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glaubend

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
glaubend
Form
Partizip I
Worttrennung
glau·bend
Gebrauch
Partizip I von glauben. Vor einem Nomen gebeugt; als freie Partizipgruppe ohne Endung. Für einen Vergleich passt etwa fester glaubend.

Jemandem glauben hat Dativ; an jemanden oder etwas glauben hat Akkusativ. Das Partizip allein entscheidet nicht, ob eine Überzeugung wahr ist.

Formen und Verwendung im Detail

Glaubend ist das Partizip I von glauben und beschreibt jemanden, der etwas für wahr hält, auf jemanden oder etwas vertraut oder einen religiösen Glauben hat.

Was bedeutet glaubend?

Glaubend bezeichnet eine Haltung oder einen Vorgang des Glaubens. Welche Bedeutung gemeint ist, hängt besonders von der Ergänzung ab. Eine an ihre Freundin glaubende Person vertraut auf sie; jemand, der eine Erklärung für wahr hält, glaubt dieser Erklärung. Im religiösen Zusammenhang kann ein glaubender Mensch als ein Mensch beschrieben werden, dessen Leben vom Glauben geprägt ist.

Die Form ist als alleinstehendes Eigenschaftswort weniger geläufig als viele andere Adjektive. Häufig wird der Sinn erst durch eine Wortgruppe deutlich, etwa fest an eine Lösung glaubend. In einer Charakterisierung ist deshalb genauer anzugeben, worauf das Vertrauen oder die Überzeugung gerichtet ist. Die Form behauptet nicht automatisch Leichtgläubigkeit oder eine fehlende Bereitschaft zum Nachdenken.

Auch die Wahrheit des Geglaubten wird nicht durch das Wort entschieden. Eine Figur kann einer zutreffenden Mitteilung glauben, einer Täuschung erliegen oder auf einen unsicheren Ausgang vertrauen. Im religiösen Gebrauch beschreibt glaubend die Perspektive und Haltung der Person. Eine Analyse kann diese Haltung darstellen, ohne selbst über die Wahrheit der jeweiligen Glaubensüberzeugung zu urteilen.

Drei Beispiele für glaubend

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Fest an die Zusage ihrer Freundin glaubend, wartete sie noch eine weitere Stunde.“

Die Partizipgruppe nennt den Grund des Wartens: Vertrauen in eine konkrete Zusage. Ob dieses Vertrauen berechtigt ist, bleibt offen.

„Der an eine friedliche Lösung glaubende Vermittler nahm das Gespräch trotz der Rückschläge wieder auf.“

Die Ergänzung macht den Gegenstand der Überzeugung deutlich. Der Satz beschreibt keine religiöse Bindung.

„Der Roman zeigt sie als glaubenden Menschen, der seine Entscheidungen immer wieder im Gespräch über Gott prüft.“

Der religiöse Zusammenhang ist ausdrücklich erkennbar. Die Haltung wird mit einer im Text dargestellten Praxis verbunden.

Ähnliche Wörter unterscheiden

gläubig
Ist ein geläufiges Adjektiv für religiösen Glauben. Glaubend hält die Verbindung zum Vorgang glauben stärker sichtbar und kann mit Ergänzungen viele weitere Glaubensinhalte ausdrücken.
glaubensstark
Betont die Festigkeit des religiösen Glaubens. Glaubend allein legt dessen Stärke oder Unbeirrbarkeit nicht fest.
fromm
Kann eine religiöse Haltung und entsprechend ausgerichtete Lebensführung beschreiben. Eine einzelne glaubend-Formulierung muss keine umfassende Aussage über die Lebenspraxis enthalten.

Schreibung und Grammatik

Das Partizip I wird aus glauben mit angefügtem d gebildet: glaubend. Vor einem Substantiv wird es gebeugt, etwa ein glaubender Mensch oder die an ihren Erfolg glaubende Künstlerin. Das Verb kann einen Dativ haben, etwa jemandem glauben, oder an mit Akkusativ: an eine Möglichkeit glauben. Eine gewöhnliche Steigerung ist für die Partizipbedeutung nicht üblich; man sagt etwa fester glaubend.

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von glaubend

Glaubend wird vor einem Nomen gebeugt, etwa ein an seine Mannschaft glaubender Fan. Die Ergänzung nennt, worauf sich das Glauben richtet. Religiöser Glaube, eine Annahme und Vertrauen sind nach dem Zusammenhang zu unterscheiden; die Wortform beweist keine Leichtgläubigkeit.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativglaubenderglaubendeglaubendesglaubende
Genitivglaubendenglaubenderglaubendenglaubender
Dativglaubendemglaubenderglaubendemglaubenden
Akkusativglaubendenglaubendeglaubendesglaubende
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativglaubendeglaubendeglaubendeglaubenden
Genitivglaubendenglaubendenglaubendenglaubenden
Dativglaubendenglaubendenglaubendenglaubenden
Akkusativglaubendenglaubendeglaubendeglaubenden
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativglaubenderglaubendeglaubendesglaubenden
Genitivglaubendenglaubendenglaubendenglaubenden
Dativglaubendenglaubendenglaubendenglaubenden
Akkusativglaubendenglaubendeglaubendesglaubenden

Herkunft und Wortbildung

Die Form gehört unmittelbar zum Verb glauben. Ältere Formen sind mittelhochdeutsch gelouben und althochdeutsch gilouben; die Bedeutungsgeschichte umfasst auch das Gutheißen. Das heutige Partizip übernimmt die unterschiedlichen Bedeutungen des Verbs; die Endung selbst begrenzt es nicht auf Religion.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Beleg: Die Figur hält trotz mehrerer Enttäuschungen an ihrem Vertrauen in die Freundin fest und begründet, warum sie deren Zusage weiterhin ernst nimmt. Das zeigt eine bestimmte glaubende Haltung. Ob sie als treu, zuversichtlich oder leichtgläubig zu deuten ist, verlangt zusätzliche Hinweise auf die Begründung und die Informationen, die der Figur zugänglich sind.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Glaubend in der Übersicht der Charaktereigenschaften