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gefühlskarg

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
gefühlskarg
Worttrennung
ge·fühls·karg

Noch zurückhaltender im Gefühlsausdruck ist oft genauer als eine Verstärkung des Gesamturteils. Ein karger Ausdruck beweist nicht zwingend fehlendes inneres Gefühl.

Formen und Verwendung im Detail

Gefühlskarg bezeichnet eine Person, Äußerung oder Haltung, die wenig Gefühl, Herzlichkeit oder erkennbare Anteilnahme erkennen lässt.

Was bedeutet gefühlskarg?

Gefühlskarg überträgt die Vorstellung einer knappen, wenig reichhaltigen Ausstattung auf das Gefühlsleben oder den Umgang miteinander. Ein gefühlskarger Brief enthält zum Beispiel wenig persönlichen Zuspruch, obwohl der Anlass dazu einlädt. Bei einem Menschen kann das Wort einen zurückhaltenden Gefühlsausdruck oder einen als unzureichend empfundenen Anteil am Erleben anderer bezeichnen.

Welche dieser Lesarten gemeint ist, erschließt sich aus dem Zusammenhang. Ein sprachlich knapper Mensch muss innerlich nicht wenig empfinden. Werden dagegen wiederholt Zuwendung und Interesse vermisst, kann das Wort einen Vorwurf enthalten. Ein veröffentlichtes Interview mit Gabriele von Arnim belegt diesen Gebrauch bei einer als fehlend empfundenen Anteilnahme. Es liefert einen konkreten Sprachbeleg, keine psychologische Einteilung von Menschen.

Das Wort eignet sich besonders für Beschreibungen, in denen die geringe sichtbare Wärme zählt. Dabei sollten Ausdruck und Empfindung auseinandergehalten werden: Ein Erzähler kann den gefühlskargen Ton einer Figur schildern und zugleich ihre starken Gedanken und Sorgen zeigen. Dieser Gegensatz ist literarisch aussagekräftiger als die pauschale Behauptung, die Figur habe überhaupt keine Gefühle.

Drei Beispiele für gefühlskarg

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Ihr gefühlskarger Glückwunsch bestand aus einer formelhaften Zeile; auf die persönliche Bedeutung des Erfolgs ging sie nicht ein.“

Die Beschreibung gilt der Ausgestaltung des Glückwunsches. Dass die Absenderin innerlich nichts empfindet, lässt sich daraus nicht sicher ableiten.

„Die Tochter empfand den Vater als gefühlskarg, weil er selbst bei ihren Abschieden nie nachfragte und keinen persönlichen Wunsch äußerte.“

Die wiederkehrende Erfahrung begründet das Urteil aus der Perspektive der Tochter. Die Formulierung macht diese Perspektive ausdrücklich sichtbar.

„Der gefühlskarge Ton seines Berichts stand im Gegensatz zu den Tagebuchseiten, auf denen er seine Angst ausführlich beschrieb.“

Der Vergleich zweier Texte zeigt unterschiedliche Formen des Ausdrucks. Die knappe Darstellung verdeckt hier ein reiches inneres Erleben.

Ähnliche Wörter unterscheiden

gefühlsarm
Ist sehr ähnlich. Gefühlskarg lässt sich besonders gut auf sparsam erkennbare emotionale Zuwendung oder Gestaltung beziehen; die Wörter sind nicht scharf voneinander getrennt.
gefühlskalt
Kann deutlicher fehlende Zugänglichkeit für Gefühle anderer vorwerfen. Gefühlskarg muss keine vollständige emotionale Verschlossenheit behaupten.
wortkarg
Beschreibt vor allem, dass jemand wenig spricht. Wenige Worte können dennoch herzlich und voller Anteilnahme sein.

Schreibung und Grammatik

Gefühlskarg wird zusammengeschrieben. Attributiv heißt es ein gefühlskarger Ton oder eine gefühlskarge Antwort. Prädikativ bleibt die Form unverändert: Die Antwort wirkt gefühlskarg. Soll das Maß verglichen werden, ist die Umschreibung noch zurückhaltender im Gefühlsausdruck oft genauer als eine bloße Verstärkung des Gesamturteils.

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von gefühlskarg

Gefühlskarg kann einen knappen Gefühlsausdruck oder wenig gezeigte Anteilnahme beschreiben. Aus der sichtbaren Zurückhaltung folgt nicht, dass jemand innerlich nichts empfindet.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgefühlskargergefühlskargegefühlskargesgefühlskarge
Genitivgefühlskargengefühlskargergefühlskargengefühlskarger
Dativgefühlskargemgefühlskargergefühlskargemgefühlskargen
Akkusativgefühlskargengefühlskargegefühlskargesgefühlskarge
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgefühlskargegefühlskargegefühlskargegefühlskargen
Genitivgefühlskargengefühlskargengefühlskargengefühlskargen
Dativgefühlskargengefühlskargengefühlskargengefühlskargen
Akkusativgefühlskargengefühlskargegefühlskargegefühlskargen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgefühlskargergefühlskargegefühlskargesgefühlskargen
Genitivgefühlskargengefühlskargengefühlskargengefühlskargen
Dativgefühlskargengefühlskargengefühlskargengefühlskargen
Akkusativgefühlskargengefühlskargegefühlskargesgefühlskargen

Herkunft und Wortbildung

Die sprachliche Wortbildung verbindet Gefühl mit einem Fugen-s und karg. Karg bedeutet unter anderem knapp bemessen oder wenig reichhaltig. Auf das Gefühlsleben übertragen entsteht die Vorstellung von wenig vorhandener oder wenig gezeigter emotionaler Wärme. Eine bestimmte historische Entstehung des Gesamtworts ist damit nicht bezeichnet.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Beleg: Die Figur organisiert den Abschied sorgfältig, antwortet auf persönliche Erinnerungen aber stets mit einem sachlichen Themenwechsel und äußert kein Wort der Verbundenheit. Das kann einen gefühlskargen Umgang kennzeichnen. Die gleichzeitig gezeigte organisatorische Fürsorge sollte in der Deutung erhalten bleiben, statt sie zugunsten eines einseitigen Etiketts auszulassen.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Gefühlskarg in der Übersicht der Charaktereigenschaften