gottlos
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- gottlos
- Worttrennung
- gott·los
- Komparativ
- gottloser
- Superlativ
- am gottlosesten
Nicht an Gott glaubend und moralisch verwerflich sind verschiedene Bedeutungen. Steigerung gehört vor allem zur bewertenden Verwendung; fehlender Glaube allein ist kein Unmoralbeleg.
Gottlos bedeutet ohne Glauben an Gott oder Gott ablehnend; daneben wird es wertend für als verwerflich empfundenes und umgangssprachlich auch für unverschämtes Verhalten gebraucht.
Was bedeutet gottlos?
Gottlos kann zunächst die religiöse Haltung einer Person beschreiben: Sie glaubt nicht an Gott oder weist den Gottesglauben zurück. Der Ausdruck ist allerdings häufig von der Perspektive religiöser Sprecher geprägt und kann einen Vorwurf enthalten. Für eine sachliche Beschreibung sind je nach genauer Überzeugung Formulierungen wie nicht religiös oder atheistisch eindeutiger.
Daneben besitzt gottlos eine moralisch verurteilende Bedeutung. Eine Tat wird dann als schwer verwerflich dargestellt. Beide Verwendungen sind sprachlich zu unterscheiden: Aus fehlendem Gottesglauben folgt keine moralische Verwerflichkeit. In einem literarischen Text kann gerade die Vermischung zeigen, mit welchen Vorurteilen oder religiösen Maßstäben eine Figur andere beurteilt.
Im umgangssprachlichen Gebrauch kann das Wort außerdem freches oder unverschämtes Reden zuspitzen. Dort steht oft keine ernsthafte Aussage über Religion im Vordergrund. Bei einer Personenbeschreibung sollte man deshalb zuerst prüfen, was genau als gottlos bezeichnet wird: ein Glaube, eine Tat oder eine spöttische Bemerkung. Die pauschale Zuschreibung allein ist noch keine genaue Charakterisierung.
Drei Beispiele für gottlos
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Der Erzähler nennt den Gelehrten gottlos, weil dieser die Existenz Gottes bestreitet.“
Die Begründung macht die religiöse Bedeutung erkennbar. Zugleich bleibt die Bezeichnung ausdrücklich der Erzählerperspektive zugeordnet.
„Die alte Frau verurteilt das absichtliche Quälen des Tieres als gottlose Tat.“
Hier dient das Wort einem moralischen Urteil über eine Handlung. Der tatsächliche Glaube des Handelnden ist für den Satz nicht angegeben.
„Nach seiner gottlosen Bemerkung über die Festrede musste selbst die Gastgeberin lachen.“
Der Zusammenhang legt eine scherzhaft zugespitzte Bedeutung im Sinn von frech oder unverschämt nahe. Eine religiöse Position lässt sich daraus nicht ablesen.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- atheistisch
- Bezieht sich auf eine Position zum Gottesglauben. Gottlos kann ähnlich gebraucht werden, trägt aber zusätzlich eine moralisch verurteilende Bedeutung.
- religionskritisch
- Beschreibt Kritik an Religion, ihren Vorstellungen oder Institutionen. Solche Kritik setzt nicht zwingend die Ablehnung jedes Gottesglaubens voraus.
- frech
- Trifft einen umgangssprachlichen Gebrauch von gottlos. Bei respektlosem Reden ist die religiöse Bedeutung häufig nicht gemeint.
Schreibung und Grammatik
Die Schreibung lautet gottlos, als Adjektiv klein und zusammengeschrieben. Formen sind ein gottloser Mensch, eine gottlose Tat und gottloses Gerede. Die Steigerung gottloser, am gottlosesten passt vor allem zur wertenden Zuspitzung. Substantivierungen werden großgeschrieben: ein Gottloser, die Gottlosen. Das Nomen zur Eigenschaft heißt Gottlosigkeit.
Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.
Beugung von gottlos
Eine gottlose Haltung kann fehlenden Gottesglauben bezeichnen oder einen religiös geprägten Vorwurf enthalten. Die Form entscheidet nicht, ob eine neutrale Überzeugungsbeschreibung oder eine Abwertung gemeint ist.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | gottloser | gottlose | gottloses | gottlose |
| Genitiv | gottlosen | gottloser | gottlosen | gottloser |
| Dativ | gottlosem | gottloser | gottlosem | gottlosen |
| Akkusativ | gottlosen | gottlose | gottloses | gottlose |
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | gottlose | gottlose | gottlose | gottlosen |
| Genitiv | gottlosen | gottlosen | gottlosen | gottlosen |
| Dativ | gottlosen | gottlosen | gottlosen | gottlosen |
| Akkusativ | gottlosen | gottlose | gottlose | gottlosen |
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | gottloser | gottlose | gottloses | gottlosen |
| Genitiv | gottlosen | gottlosen | gottlosen | gottlosen |
| Dativ | gottlosen | gottlosen | gottlosen | gottlosen |
| Akkusativ | gottlosen | gottlose | gottloses | gottlosen |
Herkunft und Wortbildung
Duden nennt die mittelhochdeutsche Form gotlōs. Die Bildung aus Gott und -los ist noch heute durchsichtig: Der zweite Bestandteil bezeichnet das Fehlen oder die Abwesenheit von etwas. Die zusätzliche moralische Wertung gehört zum Gebrauch des Gesamtworts und folgt nicht als logische Aussage aus dieser Wortbildung.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Beleg: Der Prediger nennt seinen hilfsbereiten Nachbarn gottlos, nachdem dieser ein Glaubensbekenntnis verweigert hat. Die Stelle zeigt zunächst die religiöse Abgrenzung des Predigers. Eine Analyse sollte die Hilfsbereitschaft des Nachbarn nicht durch das fremde Etikett ersetzen. Wer das Urteil fällt und welche Handlungen tatsächlich geschildert werden, ist hier entscheidend.
Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.
