter Umgang beschrieben werden soll, sind Wörter wie zurückhaltend oder abweisend genauer. Sie fügen dem beobachteten Verhalten keine unbelegte Aussage über Sexualität hinzu.

Drei Beispiele für frigide

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der Verfasser des alten Ratgebers nennt eine Frau ohne sexuelle Erregung frigide.“

Der Satz gibt einen historischen Begriffsgebrauch wieder. Er übernimmt dessen pauschale Einordnung nicht als heutige fachliche Beurteilung.

„Nachdem sie seine Annäherung zurückgewiesen hat, beschimpft der Romanheld sie als frigide.“

Das Verb beschimpfen macht die abwertende Absicht sichtbar. Die Zurückweisung erklärt den Konflikt, bestätigt aber nicht den Vorwurf.

„In ihrer Analyse erläutert die Schülerin, warum die Bezeichnung frigide mehr über den Sprecher als über die beschriebene Figur verrät.“

Das Wort wird zum Gegenstand der Textanalyse. Untersucht werden Perspektive und Wertung, statt die Zuschreibung ungeprüft zu wiederholen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

distanziert
Bezeichnet Abstand im Auftreten oder Umgang. Daraus folgt keine Aussage über sexuelles Erleben.
abweisend
Beschreibt, dass jemand Kontakt oder eine Annäherung zurückweist. Das kann sich auf eine bestimmte Person oder Situation beziehen.
kühl
Kann im übertragenen Sinn wenig Herzlichkeit ausdrücken. Eine kühle Antwort und der mit frigide verbundene sexuelle Vorwurf gehören unterschiedlichen Beschreibungsebenen an.

Schreibung und Grammatik

Neben frigide ist die Form frigid verzeichnet. Attributiv heißt es beispielsweise die als frigide bezeichnete Figur; bei direkter Beugung lautet die Form eine frigide Figur. Das End-e wird dabei nicht verdoppelt. Das zugehörige Substantiv ist Frigidität. In einer Analyse helfen Formulierungen wie als frigide bezeichnen, die sprachliche Zuschreibung erkennbar zu halten.

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von frigide

Die Tabellen erklären die Beugung eines veraltenden beziehungsweise oft abwertenden Ausdrucks, keine neutrale Charakterbeschreibung. Bei einer frigiden Figur ist das End-e bereits Teil der gebeugten Form; es wird nicht verdoppelt. Auch die Grundform frigid ist möglich.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativfrigiderfrigidefrigidesfrigide
Genitivfrigidenfrigiderfrigidenfrigider
Dativfrigidemfrigiderfrigidemfrigiden
Akkusativfrigidenfrigidefrigidesfrigide
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativfrigidefrigidefrigidefrigiden
Genitivfrigidenfrigidenfrigidenfrigiden
Dativfrigidenfrigidenfrigidenfrigiden
Akkusativfrigidenfrigidefrigidefrigiden
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativfrigiderfrigidefrigidesfrigiden
Genitivfrigidenfrigidenfrigidenfrigiden
Dativfrigidenfrigidenfrigidenfrigiden
Akkusativfrigidenfrigidefrigidesfrigiden

Herkunft und Wortbildung

Der sprachliche Ursprung liegt im lateinischen frigidus, kalt, zu frigus, Kälte. In der übertragenen Verwendung wird dieses Kältebild auf sexuelles Empfinden bezogen. Das Bild erklärt die Wortbildung; eine konkrete Aussage über eine Person wird dadurch nicht belegt.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Beleg: Er nennt sie nach ihrer Absage frigide und erzählt den anderen, sie habe ihn absichtlich gedemütigt. Für die Charakterisierung ist hier zunächst sein Umgang mit Zurückweisung aufschlussreich. Die Behauptung über die Frau bleibt eine Äußerung dieser Figur. Das Adjektiv sollte nicht unbemerkt von der Figurenrede in die Stimme der Analyse wechseln.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Frigide in der Übersicht der Charaktereigenschaften