Meine Wörter

kleingeistig

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
kleingeistig
Worttrennung
klein·geis·tig

Abwertendes Urteil über enges Denken. Noch engstirniger ist oft der klarere Vergleich; konkrete verweigerte Perspektiven nennen, statt eine gesamte Denkfähigkeit pauschal abzuurteilen.

Formen und Verwendung im Detail

Abwertend für eine enge, beschränkte Denkweise, die andere Perspektiven oder größere Zusammenhänge kaum gelten lässt.

Was bedeutet kleingeistig?

Kleingeistig ist ein deutlich abwertendes Urteil über die geistige Haltung eines Menschen. Gemeint ist, dass jemand in einem engen Vorstellungsrahmen bleibt, andere Möglichkeiten vorschnell abwertet oder größere Zusammenhänge ausblendet. Der Ausdruck kann eine einzelne Reaktion betreffen, etwa einen kleingeistigen Einwand, oder eine wiederkehrende Denkweise. Er sollte deshalb nicht ohne Erklärung als feste Eigenschaft vergeben werden.

Das Wort ist keine sachliche Messung der Intelligenz und sagt wenig über Schulabschlüsse aus. Eine gebildete Figur kann kleingeistig urteilen, wenn sie Ungewohntes allein wegen seiner Abweichung verachtet. Umgekehrt beweist fehlendes Fachwissen noch keine geistige Enge. Auch praktische Grenzen sind zu berücksichtigen: Wer einen Vorschlag wegen tatsächlich fehlender Mittel ablehnt, handelt damit nicht notwendig kleingeistig. Entscheidend ist die Art, wie Möglichkeiten geprüft oder zurückgewiesen werden.

Der Vorwurf kann außerdem selbst unfair sein. In einem Streit ersetzt die Bezeichnung kleingeistig keine Antwort auf einen begründeten Einwand. Für eine genaue Verwendung muss erkennbar werden, welche Perspektive ausgeblendet wird und weshalb diese für die betreffende Frage wichtig wäre.

Drei Beispiele für kleingeistig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Er nannte jede Musik außerhalb seines vertrauten Repertoires wertlos, ohne sie anzuhören; diese kleingeistige Haltung enttäuschte das Ensemble.“

Die pauschale Abwertung ohne Prüfung trägt den Vorwurf. Dass jemand einen bestimmten Musikstil bevorzugt, würde dafür nicht genügen.

„Die Erzählerin verspottet den kleingeistigen Wettbewerb der Nachbarn um die vornehmste Einladung.“

Hier richtet sich die Kritik gegen einen engen gesellschaftlichen Maßstab. Zugleich bleibt sichtbar, aus wessen Perspektive die Bewertung stammt.

„Ihr Einwand gegen die teure Reise war nicht kleingeistig: Sie hatte berechnet, dass mehreren Teilnehmenden das Geld fehlte.“

Das Gegenbeispiel zeigt eine sachliche Grenze. Der Blick auf die Betroffenen erweitert hier sogar die Perspektive.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Engstirnig
Ist ein nahes Bedeutungswort für geistige Verschlossenheit. Beide lassen sich oft austauschen; kleingeistig kann besonders die geringe Weite des Denkens abwerten.
Kleinlich
Betont die übertriebene Bedeutung kleiner Einzelheiten. Kleingeistigkeit kann sich darin zeigen, umfasst aber auch enge Wertmaßstäbe oder Vorurteile.
Unwissend
Bezeichnet fehlendes Wissen. Wer offen nachfragt und neue Informationen aufnimmt, kann unwissend sein, ohne kleingeistig zu handeln.

Schreibung und Grammatik

Kleingeistig wird zusammengeschrieben. Es heißt ein kleingeistiger Kommentar, eine kleingeistige Haltung und kleingeistiges Denken. Ein Vergleich kann benennen, wer eine Perspektive noch enger begrenzt oder ungewohnte Möglichkeiten noch vorschneller abwertet. Kleingeistigkeit bezeichnet die Eigenschaft, Kleingeist eine entsprechend abgewertete Person. In er argumentiert kleingeistig bleibt das adverbial verwendete Adjektiv ungebeugt.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von kleingeistig

Die Tabellen zeigen die Grundstufe: ein kleingeistiger Einwand, mit kleingeistigen Urteilen. Das Wort ist abwertend. Eine gebeugte Personenbeschreibung misst weder Intelligenz noch Bildungsstand; für den Vorwurf sollten konkrete ausgeblendete Perspektiven oder vorschnelle Wertungen erklärt werden.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkleingeistigerkleingeistigekleingeistigeskleingeistige
Genitivkleingeistigenkleingeistigerkleingeistigenkleingeistiger
Dativkleingeistigemkleingeistigerkleingeistigemkleingeistigen
Akkusativkleingeistigenkleingeistigekleingeistigeskleingeistige
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkleingeistigekleingeistigekleingeistigekleingeistigen
Genitivkleingeistigenkleingeistigenkleingeistigenkleingeistigen
Dativkleingeistigenkleingeistigenkleingeistigenkleingeistigen
Akkusativkleingeistigenkleingeistigekleingeistigekleingeistigen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativkleingeistigerkleingeistigekleingeistigeskleingeistigen
Genitivkleingeistigenkleingeistigenkleingeistigenkleingeistigen
Dativkleingeistigenkleingeistigenkleingeistigenkleingeistigen
Akkusativkleingeistigenkleingeistigekleingeistigeskleingeistigen

Herkunft und Wortbildung

Im Wortbau sind klein, Geist und die Endung -ig erkennbar; daneben steht das Substantiv Kleingeist. Klein bezieht sich in diesem Bild auf die begrenzte Weite des Denkens, nicht auf eine körperliche Größe. Dadurch wird der abwertende Charakter der heutigen Bildung verständlich.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Der Musiker verwirft ihm unbekannte Werke bereits aufgrund ihrer Herkunft und verweigert jedes Anhören. Seine kleingeistige Haltung zeigt sich an dieser vorschnellen Begrenzung. Eine Interpretation kann daneben untersuchen, ob die Erzählung ihn später zum Umdenken bringt. So bleibt die Beschreibung an sein Verhalten gebunden und berücksichtigt mögliche Veränderungen.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Kleingeistig in der Übersicht der Charaktereigenschaften