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keusch

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
keusch
Worttrennung
keusch
Komparativ
keuscher
Superlativ
am keuschesten; auch am keuschsten

Bei fester Enthaltsamkeitsregel gewöhnlich Grundform. Beide Superlative sind belegt; Verhalten, Bedürfnisse und moralisches Urteil bleiben verschiedene Aussagen.

Formen und Verwendung im Detail

Sexuell enthaltsam oder von sexuellen Bedürfnissen frei; in älterem, gehobenem Gebrauch auch sittsam und bestimmten Moralvorstellungen entsprechend.

Was bedeutet keusch?

Keusch kann sexuelle Enthaltsamkeit bezeichnen. Das Wort begegnet etwa in der Beschreibung religiöser Lebensregeln oder einer persönlich gewählten Lebensweise. Daneben kann es das Fehlen sexueller Bedürfnisse meinen. Welche Bedeutung vorliegt, muss der Zusammenhang zeigen: Eine gewählte Verhaltensregel und das tatsächliche Empfinden einer Person sind nicht dasselbe.

In älteren oder gehobenen Texten beschreibt keusch außerdem eine als sittsam, zurückhaltend oder moralisch rein bewertete Person. Hier trägt das Wort die Wertmaßstäbe einer bestimmten Zeit oder Gemeinschaft. Eine heutige Erklärung sollte diese Vorstellungen benennen, ohne Menschen mit anderen Lebensweisen als minderwertig darzustellen.

Aus Kleidung, Schüchternheit oder einem gesenkten Blick lässt sich eine sexuelle Lebensweise nicht sicher erschließen. Ein Erzähler kann solche Merkmale mit Keuschheit verbinden; eine Analyse muss dann zwischen seinem Deutungsmuster und den tatsächlich bekannten Handlungen unterscheiden. Ebenso sollte keusch nicht ohne Erklärung als Bezeichnung einer sexuellen Orientierung verwendet werden.

Drei Beispiele für keusch

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Die Ordensfigur verpflichtet sich zu einem keuschen Leben und erläutert, welche Bedeutung diese Regel für ihre religiöse Lebensführung hat.“

Gemeint ist eine verbindliche Form sexueller Enthaltsamkeit. Der Satz beschreibt die Selbstverpflichtung und nicht automatisch das Fehlen aller Wünsche oder Gefühle.

„Der Erzähler nennt die junge Frau keusch, weil sie in der Gesellschaft zurückhaltend auftritt.“

Das Beispiel zeigt ein älteres moralisches Deutungsmuster. Ihre Zurückhaltung belegt für sich genommen noch nicht, wie sie ihre Sexualität lebt.

„Sie lebte in dieser Zeit keusch, obwohl sie sich verliebt hatte und ihre Entscheidung als schwierig empfand.“

Empfinden und Verhalten werden ausdrücklich getrennt. Die gewählte Enthaltsamkeit besteht hier gerade neben vorhandenen Gefühlen und Bedürfnissen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Enthaltsam
Kann den Verzicht auf unterschiedliche Genüsse betreffen, beispielsweise Alkohol oder Sexualität. Keusch ist im heutigen Kerngebrauch stärker auf den sexuellen Bereich bezogen.
Schamhaft
Beschreibt Zurückhaltung aus Scham oder Scheu. Sie lässt keine sichere Aussage über sexuelle Erfahrung oder Enthaltsamkeit zu; die Wörter sollten deshalb nicht gleichgesetzt werden.

Schreibung und Grammatik

Keusch wird mit eu und sch geschrieben. Formen sind ein keuscher Lebenswandel, eine keusche Lebensweise und ein keusches Ideal. Das Substantiv lautet Keuschheit. Keuscher und am keuschesten sind grammatisch mögliche Vergleichsformen; bei einer festen Lebensregel ist eine solche Abstufung jedoch oft wenig hilfreich. In sie lebt keusch steht das Adjektiv unverändert beim Verb.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von keusch

Eine keusche Lebensweise kann eine Regel sexueller Enthaltsamkeit bezeichnen. Verhalten, Bedürfnisse und moralische Bewertung sind dabei unterschiedliche Aussagen, die der Text auseinanderhalten sollte.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkeuscherkeuschekeuscheskeusche
Genitivkeuschenkeuscherkeuschenkeuscher
Dativkeuschemkeuscherkeuschemkeuschen
Akkusativkeuschenkeuschekeuscheskeusche
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkeuschekeuschekeuschekeuschen
Genitivkeuschenkeuschenkeuschenkeuschen
Dativkeuschenkeuschenkeuschenkeuschen
Akkusativkeuschenkeuschekeuschekeuschen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkeuscherkeuschekeuscheskeuschen
Genitivkeuschenkeuschenkeuschenkeuschen
Dativkeuschenkeuschenkeuschenkeuschen
Akkusativkeuschenkeuschekeuscheskeuschen

Herkunft und Wortbildung

Duden führt keusch über mittelhochdeutsch kiusch(e) und althochdeutsch kūski auf ein gotisches Adjektiv zurück, das ein Bewusstsein der christlichen Lehre bezeichnete. Als weitere Grundlage wird lateinisch conscius genannt. Die Wortgeschichte macht den religiös-moralischen Hintergrund verständlich, legt aber nicht fest, wie heutige Personen ihre Lebensweise bewerten müssen.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur hält an ihrer keuschen Lebensweise fest, obwohl sie ihre Verliebtheit offen eingesteht. Diese Beschreibung stützt sich auf ihre Entscheidung und ihr Verhalten. Wird Keuschheit nur von einem Erzähler behauptet, sollte zusätzlich geprüft werden, welche moralischen Erwartungen seine Sicht prägen und ob der Text ihnen widerspricht.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Keusch in der Übersicht der Charaktereigenschaften