Meine Wörter

kasuistisch

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
kasuistisch
Worttrennung
ka·su·is·tisch
Komparativ
kasuistischer
Superlativ
am kasuistischsten

Bei methodischer Zuordnung gewöhnlich Grundform. Steigerung besonders im abwertenden Sinn spitzfindig; genaue Einzelfallprüfung ist nicht automatisch Haarspalterei.

Formen und Verwendung im Detail

Einzelfälle anhand von Regeln genau unterscheidend; abwertend auch mit überfeinen Unterscheidungen oder Spitzfindigkeiten argumentierend.

Was bedeutet kasuistisch?

Kasuistisch kann eine Methode oder eine Art des Argumentierens bezeichnen. Im fachlichen Gebrauch geht es darum, konkrete Fälle anhand von Regeln zu untersuchen und voneinander zu unterscheiden. Der Ausdruck begegnet insbesondere im Zusammenhang mit Kasuistik in Recht und Ethik. Er bedeutet dort nicht schon, dass die Untersuchung unnötig kompliziert oder unehrlich wäre.

Daneben hat kasuistisch eine kritische, bildungssprachliche Bedeutung: Jemand argumentiert so spitzfindig, dass sachlich wenig hilfreiche Unterscheidungen in den Vordergrund treten. Eine Person kann beispielsweise den genauen Wortlaut einer Zusage zerlegen, um deren erkennbaren Sinn zu umgehen. Ob wirklich eine solche Ausweichbewegung vorliegt, muss die Argumentation zeigen.

Als Charaktereigenschaft ist das Wort daher erklärungsbedürftig. Es bezeichnet zunächst ein Denk- oder Sprechverhalten, keine vollständige Persönlichkeit. Eine sorgfältige Unterscheidung schwieriger Fälle ist etwas anderes als Haarspalterei. Die Grenze liegt nicht einfach in der Zahl der Einzelheiten, sondern darin, ob die Unterscheidungen für die Frage tatsächlich relevant sind.

Drei Beispiele für kasuistisch

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Das Seminar ging kasuistisch vor und prüfte an mehreren unterschiedlich gelagerten Fällen, wie die allgemeine Regel anzuwenden wäre.“

Hier ist die Methode gemeint. Die Fälle helfen dabei, eine Regel zu verstehen; eine negative Bewertung der Lehrenden ist damit nicht verbunden.

„Er verteidigte seinen Wortbruch kasuistisch: Zugesagt habe er nur Unterstützung, aber weder Zeit noch eine bestimmte Art von Hilfe.“

Der Einwand wird als Spitzfindigkeit bewertet, weil er die erkennbare Erwartung hinter der Zusage ausblendet. Ohne den ursprünglichen Gesprächszusammenhang wäre dieses Urteil weniger sicher.

„Sie hielt die Rückfrage zunächst für kasuistisch, erkannte dann aber, dass der kleine Unterschied für die Entscheidung ausschlaggebend war.“

Die spätere Erkenntnis korrigiert den Vorwurf. Eine zunächst kleinlich wirkende Unterscheidung kann sachlich notwendig sein.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Differenziert
Bezeichnet eine sorgfältige Unterscheidung verschiedener Gesichtspunkte und wird häufig positiv verwendet. Kasuistisch kann methodisch neutral sein, aber auch eine übertriebene Feinheit kritisieren.
Haarspalterisch
Ist deutlich abwertend und trifft vor allem die kritische Bedeutung von kasuistisch. Es eignet sich nicht als neutrale Ersatzbezeichnung für jede fallbezogene Fachmethode.

Schreibung und Grammatik

Kasuistisch wird mit k und der Buchstabenfolge ui geschrieben. Formen sind ein kasuistischer Einwand, eine kasuistische Argumentation und ein kasuistisches Vorgehen. In er argumentiert kasuistisch ist das Adjektiv adverbial verwendet. Kasuistischer und am kasuistischsten sind bei einer Abstufung der spitzfindigen Wirkung möglich; für die bloße Zuordnung zu einer Methode braucht man gewöhnlich keinen Vergleich.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von kasuistisch

Ein kasuistisches Vorgehen kann fachlich Einzelfälle nach Regeln prüfen. Eine kasuistische Ausrede kann dagegen abwertend als spitzfindig gemeint sein; die Beugung trennt diese Bewertungen nicht.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkasuistischerkasuistischekasuistischeskasuistische
Genitivkasuistischenkasuistischerkasuistischenkasuistischer
Dativkasuistischemkasuistischerkasuistischemkasuistischen
Akkusativkasuistischenkasuistischekasuistischeskasuistische
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkasuistischekasuistischekasuistischekasuistischen
Genitivkasuistischenkasuistischenkasuistischenkasuistischen
Dativkasuistischenkasuistischenkasuistischenkasuistischen
Akkusativkasuistischenkasuistischekasuistischekasuistischen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkasuistischerkasuistischekasuistischeskasuistischen
Genitivkasuistischenkasuistischenkasuistischenkasuistischen
Dativkasuistischenkasuistischenkasuistischenkasuistischen
Akkusativkasuistischenkasuistischekasuistischeskasuistischen

Herkunft und Wortbildung

Kasuistisch gehört zur Wortfamilie Kasuistik. Das Adjektiv auf -istisch bezeichnet den Bezug auf diese Methode beziehungsweise die davon abgeleitete Art des Argumentierens. Duden unterscheidet beim Grundwort fachliche Fallbetrachtungen und die übertragene Bedeutung einer spitzfindigen Argumentation. Diese Mehrdeutigkeit erklärt den Wechsel zwischen neutralem Fachwort und Vorwurf.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur argumentiert kasuistisch, indem sie ihre Zusage nachträglich auf einen möglichst engen Wortlaut beschränkt und die erkennbare Erwartung des Gegenübers übergeht. Die genaue Äußerung sollte zitiert oder beschrieben werden. Ein bloßer Hinweis, sie rede kompliziert, würde den Vorwurf noch nicht tragen.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Kasuistisch in der Übersicht der Charaktereigenschaften